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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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fli 20 ' Dr. Vloch'S Wochenschrift Sette 317 Beruftmg VM Juden im\ pxwWfyt Herrenhaus. Bei den Debatten Der die preußische Wahlr ech t s v o t l a g e, in denen viel über die Neugestaltung des' Herrenhauses gesprochen wurde, erfolgte eine Erklärung des Ministers Drews und wurde eine Rede von Herrn Geheimrac Cassel gehalten. Die Erklärung des Herrn Ministers lautet: „Der Herr Abgeordnete Cassel hat darum gebeten, daß ich namens derStäatsregierung Hier im Hause noch einmal die Erklärung /wiederholen möchte, die ich bezüglich der Berufung von Juden in ein künftiges Herrenhaus, welches nach den Vorschlägen des jetzigen Entwurfes gestaltet sein würde, abgegeben habe. -Ich tue das' hiermit. Die SLaatsregierung wird, wenn ein Entwurf wie der vorliegende Gesetz wird, dem König Vorschlägen, Vertreter des Judentums unter Berücksichtigung der beiden großen im Judentum' vorhandenen religiösen Richtungen in das Herrenhaus -zu berufen. ' Der erste jüdische Richter in Preußen. Zum erstenmal ist in Preußen ein Richter jüdisch e n G l a u b e n s zum Landger tchtsdirektor ernannt worden. Der Landgerichtsrat C.ohn, ein geborener Königsberger, vom Landgericht I in Berlin, ist zum Landgerichtsdirektor am Berliner Landgericht I berufen worden. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in HjlynVurg. ' Der kürzlich begründete Werbeausschuß der.Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat bisher recht erfreuliche Resultate zu verzeichnen, gehabt. Seine Arbeiten wurden ihm wesentlich erleichtert durch die Tatsache, daß däsVerständnis für die Wissenschaft des Judentums und das Interesse an den geistigen Bestrebungen unserer Glaubensgemeinschaft gerade während der Kriegs^eit im großen Maße gestiegen sind. Es, sind feit Begründung des Werbeausschuss es der Gesellschaft 6 Stifter mit Beträgen von 1000 M. und mehr, 25 intmerwäh-rende Mitglieder mit Beträgen von 3OO M. und mehr sowie eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern mit Jahresbeiträgen beigetreten. Dabei steht der "Werbeausschuß erst im Beginne seiner Arbeiten, von deren Fortgang noch günstige Erfolge erwartet werden. Wie die Rumänen Ae EnwnziMion der Inden vor-- bereiten. Von einer durchaus verläßlichen Persönlichkeit, die sich gegenwärtig! in Rumänien aufhält, erhalten wir die nachfolgende Meldung: „Focsani (Rumänien), am 14. Mai 1918. In Galben (in der'Nähe von Bacän, in der Moldau) ist eine Quarantänestation für die aus deutscher und österreichisch-ungarischer Gefangenschaft heimkehrenden rumänischen Gefangenen. Der Geistliche kam ins Lager und hetzte die -Rumänen in der Gegenwart eines Obersten gegen ihre jüdischen Kameraden. Er sagte, sie dürsten es nicht znlassen, daß die Juden Bürgerrechte bekommen. Man solle sie alle ansrotten. Er selbst versprach 5000 Lei für jeden „abgehauren jüdischen Kopf". Die Ansprache hatte leider großen Erfolg. Die Rumänen sind über die wehrlosen jüdischen Gefangenen hergefallen und haben zwanzig getötet und mehrere verwundet. Einige sind frühzeitig geftuchiet. Dies geschah am 10. Mai. Ein anderer Fall: Ein aus Gefangenschaft heimkehrender jüdischer Soldat wurde hier in Focsani von seinem rumänischen Kameraden (einem Offizier) darauf aufmerksam gewacht, daß in seiner Heimat imFecucin wie auch in Beslad (Städte in der Moldau) große Judenverfolgungen stattsänden, es wäre daher ratsam, seine Reise jetzt zu unterlassen. Es wäre wünschenswert, daß das Judentum im Westen durch die jüdische Presse von der traurigen Lage der rumänischen Juden Kenntnis nimmt und die Regierungen auf den traurigen Prolog der Mnanzition der rumänischen Juden aufmerksam macht." .Zahl und Verteilung der Juden m Rumänien im JMre 1912. In der im Jahre 1917 in Wien erschienenen zweiten Auflage des ausgezeichneten Werkes „Rumänien, landes- und wirtschaftsstatistische sowie topographische Uebersichten", bearbeitet von der Direktion des k. k. österreichischen Handelsmnseums, sindinteressante und wichtige Angaben über die Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien ans Grund der letzten Volkszählung im Jahre 1912 enthalten. Bekanntlich ist im vergangenen Jahrhundert nur einmal eine Volkszählung im eigentlichen Sinne durchgeführt worden, nämlich im Jahre 1899. Im Jahre 1859 wurde lediglich in großen Zügen Zahl und Verteilung der /Gesamtbevölkerung und der Hauptbevölkernngsklassen festgestellt. Es ist nun über den Anteil der Juden an der Bevölkerung Rumäniens auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1912 laut dev amtlichen Statistik von 1915 ermittelt worden, daß in den und 23.816 Frauen) gezählt wurden: in den städtischen Gemeinden (außer Bukarest) 150.829 (72.646 Männer und 78.183 Frauen), in Bukarest 43.652 (20.992 Männer und 22.660 Frauen): die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung beäug sohin 239.967 (115 328 Männer und 124.659 Frauen). Eine Gegenüberstellung der Zahlen für die männliche und weibliche Bevölkerung zeigt einen deutlichen Ueberschnß des weiblichen Ge!- schlechts, eine natürliche Folge der starken Abwanderung der Juden ans Rumänien teils nach Oesterreich, teils in die Vereinigten Staaten. Die Folge hievon sowie des gleichzeitigen Geburtenrückganges war eine absolute Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Rumänien feir 1899. Ende des .Jahres 1912 stellte die jüdische Bevölkerung 3 4 Prozent von der Gesamtbevölkerung des Landes dar. Gegenüber dem Jahre 1899 zeigt dies einen nicht unerheblichen Rückgang. Im Jahre 1899 belief sich! nämlich die jüdische Bevölkerung auf 266.652 Beeten oder 4 5 Prozent der Gesamtbevölkerung, während sie im Jahre 1912 auf 3 4 Prozent der samtbevölkerung zurückgegangen war. Die absolute Abnahme betrug 26.685, die prozentuale 10 Prozent, d. h. also durchschnittlich im Jahre 1 Prozent. Von der auf dem Lande in den Dorfgemeinden lebenden jüdischen Bevölkerung entfielen auf die Walachei 910, d. i. 003 Prozent, Oltenia 226, d. i. 0 02 Prozent, Moldau 44.103, d. i. 2 52 Prozent, Dobrudscha (alt) 247, d. i. 009 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegenüber. dem Stande zu Ende 1899 war auch rücksichtlich der jüdischen Dorfeinwshner ein ansehnlicher Rückgang (8600, d. i. 18 8 Prozenr) zu verzeichnen. Nachrichten aus! der Nkraina. Die ersten Sitzungen der neugemählien Kiew er Gemeindeverwaltung waren der Organisation des Gemeinderates gewidmet. Zum Vorsitzenden der Verwaltung wurde der Vertreter der Zionisten in der Rada M. N. S y r k i n gewählt. Der Rat ist gegenwärtig mit dem Projekt der Einberufung einer Konferenz der Vertreter aller jüdischen

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