Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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®«tt« 372 Dr. rvloM'S MocheaWrtst Mc. 23 hauptmannscha-st unter Whrung des Herrn k. k. Statthaktereirnt^ Zacek, Herr Landes'gerrchEat Zuhrudnice'k vvm t t BezirUgericht uM viele andere Persjöiüichkeiten. Se. EHM>. Herr RaWiner Dr. H'illel aus Leipnik hielt dem Verstorbenen einen tiefenchfund^- nerr Nachruf, " in welchem er besonders' die vorzWAen Egenschasten 'desselben hervorhW. Die kanto- ^alen Funktionen versah Herr Kantor Wolf Braun- ' seld in würdiger Weise. Herr- Bermnftn hat durch siMn .Jahre das. Ehrenamt eines ersten Gemeinderates versehen und erfreute 'sich! wegen seines! biederen Charakters einer allgemeinen Hochachtung in -der Gemeinde. j : i I!- - j 1!. :; ' '! Ae» „emi-e Jude Ko«do«s' An der Me einer der Wer die TheMse führenden'Brücken pflegte Mast viele Jahre einen alten jüdischen Bettler zu scher, eine elende, gebrechliche Gestalt init emeM'Barte weist wie Schnee und Halberloschenen Augen. Sem Anblick erweckte bei den' Vorübergehenden stets Mitleid, und fast niemänd unterließ es,; ihm' eiste kleine Gabe zu reichen. Dipj einen nannten ihn John Mudley, die anderen .„den ewigen Juden Londons", eine Anspielung auf die .Merkwürdigen Erlebnisse dieses Unglücklichen. John Mudley, „der ewige Jude Londons", lebt nicht mehr. - Vor Jahren begrub man Jemen Leib auf dem! 'jüdischen' Friedhöfe, und hinter seiner Bahre gingen der Oberrabbiner von London uitb viele 'der angesehensten Bewohner jder City. Wühler das prächtige Begräbnis dieses Bettlers? Seme absonderlichen Schicksale, die ihm ', den abenteuerlichen Namen „ewiger Jude" eintrugen, erklären diese allgemeine Ehrung. John Mudley war ein Alde aus Jemen und hieß eigentlich. Abraham ben Zadok. Vor ungefähr 70. Jahren lebte er im Hause seiner Eltern im Kreise se^. blühender Brüder und Schwestern. Er wuchs mitten in orientallscheM Ueberflutz Heran, als das ganze Glück seiner Jugend mit eineMmal vernichtet und ihm alles, was ihm teuer war, geraubt wurde. Der Pascha seines Heimatsortes befahl in einem Anfalle üblen Humors, die Juden auszuplündern, zu vertreiben und zu ermorden. Die ihres, Meisters würdigen Moslems beeilten sich, diesen „gottgefälligen" Befehl auszuführen.. Unser Jüngling verlor bei dem Blutbade den Väter, die Mutter und seine ganze Fcmülie. Er selbst, fast wahnsijnnig vor Ver-. ^oeiflung, irrte Mehrere Tage am Meeresufer/ bis der KapftM eines englischen Schiffes ihn auf Deck nahm!. Nachdem er während der Ileberfahrt eine schwere KränMlt überstanden, gewann Zadok zugleich mit der Gesundheit seyre jugendliche Energie wieder. Er fand aus dem Schiffe sehr viele Teilnahme für selstl Unglück, begann sich. mit seinem traur^en Lose auMsöhnen, und die Lust zum Leben kehrte allmählich wieder in seine Brust ein. Das Schiff landete auf der Themse, und unser Zadok stjand in London mit einigen Pfund Sterlrirg in der Tasche und! einigen praktischen Regeln im Kopfe. Diese lauteten: „Wer arbeitet, geht in England nicht zugrunde. Wenn das eine , nicht gelingt, Mütz man «ss mit dem anderen probieren. Nur derjenige, welcher zu sich selber das Vertrauen verliert, ist verloren. Zeft ist Geld." Du alte Zadok hatte in Smyrna Mit Früchten gehandelt; sein Sohn verstand sich ein wenig auf-dijeses Geschäft, kaufte daher ein Körbchen mit Südfrüchten und