Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-17 · 19 (17.5.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
19 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022320--26872-3052256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

fit. 19 Seit» 296 Wt. BLlW'S ihn . GMäG tmssen Zeit von der Dmwchs. nicht <sttzustzhr entfernt ist, irgendeine Spur davon erhalten. Üeberdies... sahen wir, daß; der letzte der Geonim, Hai, die.Kol- Nü>pL-Forinel, wenn auch mit bedeuteirden Mw elchnngen, .LKvaKrt ' hat, Der , Einfluß- Hais war , aber in Spaniew Mr. groß, und wenn imSpaniew die Tradition von dem emMgen ^itierW-rder.-KoEM^hMehwach wäre,, so, würde sie unter deM Einfluß Hais von neuem aufgÄchi sein. - : Auch -der Beweis BLochD aus den Worten Saadjas scheint mir nicht stichhaltig genug zu sein. Heißd es ja bei ihm ausdrücklich, daß es sich! um eine Geyreinde hanbetr,die sich! irgend etwas! in einerSynagoge auferlegt hat MO22N N'22 klDSL 5# rhDtfl HIP1?) was doch mit 'Zwangschristentum sich nicht vereinen laßt. - Die Entstehung-: von Kol-Mdrß bleibt also , weiter in Dunkel gehKls $0 ehenso bleiben weiter unaufgeklärt alle die Fragen, die an oex Spitze dieser Abhandlung aufgerollt' worden sind. Aus der ' Tatsache aber, daß Saadja der einzige Gaon ist, der Kol-Nid re anerkennt, darf Man vielleicht schließen, daß diese Formel in Pa-' lästina entstanden ist. Saadja als Aegypter folgt betzMnllich- 'd^-^Mästmensische«' Ritus und ihm folgen auch die Rabbiner Italiens/ Frankreichs und Deutschlands, unter denen keiner gegen Kol-Nidre Luftritt. Daraus würde sich auch erklären, warum die ursprüngliche Formel hebräisch lautete, weil eben diese Sprache in Pa ästina die Vorherrschaft hatte, wie wic ebensülls aus Palästina eine hebräische K^tnba haben. Warum man aber gerade in Palästina das Bedürfnis empfmrd, eine . solche Formel zu verfassen, darüber lassen sich .eb enfalls nur VernruZungen aufstellen. In Babylonien schirmt man es mit GelAden etwas zu leicht genommen zu Haben, weswegen man in den beiden Akademien, etwa seit der Mitte des $. Jahrhunderts, den Traktat Nedarim gar nicht studiert hat?») Diese Tatsache hat nun Vieh Leicht in Palästina eine R-eaÜion 'hervorgerufen. Mau fürchtete hier, daß dadurch! das ganM Wesen vom „Auflösen von Gelöbnissen" in Vergessenheit geraten werde, und so uMgab- Man es' mit einer besonderen. Feierlichikeit, indem man eure spezielle ForMel verfaßte ünjd>sie in einer der feierlichster Stunden "des Jahres, beim EintrittHes Versöhnungstages) öffentlich in der Synagoge rezilleren ließ.- Warm aber die Formel ins'Aramäische umgegossen wurde und wie sie mit der zu ihrem! Jnhall gar nicht passenden Melodie verbunden wurde, das sind Frager, die wir beim heutigen Stand unserer Kenntnisse noch nicht beantworten können, vielleicht bringt aber die nächste Zußmft eine Lösung. /'/. Dem Kol-Nidre geht noch bekanntlich die, Formel. .21 NÄV NIMIs voran, in der die Erlaubnis erlteilt wird, mit dem 22N2V, mit den Uebertretern, zurianmett zu beten. Auch diese Formel möchte Bloch mit Schernchristen in Verbindung bringen, diesmal aber mit den' Marranen des 15. JrHrhunderts. Ja, in „Warjmrinr" soll in witziger Weise auch aus die Ebrojanim, -D’12273 ‘J Ö'TTS bz “l-lb rrL2*21NL1?!SNLlll7r6') und wo man es im XIII. Fahrh. abgeschasst hat, s. das genannte Responsum Jsak b. Mordechais/ S. 84: i'.nv n^viprrn 2122 cn'.n l.wvn'm ^v2^3 ^221 .. rby& 10 'ri'rrn xb> V“i no k2K.^ö'21 ...efirpava^nj cnn p\ nbipb r.iöipön«»2 sbi vb *n”i3 bs vsab na-fc 12b by?nnKwni Welche Ursachen aber hier bei der Abschaffung mitwirktcn ist vor der Hand Unbekannt. as) Jn-seinM oben erwähnten Responsum sagt Natronai (Hilchoth Pchckoth, 3!r, W:/22 ^12^' 'UV2 n:L'2 PU: fcSTö. twÄ’v pyn>.- Kbi oms-p-a^ ab pta xabyi rr2-.nz MIM' 7IW2D “.13 vb r!2; (Vgl. -auch Scheriras Responsum in r!32nrp L>3'U2N ed. Lr.ck, Rr. 43, und Gvizkerg. Eeeinea 1. 