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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-06-07 · 22 (7.6.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
22 (7.6.1918)
Date
1918-06-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit« 34t Dr. Bloch'S Wochenschrift Stt. 32 CS xn ZS3 «?■* dS P' ]> i;.; ii" « »MMtz £ « M « kt-I S AZ $— <D I ’■ r- 'Ma S- M SS M « r/r -S den mit sogenannten GlücksgWern geseMeten, b'enjeni-'. gen, die von den schwersten Nöten dieses Krieges versthont geblieben, sei ins Gewissen gehämmert, daß es für sie im Augenblicke keine dringendere Pflicht gibt, als' Wm Kampfe für .die Ehre und das Ansehen ihres ' Volkes soviel herzngeberr, aW gerade noch möglich, ohne sich Entbehrungen auferlegen zu müssen. W könnte sonst vielleicht der 'Tag kommen, an dem es sie reuen würde. Pflichtvergessen gewesen zu sein! Gewiß ist der Mische Wohlhatigkeitsfinn bekannt und in allen Spendenlisten für die verschiedensten wohltätigen Zwecke findet man Juden obenauf. Das ist gut und! niMich und möge auch weiterhin so bleiben. Aber noch besser scheint mir jede Summe für den Wwehrfonds angewendet, als für alle übrigen Zwecke, well dieser Fonds geschaffen wird, die Quellen des speziellen jüdischen. Leides und der jüdischen Not nach Möglichkeit zu verstopfen. Also: Herzen und Geldbörsen auf! Das Zusammentragen eines großen Kampsfonds ist. wohl eine der wichtigsten Arbeiten, die die Abwehraktion erfordert, aber, einleuchtenderweise nicht die einzige. Der Fonds har nur den Zweck, die eigentliche ' Abwehrtätigteit zu ermöglichen. Wir werden also nicht .mir viel Geld, sondern noch mehr viele Menschen brauchen, die guten Willens sind. Hände und Köpfe. Nicht .nur in Wien, im ganzen Reiche. Es! gilt, einen großen Wwehrausschuß ms Leben zu rufen, auf den schon .jetzt ein Berg von Arbeiten wartet. Dieser Abwehraus-- schnß hat mit den geeignetsten, modernsten Mitteln den . .Mnnps zu führen, jeden Mann und.jede Frau an den Platz zu stellen, für den sie sich eignen, und im ganzen Reiche Zweigausschüsse zu bilden, hie mit dem Wiener Zentoalausfchuß in innigster Fühlung zu arbeiten haben werden. * Sich dieser ehrenvollen, großen Ausgabe setostloch mit treuer Hingabe und mit gänzer Kraft zu widmen/ fordere ich alle jüdischen Männer und Frauen in ganz Oesterreich auf. Freiwillige vor! Wer mittun will, wer sich zu dieser , wahren Kulturarbeit hingedrängt fühlt, zeige sofort seine Bereitwilligkeit der Schriftleitung die-, ser Wochenschrift an. Sobald ein hinreichender Fonds und eine genügende Zahl von Arbeitskräften zur Ver-! fügung stehen wird, soll der,Kamps beginnen. W wird gewiß nicht-wenige geben, die fragen werden: Ja-wozu denn der Aufwand? Wozu einen eigenen Wwehrausschuß gründen, da wir doch Kultusgemeindew. und freie jüdische Korporationen nicht gerade wenige haben, deren Pflicht es doch wäre, diesen W- . Wehrkampf zu führen? Warum führen sie ihn nicht und warum haben sie ihn nicht längst begonnen? Darauf gibt es nur eine, allerdings sehr bedauerliche Antwort: Die Herrschaften wollen nicht! Nein, sie wollen einfachnicht! Anregungen haben sie schon zahllose emp- : sangen, aber gerühri Hab en sie sich nicht, und man merkt keinerlei Wstcht, daß sie's wenigstens in. Zukunft tun wollten. Warum? Das läßt sich so genau nicht sagen. Sei^s deswegen, weil in den Kulfusstuben das Patriarchenalter friedlich schlummert und um nichts gestört 'werden will, sei's, weil den Herren nicht ausschließlich die Interessen der Juden, sondern so nebenbei auch . Knopfloch- und Visiteirkartenint er essen' nahegeh en, und es die' Pflege letzterer Interessen erheischt, nirgends anzustößen, niemandem unbequem zu werden. Genug an dem: sie wollen nicht oder können nicht, und. so muß es' eben, mäFs auch beschämend seichohne sie geschehen. Aber