Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-31 · 21 (31.5.1918) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
21 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022322--26916-3052302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 333 Dir. WlsUS Ntännsgeschäft Mstrchett, aber das Getriebe der großen .Welt als gefahrvoll und dem! Seelenheil abhold meiden. :Aber wie der junge Wein Nichjt im engen Gesäße verbleiben kann, so Wunen die engen. Schranken des häuslichen Gesichtskreises die Jugend nicht dauernd festhalten. Die^Welt steht nicht still, und es! geschieht gewiß nicht zum Schaden des' Judentums). wenn man den jungen Leuten die Wege in die weiten und, schwierigen 'Gefilde des Lebens beizeiten ebnet, als wenn man sie erst spät als völlig Erwachsene hilflos und unerfahren aufs Geratewohl vor den harten Kampsums.Dasein stellt. .Und dieser Kampf bleibt keinem Juden erspart. . Salmenleb Hätte als .Anhänger der altüberlieferten Sitten nicht ohneweiters. Zugeläpen, daß, seine Kinder ein Gymnasium besuchen.. Mer er war ja in Wien und Wnnte seine gewohnte AuWrität nicht mehr in gehörigem Maß,e zur Geltung.bringen, und so kam es, daß, der Schjwiegerenkel und die Söhne sich nach- und nach zum Eintritt in die Mittelschule meldeten. Sie nahmen mit jugendlichem Eifer den Kampf gegen eingefleischte Vorurteile auf und ließen sich, von' einer neu aufschäumenden Welle in den'Strom des Lebens hineintreiben. Doch nicht alle erreichten das gesteckte Ziel. Der Schwiegerenkel, der den Hausherrn bei Tische ersetzte, wurde Mdaktenr einer großen Zeitung in Krakau und von den Söhnen vollendete nur der dritte seine Studien mit Anreicherung und begab.sich, an die' RabbLnerhochschule in Breslau, wo Größen wie Grätz seine Lehrer wurden. Für die anderen Söhne aber war -die fehlende väterliche Aufsicht von schlechten Folgen begleitet, denn sie verließen ohne triftigen Grund ^äh chre Studiert und das! Vaterhaus' für immer. Auch hier bewahrheitete sich das alte Wort, daß schlechte Gesellschaftgute Sitten verderbe. Der Weste Sohn ließ , sich von einem' Fanatiker, der. großen Einfluß auf ihn gewann, dem weltlichen Studium entreißen und in Lagelangen phantasievollen Disputen zum zelotischen Chassidismus bekehren. Die Schllderungen der großartigen Hofhaltung des Wunderrabbi in Belz übten aus oW empfängliche Gemüt des jungen Mannes! .einen derartigen Gnftnß. aus) daß er eines Tages plötzlich, unter großen Strapazen zu F u ß dorthin wmWerte. Da war es! wieder die liebevolle Großmutter, die chm trotz ihres Alters auf seiner Flucht folgte und durch, Leute, die den'Jüngling gesehen haben, aufmerksam gemacht selbst ermüdet und' geschwächt vom ziellosen Herumfahren, den völlig Ermatteten in einem. Walde betend antraf. Sie Wnnte ihn nicht zur Umkehr belvegen, denn infolge der hänftgen, unverdienten harten Züchtigungen durch, den Vater hatte sich bei allen Söhnen ein eigenartiger Starrsinn eingenistet, und so blieb der alten Frau nichM übrig, als, ihn ziehen zu lassen, aber sie begleitete ihn bis Belz,' versorgte ihn mit allem. Wtigen und gab chm ihren Segen. Er blieb zeitlebens einer der nrüßj-gen Tischgenossen der Velzer Dynastie, wo Sohn auf Vater. folgt und. zahllosen Niedergedrückten Rat. und Hilfe spendet, wofür auch reicher Lohn fließt; davon wÄer werden die gläubigen Anhänger des Wunderrabbi verPMgt, denn sie alle find hochbeglückt, wenn sie einen Bissen einer Speise erlangen Wunen, die der. Mann. Gottes', nur berührt hat. lieber dieses Verschwinden des Fanatikers , kränkte sich die allmahlichj alternde Jütte weniger, well sie ihn.ja gut-aufgehoben wußte und. die Hoffnung hegte, daß er, der den Namen ihres verstorbenen Gatten ' trug, beim gottergebenen. Rabbi auch! für ihr Seelenhell , beten werde. .; Wer der zweite Sohn geriet in die Gesellschaft schlechter Freunde, die das' höchste Glück , im Ausgeben Wochenschrift Nr. 21 großer Summen sahen, „nnd er ließ.sich voitihyei^auch bereden, nach detit ßoMeichen Amerika aEnwändern/ um sich das rchtige Geld! zu einem sorglosen.Leb>en zu verschaffen. Und well die Eltern und alle vernünftigen Leute gegen die Seereise eines! so jungen Menschen-waren, verschwand er bei Nacht und' Nebel) ohne sich von seinen..Arrgehörigen zu verabschieden. Die.unerfahrene Jugend läßt sich gar gerne von. .gleichaltrigen.Genossen,-- die dM Leben als! Stätte des Vergnügens.