Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 23 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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83 ■fSsppr «9 C? 09 Seite 366 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 23 Bevem zur Orrichtmlg von VoVsküchM nnch! isr. Wtus. Die 27..Gener alver sam Mlu n g. dch' Verein es Zur Err-ich tu ng v on V olksküchen nach israelitischem Ritus fand am. 28. Mai im Festsäale des Tempels' ich 1. Bezirke statt. Der Vizepräsident Dr. Ka Hane hielt dem verstorbenen Präsidenten Herrn Salv Cohn und Architekten Wilhelm Fr änkel einen warmen Nachruf, worauf Direktor W a g n e r den RechenschaM^richt. erstattete, dem. wir entnehmen, daß Heide VoWlüchM im Berichtsjahre 28 Millionen Portionen, darunter 600.000 gratis, verteilt haben, außerdem in der erster: Wi en er GemeinschaMküch e, - die Frau Hermine Ka dis ch, der aus Dankbarkeit ein Fonds von 123000 K. gewidmet wurde, ins' /Leben rief, der Ausspeisung für Handelsangestellte in der EUinglgasse 700.000 Portionen. Dias treMiche Mittagessen daselbst kostet noch immer K. 1.70. Das Defizit von Wer 100.000 K. wurde aus Vereinsmitteln gedeckt. Magistratssekretär Dr. P i a n? irr Vertretung des verhinderten Bürgermeisters und Bezirksrat Dr. Maximilian Stialitz, feierten die Verdienste des'Vereines uni die Ernährung der Wiener Bevölkerung in der Kriegs eit. Frau Direttor Reqire Ulmann,' Herr Armenrat Arnold Lemb erg er, Frau Dr. Frischauer und Frau K ad i s ch priesen namens der „WeWichen Fürsorge", der Fluch tkings^entrale, des ' „Pestalozzi", -des' Franz Josef-Kinderhortes die Leistungen des Vereines. Nachdem Frau Salo Cohn, die Direktoren Türket und Stein er in den Vorstand neugewählt worden waren, schloß die Versammluna. Der Ver- . einder sich redlich bemüht, den Hunger unserer Glau- Neusgenossen zu ftWen, sollte die größte, Förderung erfahren, auch wären ihm weibliche freiwillige Arbeitslkraste hochwillkommen. * ' - MM LiM Oesterreichischen Statistischen HandlMch. ' Infolge des Kr*'e*>eZ ist erst jetzt der Jahrgang 1915 des Oesterrejchi'chen Statistischen Handbuches erschienen. Mrs ' den Hauvtrubriken ist natürlich nichts* Neues Wer die Gliederungder Bevölkerung zu ersehen, da dw 'letzte Volkszählung 1910 stattsand und seither kein detailliertes Material vorliegt. Immerhin seien hier des Interesses halber einige von der „IW. Ztg." auf Grund des' erwähnten Handbuches zusammengestellten statistischen Daten über die.Juden in Oesterreich wiedergegeben. ' Zahl der Juden: Die Zahl der- Juden betrua 1910 in Oesterreich 1,313.635 unter 28,570.800, d. s. nicht ganz 46 Prozent. Berufsgliederung.' ' ' Bei der Gesamt- Bei'den Juden bevölkeruug^ A. Landwirtschaft . ... . . 110.781 8*4% 48*45°/^ 8. Industrie und Gewerbe . .325.162 — 24*8% 26*47°/,, 6. Handel und Verkehr ...680.692 51-8% 12*39% D. Oeffeutliche Dienste, freie : Berufe ohne Berus*. . .197.000 — 15*0% 12*69% , 1,313.635 100%, 100*00%“ Eheschließungen: "v ' 1911 1912 1913- Rem jüdische. . ... . . . 6249 8685 . 7656 Byautigam jüdisch . . . . . 1491 nia 162\ q„a 165l oa« Braut jüdisch ... . . . 70f iiy 108s 20 , 123s . Von den 288 Mischehen entfielen aus Niederösterreich 176, Böhmen 58, Triest 24, Mähren 18, Steiermark 4, Galizien 3, Schlesien 2, Tirol 1, Vorarlberg 1. die Bukowina 1. , H ochs ch ulen. Jnr Wintersemester 1913 betrug die Zahl der jüdischen Hörer an den Universitäten: Wien . .'