Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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(Seite 368 Dr. VloH's Wochenschrift «r. 23 N a *3 «a « « o « > ft« « 0> « « 28 SS ctf anlaßt mich zu nachfolgenden Bemerkungen, um deren Veröffentlichung ich .Sm behufs Aufklärung der öffentlichen Meinung dringendst ersuche. Die. -/Norddeutsche"-, das .Organ der preußischen Regierung» konstatiert^ welche unmenschlichen Bedrückungen und. Benachteiligungen.gegen die rumänische .Judenschaft in allen kulturellen» bürgerlichen und politischen Belangen geübt wurden, Md! verspricht, -daß -nunmehr der § 44 des die Unterschrift des Fürsten Bismarck tragenden Berliner Vertrages Kr 1878, der die völlige bürgerliche und politische Gleichheit -/der G e s a ist t h dt t der Bevolkerung Rumäniens ohne Unterschied der Konfession in jeglicher Beziehung feslsetzte, nun me h r durchgeführt werden Müsse". . , - . Nun ist [es aber aufscheinend, daß im Widerspruche mit diesem schönen .Versprechenim Widerspruche mit denk. Berliner Vertrage der vvr wenigen Wochen abgeschlossene rumänische ^Friedensvertrag dem bei. weitem größten Teile der rumänischen Judenschafk, etwa 200.000 oder MeW es fast unmöglich macht/ das rumänische Indigenat zu verlangen. Auf Grund des! FriedensoerLrages können die Gleichstellung zunächst nur! diejenigen Juden erwerben, die Kriegsdienste geleistet haben,- und ihre Witwen rund Waisen. Nehmen wir deren Anzahl mit etwa 50.000 cm. So sterbleiben noch 200.000, denen der Brotkorb, das rumänische Indigenat, sehr hoch gehängt wird. Es können nämlich Mn diefchr 290.000 nur diejenigen rumänische Staatsbürger ^Werden/ welche gerichtlich nachweisen,- daß erstens sie selbst iM Lande geboren) und daß zweitens ihre Eltern, Vater und Mutter/ irrt Lande geboren sind. Wenn also der rumänische Jude nicht im Lande geboren . ist, oder ihatte der rumänische jüdische Vater eine österreichische, ungarische^ .russische usw. Jüdin geheiratet» dann: ist und. Hleibt der Sohn sein Leben -lang ein ,/Fremder" öder, wie es im neuen Friedensvertrage h^ißt,- ein „Staatloser". Kann > sder - -runmnische Jude' nichb - deng e-r-i-ch & * lüch-en Bew eis ,erbringen, daß vor .50 oder mehr Jahren fein .Vater und seine Mutter^iM'Lande geboren wurden, dann -bleibt er ein /»Staatloser" und es hilft ihm gar nichts, Menu er sich darasif beruft,- idaß damals im Lande Standesregister sticht vorhanden waren oder nicht otdnungsgeMäßi geführt wurden, daß also die' Beibringung eines gerichtlich anzuerkennenden Geburtszeugnisses' feines Vaters und seiner Mutter nicht möglich ist. Er bleibt sein jLeben lang ein „Staatloser",- ein Mensch der keine Heimat Hat, der jede^ejt ortsl- Md, landesoerwiesen werden kann» er ist und bleibt — wenn ihn ein anderer Staat nicht übernimmt/ der wandernde ewige Jude. So war^bisher in Rumänien — trotz Berliner Vertrag er 1878; so bliebe es weiter mit all dem durch ,/Fremden"- Gesetze und Verordnungen geschaffenen Bedrückungen auf -Grund des neuen Friedensvertrages ex 1918, auf den auch die deutsche Regierung ihre Unterschrift gesetzt hat, für, richtiger gegen ungefäht 200.000 rumänische Juden. Mit diesem Allerneuesten Friedensvertrage stimmen die schönen /Versprechungen der »^Norddeutschen Allgemeinen" nicht überein. Dieser^ Widerspruch, bedarf der Aufklärung. ' > < Wie die xuMänWen Kommandanten und ihre Heere dermal in zVessarabien hstusen> darüber lese man den vor wenigen Tagen hinausgegebenen Bericht der Israelitischen Allianz zu Wien. Baden- 11>. Angi 1918. f .. . Dt. -Alfred Stern. Nachrichten au!ss Warschau, Der Senat der Technischen Hochschule hat, nachdem er jMer das- Verhalten des' Präsidiums! und der Vertreter der „Gegenseitigen Hilfe", jüdischer