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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-07-05 · 26 (5.7.1918) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
26 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seit» 416 Dr. DLM'S Molhenschrist Ur. 26 nr heimcr, gleicher und proPorLümelter Wahlen einüerufen ^werden. In ihr werden dann alle Völker, auch die ff Minderheiten, vertreten sein. Namens der orthodoxen Juden in Polen gibt der Deputierte Moses' Pfeffer die folgende Erklärung ab: „Wir' orthodoxen polnischen Juden geben hiemit unserer Treue und Hingebung für den wiederaufgebauten polnischen Staat Ausdruck. Wir drücken unseren innigsten und heißen Wunsch aus, daß, die große historisch Ledeutungspolle Arbeit, welche durch den höhen Staatsrat durchgeführt wurde, die schönsten segensreichen Früchte für die- Zukunft des! polnischen Staates tragen und Zum Wohlstand alLr Bürger des Landes ohne Unterschied des Glaubens führen möge. Unser Grundsatz! wird sein, Hand in Hand mit der ganzen polnischen Geseltschaft zu gehen und würdige, nützliche Bürger des Landls zu werden. Wir haben den festen Glauben, daß der neuerbaute polnische Staat ingleicher Weise alle Gruppen der Gesellschaft, demnach auch! die jüdische Bevölkerung, beschützen werde. Diesem Glauben huldigen wir im Ädamen der besten Traditionen des alten - Polen,, welches den Juden die Gleichberechtigung und die religiöse Toleranz zugesichert hat." M 3 m Professor Tr. Wolf BlaH, REiner ln Brüx. 'Im 2. Mar brachte mir ein Telegramm die tiefbetrübende Nachricht, daß Prof. Dr. B i a ch nach kurze# Krankenlager verschieden. Leider Mar es mir nicht gegönnt — weil unter den derzeitigen schwierigen Derkehrsvertzältnissen nicht möglich — dem biederen und trefflichen Manne, meinem aufrichtig guten und treuen Freunde die letzte Ehre-zu geben und Knige Äbschiedsworte zu sprechen. Darum! jftes mir ein aufrichtiges .Herzensbedürfnis, obwohl im Drange der Amtsgeschäfte'vor Schluß des Schuljahres, ihm in den folgenden Zeilen ein Blättchen der Erinnerung zu ewigem Gedächtnis zu -widmen und damit ein bescheidenes Blümchen auf sem l frisches Grab zu legen. Geboren am 29, August,1866 zu Naschetjtz hei ZnaiM..als einziger Sohn, wahrhaft frommer. Wern, besuchte er das GymnasiuMzu Nikolsbürg, roo #1885 die Matura mit Auszeichnung ablegte. Dann widmete er sich philoso- . phischen ünd theologischen Studien an der Universität und am jüdischtheologischen Seminar zu Breslau (Oktober 1885 bis April 1891). wurde an der Universität zu Tübingen zum Dr. phil. promoviert und «rhielt an dem genannten Seminar das Räbbinats-Diplom. Die jNostrifrkation seines Doktorates erfolgte an der Prager deutschen Universität am 27. Dezember 1893 nach Ablegung eines Rigorosums aus klassischer Philologie. Wenige Monate war B i ach substituierender Rabbiner und Religionslehrer in St. Pölten und - nur Einige Wochen vertretender Rabbiner in Pilsen. Vom 2. November 1891 bis zu seinem leider allzufrüh erfolgten Tode, wirkte er segensreich und sehr ersprießlich in B r ü r. Im November 1916 feierte er das 25jährige Amtsjubiläum und die erhebende, schöne Feier, die damals stattfand, sollte sich sehr bald in eine große ' Trauerfeier verwandeln, an der die Spitzen der politischen und Gerichtsbehörden, sowie der Stadtvertretung, die Seelsorger sämtlicher -Konfessionen, die Brürer Lehranstalten, sowie eine unabsehbare Menge von auswärtigen und heimischen Trauergästen aus allen