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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-05 · 26 (5.7.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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W. 26 $(r. Blvch's Wochenschrift Sette-417 häuslichen' Glück' seine größte Glückseligkeit suchte und fand. Still Md' bescheiden - hat et gelebt und so ist er auch) eines sanften und ruhigen Todes gestorben. Möge der schwer gebeugten'und hart getroffenen Familie, der sich allgemeine innige Teilnahme zuwendet, himmlischer Trost zuteil werden. Biachs Name und Andenken werden u n ve rge sfe n sein, mir wird er unVergeßlich bleiben. ' Juni 1918. "Dr. H. Pollak. TKgmrg Wr BuLüwilE Judonschuft. Sonntag den 23. v. M. fand im! großen Sitzungssaals der Bukowinaer Handels- und Eewerbekammer eine von der Buko- . winaer jüdischen Landespärtei einberufene Versammlung aller ehemaligen Mandatare' der Juden in der Bukowina-statt. Bei derselben waren sämtliche in Czernowitz weilende jüdische Abgeordnete, Gemeinde-, Kultus- und Kammerräte, sowie Delegierte jüdischer Körperschaften anwesend. Aus der Provinz waren Abordnungen der Kultusoorftände aus Suczawa, Sereth, Radautz, Storozynetz, Waszkoutz, Wiznitz, Stanestie, Gurahumora, Dorna-Watra und-Sadägora erschienen. Der iKorsitzende, Reichsratsübgeordneter Dr. Strauber, er- , stattete als Präsident der Landespartei einen umfassenden Rechenschaftsbericht. Er skizzierte die aufreibende Tätigkeit im Dienste . der Flüchtlingsfürsorge, erwähnte die politischen Aktionen für die Judenschaft Oesterreichs, die im Vereine mit dem Wiener „Jüdischen Nationalverein" unddem zionistischen Exekutivkomitee bei der Re- . gierung durchgeführt worden find, und die für die Bukowinaer Juden getroffenen Maßnahmen. Redner erwähnte hervorhebend die bedeutsame. Mion für die Erhaltung der staatsrechtlichen Stellung der Bukowina /und würdigte die hervorragende Mitarbeit des Verfassers der diesbezüglichen Staatsschrift, des Mitgliedes der Parteileitung, Dr. Katzn er, sowie dessen und des Vorsitzenden initiative Mitwirkung für die Einberufung eines österreichisch-jüdischen Kongresses und. die richtunggebenden Memoranden an die Regierung, betreffend die .Frage der -Anerkennung der jüdischen Nationalität in Oesterreich. Mit einem Appell, die hergestellte Einigkeit der Bukowinaer Judenschaft auszubauen und die ^Organisation zu stärken, schloß-der Vorsitzende unter starkem Beifall seine wirkungsvolle Ansprache. Der nächste Redner Stadtrat Dr. Lupul (Suczawa) rügte es in scharfen Worten,, daß seitens der Partei für die Judenschaft der Provinz noch wenig getan werde, das unter den Gerenten der .JAadtgemeinden .sich leiste, Juden befinden, daß ehemalige Regierungsbeäinte, die für diese Stellen in Betracht kommen, mit den Bedürfnissen der Bevölkerung nicht inrmer vertraut sind, und daß ein Einvernehmen niiit der Landesregierung zur Abstellung dieser Beschwerden gesucht werde. Redner verwies daraus, daß eine .Wiedererlangung der Autonomie auch seitens der jüdischen Bürgerschaft angestrebt werden möge, und er. hege die Ueberzeugung. daß die Regierung, die die. Beamten-dringend benötige, damit einverstanden sein werde. Gemeinderat Dr. H u l l e s (Wiznitz) entwarf ein düsteres Bild von dem Elend der heimkehrenden jüdischen Flüchtlinge und forderte eine großzügige rasche Hilfsaktion. Hierauf nahm Kultusrat Dr. K^aßner das Wort und rügte in scharfen Worten die Indolenz desjenigen Teiles der jüdischen Bevölkerung, der -nur' für den Erwerb zu haben ist, jedoch für allgemeine Fragen keinerlei Interesse bekunde. Wenn dies auch nur wenige sind und diese nicht zur bodenständigen jüdischen Bevölkerung gehören, die Verantwortung für sie müssen alle tragen, was jene wenige. beachten sollten. Die Organisation sei mangelhaft; den geänderten Verhältnissen entsprechend, müsse von neuem begonnen und ein sicheres Fundament für die Stellung der Juden im Lande geschaffen werden. Das traditionelle Einvernehmen, der Judenschaft mit den anderen Nationen'und der Regierung werde dann nicht getrübt, sondern gefestigt werden. Eine festgefügte kraftvolle politische Organisation sei-die Voraussetzung für wirtschast- liche Aktionen. Redner sei überzeugt, daß die vorbildliche Eintracht aller Völker in der Bukowina erhalten bleiben und daß die Judenschaft nach! ihrer wirtschaftlichen Retablierung auch.weiterhin zur kulturellen und wirtschaftlichen Hebung des Landes beb tragen werde. -Abgeordneter Landesausschuß Dr. Wender pflichtete den Ausführungen des Vorredners bei, führte aber sodann än längerer Rede aus, daß die rauhe Kriegszeit. den Menschen das Interesse für allgemeine Fragen benommen und bewirke, daß sie ' für allgemeine Fragen keinen Sinn haben. Deshalb werden bloß wirtschaftliche Aktionen für den nächsten Augenblick Verständnis