Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 21 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Sette 339 Ät, 21 Dr. Vloch'S gehen. - Er sagt in seiner Dorerinnerung, daß -das hebräische Wort für Bräutigam (Wasan) „Chaton" in der Ursprache eigentlich „Kätzchen" bedeute; er bedient sich in der Uebersetznng dieses Wortes. Das Wort „Chaton" 'fo'nrmt nun in den acht Kapiteln des ..Hohen Liedes" nicht vor. Nur „Wasünoh",, H. L.,i III, 11. Wo die Braut von ihreM Bräptigane spricht, braucht sie einen hebräischen Ausdruck, der „mein Freund" »in «aus meus* bedeutet. Nun ist; die Frage: findet sich das Wort für.-„Katze" in der Bibel? Im Terte nicht. Wohl aber in den Targumim,zu Jesaias, XIII, 22. XXXIV-, 14, Jeremias Ls, 39, und 'Mar wird „Jim" dort mit „Chatulin" Übersetzt. Chatul aber mit felis, Katze. Es ist zumindest srrglich, ob dieses Tier in Lande der Juden bekannt war. Was har nun das Worr CHasans oder, wie Voltaire liest. „Chaton", Bräutigam, anit Katze oder Kätzchen zu tun? Das Wjörterbuchi von Gesenius gibt darauf keinen Bescheid. Wohl aber das von Dr. Ernst Maier. Er sagt: Chosan wird abgeleitet von Chosal in der Bedeutung „umwinden, umbinden, daher verbinden davon Choson der Bräutigam. Auch wir sagen: sich winden, wie. eine Katze, daher Ehasul (Chatul). Watul wird in asten Wörterbüchern mit „Katze", felis übersetzt. Es ist nun wahrscheinlich daß diese Aehnlichskeit sder Worte Voltaire vorschwebte, als er zu seiner mehr interessanten als Wissenschaftlichen Etymologie gelangte. Zabuesnig befragte einen gelehrten Sprachforscher Mer diese seltsame Mort-- ertlärung, der behauptete, man finde das Mort für Katze »weder im Terte, noch in der sechsfachen Bibel, die Origenes herausgab (Herapla), noch in den Untersuchungen hebräischer Worte von dem hl. Hieronymus. , Aber dieser gelehrte Sprachkundige aus dem »Luits de l’Uraeie des nouveaux Philosophes* Hat offenbar unseren Targnm nicht gekannt, der die „Chatulin", die Heulenden Katzen, die „Jim" des Jesaias und Jeremias igut kennt. Jedenfalls ist Voltaires Uebersetzung ungemein anziehend und wir glaubten, sie als wenigen bekannt, hier anführen gu müssen, als Zeugnis dafür, wie sich, dieser bewunderungswürdige Denker mit den scheinbar entfernt liegenden Dingen beschäftigte. Eine in.der Tat eigenartige Erscheinung. Der Dichter der,„Henriade", „Pucelle", der „Semiramis" und. des „Mahomet" als Forscher in der Etymologie hebräischer Worte. __ Dr. M. Grünfeld. „Das Neue Europa." Monatsschrift des Schweizer Druck- und -Verlagshauses, Zürich. Das Maiheft dieser häufig zitierten Züricher internationalen Monatsschrift behandelt zuerst die alle Welt packende Frage: Ist noch eine Verständigung möglich? Die längeren Ausführungen hierüber verdienen Beachtung, weil es keine phantastischen Schwärmereien find. Die grotze Ariedensmöglichkei. durch pine ^Verständigung rml Sommer 1917, die sowohl von der deutschen Reichstagsmajorität als auch von Oesterreich gefördert würde, ist leider verflogen, weil die Entente damals keinen .Werständigungsfrieden wollte. Das Selbstbestimmungsrecht her Völker sollte auf Europa, nicht aber auf Aegypten und Indien angewendrt werden. Nun geht der Kampf ums Weltimperium. Der Jusqu'üboutr'smüs ist nach dem Verfasser zum Fluch derer