Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 21 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Ar. 2i Kr. Bloch's Wocheufchrrst äeite M yeiten", Pas „Handbuch der Schulhygiene", die „Serurnbehandlttng der Diphtherie", sowie die „Arbeiten aus dem Kaiser und Kaiserin- Friedrich^-Kinderkrankenhause" werte Verbreitung gefunden. Er widmete auch seine Arbeitskraft der Säuglingskinderichlege, dem Haltekinderweseü sowie der .Schulhygiene. Daß in seinem Geiste, weitergearbeitet wird, dafür soll eine gelegentlich des 70. Geburtstages errichtete-Stiftung sorgen: sie wird alljährlich einem Assistenten des Kinderkrankenhauses verliehen am 22. Mai' dem Geburtstage Baginskys. Er war früher auch jahrelang Mitglied der Revräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde und wirkte dort im konservativen Sinne. . Bad Krynica. Herr med. Dr. Julius Aronsohn, Kurarzt Hierselbst, welcher seit Kriegsbeginn als Militärarzt tätig ist,. hat wieder seine Tätigkeit als Kurarzt in Kryniea ausgenommen und wird in der heurigen Saison seine ärztliche Praxis ausüben. Eine Gsches Chajij. . ' Das Lebensbild einer edlen Frau. Bon Dr. Adolf Heinrich Landau, Wiener-Neustadt. - (Fortsetzung.) Wenn er zu den Herbstseiertagen, also nach, einem halben Jahre, wiederkam, blieb er zumeist nur über den Bersöhnüngslag, denn die Festtage dehnen sich ja mit Unterbrechungen über drei Wochen aus. An den Feiertagsgottesdiensten saß Salmenleb auf seinem Stammsitz in der CHassidimklaus, seine Frau hatte in dem streng abgeschlossenen Weiberabteil für sich und die Tächter eine Bank, während Jütte Benies in der „alten Schul" den . ererbten Sitz innoharte. Zum neuen Jahre schickte nran keine Karten, sondern wünschte sich gegenseitig unter Händedruck eine „Ksiewe toiwe", das ist eine , gute Bermerküng im Buche des Lebens. An deir Vortagen des Versöhnungstages hatte die gute Jütte für die Kapores zu sorgen; jeder Mann bekam einen Hahn, jedes weibliche Familienglied'eine Henne, die dann als Sündenopfer zu. gelten hatten. Am. Vortage der heiligen .Versöhnung wurden auch Wachskerzen geflochten, die im Gotteshause für die Seelen der Verstorbenen eine ganze Nacht und einen ganzen Tag brennen Mußten. _ Vor dem Besuch des Gottesdienstes am Bersöhuungsäbend, (Kol nidre) baten die Familienmitglieder einander unter Tränen Um Verzeihung und wünschten, „sich alles Gute auszubeten". Am Versöhnungstage wurde — wie heute noch — bis zum Eintritt der Dämmerung gefastet und gebetet und Jütte Benies verließ an diesem Tage auch nicht für einen Augenblick das GotteMaus. Nach dein Posaun enschall, als Schluß des'Faftens, wünschte man sich gegenseitig eine „Eh'sieme tortve", das ist eine gute Schlußsiegetung int Lebensbrich e, und nähin dann die Festmahlzeit ein. .Zwischen Versöhnungs- und Laubhüttensest wurde die Laubhütte errichtet. Salmenleb hatte einen..fertigen Ban im eigenen Hause und pflegte nur, solange er noch zu Hausewar, die Nadelzweige selbst aufs geossnetü Dach zu legen, so daß der.Himmel durchleuchtete, mährend die. Kinder. das Juner e mit bunten Papierketten, ausgehöhlten Kürbissen und vergoldeten' Nüssen schmückten. Acht Tage aß man in -der Laubhütte. Am Schlußtag. der. Herbstfeste, am Simchcts Dl/ora, .gingen alle Kinder mft Fahnen als „heilige Schäfchen" beim Umzug mir den Torarollen im Gotteshause mit und wurden sodann mir Aepselu und Nüssen beteilt. Die