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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sette 819 Nr. 20 Dr. Bwch's WochenMrfst Die Eimvanderungsländer, deren d'e Arbeit der bei-- fc-cit Organisationen gelten sott, sind die wenig bewohnten Gebiete Amerikas und Palästinas': die Mahl ist demnach^ den Auswanderern überlassen. Die Tätigkeit der Gesellschaften richtet sich sowohl auf die Regelung der Auswanderung! als auch ans die Kokonisierung der betressenden Siedlungsländer. Zum Schluß wurde das! Sonderkomitee, dem! die Gründung einer Kolonie auf den Namen von M. E. M a n d el st a m m obliegt, zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit bestimmt. Ist die Arbeit dem Juden ein Fluch? Die seltsame Entgleisung des Magdeburger Stndienrats Dr. Karl Weidet, der in einem Aufsätze ,.Luther, Bismarck. Hiudenbuvg" behauptet hatte, den Irlden sei di e Arbeit e i n Fluch getueseu, fand u. a. auch eine scharfe Zurückweisung durch den Geh. Konsistorialrat Herrn Professor Dr. E. König- Bonn. Dieser hervorragende Vertreter der alttestamentlichen Wissenschaft greift, neuerdings auf die Angelegenheit zurück und liefert für die von ihm Herrn Weigel entigegengestellten Thesen die nachstehende interessante Begründung: . . Eine stattliche Reihe von hebräischen Sprichwörtern rühmen den Fleiß als eine Haupttugend. Man erinnere sich an die Sätze: „GH Zu der Ameise, du Fauler, und lern' ihre Weise!" (Spr. 6, 6), oder „Schon ioev sich bei seinem Geschäft lässig.zeigt, ist ein Bruder dessen, der Zugrunde richtet" (18, 9). Und wem ist es bei diesen Sätzen nicht schon ausgefallen, daß. sie gern die Schale des Spottes über die Faulheit ausgießen? Man vergleiche nur noch folgende Proben: „Der Faule spricht: Es ist ein Löwe, draußen, ich möchte auf der Straße erwürgt-werden"' (22, 15), oder „Die Hand des Fleißigen wird-herrschen, die lässige wird fronpftichtig werden" (12, 24). Dieser Ton der Satire gegenüber der Faulheit macht die'hebräische Poesie auch zum Organ eines Geistes, der sich über die sonfftige orientalis ch e I n dolenz und phlegmatische Art e e r H a b e n wußte. Mer auch in positiven Worten, in herzerauickenden Tönen erklingt das Lob des Fleißes oft im althebräischen Schrifttum. Ode.pl wer dächte nicht sofort auch zum Beispiel an „das Lied vom braven Weibe" (Spr. 31, 10—31), diesen vielhnndertjährigen Vorgänger von Goethes Dichtung auf Johanna Sebus? In dem Blumenkränze, der mit. dankbarer Hand uni das Haupt des braven Weibes gewunden wird, sind einige der leuchtendsten und duftigsten Blüten diese: „Sie tat sich nur nach Wolle und 'Flachs und schafft mit arbeitslustigen Händen": „sic ist wie ein Kaufmannsschiff, das eine Nahrung von fern bringt": „sie steht des Nachts aus und gibt Futter ihrem Häufe und Nahrung ihren Dienerinnen": „sie streckt ihre Hand nach dem Spinnrocken, und ihre Finger fassen die Spindel". Diese Sätze tön-- neu auch nicht etwa als ^.gelegentliche -Gefühlsäußerungen" diskreditiert werden, wie es bei Angriffen auf ihren Wert schon oft versucht worden ist. Nein, die Mesch alim oder Sentenzen Israels prägen überhaupt das DenkergebUis' seiner Weisen aus/ und die angeführten Sätze geben sich-außerdem zum 'peil durch ihre ganze Art („Geh zu der Ameise!" usw.) als Volkssprich-. Wörter, sind also lebendige Herolde des Volksaeistes. Sie prägen ein Ideal aus, das den Besten der Nation vor der^ Seele schwebte und am Herzen lag. Amu' 100. Geburtstag eines berühmten jüdischen . SchMspirkrs. Vor jetzt gerade