Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 21 (31.5.1918)
- Date
- 1918-05-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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9h:., 21 Dr. WoM'S Kochen Wrift Seil» 32? . Me ,,'ReijchDpo st" hat - diese.. vom Jüdischen. Preßbnreän in Stockholm mit der vorstehenden .Einbegleitung -vevsandte Denkschrift sibgedruckt und ihre Bemerkungen zsi derselben und der Ernst, mit dem sie dieses! Dokument der Dummheit und der .Verleumdung den Lesern als! untrügliche .Beweise für. die revolutionäre Weltorganisation der Juden .austischt, Feigen, daß Graf Lambsdorf, der, wenn wir nicht irren, auch in Wien Botschafter war, gns derselben -Quelle geschöpft hat, aus welcher die „Reichspost" ihre geistige Njahrung erhält. L«dmig Geiger. .. (Zu seinem 70. Geburtstageam 5. Juni 1918.) In lebendiger Geistesfrische und säst jugendlicher Kraftsülle 'vollendet-Ludwig Geiger am 5. Juni sein -70. Lebensjahr. Biele- Stimmen werden sich erheben, den bedeutenden Kultur- und Literarhistoriker, den edlen Menschen, in dem das!' -deutsche Naturland und^ die deutsche Judenheit einen seiner besten und treuesten Löhne ehrt, , an seinem Festtage zu feiern. Bei hervorragenden Pers-önlichkeiten fragt man unwillkürlich nach den Erfahrungen und Erlebnissen, 'die sie zu dem herangebildet, w.H sie geworden, nach der Heimat, nach den Eindrücken, die, sie in ihrer Kindheit und Jugend empfangen, nach den Eigenschaften des Geistes und Gemütes, die sie von HreN Eltern und Vorfällen ererbt, Ludwig- G eig e r erbWte als der Sohn des Rabbiners Abraham Ge ig e r und.seiner Gattin Emilie, geh. Oppenhesim,- am 5. Juni des sturmbewegten Jahres -3.848-#* 'BrMGl.-hasAE:-.der Welt und-genoß genrein- . sam mit seinen Geschwistern, einem Bruder.' und. zwei -Schwestern, im - Sonn ensch ein zärtlich ster Elternliebe - eine .ausgezeichN-ete Erziehung. Der Geist der Liebe' und Me>- .ligivsitat, der im Hanse herrschte, das edle Beispiel und Borbild der Eltern übten den tiefsten und nachhaltigsten-Einfluß) .auf die Kinder aus und.zeitigte dir unbegrenzte Verehrung und Pietät, die insbesondere unser Jubilar unentwegt-seinen Eltern bis zur stunde über baß Grab hinaus bewahrt hat. Ungeachtet seiner -ausgedehnten Berufstätigkeit und schriftstellerischen Wirksamkeit widmetesich-der Vater in seinen. Mußestunden gern den Kindern, wahrend die Mütter, die Seele des : Hauses, kein größeres Glück kannte, als mit liebevollster Hingebung das' Dichterwort: „Geh' fleißjig ummit deinen Kindern, Habe sie um dich Tag. und Nacht, Und laß dich lieben einzig schöne Jahre." zu - betätigen. Leider nmwölkte sich schon in der -Mitte der fünfziger Jahre der Lebenshorizont der' glücklichen Familie. Die vergötterte Mutter begann zu kränkeln, Badereisen brachten nur vorübergehend Erholung. Noch war" es Emilie Geiger vergönnt, anläßlich des fünfundzwanzigjährigen RaMinerjnbiläüms ihres angebeteten Gatten sich in den Ehrenbezeigungen, die diesem in überreichem Maße gezollt wurden, voll, freudigen Stolzes sonnen zu dürfen. Im'folgenden Jahre gestaltete sich ihr Zustand besorgniserregender, trübe Schatten fielen aus die folgenden Jahre. Vergebens! hatte sie Heilung in Berlin gesucht und' nach langem, schwerem Leiden, das sie mit bewundernswerter Ergebung, ja Heiterkeit, ertrug, hauchte Emilie Geiger am 6. Dez. 1860 ihrereine, edle Seele aus. Abraham Geiger-hat seinen Kindern keine zweile Mutter gegeben; in ihnen und in seiner Arbeit suchte und .fand"er einigen Trost;-M! er ihr am 23..'Oktober 1874 in die ,Ewigkeit 'folgte, '.hat .ihr Wdenken in sesirem Herzen unö in' sesnem -Hsiuse in Legen förtgelebt. ' . . Ludwig Geige r, dessen