Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-06-07 · 22 (7.6.1918) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
22 (7.6.1918)
Date
1918-06-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022323--26926-3052313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sk 2 2 $ir. Bloch'S Wochenschrift Seift- 349 Land oder einen bestimmten Ort, sogar-für einen bestinünten Kindergarten —. und auch gewährleistet wird. Nur bei einer fehlenden speziellen Vexwendungsbestimmung bleDt der Organisationsleitung eine'den jeweiligen Bedürfnissen entsprechende Verteilung der Mittel Vorbehalten. Aus diese Weise wird einem etwaigen Vorhalt, daß der Osten von dem Westen wie bei anderen Woblsahrtsäktiionen zu viel profitiert, die. Spitze abgebrochen. Aber auch eine andere nicht zu unterschätzende Gefahr wird durch die bezeichn et en Grundzüge vermieden. Es bestehen leider Aus,ätze, daßdie soziale Betätigung sich förmlich zu einem privaten Hoh eitsrecht entwickle. Dadurch entsteht bei der Bevölkerung unbewußt die Meinung, daß auf ihre Mitwirkung nicht reflektiert wird oder daß schon „irgendwo" eine Fürsorge existiert, während dort vft mit bestem Willen und im' guten Glauben nicht zu. bewältigende .Arbeit auf eine Stelle oder Person geladen tvird. Soziale Betätigung ist meiner Ansicht nach jedermanns Pflicht und 'Recht, der nach seinen geistigen und materiellen Mitteln hiezu befähigt, ist. Sie darf nicht monopolisiert werden. In dieser an Not und Elend so reichen Zeit ist für jedermann Platz zur Wirksamkeit an der Sonne der sozialen Betätigung. Erwähne ich noch, daß die geplante Fürsorgeaktion sich mangels! eines religiösen oder politischen Streitobjektes in gleicher Weise auf unsere von der Idee der natiorealen Wiederg eburt erfülltenOrg a.nisationen stützen kann, wie aus die im..so ztaten Wirken mitunter sehr bewährten Kukrusgem ein den, glaube ich ein, wenn auch beiläufiges, so doch, anschauliches! Bild.jenes Organismus entworfen zu haben, aus den sich die unbedingt erforderliche Fürsorge für die vorschulpflichtige Jugend stützen kann. Eine Kundmachung des Magistrates der Stadt Wiettezka. Der Magistrat der Stadt Wieliczka erließ eine Kundin achung in Angelegenheit der letzten Exzesse gegen die dortigen Juden, in welcher, wie der „Wiener Morgen- Zeitung" berichtet wird, u. q. gesagt wird: „Die Exzesse vom 14. Mas, an denen sich zumeist Auswärtige und zum Teil auch die städtische Bevölkerung beteiligten, und welche sich! durch Zerschlagen, der Fensterscheiben, Plünderung von Geschäften, tätliche Verletzungen von Menschen gegen die Juden gerichtet haben, sind eine Schande für die polnische Gesellschaft. Der Magistrat brandmarkt diese Handlungen als strafbare Taten, die mit der Würde und dem Kulturgrade der Stadtbewohner unvereinbar sind. — Diese traurigen Ereignisse schaffen eine Erregung.und führen zur Spaltung der Bewohner - der Stadt, die für die ganze Stadt von großem Schäden sein kann." Nach eindringlicher Mahnung zur Ruhe und Androhung schwerer Strafen im Falle neuer Ausschreitungen schließt der Aufruf: „Wir durchleben jetzt infolge der Lebensmittelknäppheit schwere Zeiten-, aber daran leidet'die gesamte Bevölkerung in gleichem Mäße. Tie Wiepemuffindung von Moritz GottlMs „Betende Juden". Vor einiger Zeit wurde in Berlin, wo das Interesse für den Kunstmarkt und den Kunsthandel in. der bisherigen Stärke ändauert, ein Gemälde erworben, dessen Schöpfer der in jungen Jahren verstorbene Oesterreicher Atoxitz,Go ttlieb war. D,as Bild, für das jetzt etwa 300.000 Kronen geboten wurden, war viele Jahre lang verschollen- und nur ein Zufall führte zu seiner WiederauffindUng. Es stellt in ganz eigenartiger Auffassung „Betende Juden" an Ihrem höchsten Feiertage^ im Tempel vor. Die Betenden