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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mit» 316 >l'S Wochenschrift Nr. 20 - Ueber alles Lob erhaben ist das Verhalten des Kultus- Präsidenten kais. RatesSignmud Ro senzweig in WiUiczka, dessen Energie und Unerschrockenheit wir es verdanken, t>atz - wir bei der völligen ^ndoienz der autonomen Behörde vor dem Schlimmsten bewahrt worden 'sind. Auch, das eifrige Bestreben des Poltzeikommissärs D a n k i e w i c z, die Plünderer ausfindig zu machen, sei hier dankbar erwähnt. Heber Intervention des Herrn Dr. Rafael Landau, Vizepräsidenten der Krakauer Kultusgemeinde, der gleich am nächsten Tage hieher kam/ um die Schäden zu konstatieren, ist heute ein halber Waggon Fensterglas angelangt, was um so notwendiger war, , als fast in keinem jüdischen Hause ganze Fensterscheiben geblieben sind." - Soweit der Bericht. Wohin das führen soll, ist uns nicht recht klar. Wir tonnen uns unmöglich damit begnügen, daß der Potenkluü die Sache mit einem Protest abtue. Seine Pflicht wäre es, in Galizien auf die Bevölkerung eÜMwirken und, durch seinen Einfluß das! polnische Volk nuszuMren, daß solche Handlungen das Polonium vor, der ganzen Welt als! unfähig und unreif hinftellen müssen, die Herren nicht nur des eigenen Schicksals^ sondern auch noch des Schicksals Hunderttausender nichtpolnischer Nationalität zu sein. Es ist Höchste Zeit, daß in Galizien das! System der Schadensgutmachung auMre und ein System der Schadensoordeugung Platz greife. Dies erheischet nicht nur das Los der Süden, sondern auch die Zukunft der Polen und das Ansehen der Staatsgewalt. . Aus Heinrich Heines Ahnenkreis. Mit einen: gewissen Stolz erwähnt Heinrich/Heme in seinen Memoiren, daß feine Großmutter näterli>cherseits eine außerordentlich! schöne Frau war. Man kann aus den Zeilen heraussühlen, daß es ein 'angenehmes Bewußtsein für. den DMter -war, daß djas Blut eurer Frau in feinen Wern sloßj, die sich! durch, bezaubernde Schönheit und herrliche Statur auMeichnete., Im Schlafzimmer seines Onkels. Salomon Heine sah er das, Porträt seiner Großprutter und das/ Blld der Mathe Eva Popert?) der Fmn Heymann Heines, machte einen solch unvergeWichen Eindruck auf ihn, daß er noch später in seiner Matratzengruft sich lebhaft an ihre milden und ernsthaften Züge, an das. vollwangigte, mit einem Doppelkinn versehene Gesicht erimrerte, welch>es! einen Ausdruck von Vornehncheit eigentümlicher Wf hatte und aus dem pechdurÄelsten Hintergrund des! Bildes wie ein Vollmond aus nächtlichem Gewölk hervorschimmerte?) Wie viäterlicher-, so . war auch mütterlicherseits in der Verwandtschaft Heines! eure auffallende Frau, die schön an Zügen und prächtig an Gestalt war. Ihre Erscheinung war keine alltägliche, sondern unterschied sich so sehr von der',Masse, daß die. Urkunden, die von ihr Berichten, sie als „die schöne Jüdin" bezeichnen. Sie war nicht bloß fürs Auge gewinnend, sondern war auch eine sehr Auge Frau, die von angesehenem Hause stammte und in eine vornehme Familie heiratete. Diese angestaunte Frau war die erste Gattin Michael Eleasar PreWürgsdemzufolge die Schwägerin des Lazarus von Geldern, des Urgroßvaters Heinrich! Heines. Lazarus' Sohn Simon von Geldern, der planlose Globetrotter des 18. Jahrhunderts!, dessen Lebensbegeb enheiten die Phantasie Heines in seinem Kindesalter lebhaft beschäftigten, verkehrte.persönlich mit seinem Onkel Michael Eleasar, der', den Neffen mit Rat und Tat unterstützte.^) Von ihm erfuhr- Simon wahrscheinlich von der Schönheit seiner damals bereits verstorbenen Tante, von ihren seelischen und geistigen Vorzügen. Doch, wie es 9 Äarpeles: Heinrich Heines Stammbaum väterlicherseits (Gedenkbuch Mr Erinnerung an David. Kaufmann, 487—505). 2) Heinrich Heines Werke ^Laube-Ausgabe), Vli 323. 