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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-06-28 · 25 (28.6.1918) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
25 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Dr. VtoW's WochenWrist 407 Feuilleton. Sven Hedin über den Zionismus wegung. natürlich in den Ländern, wo die Juden arm und unterdrückt sind, wie in Rußland, Polen, Rumänien, Galicien und der Bukowina. In Westeuropa gewinnt sie nur langsam Anhänger, Unterstützung aber findet sie auch hier. Dafür sorgt schon der AntisemitW- Ein Besuch der Mischen Kolonien in Palästina mns, und das Zusammengehörigkeitsgefühl des ganzen führt von selbst uns das Problem des modernen Zionis- Judentums ist durch den Zionismus gewachsen, mus. Er hat zwei Wurzeln. Die eine ist die Tatsache, Im Jahre 1910 zahlte man in Palästina 86.000 daß die Juden in der Diaspora verschwinden, d. h. 'Juden; ihre Zahl war kurz vor-dem Kriege auf 100.000 von den Völkern, zwischen denen sie leben, aufgesogen gestiegen, ist aber jetzt wieder auf 85.000 gefallen. Sie werden. Es gibt aber auch Juden, die ihre Rasse und bilden also nur etwa ein Sechstel.der ganzen Bevölk»- ihren Glauben treu bewahren und nicht verschwinden rung des Landes. In Jerusalem wohnten etwa 50.000, wollen. Sie sehen in der Auswanderung nach Palästina in fünf größeren Städten 28.000, in den Kolonien 8000. die einzige Rettung. Mehr als ein Drittel von ihnen ist arm und lebt von Die andere Wurzel sind die Judenverfolgungen in „Chaluka", die alljährlich im Betrage von mehreren ' Rußland und überhaupt der Antisemitismus. Die russi-s, Millionen Franken aus der ganzen Welt eintrifft. Die scheu Juden wandern jedoch meist nach! Amerika - aus, übrigen ernähren sich durch eigene Arbeit. Vermögende wo sie leichter vorwärts!.kommen; aber auch dort gehenMKaufleute find in der Minderheit. Die Kolonisten sind sie als Rasse unter. Die Zahl der amerikanischen .Ju-M»besser gestellt als ihre Volksgenossen in den Städten, den beläuft sich bereits auf 3V2 Millionen, und neuer- Von den 30.000 Quadratkilometern Palästinas sind nur dings hat man ihre Einwanderung nach den Vereinig- 500 jüdischer Besitz. Der Zionismus sieht seine Aufgabe ten Staaten erschwert, dg sie überhandzunehmen drohauch darin, die Juden zur Landwirtschaft zu erziehen: ten und die Arbeitslöhne drückten. Die besseren Elemente, Ä ein Ziel, das natürlich nur erreicht werden kann, wenn die für ideale Ziele kämpfen, wenden sich nach Palästina, wo der Kampf ums Daseinweiter härter ist als in Amerika. Vor 2000 Jahren wurde das! Staatsleben der.. Jumehr Land in ihre Hände übergeht. D>ie heutige Mische Bevölkerung Palästinas zerfällt in drei Gruppen Einwanderer: 1. Sefardim, das sind Juden, die zur Zeit.Jfabellas aus Spanien vertrieben den zerstört. Aber die Hoffnung auf seine Wiederh er-»wurden; sie sprechen Spaniolisch, also das klassische Sp«- stellung und die Sehnsucht nach Jerusalem lebt nochNnisch des Cervantes; 2. Juden, die im 18. und.10. immer. Die Rückwanderung begann schon vor 3OO Jah-^L Jahrhundert aus religiösen Gründen Osteuropa verlassen ren, als gelehrte Juden talmudistischer Studien wegen »mußten; 3. Juden, die in den letzten dreißig Jahren ihre alte Heimat aufsuchten. Jm> 18. und besonders im» als Kaufleute und Handwerker zuwanderten oder vom 19. Jahrhundert verließen zahlreiche alte Juden Ost-» Zionismus angelockt wurden. Gruppe 2 und 3 sind europa, um im Heiligen Lande zu sterben. Sie und ihreT» Aschkenasim, d. h. Juden aus Rußland, Polen, Oesterjüngeren ..Begleitex Mündeten die jüdischen Kolonien.in»reich-Ungarn, Deutschland und Holland- Sie. sprechen