sind, hierin den religiösen Vorschriften entsprechend, in zwei Gruppen geteilt: in die untere, die die männlichen, und die obere,' die die weiblichen Gestalten umfaßt. Der Ausdruck ist der tiefster Reue und Zerknirschung. Wir sehen sie nicht nur vor uns, sondern vernehmen fast auch ihre Stimmen. Jede Gestalt ist voller Leben und Wahrheit, voller Seele. Man möchte fast sagen, daß in jeder Figur das Schicksal und der Charakter der ganzen Klaffen der sie zugehört, ausgeprägt ist. Die Mittelfigur, ein schmächtiger, blasser Jüngling, eingehüllt in die Gewänder der Ostjuden, ist ein genaues Selbstporträt des Meisters. Die Inschriften, die an zwei Stellen des großen Gemäldes angebracht sind, enthalten folgende Worte in hebräischer Schrift: „Ein Opfer für die Erlösung der Seele des verstorbenen Moritz Gott lieb. Ehre seinem Andenken." Diese Worte , hat der Maler selbst geschrieben, als ob er geahnt hätte, daß er sein. Werk nicht lange überleben werde. . Ein beträchtlicher Teil seiner Schöpfungen istwie wir dem „N. Wr. Abl." entnehmen, in Privatbesitz gelangt, der Oeffentlichkeit unbekannt geblieben, und nur drei große Werke sind bekannter geworden: „Die betenden Juden", die jetzt wieder aufgefunden wurden, „Shylock und Jessika" sowie „Uriel Acosta mit Spinoza". . Der Lebenslauf Moritz Gottliebs, der nur 23 Jahre alt wurde, bot viel dos Interessanten. Er wurde am 21. Februar 1856 in Drohobycz als Sohn eines recht wohlhabenden Naphthaindustrietten geboren. Der Vater war ein Mann von höherer Intelligenz und Kenntnissen, und war nicht nur um das materielle Wohl seiner Familie besorgt, sondern wollte seinen Kindern auch eine sorgfältige Erziehung angedeihen lassen. Von den frühesten Anfängen an zog es den Kleinen zum Zeichnen, und immer wieder beschäftigten ihn dabei religiöse Motive. Ebenso wirkte aber auch frühzeitig schon die Natur aus ihn. Sein Wunsch war es, in die Wiener Akademie der bildenden Künste einzntreten. Hier wendete ihm Professor W n r z i n g e r besondere Aufmerksamkeit zu und brachte ihn bald in die Meisterschule, wo er für historische Kompositionen ausgebildet werden sollte. Noch fühlte sich der Jüngling aber dieser Stufe nicht gewachsen. Er besuchte die anatomischen und historischen Vorträge an der Akademie, forschte nach Quellen zu seiner weiteren- Fortbildung und fand schließlich — durch Ma tej kos Gemälde „Der Tod des Rejtan" angeregt — den Weg zu dem großen, polnischen Meister. Unter der Anleitung Matejkos malte Gottlieb nun im Jahre 1874 eine Reihe von Porträts wie auch historische Gemälde, die bereits deutlich die Merkmale großer künstlerischer Veranlagung und Auffassung zeigen: so insbesondere ein „Boleslaus vor den Toren Kiews" und das Charakterbild „Der Pole". 1875 übersielte er nach München, wo er Ferdinand P i to t y s Schüler wurde und auch den ersten Künstlervreis errang. Im Jahre 1876 verließ Gottlieb München und kam nach Wien als Schüler Heinrich von Angeli's. In dieser'Zeit erreichte seine Künstserschaft ihren Höhepunkt, und unter seinem Pinsel entstanden Meisterwerke., denen die Kritiker und Kunstkenner übereinstimmend ihre volle Anerkennung jofftett. In Wien schuf er denn auch das Kotossalgemälde „Die betenden Juden", Pas nun, wie gesagt, um den Preis von 300.000 K. in dev Besitz des Berliner Großindustriellen,Albert Loeske gelangt ist, nachdem es Jahre hindurch von feinem vor kurzem verstorbenen Eigentümer sorgfältig vor der Oeffentlichkeit verborgen gehalten worden war. Als dieser Eigentümer starb, kam es durch die Berliner KUnftfirma Markgraf & Co. in Loeskes Hand. Ein zweites Bild, das Gottlieb wahrend seines Wiener Aufent- Würdig unseren Vätern and Brüdern im Felde zeichnen wir die 8. Kriegsanleihe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.