Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-24 · 20 (24.5.1918) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
20 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022321--26886-3052271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Dr. 20 Dr. Bloch’s Aayr,«^ Zentraloroan für die gesamten Interessen des Judentums »oiS ö OG X. t, Postsparkafsenamt Clearlug-Berfehr: 810.976 oo Rcbcftton und «dmintstratt»«: «Dien II/i, Praterstraße 9 v Telephon* 45*359 =DO Q Wie«, 24. Mai 1918 o G= -Oo Erscheint jeden Freitag Briaf-Wresse: Wie». II/,. Praterstraße 9 LelegUaam-Lbrrffe: Bloch'» Wochenschrift. «Sie» f> © Gs Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 90 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Ki)ii|n: Li» 1 *«l ,«si,»tt«»» f »Htjetlc fO Qtlex ■O o dD> o Inhalt: Leitartikel: Nach Krakau -Wieliczka. — Aus Heinrich Heines Ahnenkreis. — Bon Voltaire zu Popper-Lynkens- — Coucy. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Dreimal ausgezeichnet. — Auszeichnung eines Feldrabbiners. — Auszeichnung von Aerzten. — Deutsche Kriegsdekorationen. — Korrespondenzen: Ein ernstes Mahnwort. — Die gekniffene „Ostdeutsche". — Berufung von Juden ins preußische Herrenhaus. — Der erste jüdische Richter in Preußen. — Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Hamburg. — Wie die Rumänen die Emanzipation der Juden vorbereiten. — Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien im Jahre 1912. — Nachrichten aus der llkrania. — Zu den Judenpogromen in Beßarabien. — Ein Protest gegen die rumänischen Schandtaten in Beßarabien. — Pogromliteratur in Polen. — Die Judenpogrome in Rußland. — Probleme der jüdischen Auswanderung. — Ist die Arbeit den Juden ein Fluch? — Zum 100. Geburtstag eines berühmten jüdischen Schauspielers. — Vermischtes. — Feuilleton: Eine Esches Chajil. — Rabbi Mordechai Benet. — Literatur. — Briefkasten.''— Inserate. Mach Krakau —Wieliczka. 'Sfotf ihrem Leidenswege sind die galizischen 'Inden an einer neuen Station angelangt. Die traurigen blutigen Exzesse von Krakau haben in Wieliczka eine ebenso traurige Nachahmung gefunden. Die Lembierger Statthalterei hat "neue Arbeit bekommen. Sie wird, unbekümmert um die Tatsachen, wieder die Krawalle, die Ausschreitungen als Hungerkrawalte hinstellen und den Versuch machen, die Opfer dieser Ausschreitungen, die Juden, als die Ursache der Exzesse hinzustellen. Wer die Wahrheit läßt sich nicht mehr hinwegdementieren, und es wird immer klarer, daß die Polen ein gefährliches Spiel treiben, wenn sie in ihirem eigenen Hause nicht bald gründlich! Ordnung machen und wenn jie es zur Regel gestalten, daß in Galizien die polnischen Behörden sich! unfähig oder unwillig zeigen, die gestörte Ordnung herzustelten, und erst Militär Heranrücken muß^ um den AUsfchireitungen Halt zu gebieten. Was in Wieliczka vorgegangen ist, schildert ein Augenzeuge, dessen Verläßlichkeit außer Zweifel steht und der auch bereit ist, für die Wahrheit seiner Angaben einzüstehen. Dieser schreibt uns: Wieliczka, den 16. Mai. „Der Judenpogrom in Krakau hat hier ein trauriges Nachspiel gefunden, das sich um so gefährlicher gesta'tete, als wir hier ohne jeden Schutz leben, und noch schwebt die Gefahr über unserem Haupte. Gestern um 2 Uhr nachmittags! begann, wie auf ein gegebenes Signal, eine Menge, ^stehend aus Arbeitern und