stellte sich auf dje Thrmsefbrücke. Die malerische orientalische Tracht, welche der Jüngling beibehalten hatte, seine schönen, regelmäßigen - Zügx, veredelt durch Den ^.Ausdruck -tiefer .Melancholie und belebt durch ein paar schwarzer, blitzender Augen, Machten ihn zu einer höchst interessanten Erscheinurrg. Dies erfuhr auch eine von den schönen Ladies, welche in einer stolzen Karaffe «borüberführ. Die in ben DaMaMffen ruhende Dame rpurde wie elektrisiert, als sie ihn 'erblickte. Mylady liest halten, leerte das Körbchen des Jünglings und bezahlte den doppelten Preis'. Zadok freute sich des seltenen Glückes. Mylady fuhr jeden Tag vorbei und schaute mehr in die schwKzenÄugendes -Jünglings als auf seine, Wäre, für die fieso tmer zahlte. 'Zadok hatte schon in seinem Vater-» lande von dieser Gattung angenehmer Abenteuer gehört. Er segnete daher von Herzen „die schöne. Prilyessin" und sah sie. immer zärtlicher an, je häufiger sie .kaM, und sie kaml um. so Häufiger, je. zärtlicher er sie - mit seinen Magischen Augen anblickte,: und je schöner ihn die Röte erscheinen hetz, mit der sich seine Wangen, bei ihrem Kommen färbten, uM ffo dankbarer war das Lächeln,;, das uM ihren Mund spielte. Zadok wurde in kurzem ein vermögender Mann und verkaüfie < in einem Keinen JVorratsladen seine Südfrüchte, Seine .Mare war ftitrrter ausgezeichnet, denn er iwjustte/ daß ex vor-. nHme Käufer hatte. Die sWne Fürstin brachte das Geschäft des Jünglings in Mode, und Zadok fing an,- reich zu werden. Mit dem wachsenden Glücke wurde er. auch kühner, und er erlaubte sich einst, gewissermaßen 'aus Dankbarkeit eines übervollen Herzen, die Hand der schönen Fürstin zu drücken. Ein hochbeiniger Engländer, welcher plötzlich an der Seite der schönen Dame erschien,, hatte diese Vertraulichkeit bemerkt,. Die Lady geriet in Verlegenheit, der Engländer blieb ruhig. Er»gah ihr artig deft ArM, und beide entfernten sich. Noch in derselben Nacht wurde der gute Zadok Werfallen, geknebelt, durchgebljäut, und mit Tagesgrauen' sah er sich auf offener See. Sein reinlicher,' gutgeordneter Laden, die schöne, gütige Fürstin, Reichtum, alles war verschwundeä wie ein schöner Traum. i Der Schiffskapllän kam in seine .Kajüte und sagte: „Zado^, die Fesseln werden dir abgenommen werden; es wird dir freistehen, . dich auf dem Schiffe zu jbewegenj wie jedem anderen Passagier, deine Bedürfnisse werden befriedigt werden, aber hüte dich, jemandem zu offenbaren, was mit dir vorging und dast du nicht fteiwillig da bist. Sprichst «du ein Wort davon/ so wäre das dein Tod — du verstchst Mich?" 7 ■ Zwei Jahre verbrachte er so xtt seinem schwimmenden Ge-, fäng'nisse. Eines Abends — es war nicht weit von irgendeinem Hafen — überfiel ihn ungewöhnlicherweiss ein .starker Schlaf. Er fühlte sich in demselben plötzlich jsehr stark gerüttelt, mit Mühe öffnete er die Augen und, kaum! imstande, die ihn umgebenden Dinge zu erkennen, glaubte er>. dast ihn irgendein Traumbild neckt. Er schließt die Augen wieder, das Rütteln wird noch heftiger. Er kommt endlich zum vollen Bewußtsein und' sieht, dast er auf einem Strastentrottoir liegt und Vor ihm ein Polizeimann steht, welcher ihn an der Schulter -rüttelt und unausgesetzt ruft : „getrunkener!" . ' . - Er mvst auf die Polizei wandern. Er versichert freilich'^ dast er sich nicht' erinnere, Bier pder Mein getrunken zu. haben, aber der