3) Kaufmann, Heinrich Heines Ahnensaal, 114—115. - scheint, kam durch den-fahrenden Scholar nach D-üssehdors keine Nachsicht.über sie, denn wenn, die Familienbarden Interessant^. von ihr'..erzählt hätten, so hätte dies! die Anftnerksamkeit^ des Dichters gewiß ergriffen, und wäre auch von ihm verewigt worden. : Michael Eleasars Gattin hieß Helene, hebräisch Rachel Levia, Sie wurde.wahrscheinlich, in dem.Jahre in Ungarn geboren, in welchem Ofen von der türkischen Herrschaft befreit wurde, oßer vielleicht erst im daranfsolgLnden Jahre, 1687?) Sie war beinahe in gleichem Alter mit ihrem Manne, den eine amtliche Nachlaßschrift, im Sterbejahre seines Vaters Simon Michael, im Jahre'1719, als 32 jährig angibt. ^) Bernhard Wachste in ist per Ansicht, daß Rachel Äevias Vater S,alvran den Eljakum Gottschalk ha-Leyi in Düsseldorf war, der Onkel Lazarnsf von Geldern. Die .im Budapester, Landesärchiv sich befindlichen Aktenstücke wÄ'erlegen diese Annahme und geben eine genaue Anfklärnng von chrer Wstammung. Aus! diesen geht hervor, daß Helene die Tochter des Salomon Austerlitz war?) Damit ist die Frage gelöst, warum Helenes Vater auf ihrem Grabsteine als vom Hause Levi stammend.'bezeichnet wird. Salomon Austerlitz war nämtlich ein Devite. Der Kurutzenaufstand brachte schwere Tage für die ungarischen Juden. Nicht so sehr an Leben schädigte er sie, wie an-Vermögen und -Erwerb. Unter ihnen litten besonders die Gemeinden der westlichen Komitate, die sich vor den Plünderungen und Plagen der Kurutzen an die Grenze oder nach Oesterreich flüchteten. Die aüft gelöste Eisenstädter. Gemeinde ließ , sich damals für eine Zeit in Wien, Wiener-Neustadt und Forchtenstein nieder?) Ihre Synagoge, welche vor kaum einigen Jahrenmit Hilfe der Wiener Juden ansgerichtet wurde und : gegen deren Ban Kardinal Gras. Leopold Kollo nitsch im Jahre 1694 und der Raaber Bischof Christian August Herzog von" Sachsen im Jahre 1697 vor Leopold I. protestierten,^ war leer geworden. Den traurigen Verhältnissen siel auch das! Vermögen des Vaters Helene Austerlitz? zum Opfer in Eisenstadt.- In Anbetracht dessen, daß er seines Vermögens verlustig wurde, erhielt, er von Leopold I. im Jahre 1703 Moratorium?) \ Salomon Austerlitz, ein angesehenes. Vorstandsmitglied der GemeindeFO) den wir unter denen finden, die im Jahre .1693 das Diplom unterfertigten, in welch!em die Eisenstädter Gemeinde Samson Wertheimer zum Rabbiner wählte,n) pflegte feit 1678 Handel.in Ungarn und besorgte seinen Einkauf zumeist in Leipzig und Hamburg?^) .Nachdem er seine Außenstände nicht ein- 9' Ersichtlich aus ihrer Grabschrist, mitgeteilt von Kaufmann: Aus Heinrich Heines. Ahnensaal, 236; Wachstem: Die Inschriften des alten Iudenfried'hofes in, AHen, II., Nr. 872.,. ö) Taglicht : Nachlässe der Wiener Juden im! 17. und 18. Jahrhundert, ~ 150. ' . > G) Ungarisches Landesarchiv, KoUzepte der ungarischen Hofkanzlei (— Uhkk.), 1724, August, Nr. 42: Exposl.um est IVJuiebtaU Nualtne, non.ine el in persona Egregii Ch/istophori Berno, Onaliter Judaea Helena filia Salamonis Auzierlez, Michaelis Simon conthoraiis. 4) Alerander Vüchler: A zsidök törtenete Budapesten, 186, Kuruc idök, Az orszagos lorabbi hivatal Magyarorszägon, Max Pollak: A nagyvaartoni zsidök rnulljaböl. «) ÄHK, 1697, Februar. Nr. 8. 9 AHK, 1703, Mai. Nr. 38. 10) Abraham beu Jakob Moses- Helen Aschkeuasis Vorrede zu Midrasch Raboth (Frankfurt a. O. 1705). 11) Braun: Samson Wertheimers Rabbinatsdiplom aus Eisenstadt (Festschrist, Adolf Schwarz, .499—507). 12) Ifbff, 1707, Oktober, Nr. 4: pasieaquam per continuos iam 2i) An. os n golialionem inercaiitionalem' in praefato Regno nostro Hungariae exercuisset, Mercesque suas ex vanis Locis, potissimum vero Lypsia et Hamburgo gravi dus expensis compairare .... consvevisset. Damit ist zu' vergleichen Kaufmanns Die letzte Vertreibung der Juden uns Wien, 171. -

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