ChassidiM aber tranken Mech und tanzten zum Lobe Goues bis spät, in die Nacht hinein. Während der Abwesenheit des Hausherrn war der Schwiegerenkel Mottunju der Abgott der edlen Frau. Er mußte Kiddusch rrnd Habdalah--') machen, er sang das „Scholom Alejchem" am Freitag abend, die „Semiroth" beim Sabbattische, das „Hamawdi." am Ausgang des Sabbat, er richtete die Laubhütte her und zündete die Chanukkalichter an den acht Tagen der Tempelweihe. Er hatte schon lange eine schöne Stellung in der Direktion eines Geldinstitutes, seine Frau hatte ihm drei Kinderchen geschenkt und er wohnte in einer großen Wohnung am Marktplatz: aber die gute Jütte mußte alle ihre' Kinder bei Tische haben, sonst hatte sie keinen Oineg-Schabbes und keinen Omeg-JomtoivGO) Jedoch auch aus diese Freude mußte die herzensgute Frau allmählich verzichten. Es war ihr trotz ihrer großen Frömmigkeit nicht vergönnt, die -vage des Alters in Ruhe und innerer Zufriedenheit zu verbringen; denn das Geschick fügte es, daß neben ihrem, einzigen Sohne auch die übrigen erwachsenen Männer das Haus verließen, so daß sie sich immer einsamer zu fühlen begann. Schon in den siebziger Jahren schwoll eine heftige Bewegung bei der jüdischen Jugend an, die dazu sührie, daß das talmudischie Studium nicht mehr als alleiniger Lebenszweck angesehen wurde; junge Leute in den galizischeu Städten legten die altertümliche Tracht ab und strömten, auch innerlich geläutert, den weltlichen Studien zu. Brody harte eilt rein deutsches Gymnasium und ein junger reforMatorischer Koos wirkte als Ne iig io ns Professor auf die Gemüter der jungen Leute mächtig ein. Er ging so weit, sogar einen eigenen Gottesdienst nach deutschem Muster einzusühren, bei denr er selbst predigte; er merzte so langsam das Zelotische und dem prakrischen Lebenszweck Zuwiderlaufende aus und es gab mit der Zeit viele Häuser, wo Kocherl und Raucher:, Geldzahlen und Fahren am Samstag nicht mehr als ein tvdeswürdiges Verbrechen angesehen wurden. Er rvar aber dabei von einer glühenden Liebe zum Judentum durchdrungen, und eine große Zahl seiner Schüler wandte sich dem Rabbinare zu, andere wurden Vorkämpfer der zionistischen Idee. Es war vielleicht notwendig, daß denr strengen äußerlichen und inneren Zwang eine etwas mildere Richtung entgegengehalten wurde, danrit der jugendliche Sinn, der von Natur aus frei und ungebunden ist, dem Judentum in einer netten, keineswegs schädlichen Formt erhalten bleibe.' Doch diese Bestrebungen des Professors Herzl, der auch die neue jüdische Schule mit deutscher Unterrichtssprache, im Gegensätze zum Cheder, mitbegründet hatte, wtrrden von den Frommen als ketzerisch betrachtet, rrnd er selbst verwünscht und in Acht und Bann getan- In Galizien und in allen verwandten Ländern sehen die strenggläubigen Juden rnit Widerwillen auf jede Neuerung, die ihrem altgewohnten Einerlei störend entgegensteht. Die alten Disziplinen der ehrwürdigen Ueberlieferung werden wie ein Heiligtum in der Familie weiiergelehrt und das ganze Lebert darnach eingerichtet. Junge Leute müssen, wie vor Hunderten Jahren, den Talmud studieren rind dann eine Tochter aus einem Hanse, heiraten, wo .gleichfalls die uralten, weltfremden Gewohnheiten herrschen, schließlich nach einem Leben voll müßiger Beschaulich feit ein Rabbinar oder ein Kauf- -9) Segen übek^ den LLern im Hanse anv Sabbatein- und Ansgang. » 30) Sabbat- und Fefttagsfreude.