reiche Begabung und Lerneifer sich schon frühzeitig offenbarten, besuchte das Elisabeth--Gymnasium seiner Vaterstadt und genoß den Religionsunterricht seines Vuters wie den dessen Freundes M. % Levy. Mit den Kindern des hochverehrten Lehrers verbindet ihn bis zur Stunde noch die herzlichste Freundschaft. Die Berufung des Familienoberhauptes als Rabbiner nach Frankfurt a. M. führte einen bedeutungsvollen Wendepunkt im Leben der Familie herbei. Nach, rührendem' und erhebendem Achchied von Breslau bildete ein Aufenthalt in Kolberg den Uebergang, und am 9. August 1863 hielt die Famjilie ihren Einzug in die Geburtsstadt Abraham Geigers, von einem großlen Kreise Verwandter und Freunde froh begrüßt. Der junge- Ludwig hatte schon in Breslau eine glei- . chermaßen ausgeprägte Vorliebe für deutsche und jüdische Geschichte und Literatur, wie für fremde Sprachen bekundet, die sich in der neuen Heimat noch bei weitem befestigte und vertiefte. Nach abiolviertem Abiturientenexamen bezog er 1865 die Universität Heidelberg. Abraham Geiger hatte gehofft und gewünscht, diesen Sohn dereinst als geistigen Führer einer deutschen Großgemeinde in seinen Bahnen wandeln zu sehen. Wie innig der Barer auch, mit dem in der Ferne weilenden Sohn verkehrte, wie er sich als der verständnisvollste Freund und Berater in dessen Sturnr- und Drangperiode erwies, davon legt besonders ein herrlicher Brief Zeugnis ab, den er an den jungen Ludwig richtete, nachdem dieser seinen Entschluß erklärte, das Studium der Theologie aufgeben zu müssen. Ludwig studierte zunächst in. Heidelberg, hierauf in Göttingen und Bonn Philosophie, Geschichte und Literatur mit- Hohem Eifer und promovierte, kaum zrvanzigjährig, 1868 in Göttingen; seine Dissertation galt Melanchthon. . Mit begeisterter Liebe für Deutschtum und Judentum) aber auch nicht minder für das Land dev. Kunst und des ewig-blauen.Himmels, Italien, das zu schauen ihm schon 1874 und sin der Folge w'iederhv'lt vergönnt war, hatte Ludwig Geiger 1870 Berlin, wohin sein Vater als Rabbiner berufen worden war, zur Stätte seiner Wirksamkeit erwählt, und habilitierte sich 1873 als Privatdozent an der Universität. Berlin ist, nur durch Reisen unterbrochen, seine dauernde Heimat geblieben. Die Einigung Deutschlands hatte der junge Gelehrte mit begeistertem Entzücken begrüßt; daß später manche schwere Enttäuschung.folgte, hat er tief und schmerzlich empfunden. Bald entfaltete er eine vielseitige reiche literarische Tätigkeit in Wort und Schrift. Eiserner Fleiß) rastloses Streben und Studium, eine geradezu staunenerregende Virtuosität, die Zeit seines Erdendaseins weife zu nützen, kennzeichnen Ludwig Geiger. Ms Goetheforscher einer der bedeutendsten sieiner Zeitgenossen, gebührt ihm das Verdienst, wesentlich , znm Verständnis des Dichterfürsten in weiteren Kreisen beigetragen zu haben. Es würde über den Rahmen dieser kleinen Skizze, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben darf, hinausgehen, alle Schriften, die in fünfzigjähriger Schaffensfreudigkeit aus der.geistigen Werkstatt unseres' teuren Jubilars hervorgegangen sind, anzuführen. Fast gleichzeitig mit seiner Studie „Johann Reuchlin, sein Leben und feine Werke" erschien „DasStudium der hebräischen Sprache in Deutschland vom Ende des 15. bis Mitte des 16. Jahrhunderts" und „Niko- Qf» rsi eo jsji-. laus Ellenbog, ein Humanist und Theologe des 16. Jahrhunderts". Hierauf .folgten „Die Geschichte der Juden in Berlin", „Petrarca", „Deutsche Satiriker des 16. Jahr- - Hunderts". Mit dem licht- und lebensvollen Werke „Abraham Geiger" hat er 1878 seinem verewigten Vater das herrlichste'Denkmal kindlicher Liebe errichtet. 1910 ■J A+2D