Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 18 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Bkozch's LSocheüschrist^ Nr. 1-8 Bitte.„wid en^di b & X lddsige J'ü de nschast u n d »M-V'dIeTren.gämHlichs-e:ab.s ichsLffu'-wg"- ^Khsils-. hingegen: ermelie Gay er Juden schast „Wider de n Magistrat um'Ö be In n woh nnng der Stadt e'rhalten zu werden, dann wegen allerhand au de r e rr Z u m u t u n gen u n dB e d rä n g n n s s e n". Das. vom Kaiser Josefl. dto. Wien, 10. März 1711' erlassene.De kret-gibt iNsänrtlichien von der Gayaer Judenschaft Angeführten Beschwerdepunkten wider den' Gayaer Magistrat dolles Recht und.wendet sich mit folgenden Worten gegen das Ansinnen des Magistrates, daß die Gayaer Juden Vertrieben werden: „So.viel nun zuforderst die vom Magistrat abigeziehlte- Abschaffung der Juden auft der Stadt anbetrifft, da finden wir gnädigst daß- Ermelten Magistrat diesfahls nicht fundieret seye, sondern es ist unser gnOigster Befehl hiemit, daß besagte Judenschaft bey dem vom Kayser Mathia Low seligster.gedächtnuß schon in Anno Siebzehen Hundert D-reyzehen Erworbenen, auch! hernach, bestättigten Privilegio, mithin bey der bisherigen Jnnwohnung der Stadt erhaltenen, und! es auch sonsten bei denen durch die vormahlige Königlichss ÄaNdies Unter CamMereren, besonders aber durch Weyland Friedrich graffen von Oppersdorf Zwischen dasigen Magistrat, dann daselbstigen..Judenschaft getroffenen Vergleichen, nicht -weniger bey unsers königl. TribunaW Recessn vom Vierten Aprilis Anno. Sechzehen Hundert - und zwey und snnMig allerdings seür Bewenden haben, den Magistrat därgegen zu Handlen oder auchdie Judenschasi künfftig mit einig neuer: „Extra" Gabereyen, es seye dann, was; Sei etwahöchst beschwerlichen zeiten erforderlich, und mit. höheren Vorwissen, autzubstrden -nöthigseyn..möchte, zn beschweren, von .Euch gäntzlich eingestellt, daher auch Ihnen Gayer Juden zu künftiger Abwend eung weiterer Feuersgefahr, die Häusser, deren Anerbiethen stacht, anstatt der Stryhe Dächer, mit Schindeln zu, decken, auch von'Steinen Jedoch ohne- Erweitherung in der Breite, und Länge gleühwohlen aber inwendig wach erheischender nottnrfft ein und anderes zu erbauen etc." In betreff der Entscheidung der seitens der Gayaer Judenfthaft wcher den Gayaer Magistrat erhobenen Gra-. vamina. -seien..-'Mr-':Gvei'! -.-Punkte ^hervorgehoben: „Ad sextum. Die Jnsolentien des Primatoris Sohn de praeterito sehen zu verweisen und ernstlich zu steuern Und mit Arrest odersonsten nach Verdienst zu strafen." „Ad undecimnm. Wegen der Jüdischen Handwerksleuthe lassen Wir es bey. unserer gnädigsten Resolution vom dreyssigsten Äugusti des Srebenzehen Hundert achten Jahres Kvafft dessen denen Juden verrnög Ihres Privilegij daß Sie die Erlernte Handwerke unter Ihnen zu Ihren Nutzen srey üben und treiben, doch darmit Ehrbahr und Redlich umb!geherr mögen^ gnUngst bewenden, es wäre dann, daß sie mit Einwilligung.der Städtmeistern, auch für Christen arbeithen .wollte gehalten seyn." . - Zum Schluffe etwas Charakteristisches.‘ Ad grav'a-- men secmrdum heißt - „Diie -. einer' .'jühiMn-/ Wittib - extorqnierte Spendage anWUich! des Hausaufbäues ihres Tochtermannes muß! restituiert werden, widrigenfalls der Magistrat dazu Verhalten wird." Der antisemitische Magisträt hatte nämlich verbotendaß ein abgebranntes Juderchaus wieder aufgeAaur werde. Die GrschäftWreunde des Herrn b. Behr-Pinnow. Weit auchdie österreichischen antisemitischen Blätter ans dem Falle Behr-Pinnow Kapital gegen die Inden zu, schlagen versuchten, - bringen wir die nach-! folgende Mitteilung dM „Berliner Tageblattes" vom 5. Mai: - ,Man schreibt - uns: ' sl In der NackMittagssitzung im -Reichstage -vom M April d. J> hat der Mbgeordneie Schiele b ei der Besprechungdes F a l l es - B ehr- P i n n o w folgendes erklärt: ' ’: , y- - / ' Cs gibt doch noch andere Leute, -die .diese Ge- '' schäfte, in Wirklichkeit .gemacht haben. (Hört! ' hört!; rechts) 'Die Namen jener Herren sind JhUen hier von.dieser Stelle noch gar nicht genannt worden.' (Hört! hört! rechts.) Ich nehüre sie mit zür Vervoll- . ständignng dieses Bildes, Herr Kollege Noske, das ist wohl sehr notwendig, wenn es auch manchem peinlich sein'mag. Ich will'kurz-die Namen der Männer nennen,' sie heißen: SLeinborn, Wiener, Ko h n. (Heiterkeit, und Zuruf.) — Dieser B ehr schreM' sich-' mit' „eh^, Herr Kollege — ein .Herr B lan k war derMschWMWr'er. Meine Herren, es war notwendig, daß ich dieses! Bild vervollständigte, Hamit Sie einmal einen Blick in die G. ml b. H. tun konnten. - ' Diese Angaben des! Wgeordneren Schiele bezwecken. nach der ganzen Art dM Vorbringens, lediglich wen Eindruck zu erwecken, als ob in der. Angelegenheit des Kammerherrn von Behr-Pinnow die Hauptbeschuldigten Inden find) und Juden als Hauptbeteiligte in Betracht kämen. Dies geht auch! besonders aus den AusführungLN, die nach! dein Herrn Schiele der alrii>semdtische. Äbgeordn etc M n m nr gewacht hat, mit älter Deutlichkeit Hervor. Die Darsteltnng des! Aibgeordneten Schiele ist' aber' n n r t ch L i g. Ein Mann namens! K o h n ist Werhäupt Nicht an den Geschäften des Herrn v. .Behr- Pinnow beteiligt gewesen.- Dereinzige Jude, der tatsäch!- lich bei diesem Geschäft in Betracht kominl, ist ein. Herr Wiener. Dieser ist äb'er nicht in irgendeiner leitendsn-StellnN'g beteiliat gewesen, sondern war lediglich! Gefellschästev St einbo rn. sowvhk.als auch Blank' sind' Christen. Sieinborn ist der bekannte Witmersdvrfer Stadtrat, der .infolge., dieser Mgeleaenheit sein Hnt als Stadtrat niedergelegt hat. Blank ist nichd mehr anden Geschäften beteiligt. Sein Nachfolger, dessen Name uns nicht bekannt ist, ist ein. Reichsbankdirektor. '. Soweit dre Zuschrift.- Wir möchten, nur. Nnzuiügen/ daß das' antisemitische Geschnüffel der Herren Schiele^und Mumm' uns nicht weniger niedrig erschiene, wenn selbst statt eines Juden vier an den Geschäften des K-cnnmerherrn -v. Behr-Pinnow' beteiligt gewesen wären." Tlanzig. Eine wenig bekannte Evisode aus der Geschichte der Juden unserer Stadt ist die Aufklärung einer Ritualmoedbeschuldignng) die vor 250 Jahren die hiesigen.^ Juden'-.-'bedrohte.- Pessach .1662 fand nran das zwölffähriae Söhnchen des Büraermeisters..von Danzig ermordet unter DüngeÄMufen liegen. Sofort hieß es, die Juden hätten den Knaben geÄffachtet, n)tt sein.. -Blut unter die Osterbrote zu menveg, .bald beaann der Pöbelan -Plünderung und Ettnordung - der Juden m gehen. In ibrer Angst wandten sich! die Juden aN.die . Obrigkeit. der Rabbi von Dgnzig rnachte sich anheischig,, den Mörder,b>im7en?wei Stunden ausfindig" m mach-en, so daß an seiner Schuld nicht gezweifelt werden könne. Der Hechvg ließ nun der Plünderuna Einhalt gebieten und wg mit seinem Hof aus den Märktvlatz. darnit der Rabbi den Mörder vorallen Einwobnern bezezchUe und leine Schuld beweise. Der- Rabbi lirß einen mit/inent Tuck:, bedeckten HäVn chrinaen. wählte fünf Juderl und fünf Christen, aus dem 'umstehenden Volke und ordnete an.', daß jeder dieser' zehn Männer' den Rücken des Hahnes, streichle: dieser, werde sofort, wenn ihn der Mörder berühre, zu krähen beginnen. Die rehn Männer, unter welchen sich nach Angabe des Rabbis der Mörder de-