geworden, die im vorigen Sommer keine Verständigung wollten. Aber die Idealisten arbeiten trotzdem noch an einem Kompromiss zwischen einem Siegfrieden Und einem Verständigungsfrieden. Dr. ^tern spricht über die verschiedenen Methode^ det Kriegsverlängerung, die ohne Ausnahme Mutze rangen der politischen Kurzsichtigkeit sind. v v Neben einer Reihe interessanter Aufsätze' über verschiedene aktuelle politische und volkswirtschaftliche Fragen mutz besonders noch die Arbeit : ..Republik öder Monarchie in Rumänien?", sowie der Beitrag: „Zur Lösung der elsatz-lothringischen Frage" hervorgehoben werden. " > Eine geistreiche und objektive Beurteilung der Zeitgeschehnisse zeichnet auch wieder dieses Heft des „Neuen Europa" aus. M I. Bin Gorion (Bardyczewsst). 1. Zwei Generationen (Erzählungen). 2. Vom östlichen «Judentum. (Religiöses. Literarisches, Politisches.) Berlin-Wien 1918, R. Löwit. Je Mark 2.50. Beide Bändchen empfehlen sich auf den ersten Blick durch den Geschmack, den erfreulicherweise die Ausstattung unserer jungjüdi- - scheu Literatur in zunehmendem Matze bekundet. Sie enthalten Sammlungen von Zeitschriftenaufsätzen. des besonders durch seine Ausgaben jüdischer Sagen allgemeiner - bekannt gewordenen Verfassers. Seiner Erzählerkunst, vielen Lesern dieser Wochenschrift längst eine Quelle erlesenen ,Genusses,. liegen in den . Erzählungen gut ausgewählte Proben vor. Das Ostjudentum gibt sich hier ungeschminkt, ohne romantische Gloriole. Der Tendenz des ,,Staatsbürgervereines" dürste freilich weder die , Gojimverachtung", S. 45. noch.düs'- Gaunertum, S. 54, oder Mäscher!andere Verismus entsprechen, der sich aus dem Bekenntnis erklärt ,(S. 72). ^.Ja, Rache möchte ich üben für all das, .was in uns (durch die altmodisch« jüdische Erziehung) umgebracht wordenist." Diese Rache schietzt aber doch, über das Ziel hinausin dem zweiten Bande. Die Mesusü ist ein „Amulet" (S. 17),- der Gottesname-wird in der Form ausgeschrMeN, -die ihm die christliche Wochenschrift Theologie bestimmt hat (23). „Der Zionismus", lfo ilesen wir. sS. 78, ,,'häite Satz für Satz nein sagen sollen zu allem, was ihm Vorangegangen war. Auch das, was sich iM EM als erhalten erwiesen hat, würde auf deM neuen Boden das Gegenteil Hervorbringen". Die Mischehe wird (79) als eine natirnale Notwendigkeit hingestellt usw. Wir können diese Reaktion eines national erweckten, vor allem durch die Berührung mit dem.'Westen in feiner bisherigen geistigen Basis erschütterten Ostjuden gegen, sein Milieu begreifen und nachempsinden, können aber vom Standpunkt des Westjuden, der bei aller hritzen Liebe zu seinem Volke doch das Judentum in seinen religiösen Werten zu schätzen ni: aufhört, solche Darstellungen jüdischer Dinge unmöglich gutheitzen am wenigsten sie als für unsere Jugend geeignet empfehlen. Mag im Osten manche Lebenserscheinung des Judentums eine Entartung . aufweisen, die solchen Spott verdient und dort die Wirklichkeit solcher Kakographie nahekommen, den deutschen Juden mutet sie als eine Verzerrung seiner Heiligtümer an. die er entschi:den 'ablehnen mutz. . K. Ter jüdische Wille. Zeitschrift des Kartells jüdischer Verbindungen. 