Jerusalem, Hebron, Saffed und Tiberias. Aus Europa» Jiddisch, das zum großen Dell aus dentz Deutsch deS erhielten sie regelmäßige Unterstützung (Chaluka), undjttll. und 15. Jahrhunderts besteht. Dazu kommen Eindas Interesse an der Auswanderung nahm zu. Nun »Wanderer aus Georgien (Gurtschi), aus Persien (Adentstand der Gedanke, alle Juden der Welt sollten sichMschemi), .aus Mesopotamien und Aleppo iHalebi), auL vereinen, um die alte Mische Landwirtschaft im Hei-»Marokko und anderen Gegenden Afrikas (Mohrabin), auS ligen Lande wieder zu erwecken. Das führte 1870 zur»Buchara (Bukharli), und schließlich, eine Minderheit anS Gründung der Alliance Israolile LTniverselle mb ähn-» Jemen. . sicher Vereine. Dennoch wären der Zionismus und die» Gin Aschkenasim versteht einen Sefardim nicht. DeK- Kolonien untergegangen, hätte nicht Baron E. Roth--Ahalb versucht man, das Hebräische zu neuem' Leben zu schild Anfang der achtziger Jahre die Bewegung daf "erwecken. Man kann gchon jetzt Kinder auf der Straße durch sgerettet, daß er sie mit hundert Millionen Fran-" Hebräisch reden hören. Bon europäischen Sprachen Merken unterstützte. Dieses Kapital ermöglichte es, Weinwiegt das Französische, wie vor hundert Jahren daL bau in größtem Stil zu unternehmen. Im J-hre 1900 Italienische in der ganzen Levante«.. D-ie europäische setzte Baron Hirsch für die Mische Kolonist, uon außer- Sprache der Zukunft wird hier das Deutsche sein, daS, halb EuropcB zweihundert Millionen aus. Im selben neben dem Hebräischen und Türkischen, wenigstens in Jahre griff eine englische Gesellschaft, die Jewish Coloden größeren Schulen schon Lehrfach ist. Die Ausbreinisation Association mit Hilfe Rothschilds die Sache systematischer an und gründete mehrere Kolonien. Einige Jahre später trat in Jaffa die zionistische Organisation ins Leben, die, gestützt auf den Mischen Nationalfonds, eine Reihe von Musterbetrieben einrichtete. Auch europäische Juden legten ihr Geld in diesem Unternehmen an, das sich> vortrefflich verzinste. Besonders -wurden Wein, Apfelsinen und Mandeln gebaut. Zurzeit gibt es tung des Deutschen ist ganz natürliche da zwei Drittel der Mischen Bevölkerung Palästinas, die Aschkenasim, Jiddisch sprechen. Das Verhältnis der Juden zur türkischen Regierung hat seine Schwierigkeiten. Man kann es' den Türken nicht verdenken, daß sie mit einiger Sorge beobachten, wie das früher so schwache und gefügige Volk der Inden immer anspruchsvoller wird, genau so wie die anvierzig solcher Kolonien mit 50.000 Hektar Land und deren Nationen unter dem Halbmond. Sie fürchten mit 12.000 Einwohnern, und man schätzt chr Vermögen auf Recht, paß die Juden, wenn sie ,sich erst stark genug 65 Millionen, den jährlichen Grttzag auf 6—7 Milliofühlen, nach nationaler und politischer Selbständigkeit neu Franken. streben werden. Die Inden zwar bezeichnen solche Be- Dann stellte Theodor H e r z t die Nationalitätenfürchtungen als völlig grundlos; sie fordern nichts weiter frage in den Vordergrund. Gr. berief 1897 einen Konals das Recht, ihre nationale Eigentümlichkeit und ihre greß nach Basel, der die Erringung einer politisch.und Sprache frei zu entwickeln. rechtlich geschützten Heimat der,Juden in Palästina als Ohne Zweifel würden die Türken aus einer .stär- Ziel des modernen Zionismus aufftellte. Hunderttaukeren jüdischen Einwanderung manchen Vorteil ziehen. . send Juden aller Länder haben sich diesem Programm Schon jetzt hüben die Juden manche industriellen Un- LMschlossen. Die kräftigste Unterstützung erfährt die Be- Lernehmungen angelegt un!8 den Wein- und Apfelsinen-

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