Vertreter der heiligen Henniandad hält ihn noch immep für betrunken und drängt ihn, Mit ihm M gehen. , ,,>Aber wo Hin, ich denn eigentlich?" fragt er endlich in begreiftichem Erstaunen. - - - - ,/Jn London!" lautet die Antwort. ,,jJn London?" ruft Zadok, indem das B kut i hm wie ein Strom ins Gesicht schießt. Tausend süße Erinnerungen regen sich in seinem Hetzen, Gedanken - nach Räche) die er mühsam bisnun unterdrückt hatte, entstehen plötzlich in seiner <^eele. /»London!" wiederholt er mit einem Ausdruck unaussprechlichen /Schmerzes und...WtzWestlich.er^ Freude .zugleich, ,/Jch .bin also wieder - auf jener dreimal heiligen We, wü GereWigkeit'herrscht/ Jä> MensH, -Euere GesetzeJind gerecht, mit der Hand (Lottes sind, sie« in Euere Herzen wie die^heiligen- Gebote in die: diamantenen Tafeln Moses eingegraben. Gerechtigkeit! .Meine Seele dürstet' nach ihr wie der Blinde nach Licht, sie wird zerschmettern meine stolzen Peiniger, und wenn i dieselben auf den höchsten Höhen des 'Debens wandeln, wenn sie so mächtig wären wie Pharao, denn Euer Gesetz ist gerecht wie Gott!" - Zadok hatte nicht mehr nötig, fein Los geheintzuhalten, er erzählte es also, erzählte alles einzeln -und nrit feurigem Eifer, ohne sich um die verwunderten Blicke und das bedeutungs- . volle Kopfschütteln des PoWeimannes zu kümmern. „Und wie heitzt denn dieser Lord?" fragte endlich der ein schweres Verbrechen erfahrende Engländer mit der des Repräsen-- tanteil der öffentlichen Sicherheit würdigen Ruh-e. - Wenn die Erde vor chM. versunken wäre, hätte diese Katastrophe keinen schrecklicheren Eindruck auf ihn gemacht, als diese wenigen Worte.. Bleich und wie versteinert stand Zadyk da, denn erst jetzt erkannte er, dast er nieMals jauch nur nach dem' Nja!mje,n der „schönen Prinzessin" gefragt hatte, und dast ihm die Möglichkeit fchle,' den Namen jenes Mannes' zu erfahren,, dem erftum . verbrüchliche Rache geschworen hatte. Zadok war gedoch nicht ein Mensch, der sich durch solche Schwierigkeiten ab schrecken liest: Er kannte. die Orte, .wo die «großen Herren sich in wichtigen Angelegenheiten oder zur fröhlichen Unterhlaltung zu versammeln pflegten. An einem dieser Orte rnustte .er denjenigen finden, welchen er so unaussprechlich haßte, oder diejenige,, welche er so sehr liebte. Als man ihn tags darauf'frei liest, begann er sogleich seine Nachforschungen", er durchlief altz öffentlichen.Gärten, alle Unterhaltüngsorte, stand ganze Tage vor deM Eingang des Parlamentes, harrend, ob er nicht koMme.. Vergebene Mühe! Da hörte er von einem' Wettrennen, «welches inder Nähe Londons stattfinden sollte, lief hin — und cher erste,, den ers dort erblicktö, war jener Schreckliche, . der mit so kalter. Boshirit sein Glück zerstört hatte.' Zadok.eizitterte vor Zorn. Im ersten. Augenblick wollte er sich auf ihn werfen und die' Rückgabe sein'es Glückes von ihm/ fordern, aber der Lord sah auf. ihn HM Jo eisiger Rhhe, dast er 'sich unwillkürlich an. die Strenge der englischen' Gesetze erinnerte. Er müßte sich daher begnügen, unaufhörlich seinem Feinde zu folgen, bis er dessen Namien erfahrenkönnte. An den ersten Konstabler, an deM sie Vorbeigingen, wandte er Jich-Mit der Frage: „Kennen Sje diesen Herrn?" „Ja", erwidert der SicherheitswachMann, i,däs ist'der Prinzl... . .,s der; Verwandte des Ministers. . . ." -Jeden anderen würden diese Morte aus seinem Wahne ge.-