Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Ar. 3S Dr. VlM'S ESoHenMift : 373 rissen Habens nicht aber Zadok. ,,1lnd 'wenn es der König selber wäre",- rief er. „Euer Gesetz wird ihn erfassen, denn es ist gerecht wie Gott!" Nach London zu rückgelehrt, eilte Zadok zu einenr aus seinen besseren Tagen ihm bekannten Advokaten, erzählte ihm seine Geschichte und verlangte, daß er eine Klage bei Gerücht gegen den Prinzen... -überreiche. per Advokat hörte ihn ruhige an, machte ruhig Me Notizen und versprach dem Armen Genugtuung. -In der Tat wurde in aller RechtssorM dem Prinzen. . der Prozeß gemacht, det damit endete, daß Zadok firr wa'Minnig erklärt und ins Jrren^ Haus geschickt wurde. ' > Wieder vergingen zwei .schreckliche Jahre, während^ welcher der kaum mehr als zwanzigjährige Jüngling gänzlich ergraute. Man gab ihm endlich die- Frchheil, aber seine Kräfte und sein Mut waren gebrochen. Noch aber war fein Geschick nicht erfüllt. Seine Geschichte würde ruchbar und erwarb ihm das Mitleid seiner Glaubensgenossen, welche ihn unterstützten, ihm die Möglichkeit gaben,- wieder an sich zu denken,> und langsam kehrte/ seine Energie zurück. Er begann von neuem gü arbeiten, die Umstände wurden ihm -freundlicher, nochmals lächelte ihm das Glück, er wurde wieder vermögend, ja beinahe reich. Auch die Liebe kam, um ihn zu beglücken. Er verheiratete sich und wurde in einigest Jahren Mit zwei schönen Knaben gesegnet, welche den Stolz seines väterlichen Hebens bildeten. Aber das Matz des Glückes sollte voll werden, das Schicksal schien ihn .fürwahr mit beiden Händen für das frühere Mißgeschick entschädigen zu wollen. Er erhielt die Nachricht, daß sein Oheim in Konstantinopel gestorben sei und ihm einen bedeutenden Teil seines riesigen -Vermögens hinterlassen hatte. Zadok machte sich sofort auf den Weg; den nächsten Tag schon befand er sich auf dem Verdeck eines nach Konstantinopel segelnden Schiffes. Schon sah er die sUfer Afrikas, als ein Korsar aus' einem Hinterhalte plötzlich das englische Schiff überfiel.^ Der Kampf war heftig, aber die Engländer erlagen dem dämonischen. Angriffe der Wüstensöhne, und Zadok geriet in Gefangenschaft. Er wurde nach Oran verkauft, wo er 15 Jahre in Mlaverei verlebte. Wer unternimmt es, has Elend dieser 15 Jahre zu schildern? Mer keine Qualen konnten in Zadok das Sehnen nach Weib und Kind -.unterdrücken. Mit Lebens^, gefahr glückte es ihm, seinen Peinigern zu entfliehen, und wieder war es ein englisches. Schiff, das ihn aufnühm, und wieder erblickte, er das gewaltige London. Aber fein Weib ruhte bereits im Grabe, und seine beiden Söhne (waren ohne- Spur verschwunden. Zadok kannte kein Schwanken. Er bereiste das Land, um seine Söhne zu suchen, und es gelang ihm, den alterest zu finden. Derselbe arbeitete als Sträfling , auf den Gaheeren. Mit schmerzgebrochenem Herzen beschloß Zadok, die Alte Welt zu verlassen und nach Amerika zu .'fahren. Und noch einmak reichte ihm das Schicksal! die freundliche Hand. Es gelang ihm,!n Chicago feinen jüngeren Sohn in glänzenden .Verhältnissen zu entdecken. Menah, so hieß derselbe, empfing den Vater mit offenen Armen, vertraute ihm die Leitung seines Geschäftes, und als sie bei ihren weitverzweigten Verbindungen