Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Pr. 23 Dr. BioG'S Wochenschrift Seit» 369 nur die Gegend um den Bahnhof. Sftri ganzen sind etwa vierzig Prozent der Häuser, zumeist .Holzgeb-äud-e, noch in wohnbarem Zustande. Wie durch ein Wunder ist die große Schule -mitsamt der RaVbin er'wvhnung 'verschont geblieben. Wenigbeschädigt find auch die VereinshÄuser Hachnosas'-Orchim und Chewra-Kadischa. Von der zivilen Bevölkerung sind nur zwei Bürger in Brest geblieben, ein Russe, Bäcker von Beruf, und ein jüdischer Milchhändler namens! Sawinjuk. Zu ihnen kamen, -aber erst in jüngster Zeih einige tausend Zivilarbeiter von auswärts, zumeist Juden, die in einer Barackenstadt jenseits! des' Bug eine ansehnliche Kolonie bilden. Nach und nach kehren auch alte Brester Familien zurück, die mit Erlaubnis der Macht den Weg! zur Heimat wiederfinden. Viele gewannen aber nach Einsicht in die ZustälÄe den Eindruck, daß sie hier keine Erwerbsmöglichkeiten. finden, und gingen voller Enttäuschung zurück in die Fremde. Trotz allde'M lebt in den eingeweihten und maßgebenden Kreisen die Hoffnung, daß bei dem starken 'HeiMatgefühl, däI den Juden ausz-eichnet, schon in kurzer Zeit neues! jüdisches Beben aus den Ruinen der altehrwiürdigen Gemeinde erblühen wird. M MMHZÄovstjLndM in Wladimir Wolynski an Herrn' FeMaMiner Dir. Färber. | Nach zehnmvnatiger Tätigkeit als' Militärseelsorger der k. u. k. 4. Armee' mit dem Sitze in Wladimir wurde Herr Feldrabbiner Dr. Färber am 26. v. M. nach Cholm transferiert und schied somit von unserer Gemeinde, UM welche er sich unvergängliche .Verdienste erworben. hat. Traurige Zustände waren es, die Herr Feldrabbiner Dr. F ä? b e r Anfang August v origen Jahres bei uns Vorfand, und es war ein glücklicher Griff d^l ArmeekoMiNandds, daß es! diesen tüchtigen Rabbiner mitder Regelung unserer Gemeinde, ihrer Schulen und Wohlfahrtsanstalten betraute. Eine kaum zweiwlöchige OrienEerung genügte ihm, die Uebelstände zU erkennen und die Mittel zu deren Beseitigung ausfindig zu Machen. sFm argen lag vor allem! das! Armenunterstutzungs- Wesen. Da wurde die Wiener „Israelitische Allianz" bewogen, ihre eingestellten monatlichen Subventionen neueMnD zu bewilligen und! zu erhöhen. Die Verteilung. der Unterstützungen, wurde geeigneten Männern, an deren Spitze sich der.Feldrabbiner selbst .in hiu-i gebungsvoller Weise stellte, übertragen,. Viele Monate Hindurch war der Feldrabbiner bemüht,, ein genaues! Verzeichnis! der Armen Mer Grad'e Unzutegen und (die Höhe ihrer Unterstützungen festzustellen. Zugleich ließ er 'durch das MmeekoMMando im Wege desEtappenb^irWomM>andos einen zwölfgliedrigen Kultusvorstand auf Grund von zu diesem 'Zwecke an Stelle von Sta-4 tuten verfaßten D-ienstinstruktkon en auf Kriegsdauer nominieren und führte denselben durch Leitung der SitzuncM und durch! stets zutreffende Ratschläge rmd Weisungen bis' zur. vollständigen -Einarbeitung und sicheren Amtsführung. Aus. dsM chaotischen Zustande, in welchem die hiesige gegenwärtig 'zehntausend, Seelen zählende, hauptsächlich aus Armen und Elenden sich zusaMmensetzende Gemeinde. befand, ist nunmehr ein wohlgeordnetes Gemeinwesen -entstanden, so daß die Nachbarstadt Ustilng beim ArmeekomMando Mtstelkig wurde, derFeldrabbiner möge auch dort nach dem Muster von Wladimir, die jüdische Gemeinde organisieren, was ebenfalls geschehen ist. Für die jüdischen Schulen wurde eine Schulfektion dem' Kultusvvrstande angegliedert und dem Unterrichte modernere Gesichtspunkte zur