Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 25 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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fct. 25 Er. WoM'S WMenWrist Bfttt 395 in Oesterreich. Die meisten Mischen Truppen, die man zu Hunderten und Tausenden trifft, rekrutieren sich aus Galizien, der Bukowina, Ungarn und Schlesien, teilweise auch aus Mähren. Die wenigen jüdischen Truppen aus Böhmen, Miederösterreich (außer Wien), Oberösterreich, Salzburg, Tirol usw. kommen fast nicht in Betracht. Sie sind im Zivil der Religion gegenüber ganz indifferent und so auch mit wenigen Ausnahmen vielleicht, im 'Militärdienst. Wenn wir also z. B. von einem ungarischen oder galizischen Regiment sprechen, wo sich 100 bis 200 oder sogar 300 bis 400 jüdische Soldaten befinden, so dürfen wir nicht vergessen, daß die meisten — wie man sagt — vor allem „Chumisch mit - Raschi" gut „lernen können". Viele werden auch ein „Blatt Gemore" „leinen" oder sogar gut „lernen-können", weil die meisten in der Jugend in den „Cheder" und viele auch in die talmudischen Schulen gingen; Manche haben und besitzen sogar die „Hathara", obwohl sie im Zivil Kaufleute find. Es bleibt also die Frage: Wie soll sich ein Feldrabbiner solchen Soldaten gegenüber verhalten, wenn er mit ihnen, in seinem Amte, auf seinen Pastorierungs^ reisen, beim Besuchen der Spitaler, 'Krankenhäuser, Rekonvaleszentenheime, Trachomabteilungen,? Strafhäuser usw., in Kontakt, in Berührung kommt, wo jeder Mann, jeder Soldat — wie die Leute im Osten es gewohnt sind — gleich anfängt, dem Feldrabbiner „Thora zu sagen", d. i, Thora vorzutragen? Dieselöle ist ihm im Kriege wie daheim eine Erbauung, eine Stärkung, ein Trost und ein freudiger Strahl. Ja, der Mann will aber auch vom Feldrabbiner „Thora hören", er will ihn in eine ganze ThoradVkrrssion hineinziehen, und der jüdische Soldat wird mit seinem theologischen Wissen so pathetisch und so begeistert, daß. er ganz vergißt und gar nicht daran denkt, daß er vor dem Feldrabbiner, d. i. voreinem Vorgesetzten, steht. Auf seine Fragen nicht zu antworten, an der theologischen Debatte sich nicht zu beteiligen, verliert gleich der Feldrabbiner seine ganze Stellung und Autorität, er fühlt sich gleich degradiert. Wir sehen also, daß die theologische Klassifikation, das theologische Wissen beim Feldrabbiner mehr in Betracht kommt als! bei manchem' Zivilrabbiner. Beim Zivilrabbiner kommt vielmehr sein Wirkungsort, resp. feine Gemeinde in Betracht. Denn derselbe Feldrabbiner z. B., der kein hervorragender, kein großer Talmudist ist und für seine Gemeinde auch nicht sein muß, ist bestimmt und zweifellos irr seiner Gemeinde ein sehr guter und tüchtiger Genxeinderabbiner. Dort, in seiner Gemeinde, muß er das ganze theologische Wissen nicht besitzen und nicht beherrschen. Gleichwie nicht jeder Arzt, Advokat und Techniker ein ganz Hervorragender sein muH. Denn kein einziges-Gemeindemitglied wird dem Gemeinderabbiner Thora vortragen oder ihn in eine theologische und talmudische Diskussion hineinziehen, weil es selbst den talmudischen Stoff nicht beherrscht. Auch wird diese ganze Gemeinde nie von ihrem Rabbiner — außer einer modernen, kunstvoll rhetorischen Predigt — einen talmudischen Vortrag verlangen. Dagegen aber muß zugegeben - werden, daß dieser Rabbiners— welcher ohne großes talmüdisches Wissen als Feldräbbiner keinen großen Wirkungskreis^, kein großes Betätigungsfeld.hat — mit seinem modernen Wissen, mit seiner begabten und ausgebildeten Rhetorik viel, mehr und viel ersprießlicher in seiner