Kreisen der Bevölkerung teilnahmen. Trauerreden und Nachrufe hielten: Prof. Dr. Kurrein aus Teplitz und Dr. Krakauer, Rabbiner in Komotau. In Bi ach hat die Gemeinde ihren langjährigen, von der vornehmsten Auffassung «seines Berufes erfüllten Seelsorger, die Schüler ihren altbewährten Lehrer und -überaustüchtigen Fachmann, sowie ihren gütigen, um ihr Wohl und Wehe stets fürsorglich bedachten väterlichen Berater, seine .Freunde einen aufopfernden Freund und alle, die ihn gekannt und gewiß geehrt - und geschätzt haben, den selbstlosen, herzensguten Menschen verloren. Bi ach hat auf den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten ehrlich und fleißig gearbeitet, in einer Reihe von Werken zy .wichtigen, Einzelfragen -seines . engeren, Fachgebietes in einer rühmlichst bekannten Weise Stellung genommen, und seine Schriften haben ihm weit über die Grenzen des Vaterlandes einen geachteten Namen und Ruf geschaffen. Von seiner reichen literarischen Tätigkeit seien hervorgehoben: 1. Aristoteles' Lehre von der sinnlichen Erkenntnis in ihrer ‘ Abhängigkeit von Plato. (Natorps Philosophische Monatshefte, 1890/Band 26. Mt 5 und 6).- Ueber diese Arbeit schreibt der in philosophischen Kreisen bekannte Plätoforscher, llnioersitätsprofeffor Dr. Sufemihl: „Wie sehr .Aristoteles auch in seiner Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung und Vorstellung von Platon abhängt/ was bisher noch nicht genauer entwickelt. Dies ist nun durch Biach in durchaus' löblicher Weise geschehen." (In Bursians Jahresbericht über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft. ^Berlin 1892. - 67. Band^ Seite 104.) ' - \ Wie soll der israelitische Religionsunterricht an . Gymnasien erteilt werden? (Separatabdruck aus dem „Jahresbericht des k. k. Obergymnasiums in Brür". 1894.) Wie soll' der israelitische Religionsunterricht an Gymnasien erteilt werden? (Separatabdruck aus „Jüdische Chronik". . Saaz ' 1894, Nr. 6). ' ' Friedrich Hebbel und die Juden unter besonderer Berückstchjtigung der Briefe und Tagebücher Hebbels. Brüx 1897. > Biblische Sprache und biblische Motive in Wielands Oberon, (Separatabdruck, aus dem „Jahresbericht des k. k.-Staats-Obergymnasiums in Brüx" für das Schuljahr 1896/97).« lieber diese Arbeit schreibt S. Oberländer in der. „Zeitschrift für das Realschulwesen", 24. Jahrgang, 7. Heft, Wien 1899: „Der Verfasser erscheint mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet, um derartige Untersuchungen streng wissenschaftlich -durchzuführen. Die vorliegende Arbeit kann als ein wertvoller Beitrag zum Studium der Sprache Wielands bezeichnet werden." Marnronides. Ein Beitrag zum jüdischen Geschichtsunterricht an Mittelschulen. Wien 1900. « - Zur Erinnerung an den 700jährigen Todestag des jüdischen Geistes- . Helden Moses Maimonides. 3. .Auflage. 1906. Brüx, Ach L Co. . - . - . " Ueber diese populär-wissenschaftliche Volksschrift schreibt Dir. D. Feuchtwang in der' „Neuen Freien Presse" -vom 2. September 1906: „Die gut und kurz dargestellte Lebensarbeit MaimuniS in Parallele neben Mendelssohns epochalem Wirken ist vorzüglich geeignet, Uneingeweihten — und es gibt deren in dem Kreise, an den sich der Verfasser zunächst wend#.