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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-17 · 19 (17.5.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
19 (17.5.1918)
Date
1918-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«r. 19 Lr. KlM'S MoAenWrist T»tt« 29b erreichen konnte, und. er verfolgte Ueberläufer mit einer Geringschätzung, bic an Hatz grenzte. Und bei aller Liebe zu Deutschland erhob er gegen dessen Regierungen . immer'wieder den Vorwurf, datz sie auf die GesinnungsfeiHeit, die im Ueb'ertritt ohne lleberzeugung liegt, eine Prämie setzt, d. h. datz sie dem Täufling Stellen zubilligt, die dem treuen Juden versagt sind. Aber all. das wollte er im eigenen Kreise, im .Bereiche von Volk und Regierung austragen, nicht außerhalb. Und einen solchen nach nutzen drmgenden Versuch sah er in der zionistischen.Bewegung, die er meinte, als Jude und Deutscher bekämpfen zu. müssen. Datz. wir trotz der heftigsten Wortkämpfe, die sich Mischen uns entwickelten," in freundschaftlichem Verkehr blieven, kam nicht nur daher, datz ich dieses .Altmeisters energische Vorstöße X vorsichtig^und achtungsvoll parierte, Cohen harte'auch iw 'Lause Mer Jahre eine innere' Wandrung vollzogen, die Hm gestartete, mit Zionisten zusammen eine indische Zeitschrift zu-gründen, die' ,-Neu.en Jstoischen Monatshefte", unter dessen Herausgeoern er aus dem Titelbraite figurierte und bei dem er auch fleißig mitarbeitete. Von der Gewalt der Beredsamkeit dieses tleinen, greisen, harbblinden Rtannes, die ja immer ein Ausfluß der Persönlichkeit ist, .tann man sich, ohne ihn gehört zu. ihahen, kaum eine Vocstellung machen. Im He roß 1916 ründrgte die Soziologisch^ Gefellscyast in Wien einen Vortrag von Cohen noer Prato und die jüdischen Propheten an. Cm zahlreiches Auditorium, fast auSichrießuft): der Geletzrtenwert angehörend, füllte einen der grdpiten Hörsäle Wiens/ und alles war begierig, den 7oxDrigen Gelehrten zu hören, der so heterogene BegrrW zil,anlmenspannte. Cr beschrieb in gewärtigen Zügen das Lvesen des Mischen Gottesbegriffes in seiner sMllchea Reinheit, das/Gefühlsmäßige im Wesen der jüdischen Staarsreligion, die keine Sllaven anerkennt, keine Latlsundien duldet. Cr wies nach> wre namrgemäß aus btefer Cnipfindungswelt das jüdische PropherenmM yerauswuchS, welches Gerechtigkeit für jede Kreatur forderte undsogar den Staat bekämpfte, der, um seine Zwecke zu erreichen, in die. Cmpsindungchphäre und in den Besitz des'. Cmzelindrvioumns eingrerfen mutz. Roch, mehr Gewicht legte er darauf, nachzuweisen, daß diesem jiroischen Gefühlsleben die ordnende geistige Kraft, die philosophische Schulung fehlte. Der jüdischen Gefühlswelt gegenüoer baute er Me griechische Vorstellungss- und Gei,reswelt auf, ließ aus. Hir den. platonischen Jpealstaat erstchen, der ganz Spekulation, ganz konstruierende Vernunft darstellr, sogar Sklaven im Staate einordnet. Mit diesen zyklopisch ausgebauien Begrisien erschien er wie ein Gigant, der in jeder Hand eine Wett trägt. Cr erklärte jede einzelne Erscheinung, chre gesamre Begriffswelt, ihre Funktionen, ihre Gedrechsen, näyerte sie nach und nach einander und wies nach, daß nur der ordnende Geist der griechischen Denkerwelt, wie sie sich in Plato konzentriert, veremr mir jüdischer Gefühls- und Cinpfmdungssorm, wie sie sich im jüdischen Prophetismus aufgebaut hat, eine gedeihliche, staatsery altende Wettanschaunag bieten könnte. Nachdem die Konferenz etwa anderthalb Stunden gedauert hatte, sah Cohen nach der Uhr und meinte, er musse sich nun kurz fassen, was durch läuten Protest abgelehnt wurde, so seyr war alles im Banne seiner Rede. Derartige abstrakte Begriffe pflegt man nicht länger als dreiviertel Stunden oorzutragen, weil die Hörer viel zu sehr ermüden. Als Cohen-nach zweiemvierrel Stunden