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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Bette 318 . Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 20 Gemeinden in der Ukraina beschäftigt, die eine provisorische RepMsentauz des' ukrainischen Juden tums'där- Men soll. Die' lebten Nachrichten d er Kiew er Wochenschrift „Auf der Wacht" legen erneut Zeugnis ab von dem wochsenden Antisemitismus in der ukrairischen^Proviuz. In Lady sch in, G^ubnik. Stepaschki und-anderen Marktflecken Podoliens faßten die Bauern der Beschluß, die Juden auf die Straße zu setzen und ihnen NM in einem Teil der Städtchen, um den Marktplatz herum, Wohnrecht zu gewahren. Klagen Wer ähnliche -.Maßnahmen liefen auch! aus anderen Orten beim Ministerium für nationale Augeleaenheiten ein. - . In Odessa drohten die Unruhen einen viel bedeutenderen Umfang: anzunehmcn. Versuche zu Äusschre-- tnngen wurden aber von der jübischen Legion, d'e 7M Menschen MM, überall im' Keime erstickt. Auf Ersuchen der Stadtverwaltung wurde diese 'Selbstwehrorganisation nicht entwaffnet, sondern erhielt das'.Recht, auch weiterhin in neuer Formierung die jüdische Bevölkerung Odessas vor Uebergrifsen zu schützien. Zu den Judenpogromen in BeMmRen. Von der Schweizerischen Landesvrganisation der „Aaudas Jisroel" ist dieser Tage an die dasiir in Betracht ko nmmden Regierungen au^ te^era-Hische'u Wege die Entrüstung über die jüngst stategehabten Judenpogroms in Beßarabien geäußert und 'die 'Bitte gerichtet worden, mm Schutze der beßarabischen Juden die wirksamsten Mittel zu ergreifen. Ein Protest Mgeu Ae rumänischen Schandtaten irr Bcip arabien. . Einem Bericht aus Kopenhagen zufolge faßte die jü-' bische Gemeinde in Petrograd eine scharfe Protestresolution gegen die von der rumänischen Okkupationsmacht begangenen Gewalttaten gegen die Juden in Beßarabien. Die Resolution fordert die" jüdischen Gemeinden alter Länderauf, alle geeigneten Maßnahmen zu ergpeisen, um die Anftnerksamheit der Menschheit auf die rumänische Knlturschande zu ziehen. PogromUteratur in Polen. Mn 30. Avril wurden, so berichtet die „Gazeta Poranna", in Warschau Flugblätter verbreitet, die die Unterschrift einer anonymen „B efr e iun gsp arte i" trugen und zur Organisierung des Selbstschutzes' gegen angeblich beabsichtigte j ü b isch e Provokationen aufforderten. Der Inhalt des. Ausrufes — so fuhrt -das Glatt, das bekanntlich! Hauptorgan der Natioualdemokratie ist, aus — sieht sehr verdächtig aus und laßt die Ueberzeugung durchschimmern, daß die dahinterstehendeu Personen nicht den Selbstschutz vor den Juden, sondern die Entfesselung von Unruhen im Sinne haben, die für die polnische Gesellschaft schädlich^ fein können. Zum Glück seien die polnischen Volks'-" müssen soweit aufgeklärt, daß sie einsehen, daß 'wirtschaftliche Selbständigkeit nicht durch Unruhen und Schlägereien erzielt werden könne. — Zu demselben Gegenstände veÄachtiger Aufrufe läßt sich die „Frankfurter Z e i t u n g" aus.Warschau über Berlin, 6. Mai, melden: In 'manchen östlichen Bezirken Polens werden in der letzten..Zeit Aufrufe verteilt, die zur Nach?