sich um den Nachlaß in Konstantinopel zu kümmern begannen, erlangten sie auch diesen. . , Ein ruhiges, glückliches Alter schien Zadok entgegenzuläSeln. Er versöhnte sich auch mit deM Weren Sohne, der inzwischen/die Freiheit erlangt hafte. Da eines Tages erhielten sie die Kunde vom Fallissement eines Handlungshauses in Sacramento, bei dem sie diegrößere Hälfte ihres Vermögens liegen hatten. Menah begab sich sofort aus den , Weg, .uM wenigstens einen Rest zu retten. Aber die erste Nachricht, die der Greis erhielt, war die, daß das Schiff, auf welchem fein Sohn sicht befand, an eineM Felsenriff gescheitert, und. daß Menah mit vielen anderen dabei zugrunde gegangen sei. . Und nochmals wurde das Herz des Unglücklichen zerrissen. Er übergab .das Geschäft seinem ältesten Sohne und war gewillt, in Abgeschiedenheit vom Leben seine Tage zu beschließen. Da berichtete man ihm eines Tages,. daß sein entarteter Sohn mit den Dermögensresten davongelaufen sei> und. daß die zurückgebliebenen Immobilien zur Deckung der Schulden verkauft werden Müßten. Ohne ein . Wort der Klage verließ der Greis! sein Haus. . Nur so Ml konnte, er retten, als zur Erfüllung seines letzten Herzenswunsches nötig 'war; er schiffte sich nach London ein, um dort?zu sterben und ,an der Seite seines Weibes zu . ruhen. Der Tod kaM jedoch nicht -.auf seinen Ruf, der Greis schleppte seinem Täge dahin, - indem! er auf einer der Brücken Londons bettelte.' .Vergebens boten ihm Glaubensgenossen ^Unterhalt. Er. wollte Demut gegen das Schicksal zeigen und dest Kelch des Elends bis zur Neige leeren. Täglich ftH Man. ihn in Kälte und Schmutz zusamMengekauert an der Ecke der Themsebrücke sitzen. Er hatte immer einen halbgeöffneten Mund, sprach aber nie etwas; süß ,fast^.ohne Bewegung, gleichgültig kleine Gaben annehmend, dir 'Man ihm in den Hut warf. Nuv Abends erhöh er sich best Sonnenuntergang, uM das Abendgebet zu sagen.., . An einem Tage erhob sich der G-reiS nicht zum Abendgebet, man fand ihn ohne Leben. * So endete „der ewige Jude Londons". Ktrratnr. Lmor vsi. Ein Spinoza-RoMan. E. G. Kolbenheyer Verlag Georg Müller, Leipzig-München. > - Neuzeit." Eine -jüdische Monatsschrift. Herausgeber: Samuel Meisels. Juni 1913. 2. Jahrgang. 1. Heft. Verlag: Wien, 7. PezirF, Nenbaugasse 84. Inhalt: Samuel Meisels: Zeitglossen: Junge Juden. — Ghettodämmerung. — Epilog zur Flüchtlingsrückkehr. — :Der Baal-ScheM von Heppenheim. — Dr. S. Bernstein: Die rumänischen Juden als Kulturelement. — Bernard Tag: Zur jüdischen Jugendtagung. — Monisten über das Judentum. — S. Ben Je hu da: Nietzsche im Ghetto. — Marek Scherlag: Gedichte. — Otto Abeles: Die Hohe Gaß. — Notizen. — Literatur. —. Büchereinlauf. — Antworten. Der Bezugspreis beträgt 12 Kronen (10 Mark) ganzjährig. „Erdgeist." Von dem ukrainischen Minister für jüdische Angelegenheiten W. Lazki. einem bekannten jüdischen Schriftsteller, erschien in Kiew tzyre Ausgabe seiner Schriften in jiddischer Sprache Unter dem Titel „Erdgeist". Das Buch enthält die Aufsätze: „Spiritualismus und Materialismus", 1 „Galuth und Erlösung", „Jüdifchkeit und Juden", „Jüdische Kunst" und anderes. 