Richtschnur gegeben. Eine herzerhebende Aktion zur Bekleidung armer Kinder währendder Winterzeit durch Veranstaltung von WohWtiakeitsäbenden für Zivil und Militär unter'dem Protektorate des Feldrabbiners Mrte zur Gründung eines ständigen B eklerdnngsverein es (MaMsch-Arumim), dessen Präsidium ein Mitglied Hes Kultusvorstandes innehat und welcher bereits! Hür ungefähr 10.000 K. Schuhe und andere Kleidungsstücke an die ärmsten Kinder verteilen konnte. Dieser Aktion schloß sich die 'Hokzverforgung der armen Schichten Mit einem Betrage von 5000 K. an. Zu Pefsach- .wlar der. Vorstand nach umfassender Vorbereitung. in der Lage, 15.000 K. der Armennnterstützung zuzuführen. Die jüdischen Volksküchen erfteuten sich stets der größten Fürsorge des Feldrabbiners, ebenso die Talmud-Thora-Schule und das Rabbinatskolleginm. Große Aufmerksamkeit ist dem rituellen Bade (Mrkwa) zugewendet und, ungeachtet erheblicher Schwierigkeiten, ein nruer gewissenhafter Pächter für dieses wichtige Institut Bestellt worden. Im, Hanpttempel (Stadtschul) erfolgte eine wesentliche Verbesserung der Ordnung, der Hygiene und der Verwaltung. Der Grundgedanke, von welchem' der Feldrabbiner ausging, war, alle Zweige des Gemeindelebens zu zentralisieren, und zwar so, daß die einzelnen Fäden in der Hand des KultüsvorstaUdes lZufamMenlaufen. In Konsequenz! dieses 'Grundgedankens wurde den Vereinen, bezw. Sektionen, je ein Vorstandsmitglied als Berater und Referent b'eigegeben. Kurz, eine segensvolle, von hoher Organisatisnsfähigkeit, nicht minder auch von Liebe zum Judentum zeugende, auf sämtliche Gebiete unserer Gemeinde sich erstreckende, selbstlose Wirksamkeit '..entfaltend, _ erwarb sich Herr Feldrabbiner Dr. Färber den tiefsten Dank unserer Stadt. Der gefertigte Vorstand sieht mit größtem Bedauern den verdienten, von allen Parteien hochverehrten Rabbiner aus seiner Mitte scheiden und wünscht ihm von Herzen Glück zu allen seinen das österreichische Judentum ehrenden Bestrebungen.' Schließlich danken wir auch Herrn Feldrabbiner Dr. Färber für die vielen ErbauunDstunden .dev Gottesdienste und der lehrwie genußreichen Predigten, >die zwar dem -Militär galten, jedoch auch der versammelten Zivilbevölkerung, zugute kamen. Was endlich Herr Feldrabbiner Dr. Färber als Vermittler zwischen der jüdischen Bevölkerung und der Militärverwaltung geleistet, das sei heute nur andeutungsweise erwähnt. Bei Gott ist es, solche Mühen und Verdienste zu lohnen. Unserseits soll nach Rückkehr des allgemeinen Friedens diesem! Kapitel ein goldenM Blatt in der Geschichte unserer' Gemeinde gewidmet werden. - Zum' Zeichen des Dankes hat der Kultusvorstand namens der Gemeinde am Tage des Abschiedes ihres Gönners und Wohltäters Se. Chvw. Herrn k. u.?. Feldrabbiner Dr. Rubin Färberin seinem imMerwährenden Ehremnitgliede ernannt. Wladimir Wolynski, den 27. Mär 1918. ^_ Für den Kultusvorstand: """ " Leon Kantor, Vorsteher. CH. F e i g e n bäum, Schriftführer. W. Gabbe Kassier. Maßregelung einer jüdischen TaMzxiümgj in Newyork. Die größte.jiddische TaqeWertuUg Newvorks, der „Vorwärts", wurde infolge seiner Haltung-'in Kriegsfragen wegen des! Verdachtes „nnpatrivtischen Interesses für Deutschland" mit d'eM Ausschluß vom PosMtrieb bedroht. Dieser 'ZwangsMaßregek, der bisher etwa achtzig Zeitschriften und Tageszeitungen zum Opfer gefallen sind, konnte der „Vorwärts" nur durch die schriftlich eingeaangene Verpflichtung entgegentreten, in Zukunft keinerlei Diskussion Wer den Krieg in seinen' SmUen zu vestatten.