Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 25 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022300-3022326--26972-3052362- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
•i r. § i'-: i. k?- f i) Seit, 394 Mr. MoW'S WöHenWrist «r. 25 « « einer Anwandlung von boshaftem Optimismus in dem Stoßseuszer des Königs, daß der Friedensvertrag, dessen Erfüllung er versprach, ihm und seinem Lande schmerzliche Opfer auserlege, einen Hinweis auf diese Lösung er- BiuEeri will. cd in « « »-i ¥ ö <D « « O Cm « « § « « r« Wer selbst die Anrwortsadresse, die ja gewissermaßen eine Liste all jener Arbeiten enthält, zu deren Durch fichrung sich das rumänische Parlament bereit erklärt, enthält in der hier bekannt gewordenen Fassung auch nicht eine Andeutung der durch den Vertrag übernommenen Verpflichtung, die Gleichberechtigung der Juden durch Schaffung eines gerechten Gesetzes durchzuführen. Und dennoch ist die Abstattung dieser Dankesschuld an die Juden für die gesunde Fortentwicklung Rumäniens ebeirso wichtig, sie ist genau so eine Lebensfrage des Lan- .des' wie eine gerechte Lösung der Agrarfrag>e, die niemand freudiger begrüßen wird als. die Juden. Die unhaltbare Lage der rumänischen Bauern, ihre fast mittelalterliche Abhängigkeit von den bojarischen Großgrundbesitzern, die aus dieser ungesunden Lage entstandene Verbitterung der Landbevölkerung waren von jeher ein schr geeigneter Nährboden für eine Pogromagitation. So oft , die Bojaren sich von dem erbitterten Landvolk bedroht fühlten, wurde der angehäufte, zum Losbrechen bereite Groll von den Urhebern dieser Stimmung, auf die wehrlosen Juden abgelenkt, die an der trostlosen Lage der Bauern ganz unschuldig waren. Eine Befriedigung der Wünsche der kleinen Besitzer und Landarbeiter wurde auch auf die Lage der Juden günstig einwirken, da der Bauer aufhören würde, ein Werkzeug für die Veranstaltung von Judenpogromen zu sein. Würde nun mit der Emanzipation der Bauern, wie es der Friedensvertrag 'voraussieht, auch eine restlose Emanzipation, der .Juden Hand in Hand. gehen, dann erst könnte Rumänien verlangen, daß es in die' Reihe der Kulturstaaten ausgenommen werde, in denen Recht und Gerechtigkeit das.oberste Regierungsprinzip bilden. Graf Burmn Mer die Judenpunkte des rumänischen v Friedensvertrages. Aus eine Eingabe des Herrn Oberrabbiners Dr. Kl e in-Kismarton (Eisenstadt) an den Herrn Minister des' Aeußern, in der er um Verbesserung der Bestimmungen bänglich der Emanzipation der rumänischen Juden vorstellig wurde, erhielt er aus dem Kabinett des Ministers folgende Antwort: - An Se. Ehrw. den Herrn Oberrabb. Dr. Hermann Klein in Kismarton/' Der Feldrabdiner nnd die Heilige Schrift. Von Rabb. Dr. Leo Bertisch, Deutschbrod, dz. k. u. k. Feldrabb. beim Militärkommando Leitmerik. ' ' 2. Teil. ' . Der Feld rabb in er und sein theologisches Wissen, oder: Mu ß ein F e ld r abb in er t heo l o gisch esWissen besitzen? Diese, Heikle Frage mag zwar im ersten Augenblicke ganz paradox, ganz auffallend und befremdend klingen, verdient aber doch! ihrer Aktualität wegen betrachtet und beantwortet zu werden. , Paradox klingt sie, weil es! paradox klingen würde, wenn wir fragen würben: Muß. z. B. ein Mediziner medizinisches) ein Jurist juridisches und ein Techniker technisches Wissen besitzen? Vom logischen. Standpunkte aus müssen wir diese Frage bejahen! Denn sollten wir dieselbe verneinen, so fänden wir erstens in . den Wörtern „Mediziner", „Jurist" und „Techniker" keine logischen Begriffe, denn Begriffe sind Vorstellungen von eindeutig bestimmtem 'Inhalte, d. h. wenn wir von einem Mediziner, 'Juristen, und Techniker sprechen,, so nehmen wir a priori an und setzen bestimmt voraus, daß der erste das medizinische, der zweite das juridische und der dritte das technische Wissen besitzen und beherrschen muß!. Selbstredend im Rahmen ihrer Stufe, ihres Grades; ihre Lehrer '— die Universitätsprosessoren — beherrschen diese wissenschaftlichen Gebiete in einer höheren Stufe, in einem höheren Grade. Zweitens fänden wir — sollten wir dieselben verneinen — in jeder Frage eine „Contradictio", d. i. einen logischen Widerspruch, da wir .in jeder Frage eine Bejahung und eine Verneinung desselben Begriffes) desselben Inhaltes! hätten, ivä's sich'mit' dein logischen-Denk-?. gesetze nicht vereinbart, welches lautet: Ein bejahendes und ein verneinendes Urteil über denselben Gegenstand sind logisch unverträglich. Wir gelangen also: 1. zu einem disjunktiven Urteil, d. i. zu einem „entweder —.oder", d. h. entweder haben wir einen Arzt mit medizinischem, einen Juristen mit juridischem, und einen Techniker mit technischem Wissen, oder wir haben gar keinen Arzt,' keinen Juristen und keinen Techniker; 2. zu einem apodiktischen, d. i. zu einem bestimmten, .unwiderleglichen Urteil, d. h. der Atzt muß ein medizinisches, der Jurist ein juridisches! und . der Techniker ein technisches Wissen . . " „Wien, am 15. Juni 1918. Unter Bezugnahme auf das an Seine Exzellenz den Herrn Grasen Burian gerichtete Schreiben 73/1918 beehre ich mich austraggemäß mitzuteilen, daß Seme Exzellenz der Herr Minister es sich angelegen sein läßt, Mittel zu finden, um die rumänische Regierung zu einer, liberalen Auffassung und > Anwendung der Bestimmungen' des Artikels XXVIII, Absatz. 2, Satz 2, des Friedens- Vertrages zu veranlassen. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung. F. Colloredo. Dieselbe Antwort gilt auch unserer aufgestellten ge bezüglich! des Feldrabbinevs) Njämlich: 1. entweder haben wir einen Feldrabbiner mit theologischem Wissen, oder gar keinen; 2. der Feldrabbiner muß! ein theologisches^ Wissen besitzen. Wieso sind wir aber eigentlich zu dieser heiklen Frage gekommen? Die Antwort ist eine zweifachenämlich: 1. aus Erfahrung während unserer aktiven Dienstleistung und 2. aus! unserer Heiligen Schrift selbst. Ad 1. Wenn wir vom jüdischen Volke sprechen, kommen hauptsächlich nur die großen Massen vom Osten, d. i. von Rußland, Galizien, der Bukowina und Ungarn, in ' Betracht, oder auch von einzelnen Städten, wie Wien, Berlin,'Newyork z. B., wo sich' große Massen vom weiten Osten ansässig Machten oder dorthin übers Meer .äuswanderten. Die paar tausend Juden wie z. B. in Italien, Frankreich! üsw. sind bei einer Judenfrage, bei einer wichtigen Angelegenheit, die das /ganze Judentum betrifft, nie maß- oder ausschlaggebend, obwohl auch viele von diesen Westjuden entw'eder eingewanderte Ostjuden sind oder deren Eltern oder Ureltern noch Ostjuden waren. So verhält > es sich! mit den jüdischen Truppen