wecken. Kultusvorsteher Schlauer (Waszkoutz) besprach Approvisionierungsfragen und fördert Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Landjuden und diesbezügliche Intervention bei den Behörden. Gemeinderat Dr. Billig sprach sich gleichfalls für den Ausbau der politischen Organisation als Voraussetzung für einen gedeihlichen Wiederaufbau aus. Oberrabbiner Dr. R o se nf e l d unterstützte in warmen Worten die Ausführungen des Dr:' Kctßner. Redner appelliert an die Versammlung, - für die jüdischen Seelsorger der Bukowina, die im Kriege sehr gelitten, bei der Regierung vorstellig zu werden. Kaiser!. Rat Picker berichtete über die FlüchtliMsfjürsorge und rügte es. daß die Bukowinaer Zentralstelle ohne Hinzuziehung der gewählten Delegierten arbeite. Redner, der die Flüchtlingslager des Westens bereist hat, erzählte, daß die Bukowinaer jüdischem Flüchtlinge auf Gutswirtschaften als Feldarbeiter gearbeitet und in jedem Beschäftigungszweige sich hervorgetan haben. Dr. Krämer pflichtete den Ausführungen des Dr. Kaßner bei, verweist 'in längerer trefflicher Ausführung auf die Verwahrlosung der jüdischen Jugend und regt die Schaffung eines Jugendamtes an. Redner erörtert auch die Notwendigkeit, bei der berufnchen Umschichtung, die Juden der Bukowina für die Landwirtschaft zu interessieren, bespricht Organisationsftagen und den österreichischjüdischen Kongreß. . Direktor Flemingerpolemisierte gegen die Ausführungen der Vorredner. . Kultusvorsteher Häuslich (Dorna-Wätra) regte an, daß die Kultusgemeinden nicht bloß als religiöse Körperschaften für die Organisation der Juden herangezogen und daß diesbezügliche Vorschläge an die Regierung erstattet werden. Rach einer umfassenden Replik des Vorsitzenden wurde beschlossen, die bisherigen Mandatare der Bukowinaer jüdischen Landespartei als Parteileitung anzuerkennen, ihre bisherige Tätigkeit mit Dank zur Kenntnis zu nehmen und den Ausbau der Organisation tatkräftigst zu fördern. Es wurde ferner eine Reihe auf die Flüchtlingsfürsorge. Rechtsschutz und wirtschaftliche Retablierung der Bükowinaer Juden bezughabende Beschlüsse gefaßt und die Herausgabe einer Tageszeitung angeregt. Rach fünfstündiger Beratung wurde die imposante Versammlung geschlossen. _ r 1 Dr. P. C'. Levy — MfreiwMgm Apvstsei der Deutsch,- völkischen Religion. Die Alldeurschon haben eine schwere Sorge. Es-fehlt iMen nämlich nichts zu ihrem vollkommenen Glück als eine Kleinigkeit, nämlich die Religion, und so gehien sie denn hin und suchen eine neue Religion, und die teutonischen Religionsstistee find auch bereits dabei, für die neue Religion, die vom Beten nichts wissen will, eine Art Geberersatz, zu schassen. Einer dieser Religionsstister, ein gewisser Ludwig Nenner, bietet in seinem „Deutscher Naturdienst" (Leitfaden für eine deutsche Religion auf wissenschaftlicher Grundlage), -2. Auflage, den folgenden Gebetersatz an: ..Insoweit als es sich um unseren eigenen Geist und das eigene Gemüt handelt, lassen sich gebetsähnliche Wicklungen rechtwohl erzielen durch gewisse körperliche und geistige Betätigungen mannigfachster Art. so beispielsweise: morgendliche planmäßige Körperübungen (nach Müller. Schieber und vielen anderen). Waschungen und Bäder, Tiefatmen und Atemhaltung (siehe Dr. P. Niemayer,. Die Lunge), Gesang und Tanz. Lesen wertvoller Dichtungen. Betrachten gediegener Kunstwerke, Selbstlenkung des Willens Autosuggestion int Zustande der Sammlung (am besten erläutert von Dr. P. E. Levy, Die natürliche Willensbildung), u. a. m." Also der Levy (?) als unfreiwilliger Apostel der deutschvölkischen Religion! Es ist wahrhaftig nicht mehr zum Aushalten, daß man vei jeder Religionsgr ündüng einen Kvhn oder Levy haben muß. Wie lautet doch der. liebliche Glaubenssatz der Alldeutschen: „Religion ist einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei." Der Levy und die teutonische Neunerrasse. Berlin. Es ist eine besondere Anerkennung für eine jüdische Schrift, wenn sie in kurzer Zeit mehrere Auflajgen erlebt. Dieses wohlverdiente Glück ist mehreren Arbeiten gus dem Gebiete der jüdischen Apologetik zuteil geworden, die das' Ehrenm itgli ed des Verbundes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland Albert Katz verfaßt hat. Der seit 25 Jahren als' 'Sekretär des Verbandes wirkende Autor ist gm 17. Juli 1858 in Lodz geboren, vollendet also jetzt sein 60. Lebensjahr und führt seinen Stammbaum aus den Rabbiner Mordechai Katz zurück, der im 14. Jahrhundert ans Nürnberg nach Kiew gekommen und als vorzüglicher $ e $ i a i ft zugleich auch der deutschen, polnischen und russischen Sprache mächitig war. Letzteres, die hervorragende Sprachbegabung, eignet auch seinem Nachfahren, unserem Albert Katz, der seit seinem 17. Lebensjahre Hunderte tum Ans- 66

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