- wohl Mehr als genug —- ein-klares Bild von der großen Bedeutung «dieses großen Denkers zu zeichnen. Mit Recht nennt er Maimonides „eine moralische Macht ersten Ranges". , . [ W. Moses Mainionides und Moses Mendelssohn in ihrer Bedeutung für die Zukunft deS Judentums, 1904^ 4. Auflage, 1907. Das Ergebnis seiner historischen Forschungen und reichen pädagogischen Erfahrung — gleichsam die Krönung seines Lebenswerkes -7hat B i a ch in seinem tresftichen Lehrbuche der jüd!i- . scheu Geschichte und -Literatur (für - die Oberklassen, der Mittelschulen) niedergelegt, dessen allgemein gültige Grundsätze er vorher mehrfach /programmatisch entwickelte, . dem er in einem gesonderten Beiheft meisterhaft übersetzte. Literaturproben anschloß. Das Buch — mit dem Landesrabbiner Doctor in Kassel gemeinschaftlich,bearbeitet, und (herausgeg^ben — ist auch in Deütsch- - länd'im vielen ' Anstalten emgesührt?' B i ti ch Bür LuH.'-MHM''8er Stenographie (als solcher staatlich geprüft) am Gymnafmm und an der höheren Handelsschule in Brür'und genoß auch in dieser Stellung das größte Ansehen. Seine großen Verdienste UM Gemeinde und Schule fanden wiederholt seitens der Vorgesetzten Behörden vollste Anerkennung und Würdigung. Es wurde ihm 'der Titel „P r 0 f e s s 0 r" und vor Jahresfrist das 'R i t t e rkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Als Prediger hat er seine Gemeinde durch die nach Form! und Inhalt gleich gediegenen Predigten, in denen er große Gelehrsamkeit, feinen Takt und moderne Bildung in harmonischer Weise zu vereinigen wußte, erbaut; als Kehrer eine große Zähl voni Schülern heran- und ausgebildet, die ihrem Meister-stets in 'auf-- 'richtiger Liebe und Treue dankbar ergeben waren. Aber nicht nur seine amtlichen Stellungen/ nicht minder sein vornehmes und! bescheidenes Wesen, seine Menschenliebe und sein Edelsinn, sein Charakter und ganzes Wesen sichern ihm allgemeine Hoch-« achtung und Wertschätzung. Dem Verbände der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen MittelMlen gehörte Bä a ch seit dessen Gründung als Ausschußmitglied an und hat auch in dieser Stellung in Wort und Schrift für die Rechtsstellung seiner Kollegen tatkräftig milgearbeitet und durch einen an einem Verbandstage in Wien gehaltenen Vortrag über die -Behandlung der jüdischen Geschichte auf der Oberstufe der. Mittelschulen sein reges Interesse an den Arbeiten des Verbandsausschusses betätigt. Durch viele Jahre war der Verblichene Rezensent der „Neuen 'Freien Preise", in welcher Eigenschaft er sich immer als wohlwollender, gerechter Kritiker erwieS,, der seine — wenn nötigkritischen — Bemerkungen stets mit zarter Schonung! und Rücksichtnahme auf den Autor machte. Zahlreiche Vorträge, Zeitungsartikel über deutsche Schriftsteller M ihren Beziehungen zur Bibel haben ihn zum- Verfasser. Ueber "Einladung des Wiener Kultusvorstandes hat Bi ach vor einigen Jahren rM-Festsaale des Wissenschaftlichen Klubs (1. Bezirk, Eschenbachgasse) einen Vortrag gehalten, der sehr beifällig ausgenommen wurde und wofür ihm in einem überaus ehrenden Schreiben seitens des genannten Vorstandes Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde. Zum Schlüsse sei — wie zu Beginn dieses Nachrufes — meiner persönlichen Beziehungen zu Dr. Bia ch gedacht. Mir war er seit -einer langen -Reihe von Jahren ein wahrer, warm#, echter Freund, wie ein Bruder, mit dem ich in reger, allwöchentlicher Korrespondenz stand und mit denk mich innige Bande der Zuneigung verknüpften. Er hinterläßt eine schwergebeugte Witwe — '.eine biedere Frau r^- und drei treffliche Töchter, die Um ihren zärtlichen, liebevollen! Mann und Väter trauern^ der nur seiner Familie lebte und im

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