1. Jahrgang, 1. Heft. Herausgegeben vom t Präs, des K. I. V.. Berlin, Sächsische Straße 8. M. 1.20. Vom ersten bis zum letzten Wort eine Darbietung, die. dem gesunden Geist der jüdischen Studentenschaft Deutschlands Ehre macht. Mit diesem Nationalismus wird sich jeder befreunden, können, den ehrlicher jüdischer Wi^lse beseelt. Scharf wird di^ Mischehe abgelehnt. Der Hinweis auf Hirszenberg (S. 9) ist schlagend. Der Jugend steht der Optimismus gut an, mit dem ein jüdischer Kongretz in Oesterreich „als gesichert bezeichnet" wird. Das grotze Mitleid mit den Deklassierten im iOsten, das in dem' Feldbries (S. 61) zu Worte kommt:, kann wirklich nur in dev Arbeit für ein freies jüdisches Volk in Palästina seinen würdigen Ausdruck finden. Der Osten lehnt die Bevormundung durch den Westen schon heute ab und wird das Verhältnis »umzukehrensuchensobald es sich .Wirtschaftlisch unabhängig fühlt. Für» eine künftige nationale Kultur in Palästina wäre aber ein Ausschalten piwr Unterdrücken 'des deutschjüdischen Einflusses von entscheidender, wie wir glauben, verhängnisvoller Bedeutung. Denn gerade dieser Einschlag ist berufen, nihilistischen Tendenzen entgegenzuwirken. _ K. Taschenbuch der Kriegsflotten 1918, herausgegeben von Kapitänleutnant B. Weyer. Mit 1011 Schiffsbildern, Skizzen. Schattenrissen und zwei farbigen Flaggentafeln. Verlag I. F. Lehmann. München. Preis M. 7.20. Der neue Jahrgang des Taschenbuches bringt wertvolle Tabellen sowohl über den Stand der Flotten der Zentralmächte und Neutralen, als auch der feindlichen Flotten soweit Nachrichten zu erlangen waren. Das Verzeichnis der feindlichen Schiffsverluste. in übersichtlicher Form -ausgestellt, die Wronik des Seekrieges und die UeberMt Mer die Verluste der feindlichen »und neutralen Handelsflotte durch kriegerische Matznahmen der Mittelmächte sind bis Ende Januar 1918 geführt. Mist seinen zahlreichen Tafeln ist es wohl das übersichtlichste Werk feiner Art. Oesterreichisches statistisches Handbuch. 34. Jahrgang (1915). K. 2. statistische ZentralkvjMmissiontz 1. Bpzirk, Schwjarzenbergstratze 5. 1917. Trotz der großen Schwierigkeiten konnte das Handbuch zum drittenmal während des Krieges, erscheinen. Der neue Jahrgang ist wesentlich bereichert durch die Tabellen über Kriegswirtschaft. Andererseits konnten Tabellen über „Eisenbahnen", „Berg- und Hüttenbau", ..Auswärtiger Handel" . nicht gebracht werden. Der Preis des Bandes beträgt 4 K. Kriefkasterr Rofenbaum, Rzeszow. Unser Chefredakteur Herr Dr. Bloch ist derzeit verreist und wird Ihr Schreiben nach sehrer Ankunft erledigt. [ Langjähriger Leser. Der königl. ung., Justrzminister a D. 'Wilhelm Vaszomsi ist trotz seiner Geheimratswürde Jude geblieben und bekleidet nach wie vor leitende Wrenstellen in verschiedenen jüdischen Korporationen von Budapest. Nach welcher Formel Dr. PaSzonyi den Geheimratseid abgelegt hat, ist uns nicht bekannt, und auch die Budapester jüdischen Blätter bringen hierüber Nichts. K. F. Dr. Siegfried Frankl übt seine Praris seit 1 Mai wieder in Luhatschowitz (Mähren) aus. Notizen. Wiener Versicherungs-Gesellschaft. Unter, dem Vorsitze des Verwaltungsrats-Vizepräsidenten Baron Friedrich Harkanyi hat diese Gesellschaft kürzlich ihre 37. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Bezüglich des Geschäftsoerlaufes ist dem Jahresberichte zu entnehmen, daß sich das Jahr 1917 durch .eine Reihe