Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022321--26888-3052273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 3ll Nr. 20 treiben konnte und seine beiden Geschäfte, die einen Wert von mehreren tausend Gulden repräsentierten, in der KurntzenVewegung geplündert wurden, gab Josef I. am 10. September 1707 dem so beträchtlichen Schaden erlittenen Austerlitz ein zweijähriges Moratorium.^) Sälomon Austerlitz starb im -Jahre 1724 in Eisenstadt; er überlebte um vier Jahres) seinen Sohn Ahron, den Vorsteher der Eisenstädter Gemeinde, der am 15. März 1720 in Wien starb.^ö) Ahron Musterlitz war es> der als! Vorstandsmitglied (juratus) mit David Pockak, dem Eisenstädter Vorsteher (judex;, 1710 die Verpflichjtuug übernahm, die' Toleranztaxe der in Eiseilstadt und in der Umgebung wohnhaften Juden einzutreiben.^o) Die Grabschrift lobt Ahron Austerlitzj, den Bruder der schönen Jüdin, als einen gastfreundlichen Menschen, der Gelehrte unterstützte und auch selbst seine Zeit der Wissenschaft widmete.- In seiner Ehrenstelle .bekundete, er Friedfertigkeit und Bescheidenheit. Der. Tod raffte ihn Hill, als er Freitag abends das den Sabbat einweihende Gebet eben verrichtete. Außer Ahron sind uns! noch! drei Brüder der Helene Austerlitz, bekannt: Meir, Löb und der Kölliner Rabbiner und Prager Prediger Baruch.^) Der letztere, erhob 1727 als „Prager Juden Gemein Eltester" eine Klage bei Karl III. gegen den „Prager Juden Rahmens Abraham Simon, sonsten Preßburger genannt", der, nach einem unbekannten Ort übersiedelt, seine Schuld voll-4000 Gulden ihm nicht beglichen hatte.is) Abraham Preßburger, den Baruch Austerlitz kürrentieren ließ, war der Schwager der schönen Jüdin, Sohn des Bankiers Simon Michel in Wien. Die allgemeine Judenkonskription im Jahre 1735 erwähnt in Preßbnrg den aus Eisenstadt stammenden Unterhändler Ahron Austerlitz; in Eisenstadt zählt dieselbe aus der Familie Austerlitz folgende auf: Liebl und Jatvb Krämer, Hirschl, Branntweinhändler, Hirschl Aron und Mayer, TabakHändler, Hirschl,. der mit 'Bändern handelte, Max Herz, Hausierer, Baruch Schnurmacher (Zonarius), Ed'l, die Witwe Ahrons, Händlerin, Getl, .Witwe Hirz Austerlitz', die Spitzen verfertigte (Firn Mas-elaborat).19) Im Todesjahre ihres Vaters richtete die Gattin Michael Eleasars) der gewöhnlich unter dem Namen Michael Simon bekannt war, ein Gesuch an die ungarische Hofkanzlei. Der Prozeße in dessen Angelegenheit sich die in Preßburg. wohnhaft gewesene -Helene in ihrer Supplik an die Hofkanzlei wendete, entstand davon, daß die schöne Jüdin sich seit dem 19. Juli 1717 in drei .Raten auf Schmuck 1800 Gulden von Johann Christoph Berno, dem Hofrichter Graf Palffys, ausbvrgte. Wie Helene behauptete, bekam sie bei der Auslösung des Pfandes einen Schmuck nicht zurück^), Berno hingegen 13) A. a. O.: moderni quoque intestini Belli occasioneni binas ejus officiuas diversis mercibus multorum millium floienoiuna pretium adacquantibus referlas, Tumullüantcs Pa'riae filii lotaliter exspoliaverint. u) WUchstein II., 87. . 15) Wachstein II., Nr. 737; Taglicht, 176, setzt den.Todes-, tag aus den 1. März, die amtliche Eintragung auf den 16. März: lieber Ahrons Erben UHU, 1736, August. Nr. 43.; Ungarisches .Landesarchiv-, Briefe an die Preßburger ' Kammer, 1710—19/ Fasc. C. \ 1!7) Wachstein a, a. O.: Seine Approbation zu Midrasch Raboth (Frankfürt a. O. 1705) fuhrt das Datum 11. Etat 1703, . Braun a. a. O. hält Benjamin Austerlitz irrtümlich für Baruch Austerlitz/ Bruder. f 1S) llhtk, 1727, August, Nr. 48. 