. . . ... . 2786 oder 27^5% aller Hörer Graz . . . . . . . . . 56 „ 2*5% / . Innsbruck. . . . . . . 13 „ 0*9% „ „ Prag (deutsch i.. . Mag (böhmisch) Lemberg . .. . . Krakau . .. . . . 535 oder 23:3%- aller Hörer 10.6. „ 2*2%; 1611 ,, 284%. .. - „ . 4«3 ,, 15*3% „ „ (Aus CzernowiH sind wegen des Krieges die Daten noch nicht vorhiäüden'gewesen.) An den technischen Hochschulen waren jüdische Hörer im Wintersemester 1913/14: Wien . . . . . . V . . . . 660 oder 20 7% Graz . . . . . . . , 66 ft 8:0% Prag (deutsch) . . . . ... 223 » 24*7% Präg (böhmisch) . . . . . .406 w 2*2% Brünn (deutsch) - - - - . . . 236 „ 24-8% Brünn (böhmisch) -. . . ... 23 , 3*9% Lemberg- . . . . . . . . . . 208 „ .11*9% An der Hochschule für Bodenkultur wurden 27, an den-montanistischen Hochschulen 18, an den (tierärztlichen 69 jüdische Hörer gezahlt, an der Kousularakademie studierte kein'einziger Jude. /An. den Kunstschüleu finden wir einen ganz beträchtlichen Prozentsatz Juden. An den drei Akademien für bildende Kunst: Wien 15 oder 7V2 Prozent, Krakau 12 oder 9 Prozent, Prag 3 oder 2 Prozent, an der Akademie für Musik (Konservatorium!) nicht weniger als ein Drittel aller Hörer: 200!. 8 Mitt elf ch u le n. An allen Gymnasien O esterreichs k zählte man 1911/12 99.675 Schüler, davpn Juden 1.6.471, d. s. 16i/» Prozent, an allen Realschulen 47.909 Hörer, davon Juden 4943 oder tO1/^ Prozent. An den Gymnasien für weibliche Jugend gab es 1911/12 4034 Schülerinnen, davon waren 1388 oder 34*4 Prozent Jüdinnen. .'.3-.'.-' ' l^./l ' Lehrerbildungsaustalten. Besonders interessant sind die Ziffern der Besucher der Lehrerbildungsanstalten. 1912 gab es deren 11.788, davon waren 80 Juden, bl s. also 0 7 Prozent- ' In den Krönländern Mederöflerreich,Görz, Istrien, Mähren und Sichle-' sieu gab es 1914 überhaupt nur je einen Frequentanten der. betreffenden Anstalten, in der Bukowina 13, aus Galizien .fehlen- -für:dieM.Jahr 'Äie/Zahlen. In den übrigen KvonMndern gab es nichts -einmal einen Juden unter den Hörern. In SumMa entfielen 1914 — ohne Galizien — auf 7231 Hörer 18 Juden, dl s. genau ein Viertel Prozent! - Gew e rbliche L eh.ran stalt en. Unter 243.036 Besuchern 1913/14 aab es bloß 3912 Juden. Ueber die Relig-'-onsoerhältnisse an Volks- und Bürgerschulen enthalt das Jahrbuch keine Angaben, wie überhaupt die mitgeteilten dürftigen Zahlen über wenige Zweige der Statistik alles sind/ was das Buch über Juden enthält. \ - _ . ' b. Antistnritische PreMchie in Wiener-NeüsAdt. Wir erhalten folgenden ' ■ offenen Brfef: i Wiener-Neustadt, 8. Juni 1918. An die löbliche isr. Kuttnsgem einderepräsentanz . . in Wien. Ich sehe michl veranlaßt, an Sie heute nachstehendes Schreiben zu richten, und' will ich hoffen, daß Sie im Interesse der gesamten Judenschäst Niederösierreichs alles daransetzen werden, um nachstehenden öffentlichen Judenhetz!?n mit aller Energie entgegenzutreten. In der zweimal wöchentlich erscheinenden „Wiener- NeustWter Zeitung" mehren sich von Woche zu Woche die Fälle, wo Artikel f;egen die Jstden derart Hetzen, daß es nicht wundernehchen dürkte, wenn es auf Grund dieser Anseindungen zu -einer Judenverfolgung führen. Ich verweise nur duf die in letzter -Zeit erschienenen Nümmern "43 - ^vvm'-1.lKl'-W. luW 44 vom '5. d. M.