Gemeinde wirken kann. . So können wir nun ganz kategorisch ad 1., d. i. aus Erfahrung, unsere Frage und eigentlich unsere Aufschrift mit einem imperativen „Ja"' beantworten, und zwar: Der Feldrabbiner muß ein theologisches und talmudisch^ Wissen besitzen-und beherrschen. Ad 2. Dafür, daß der Feldrabbiner auch nach der Heiligen Schrift ein theologisches und talmüdisches Wissen haben und besitzen muß haben wir zwar bloß einen einzigen Anhaltspunkt und, eigentlich gesagt, nur eure einzige Anspielung,- die uns aber zur weiteren Ausführung unseres Gegenstandes genügen wird. Wir haben bereits auf die Stelle im 5. Buche Moses, Kap. 20, Satz 2, hingewiesen. Nun wollen wir uns bloß mit der zweiten Hälfte dieses Satzes beschäftigen, d. h. nämlich: "os?n *78. inn frort V221» „Es trete der Priester (der Feldpriester) heran und spreche zum Volke." In bezug auf das eine Wort "1211» d. i. in bezug auf die Vortragssprache des alten ,ian*72 11V2 des „Gesalbten des Krieges", d. h. welcher Sprache soll und darf ex sich bei seiner Funktion im Felde bedienen, bemerkt zu dieser Stelle der Talmud: "Enipil [1V^2„ , d. i. der hebräischen Sprache. Dies leitet der Talmud von zwei 'fiw 11152,. tat* mudischen Vergleichungen ab, und zwar: 1212 81,1V ,1!?V2 .101*72 ,11V2 : [.12.1 t£?221 1) [12.1 V221 [82 1282V ,1212 .111 Vllp.1 [1V*72 0V.1 f*?n*7 .12 ,isij?.i b8 mi ,1V21. [im* 'S] [v.lv 12821 "Vllp.1 [1Vd2 [82?[8 ,V1ip.1 [1V^?2 Siehe Talmud Jeruschalmi, Sota 87. [*7.1*7 12821 ,1211 [82 1282! DJ>,1 *78 1211» 2) [82?|8 ,Vllp.1 [1V°72 [*?,1*7 ,12 ,121' ,1V2 [Hn' 'S] ."Vllpl [1V*72 Siehe Talmud Sota 32 und 42. So sind wir vor allem zu zwei wichtigen und triftigen talmudischen Belegen gelangt, daß der ",12r6a >11V2„ resp. der heutige moderne Feldräbbiner vollkommen die hebräische Sprache beherrschen und, nur derselben sich bedienen muß. Nun aber, wenn der Talmud mittels zweier "11V 1'152„ Vergleichungen die Kenntnis der hebräischen Sprache 'ableitet, so läßt sich auch ferner eine dritte "11V 11152» Vergleichung in bezug, auf das' talmudische und theologische Wissen mittels deso'221'iSV und des "ip"b2„ aufstellen, nämlich: [1V*72 [Sl*7 ,12» [1Vb2 DJ?1 *78 1211 f|8 ,11121,1 IIVv 12",11 Vllpl ."1111,1 11VV 12",11 Vllp.1 Allerdings bedarf es keiner weiteren Erklärung, daß wir hier unter den Worten "11121,1 11V2?„ die ganze heilige Thora verstehen, resp. das ganze talmüdische und theologische Wissen. Siche auch zur selben Stelle, d. i. 5. Buch Moses, Kap. 20, Satz 2, den Vllp.1 '*72 DI?,1 *78 1211» :ip» 'b2 ,12 1'22 1282,1 01?,1 *78 ,1V2 121 *7V V'52 [2 "S*7'1 ['8LN*7 V'2 ['8 1218 '281 .[2 [82 S]8 Vlip.1 '*72 pTb .".1111 '121. 01?,1 *78 1212 [12,1 [82 -[8 1'1 [*7.1*7 ,12 So können wir nun ganz kategorisch auch ad 2., d. i. aus der Heiligen Schrift, unsere Aufschrift- resp. unsere Frage zum zweitenmal mit einem imperativen „Ja" beantworten, nämlich: Der Feldrabbiner soll und - muß ein talmüdisches und überhaupt ein theologisches Wissen besitzen und beherrschen. Denn nach dem letzten Kommentator, d. i. nach dem "ip? '^2" soll der Fetdrabbiner zu den Truppen nfchit nur hebräisch sprechen, sondern er soll ihnen vielmehr „Thora sagen", d. i. Thoravortragen. Und mit vollem Rechte! Denn hier finden wir den wirklichen und wahren Kern der ganzen jüdischen Geschichte, nämlich: Was stärkte, was kräftigte unsere Vorfahren, unsere Ureltern in ihren tausendjährigen Qualen, Leiden, Verfolgungen nnd Unterdrückungen? Mas ermutigte, was beseelte sie zum Ajusharren, zum Durchrhalten, zu neuem Mut und frischem Ringenzur musterrsi *53 i^i