geschehen muß es, da gibt es kein Aufhälten mehr. - Sollten sich die genannten' Herren in letzter Stunde 'doch noch eines Besseren besinnen, so:' sollen sie herzlich st /wLMotmnen sein. In meinem Aufsatze „Ein ernstes Mahnwort" habe ich in 'knappen Umrissen dargelegt, welche Aktionen unternommen werden müssen, nw gehässige und niedrige Panschalverleumdungen und Verhetzungen - unschädlich zü machen. G& ist jedoch noch etwas, sehr -nötig. Die Jndent schaft har Reinigrmgsärbeiten auch im Innern, in ihrem eigenen Hause, vorzunehmrn. Cs gibt jüdische Ehrlose und Verbrecher? aller Grade, - so wie es christliche Verbrecher und Ehrlose gibt. Es gibt jüdische Diebe, Ausbeuter, Wucherer, Preistreiber, Schleich--, Ketten- und Mädchenhändler, Ausnützer der Notdürft, des' Volkes, Militärbefreiuttgsschwindler und. sonstiges erbärmliches Gesindel genau wie unter den.Nichtjuden. Nachweisbar ist -allerdings jederzeit, daß die jüdische Bevölkerung keinen höheren Prozentsatz solcher Verbrecher stellt als - die nichtjüdische. Daß sie eben ihr verbrecherischer Hang und nicht ihr jüdisches!' Blut zum - Verbr echen treibt. Aber wir müssen es allen Juden llarnrachen und tief ift die Seele prägen, daß gerade sie ütsJstden,und weil sie Juden sind, eher Selbstmord zu begehen haben,! als sich solcher Verbrechen schuldig, zu n'iacheru.. Jeder Verbrecher begeht sein Verbrechen auf eigenes! Risiko und nicht einmal sein leiblicher Bruder hat dafür zu hasten. Anders der Jude. Das Verbrechen eines Juden wird zürn Verbrechen aller Juden, die die Erde bewohnen, gestempelt. Wenn ein Jude wuchert, dann hat nicht der Jude W, Hann haben die Inden gewuchert. Hat man doch einen Dreyftts, einen Hilsner und einen Beilis nicht deshalb mit Gewalt zu. Verbrechern gemacht, um drei eigentlich! ganz unbedeutende Einzelindividuen unschuldig.ju martern, sondern um in ihnen die Juden der ganzen! Welt' zu treffen, um . auszüzeigen, wessen alle In den'fähig find. . Jeder.Jude muß daher mit demvielen noch-fr'emden Bewußtsein erfüllt werderr, daßseine Schmach unser " aller ' Schmachist. . ' Der"'. Jude ntüß ein doppeltes! Ehrgefühl haben: eines als Mensch und eines als Jude. Und keinen strengeren Richter, keinen ünb armherziger en Verdammer darf der jüdische Ver- " Brecher und Ehrlose — der eines wirklichen Verbrechens MUÄersührte und nicht der schuldlos Verleumdete. — fin- Ebeft, als! uns -Juden selbst. Wer vergißt, welche Verant- " Wortung er seinem ganzen Volke gegenüber trägt, soll ' wie ein Aussätzig er b Handelt werd en. :' Das glaubte ich noch sagen zu müssen. Und nun frisch ans Werk. _' ." A. Mr-f. Dr. Strack über die Iadenpnakte im Sttkareßer Friede«. ). Konsistorialrät .Professor Dr. H. L. Strack schreibt in den „Berliner Neuesten Nachrichten" : „Wenn der Vielverbaird uns nur mit solchen Waffen und Kriegsmitteln beUmvfte,. wie sie. in ^Schlachten und 'für Schlachten erforderlich oder jetzt.üblich find, wären wir längst mit chm fertig. Aber er kämpft weit. mehr, durch eine überallzumal in den neutralen' Ländern, -gegen uns aufgehetzte oder geradezu bestochene Presse, durch Einschüchterung und Bedrückungder Neutralen (Holland, Schweiz!) und hauptsächlich, durch seine einerseits' von jedem sittlichen Bedenken freie ü und rücksichtslose, andererseits tatkräftige. und. zugleich weitschauende Diplomatie. Man strebt gär nicht nach einem für beide Teile befriedigenden Vergleich, sondern man fordert mit ..einem Tone, der den Willen, auch'"Gewalt anzuwenden, deutlich erkennen läßt; man fordert das Doppelte dessen, was man, eigentlich will, und "erhält dann, mindestens das Anderthalbfache. Mit Geschicklichkeit ist man auch beflissen, durch Versprechungen zu : ködern, ohne daß man. das' Versprochene leisten will,

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