- ü'hmung des b o l f ch e w i k i s ch e n M u st e r s in der Lösung der. Agrarfrage auffordern. Diese Ausrufe, in einem fürchterlichen P o l n i s ch geschrieben, sind, in Rußland gedruckt und werden nach Polen hinüberaeschmuggelt. In 'der letzten Sitzung! der Warschauer Stadtverordnetenversammlung kämen antisemitische Proklamationen zur Sprache, die h-e und da nn den Straßenecken aufaektebt wurden. Nach!' den Reden sämtlicher F ü.h r e r. d e r b ü r g e r l i ch! e-n Part e re u wurde folgender Beschluß geteßt: Die Stadtverordue'enversammluna drückt ihre Empörung aus über die Aufrufe, die sich an den Mauern der Stadt gezeigt haben und zu Gewalttaten gegen die Juden aufsordern, und betrachtet sie als' von Provokateurs ausgegangen,, die außerhalb der polnischen Gesellschaft stehen. Tie MNupogroMe in RuWanÄ. - Aus Stockholm wird berichtet: Die telegraphischen Nachrichten über zahlreiche Judenpogrome iu Rußland, der Ukrama und Beßarabien werden von eben eingetrofsenen Petersbüroer Blättern'bestätigt. Der „Präwdä" vom 13. April zufolge waren biete Pogrome am' 11. April Gegenstand einer Beratung des-zentralen Volkzugsduskchusses der russischen Sowtets. An die'Ausführungen dir Referenten anknApfend, meint „Prawda", die Judenpogrome seien zu einem aKaeMemen Auskunftsmittel der Reaktion nicht nur in Rußland, der Ukraina und Beßarabien, sondern auch in in Polen geworden. Im Artikel Heißt es: „Die eine ganze Reihe von Städten heimsuchende Poaromseuche, übertrisst in ihrer .Bestialität altes, was' 1905' geschehen ist." Der Referent im zentralen Vollzugsausschüsse entwarf ein entsetzliches Bild der bestialischen Verbrech eit, die an der'wehrlosen jüdischen Bevölkerung, begangen werden. In Gluchow wurde die ganze jüdische. Bevölkerung ermordet; in Turlestan wurde die jüdische Bevölkerung massenhaft umgebracht: die rumänische Macht organisierte selbst Judenpogrome. Der Artikel'setzt den engen Zusammenhang zwischen . der Reaktion .und den Judenpogromen auseinander ..und schließt mi den Worten: „Im freien Rußland darf der wilde Nationäthäß. keine Statte finden, darf eine Rückkehr zU den alten blutigen Pogromen des selbstherrschenden Despotismus nicht möglich sein. Alte Unterdrücker und Henker .des jüdischen Volkes werden die Räte der ArbeiterdepUtierten zur Ordnung rufen und deM strengsten. revolutionären Gerichte überantworten." . PrloWÄnie der jüdischen Auswanderung. Vor kurzem nahmen oie Jüd'. Territorialist i s ch e O r a a n i s a t i o n und die I ü d. E nt i g r a - tionsgesellschaft in Kiew Veranlassung, angesichts der durch die allgemeine Lage ueugeschasfenen Verhältnisse gemeinsame Beratungen über Organisations- und Ärbeitssragen ab^uhrlten.' Die genannten Organisationen, deren Tätigkeit bis in die letzte Zeit sich! über ganz Rußland erstreckte, werden jetzt Wen Wirkungskreis' auf die Grenzen der Ukraina beschränken.. Weiter sind die Gesellschaften gesonnen, mit den.Zentren-jüdischen Lebens in Europa wie den Einwanderungsländeru in Verbindung zu treten. Wichtige Beschlüsse wurden hinsichtlich der Organisierung der jüdischen Auswanderung gefaßt. Da mit dem Friedensschluß eine lebhafte, umfangreiche Auswanderung von Juden aus vielen Teilen der Weht einsetzen wird — vermag, ihnen doch! die Gleichstellnüg in allen Ländern das 'Ende der. politischen, nicht, aber der wirtschaftlichen Beeinträchtigung zu bringen —, so beschlossen die beiden Organisationen, ihre Tätigkeit zur Erleich!- terung der jüdischen EMigration zu erneuern und zu verstärken. Zu diesem Zwecke soll auf die Zusammenarbeit mit allen jüdischen Parteien, die an der glatten Abwicklung der jüdischen Auswandererbewegung interessiert sind, hingearbeitet werden.

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