66, Ai m. 1). Sott nicht die zur Zeit Jehudais entstandene Sekte der Karaer." die ”iN'NZ j?”n3 verspottete, hier Ursache gewesen sein? Machen Wrift auf Leute von der Jberischen/HLlbinsehaustdelr.Me.gW-- den/ des Ebro, ans Spanien, Hingezielt werden! Diese Ansicht, die übrigens ^nicht neu ist, ist aber schon darum hinfällig, weih nach Kolbo (angeführt von Joses Karo in Beih.Josef,/!, e.), diese Formel auf Meir von Rothenbürg zurückgehL?^), Sie wird-auch von Simson b. Zadok/ einem 'Schüler Meirs,. erwMnt, also : war' sie schon iiit? 13. Jahrhundert bekannt. // Wann und wo aber auch' Kol-Nidre enLstanderr. ist, so wird es' doch nie anMren, ansdas jüdische- Gencht/ seinen ungewöhnlichen Eindruck/aüsznüben-. Der Namen des heiligstelt Abends ich Jahre wird für immer Mit seiner Benennung verbunden: sein, und. daher sollte man von seiner Beseitigung, aus welchen Gründen es auch geschehen Mag, absehen. Mag glaube auch nicht, daß da- . durch die Angriffe der Judenfeinde anHören ödet abgeschwächt werden. Die Erfahrung lehrt,, daß man mit solchen .Konzessionerl nichts erreicht, virlleicht stärkt man dadurch umgekehrt/ den Mutder Hetzer. Mit Recht betont der greise und verdienstvolle Präsident der Wiener Gemeinde, , daß die Beseitigung des /Kol-Nidre und sonstiger ritueller Belange den Angriffen und Verleumd urr- Zen^ gegen unser /jüdisches Volk' nicht Halt geboteu hät, ünd ich schließe wich vollständig seinenüuamlhaften Wnrten an: „Heine Konzessionen, keine weiteren Änbiede-, rungen, .Selbstbewußitsein!" Die Form unserer Gebete und urlserer Gebräuche ist eine innere Arrgelegenheit und kein äußerer Faktor darf hier nritreden. : . Warf ch a u, den 3. Märtz 1918. N a chs chr ist der .R e d a kt i 0 n: . S.' Poznanzki genießt ein hohes, wohlbegründetes An-' sehen und sein Urteilwird niemand gering cinschätzen. Indes in den vorstehenden Ausführungen findet sich,, wie. mir scheinen will, nichts, was die von mir versuchte Lösung des..Kol Nidre- Rätsels, der /zufolge diese Liturgie in: Wcstgotenreich bei den zwangschristlichen Gemeinschaften entstanden ist, wesentlich zu erschüttern vermöchte. In Babylonien/ das nicht im christlichen Machtbereich war, wurde sie abgelehnt, was-auch bei mir S.' 24 zu-lesen ist. „Dort war man über. Sinn,' Bedeutung und Geschichte dieser Liturgie im Unklaren." Alfassi und Maimonioc-s standen unter dem- Einstuß der Tradition babylonischer Hoch?- schülen und das hat natürlich auf einzelne Gemeinden im arabischen Spanien eingewirkt. Die Annahme aber, daß K: Nr bei spanischen Juden überhaupt nichtin - Uebung war, ist schwer in - Einklang zu bringenmit dem Ritus 'der Sephardim bei den spaniolischen Juden aller Länder. Die Tatsache, .daß Saadia, der als Ägypter dem palästinensischen Ritus folgt, K.- N. anerkennt, erweist nicht- - daß/die Formel in Palästinaentstanden sei, sondern,: daßdie Liturgie cutd) in Palästina in Uebung war. Die Frage, warum man aber gerade in Palästina das. Bedürf-' nis empfand nach, einer solchen Formel vor Beginn des Gottes-, dieystes am Jom-Kippurerledigt: sich durch einen- Einblick in die Geschichte der Judenunter byzantinischer Herrschaft. . Zwischen dem Westgote'nreich -und Byzanz waren vielfache- ' Beziehungen, Einzelne spanische . Küstengebiete standen unter byzantinischer Herrschaft. Die spanischen Westgotenkönige- Erwig und Wttizawarenbyzantinischer Abstammung. (Görres, Die byzantinische Abstammung der Westgotenkönige.. Erwig- und Witiza, -sowie, die Beziehungendes Kaisers Maurikios zur german. Welt, Byzantinische Zeitschrift, 19 - (1910) 430—439.) Aber aüch die: byzantinische Judenpolitikwarder westgotischen - nahe verwandt. Hier- und -dort walteten dem-Wesen nach die gleichen geistigen Mächte. Von den. gewaltigen Myssentaufen: unter -KaiseQ Heraklius- (610— 642) finden sich-Spuren sogar auchim Synagogen-Ritus./ Von Judenverfolgungen und Zwangstaufen meldetdie Geschichte./ der Kaiser. Leo.- des. Jsauriers (7.-1K — 74-1),- Basilius des^ Mazedoniers (867—8861nach desfen-Tode:.sich/ -wiebyzantinische. Aupren. berichten,' .^diel.-.JndLrr-..nach/all-t;e^^G.-H«. w o h.n h e it - wi e d'e r z u ih r e m Gl aui'e n zn-riück--- aB) Vgl. auch Zunz, Ritus, S. 96.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.