• betrachten,, zu nnüberlegten Schritten verleiten-und von dem. unverantwortlichen Wähn betören, ^daß^das) was. die- Ellern wollen, für die Leichtlebigkeit, hinderlich ist. Zu ..spät kommen dann die jungen Leute zur bitteren Erkenntnis) daß die einzigen guten Freunde, Die sie im Leben hatten,, nur ihre Eltern, waren; oder sie lernen in Tagen der Arbeit und der ^Entbehrung!, das!. Leben .kennen, und-.fühlen dann am eigenen. Leibe, daß. nur.-„saure Wochen" „frohe Feste" bringen Wunen. So mußte. sich ahch der zwecke Sohn Salmenlebs! in der.Neuen Welt jahrelang schwer und. bitter Plagen, bis! er es zu einer gesicherten schönen Stellung bringen konnte, aper er hotte sich damit auch den.^Keim zu.,seinem . frühen Tode, den -eine junge Frans mW drei ckwineMindercheklagten. «.Schluß.folgt.) ' . Literatur. Litöraturi ' 25 jähriges WriWÄerjuA-NMl-. ... Der hebräische Schriftsteller und Redakteur, des „Hasch iW ach" Dr. Joses Klau s n e r feierte am 31. März das.Jübiläum. seiner- 25 jährigen literarischen Tätigkeit.. Mn .Abend, der zu Ehren, des Jubilars ^veranstaltet wurde, sprachen Wer die -literarische '- Bedeutung- und die zionistische TätigkeitKlausners die . Herren M. U sfischkin,. I- Fächmann, -N: Pin eßs ü-sp. W wurde beschlossen, zu Ehren-des Jubilars -d einen ' Kindergarten in Moldawailka-7-(Bo-rstWt--. .-von. Odessa) -.mit dem Namen „Gan Joses" zu. gründen.. als Erklärer der Etymologie eines Hebtäischen Wortes. (Zum 140. Todestage .Voltaires, am 30. Mai 1918.) Er hat uns Juden ja nicht rmcher glimpflich behandelt, diesersicherlich oielseckrgstL Unter alten Schriftstellenr, der "Dichter, Geschichtsschreiber, Philosoph^ Kritiker^ Moralist!-und — Unmoralist. Trösten wir uns, er hat das Ghristentum. noch .schlechter beurteilt. Alle seine Schäften erfMt der- Geht der Serfetzenden Kritik und des gewaltsamen IlmstuWs. Seine Dichtungen sind die heftigsten Anklagen gegen die Mächtigen, Aufforderungen das Ueberlieferte - zu stürzen^ Wer!kennt sie .-übrigens - all e Schriften des. Titanen und Einsiedlers .von F e r n eh? Wer oder, wie viele wissen,, daß der 'Verfasser des „Eandide" auch der Äebersetzrr zweier biblischer Bücher, oder'sagen wir'besser,'ihr Bearbeiter sei? Die Uebersetzung wird ohn Johann Christof Z a-b u e-s ni>g) der, ein Jahr vor dem -Tode B o k t ai ir-e s, tz)as ist (also -1777. sein Werk „H i st o r i sch e u n d k r i t i s ch e N a ch r i ch t en v o n dem "Lehen Ünd den Schr-if.ken 'dß)s ..K'e'rr n »>on- Voltaire und anderer' Nenphilofophen unserer Zeiten" heraüsgab, „eine ungetreue und boshafte" genannt. Das «erste son ihm übersetzte Buch ist der E k k le s i a ft e s o b s r P r.v>d i g e.r (Koheleth); Volta i re nennt den Verfasser.einen begeisterten Schriftsteller und das 'Buch ein kostbares Denkmal) welches' Hesto größeren Wert hat, weit man mehr Philosophie darinnen.'/an> trifft. V o l 1 a i r e will beweisen) hast die - Lehre-- Heines Verfassers mit der eines wahren Epikuräers Aehnlichkeit habe«. Nicht pW. . Das ztoeite von ihm Übersetzte Gedicht ist das „H o h e Lied" S'alomons. Zabüesnig, der in Völtärre den'frivolen Religionslästerer sieht, sagt: , Gr schilderte SakoMon so^,. wie er sich etwa .schildern könnte,und wollte. ein-'Bgrchj. -das wirals göttlich verehren, in - die KeDe' s dirr--' üWiMtzen'. KüMc-- >- setzend" Durch einen ParlaMentsbeschlutz würde es verurteilt,'öf-, fentlichvom Henker verbrannt tzn werden. si Nun wollen wir' ,,eine - -schöne und kostbare' -Entdeckung",...die V o lt a i ne für die,, hebräische^ «Sprache geNkacht)hat, nicht..Ühex-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.