19) Ung. Landesarchip. Urbaria et conscriptiones Nr. ,71, Fasc. 2; UHU, 1729, April. . Nr. 3 erwähnt -Hirsche! Aron- Austerlitz und Salamvn Austerlitz als Kompagnons ln Eisenstadt int Jahre 1729. . 20) Die auf den Prozeß sich beziehenden Alten Ilhkl, 1721, Juli, Nr. 70, September 53; 1724, Juli. Nr. 22, 61, August, verteidigte sich damit, daß er die Schachteln, in denen die Schmuckstücke untergebracht waren, unversehrt zurückerstattete. Der Prozeß, verschleppte sich auch noch nach dem Tode Bernos bis! 1727. Von den Akten dieses Prozesses wollen wir hier zwei mitteiten, die Helene Austerlitz als „schöne Jüdin" bezeichnen:^) „Wir Endes unter schxiebenen bekennen hiemit, daß die so genandte schöne Jüdin, des Juden Michael Simon in Preßbnrg Ehe-Weib, vor unß freywillig sich erkläret und gesagt: daß sie von meinen Hoffrichter den Christoph Berno Ihre Ihm versetzt und versiegelt behändigte Phändter zu der Zeit der Auslösung, und Ervfnnng derer) Men mit gantzen, und unverletzten Petschaft empfangen, solche selber geöfnet, bey eröfnung aber eine Schachtel heraus genommen, und solche in dem Sack gesteckt habe, darinnen ihren damahligen sagen nach eine goldtene Kette solle gewesen seyn. Worüber Wier zur wahren beglaübung dessen gegenwärtige Testinroniales mit Hand und Petschafst bekräftigter Bon unß geben. König-Saden den, 14. Juny 1721 Johann Graf Palffy m. p. L. S. .Theresia Gräfin Palffyn gebohrene Czoborin L. S. Marie Anna Prschehorschofstyn gebohrene Gräjin Palffy" Li. S. „Ich Johann Christoph Berno, und ich Maria Etisabetha fein Ehe-Weib schwern bey dem lebendigen und loahrn Gott, Vatter Sohn und heil. Geist, der allerheiligsten und unzertrennlichen Dreyfaltigkeit, daß wir außer derjenigen Mobilien und Pfänder, welche sich in denen durch die sogenannte schöne Jüdin verpetschirten zwei Küsziehen befunden, und welche ich Christoph Berno mit ganzen Petschaft eben dieser Ji'ldin eingehändiget, keine von uns beede Eheleuten andere Mobilien oder Pfändervon dieser Jüdin zu unsere Händen überkommen."? ■ i \ -i ' .! Helene Austerlitz erschien in dieser Angelegenheit 1724 mit ihrem Diener vor der ungarischen Hofkanzlei in Wien, später, wie es scheint, übersiedelte sie für ständig hieher und hier ereilte sie der Tod am 25. Juni 1746. Die von Wachste in heransgegebenen Wiener Grabsteine erwähnen manchmal die Schönheit der unter ihnen ruhenden Frauen und Mädchen. So lesen,tmr:22) Eine würdige Frau von Kvhanitischem Stamm!, schön an Gestalt; hier ruht eine Frau palastartig geformt: sie überragte die Herrinnen an Schönheit. Oft wird der Vers vom Hohenlieds angewendet: „Schön wie der Mond, rein wie die Sonne." Helene Austerlitz' Grabstein enthält gar keine Anspielung, daß unter ihm eine „schöne Jüdin" ruht, hebt aber statt dessen hervor, daß sie ein würdiges, ehrenfestes Weib war, läußerst klug, emsig den Wohlstand ihres Hauses zu besorgen, wohltätig, fromm und eine unerschrockene, kräftige Fürsprecherin bei hohen Ständen, um Gut und Leben von Israeliten zu retten. Wie Enkelin ihres Sohnes Meir, Babetta Leidesdorf, heiratete Ignatz Ritter von Liebenberg, der von einer Temösvarer Rabbinerfamilie stammte. Rabbiner Jsak Lievi wunderte ln den Monaten Zwischen Februar 1745 und April 1746 von Temesvar aus. Im Jahre 1754 nahm Lipman Wolf die Rabbinerstelle an. Die Konskription aus 1767 erwähnt Benjamin Nr. 42, September, Nr. 76. November. Nr^. 61; 1726. August, Nr. 43; 1727, März, Nr. 75. 21) In der lateinischen Urkunde, 1721, Juli, Nr. 70: sie dictam Pulchraro Judapam. ") II., 24, 535. 568. , >-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.