Weibern, die ihre Sonntagskleider zu dieser blutigen Tat anlegten, die jüdischen Geschäfte zu plündern und die Scheiben in den jüdischen Häusern zu zer-, trümviern. Bewaffnet mit Aerten, drang die immer niehr anwachsende Rotte, in der man auch Schüler der hiesigen' Realschule und polnische Legionäre sah, in die Wohnungen der : Juden ein, raubenjd und plündernd und d.ie hilflosen , Frauen und Männer blutig schlagend. Dies altes geschah unter dem Auge der Behörde, die ruhig alles/.gewähren ließ. Als die Plünderungen begannen, und au manchen Stellen schon jüdisches Blut floß und man um militärischen Schutz bat, antwortete die betreffende, Lokalbehörde : „Es geschieht nichts."!; '• . . ■ ' Die Gefahr wurde jeden Augenblick größer, aber der Bezirkshauptmann und der Bürgermeister, die zu dieser Zeit eine Sitzung in der Sparkasse hatten, antworteten den sie bestürmenden Juden, man möge sie nicht stören. Ja, sie hatten sogar den Mut, dem Militärkommando Krakau, an welches sich der Kultuspräsident wendete, zu antworten, daß militärischer Beistand nicht notwendig sei. Der Wachtmeister der Gendarmerie, der die Bande begleitete, der Plünderung rühm assistierte und — man lache nicht, denn es ist zu traurig — einem Juden namens Zuckermann, der die eindrrngende Menge aus seinem Geschäfte herausdrängen wollte, zurief: „Schlagen ist nicht erlaubt!", sagte nachher selbst aus es sei ihm der Befehl erteilt worden, nur achtzugebeu, ^daß beim Bezirkshauptmann die Scheiben nicht eingeschlagen werden. Von- Wieliczka begab sich die Menge, gleichfalls in Begleitung des Wachtmeisters, nach dem anstoßenden Städtchen Klasno, wo sie das Plündern und Schlagen wiederholte. Erst gegen halb 10 Uhr abends kam!, dank der Intervention des Krakauer Rabbiners Dr. O. Thon beim Militärkommando, eine Abteilung hieher, aber leider;u spät. Das Fest der Offenbarung naht heran, aber im Städtchen sieht es aus wie am Tische Beaw, fast alle Geschäfte sind ausgeplündert, die Wohnungen zertrümmert, der Schaden beziffert sich qpp^ mehrere Hunderttausende. Als im Jahre 1914 die Russen unser Städtchen verließen, sah es hier viel besser aus.; Daß die Ausschreitungen keine Hungerrevolten waren, beweist am besten die Verschonung der christlichen Geschäfte, die sich hier in großer Zähl befinden, und auch die Tatsache, daß in keinem der christlichen Häuser die Scheiben eingeschlagen wurden. Es wurden Telegramme an den Ministerpräsidenten, den Minister für Galizien und den- Minister des Innern um Abhilfe abgefandt." In einem weiteren Schreiben vom 19. Mai berichtet uns derselbe Berichterstatter aus Wieliczka: ^Jm Laufe her Revisionen, die während der letzten Tage hier vorgenomMen wurden, fand man bei den Plünderern Mengen von Proviant, die nicht vom Raube während der Ausschreitungen stammen und die am besten beweisen, daß von Hungerrevolten nicht die Rede sein kann. So halte die kleine Familie e-ines Salinenarbeiters 12 große Laibe Brot zu Hause. Dasselbe bestätigt auch der Umstand, daß her der -Plünderung des Geschäftes einer Frau Goffdschmidt das Brot zurückgelassen wurde und nur Luxusartikel, wie SeideiMcher, Hüte u. dgl. geraubt worden sind. In Klasno wurde der Gemeindevorsteher, der 76jährige Tiesenbrunner, von dem erzedierenden Pöbel so geschlagen, daß sein Leben in Gefahr schwebt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.