Studenten in der Technischen Hochschule Kenntnis erhalten, ein Disziplinarverfahren eingeleitei und festgestellt, daß das Präsidium die Vorschriften für die Studenten überschritten hat. Auf Grund des! § (23 der '.Vorschriften für die Studenten beschloß/ der akademische Senat die Ausschließung von sechs! Studenten von der -Hochschule, des 1...und 2. Vorsitzenden der Versammlung sowie vier weiterer Beisitzer. Die Mitglieder der durch den Senat des Polytechnikumsgeschlossenen jüdischen: Studenteng esellschast „Gegenseitige Hilfe" erlassen eine, Erklärung, in der um eine Revision des UrteW gegen die sechs von der Hochschule relegierten Vorstandsmitglieder ersucht wird, da alle Mitglieder. gleichmäßig die Verantwortung für den Protest gegen, das Verbot der Gesellschaft trügen. In ähnlichem, Sinne wurde auch ein e! Berufung gegen den Ausschluß an das Ministerium gerichtet. Der „Glos ZydvwÄi" vom 10. Mai bringt einen Artikel von S. So ko low über die Ausschließung der sechs-jüdischen Studenten des Polytechnikums. Das Urteil - des' akademischen Senats hat in jüdischen Kreisen 'Entrüstung und Erbitterung hervorgerufen. Der Vorfall bringe Zeiten eines - Apuch tin, Schwarz, Bielaj ew zurück.-Das "Benehmen der akademischen - Behörden sei in mancher Beziehung viel schlimmer; sei es doch ungleich! schrecklicher,' Wenn die Behörden eines freien Staates in der Theorie den -Juden Zutritt %u den Hochschulen ohne -jede Einschränkung gefahren, in der Praxis von den jüdisch en Zöglingen fordern, ihre' Nationalität zu verleugnen, die ihnen Menso teuer wie ihre Bildung ist. Die Boykottbewegung m Polen lebt wiederauf. Die„Gazeta Poranna" (vMn gro82el hat wieder eine Abteilung „Oekonomischer Wiederaufbau" eingerichtet, in der sie unter der alten Losung „strov äo swego“ (Jeder kaufe bei den Seinen) den Boykott propagiert. Jedes Mittel, das geeignet ist, um• eine Hetze einzuleiten, wird angewendet. Alle Zeitungen betonen in aufreizender Weise, daß die ' Miertäge die Juden .deshalb als Feinde deskatholischen Glaubens und der polnischen Nation hin. — Seit Einsetzung der polnischen Verwaltung in unserer Stadt haben die Juden sich unausgesetzt darum bemüht, die - Aufhebung des Verbotes! des Lazienki-Parkes für Kaftanjuden gu erreichen. Alle Bestrebungen scheiterten jedoch an -dem Widerstand der führenden antisemitischen Kreise. Die Gesellsch aft für soziale Arb!eit ünter den Juden hatte sichan das Ministerium' für Landarbeit und Krongüter mit einer Denkschrift gewandt, in der die Beseitigung der Aufschrift gefordert wurde, nach der Leuten in nichteuropäisch er "Kleidung der Eintritt an die Lazienki-Därten verboten sei. Das Ministerium chat. die DeMchrift an den Regentschästsr at weitergeleitet, weil die Lazienki-Gärten der augenMcklich durch den RegentschaMrat repräsentierten Krone gehören. Dieser Tage hat das Ministerium die Antwort des Zivilkabinetüs!W! Regentschäftsrates' erhalten, daß Leute in nichtenropäischer Kleidung nicht einzulassen seien. Dieser Bescheid ist. der Gesellschaft für' soziale Arbeit unter den Juden mitgeteilt worden. Das ist der 'Sieg des offiziellen Antisemitismusin Polen. Mr WiederMMu Wn Brest-LitülvM.! Nachdem nun die Wege in RuMand nach- und nach fteigelegt werden, schickt man sich an, auch! die 'jüdische Gemeinde in Brest, von deren altem' Glanze kaum eine' Spur geblieben ist, wieder aufzurichten. Zwei Herren ans dem Warschauer.-Hilfskomitee für Brest, frühere Gemeindevorsteher, weilten mit Erlaubnis der' deutsch en Macht zu diesem Zwecke einige Wochen in der verwüsteten Stadt. Sie berichten, - daß das ganze Zentrum, sowie die HauptmÄ Verkehrsstraßen der Stadt bis! auf einige. Häuser vollkommen zerstört sind. Ziemlichverschont blieb