45. Jahresbericht (bet Israelitischen Allianz zu Wien» erstattet an die 45. ordentliche Generalversammlung am 10. Juni 1918. Wien 1918. Verlag der Israelitischen Allianz zu Wien. jptas Neue Europa", Monatsschrift des Schweizer Druck- und Ver- . langshauses, Zürich, Jahresabonnement 5 Franken. Die auf -eine maßvolle Verständigungspolitik eingestellte Monatsschrift, die besonders.in den letzten Wochen -in der gesamten europäischen Presse -so häufig zitiert wurde, hat wirklich schon ein gutes Maß;an der allgemeinen Neuordstung der -kommenden neueuropäischen Singe vorgearbeitet. Frei von alten und neuen Vorurteilen, stets unter z Berücksichtigung der tatsächlichen^ also nicht nur der wünschbaren Zustände, versucht es die praktische Zukunft vorzubereiten. -; Das Juniheft .ist ein Beispiel der Vielseitigkeit dieser von Dr. Paul Koh-n herausgegebenen Revue» die nun im vierten Jahrgang steht. Nach dem Leitartikel über „DeutscheFri^denswünsche" wird von Dr. M. Sztern „Das Postulat der > Meeresfreiheit", das zu den wichtigsten Friedensfragen gehört, behandelt. Dann folgen die Aeußerungen der bekannten Münchner Literaten Halbe, Ganghofer, Thomas Mann .und Heinrich Mann über die -„Demokratisierung" M Deutschland, neben anderen interessanten Beiträgen! mag dann noch die Studie des Schwerer Voltswirtschafters Eggenschwyler über „Volkseinkommen im Krieg und im Frieden" hervorgerufen iveroen. > - „Neue jüdische Monatshefte", Zeitschrift für Politik. Wirtschaft und Literatur in Ost iund West. Erscheint «zweimal im Monat unter Mitwirkung von Alexander Eliasberg, Dr. Adolf «Friedemann, Geh. Justrzrat .Dr. Eugen Fuchs, Professor Dr. Franz Oppenheimer. Mitbegründet «von Hermann Cohen. 2. Jahrgang. Heft 15/16. 10/25. Mai 1918. Verlag der „Neuen jüdischen Monatshefte", Berlin-München. Sonderheft. Inhalt: Hermann Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. —- Professor Dr. Ernst C a s s i r e r: Hermann Cohen. — Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Paul Natorp: Nachruf an Hermann Cohen. — -Dr. Jakob K l atzki n: Hermann Cohens Philosophie des Judentums. — Dr. Benzion Kellermann: Die religionsphilosophische Bedeutung Hermann Cohens. — Professor Dr. Karl Joel: Zur Erinnerung an Hermann Cohen. — Dr. Franz Rosen zweig: Der Dozent. — Dr. Bruno Strauß: Cohen- Bibliographie. Knefkasterr Dr. L. Die Behauptung, datz die bolfthewqkische Pegierung eine eigene Tageszeitung in jüdischer Sprache mit einer' Auflage von 80.000 EreMplaren herausgebe oder yerausgegeben habe und das Papier hiezu aus der Druckerei der .unterdrückten ..Nowojs WreMja" gestohlen -worden sei, wurde zuerst von dem in Paris erscheinenden Organ der reaktionären Rufßen „Le Problöme Russe" und der bekannten antisemitischen- Zeitung „Libre Parole" in die Welt gesetzt. Sie werden nun begreifen, weshalb -die Roth auch in einzelnen antisemitischen Zeitungen der Mittelstaaten Aufnahme gefunden hat. Die ganze Nachricht ist selbstverständlich erfunden und erlogen .und das Stockholmer Preßburecqu hat sie bereits auf Grund ein geholtes authentischer Informationen dementiert. Selbst wenn die Bolschewiken eine solche Zeitung hätten gründen wollen. Hätten sie weder Redakteure, noch Setzer oder «Leser hiezu gesunden, denn der Bolschewikismus hat gerade unter den Juden Rußlands die schärfste Zurückweisung gefunden.