hundert Jahren — am 15. Mai 1918 — erblickte zu Warschau im Hause bittemrmer jüdischer Eltern ein Knäblein das Licht der Welt, dessen mit materiellen Sorgen hurt ringende Umgebung sicherlich nicht -geahnt hat, daß aus ihm dereinst eine schauspielerische Berühmtheit ersten Ranges werden würde: B o g u m i l D a w i s o n, genannt der deutsche Garrick. Aber ebenso wenig wie damals jemand in deM fleinen unscheinbaren Erdenwurme den Sitz jener sich zwanzig Jahre darauf geltend machenden SuMMe von Intelligenz und künstlerischer Gestaltungskraft' vermutet hätte, ebenso fern lag der Gedanke, daß dieses Licht einst in geistiger Umnachtung erlöschen könnte. Mit der dürftigsten und doch über jene Zeit weit hin ausreichende Bildung eines armen polnisch-jüdischen Knaben ansgerüstet, mußte Däwison (damals Davidsohn geheißen) gar früh den Erwerbskampf aufnehmen, um sich ein bescheidenes Dasein zu sichern. Er begann als Mschreiber, wurde dann Schildermaler und zuletzt Schreiber in dev Redaktion der Warschauer „Gazetta". Hier in dieser dem damaligen polnischen Dnrchschnittsijuden fremden geistigen Sphäre sich wohlfühlend/legte er den Grundstein zu seinem späteren Aufstieg. Hier erlernte er die deutsche und die französische Sprache, avancierte vom Schreiber zum Uebersetzer und wurde schließlich Theaterrezensent. Von einem seine Begabung erkennenden Schauspieler für die Bühne ausgebildet, debütierte der Neunzehnjährige mit Beimll und kam 1839 an die polnischen Theater von Warschau, Wilna und Lemberg. Der Unternehmer der Lemberger Bühne gewährte dem strebsamen Knnstjünger die Mittet zu einer Studienreffe nach Deutschland. So wurde Dawison ein deutscher Schauspieler, der von nun an eine Welt mit seinem Ruhme erfüllte, Seine wundervollen Leistungen als Mephistopheles und Franz Moor, Marc Anton und Hamlet, Alba und 'Carlos, Kart V. und Riccauö de la Marliniäre, Richard III., Narciß, Lear und Othello sind in der deutschen Dheatergeschichte mit ehernen Lettern verzeichnet. Auf dem Gipfelpunk'' seiner Künstlerlausbahn stehend, unterlag der Ehrgeizige jenem Drange nach amerikanischem Ruhme und amerikanischem Golde, der schon manchem Bühnenmaime zum Verhängnis geworden ist. Er durchsaate das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wohl brachte er ein großes Vermögen heim, doch war er bei seiner Rückkehr der Kunst verloren, da die Ueberanstreuaung seinen Geist und seinen Körper zerrüttet hatte. Die Gedächtniskraft schwand, und er mußte der Bühne ganz entsagen. Bald verffel er der Nacht des Wahnsinns, aus der ihn cmt 1. Februar 1872 der Tod befreite. Vermischtes. Kranzablöstmgsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie» I., Seitenstcltengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sek. Amalie Benezian-Schptt: F. Denezian 10 ft. ' > Anläßlich des Ablebens des sel. Ehainr Ebner: Jakob Bram 5 ft.. Dr. Benj. Ebner samt Frau '10, Dr. .Hermann Ebner 10 zusammen 25 ft. - Anläßlich des Ablebens des sei. Jakob Wilker: iNaftalie Wiklec 50 ft. . Anläßlich des Ablebens der sek. Therese Robinsohn: Ernestine. Simon Berger 10 ft. Anläßlich des Ablebens der sel. Sofie Groß: Therese. Milch 10 ft. / Anläßlich des Ablebens der seit Cornekie Irene Stlintont: Anna und Jul. ftlimont 50 ft., H. Baumwald 10. zusammen 60 ft. - Anläßlich des Ablebens des sek. Rudolf Eisner: Familie Rezek 20 ft.. Robert Sucharipa 20. Brüder fterpner 20. Josef Sucharipa 20, Moritz Richter 20, zusammen 100 ft.

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