seinen Vortrag geendigt Hatte, vlieb vorerst alles sitzen, als müsse nocy etwas, gesagt werden, noch eine Weisheit diesem Munde entströmen. Dann gab es lauten Beifall mit Hand und Mund, wie. er einem Gelehrten nur selten gewidmet wird. Als.unr nach dem Vortrage: den kleinen .Geheimrat umringten, der Nun wieder in' die Gewalt seiner energischen Frau in Schale und Tücher gewickelt wurde, da betrachteten wir den hilflosen Greis wie ein großes Wunderkind. Nun ruht er aus von einem Leben ffo großschön und fruchtbar, datz der Laie seine Bedeutung kaum erfassen kann. Ernste Gelehrte und hervorragende Juden juchten seiner Größe mit allerlei Nachrufen gerecht zu werden. Mir aber ist es, als sollte ich eine Blume der Erinnerung auf sein Grab legen, das einen der größten Gelehrten'unserer Zeit umschließt, dessen unerreichbare Liebe zum Judentum vielleicht noch größer war als seine geistige Kraft. Bern, im Mai 1818. Eine neue Hypothese über die G»tsteyunA oe» K»e Kldee. Geprüft von Säumet Poznans», Warschau. (Schluß.) Dann ist noch zu. fragen, was für Ursache hätte man, eine Formel, die in Spanien aus einem ganz gewissen Ansatz eursranoea ist, m Lärmern, wo dieser rinlag nicht voryanden war, wo ganz anoere historische Bedingungen exisnerien, zu rezitieren? Endlich yaoen wl.r beweise, daß gerace m Spanien Kol-Vtiore nicht gesagt wurde. Das svigt aus den Wocien des J>ac rbn Ganmy und des . Jehuoa b. Barzillai (ange führt inOrcyoch «Lyajiml, 106 a), und das sagt auch ausdrücklich ern prooenzallfcher Autor,, der um die Wenoe des 13. uno 14. Jayrymiderls gelebt hat, nämlich Jfak b. Äiordechai Kimchi (ein Enkel Davids), in seinem sehr inrere,sanwn Re,pon-- sunr über Kol-Nldre, der noch oaraus ausmectsam macht, daß rveoer Alsasi noch Maimonioes Kol-ncibre üoeryaupt erwähneri.-l) Daß man Kol-Nidre auch noch im 14. Jahrhundert lli Spamen nicht, wenigstens nicht üoerall, gesagt hat, folgt aus dem Kommentar des Nissim Gerundl zu der oben angesühri.en Sre-le Neoarim '£5 b und am dem von .Josef Karo (Bell) Josef zu Dur O. CH. 619) zitierten Responsüm des J,ac b. Scyeschety, irr denr es ausdrücklich heißt, oaß in Katalonien Koi-Nwre nickst gesagt wird. Null lesen lvir in einem Responsum des Chanoch b. Mo>e, daß man am Versöhnungstag-Gelöoni'fse lösen darf,-") aber der Kot-Nidre-Formel geschieht hier keine Erwähnung. Uebrigens hat Cyarroch, als einer der vier Gefängenen, aus seinem Heimallände so rnanche Traditionen, gerade auf dem Geoiete der Liturgie, mitgebracht, die von den Traditionen Babyloniens und Spanlens avwichen und die als weiterer Beweis' dafür dienen können, datz die Gefangenen nicht Babylonier waren. Wenn Mose und dessen Sohn Chanoch . aus Italien kamen, wo Kol-Nidre von jeher gesagt wurde, so würde die Sache sich ganz natürlich aufklären. Man könnte zwar noch anuehmen, datz ursprünglich in Spanien Kol- Nidre gesagt, äver erst später unter dem Cinflutz der Gaonim abgeschafft wurde,aber dann hätte sich doch bei 2l) HEJ ö9,8i: M'rr *r>’ r.t.i :r:tr r.Vsrr vb-- «nöbi tisdi hzz 'nru vD m®’ rrbrr:n:a r rr -ick»» res cb-y.i nns rer K7 mei cayjflzz'\ cn’so rbzpn 'Div -Q33 «in» esa enntena mn snsen D -ö~m '-1) Halachoth Pesukoth, Nr. l 17. Vgl. dazu Müller, Die Refpousen der fpcmijaicu Lehrer des 10. Jahrhunderts, S. .14 u. .83/Jfo. 5ä. -:i) Vgl in betreff der im Muffaf-Gedel des Nechahrstages zu rezitierenden 9 Benedkkrioneu Halevh, Doroth ha-RischMmr 111, tlr»7 ff. Die Legende vvn den vier Gefangenen ist ja bekanntlich jetzt ganz erschüttert nnd höchstens paßt pe vielleicht nur auf Mose d. Chanoch nd--dessen Sohn, s. Eppenstein, l. e., S. 149 ff. ") Eine analoge Erscheinung ist in der Provence zn beobachten, wo mau noch im XU. Jahrh. Kol Nidre rezitiert hat, ls. Manhig 596:

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