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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-10 · 18 (10.5.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
18 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch'S Wochenschrist Seit» 287 fand, streichelten einer nach dem anderen den unter dem Tuche befindlichen Hahn, ohne daß dieser jedoch einen Lautvon sich g$x Djas enttäuschte Volk wollte sich nun auf den Räbbi stürzen, aber Dieser bat noch um einige Augenblicke und forderte die zehn Männer auf, ihre Hände in die Höhe zu heben. Die Fläche der rechten Hand war bei. neun Männern vollkommen berußt und nur bei einem rein. Diesen, mit-der reinen Handfläche bezeichnete der Rabbi als. den Mörder, weil er aus Augst,.der.Hähu werde krähen, diesen, der über und über mit Ruß beschmiert war, nicht zu berühren wagte, während die anderen neun Männer, sich unschuldig wissend, den Hahn ruhig! streichelten und so ihre Hayd beschmutzten. Der Mörder gestand auch das Verbrechen sofort und erlöste dadurch die Danziger Juden aus ihrer Bedrängnis. Er war der Bruder des Bürgermeisters, der dessen einzigen Sohn und Erben aus dem Wege schaffte, um den greisen. Bruder selbst Zu beerben; das Manöver aber war dom Rabbi ersonnen, um den Mörder, der bei der Tat beobachtet worden war, unumstößlich als den Verbrecher, bezeichnen zu können. Zugunsten dB Mischen Sabitatsi. „An. das deutsche Volk und seine Führer." So betitelt ' sich ein Rundschreiben, das ein Herr Reinhold Diene r, „im Aufträge vieler Christen und Stäatsibürger" zugunsten des. j.Wschen Sahbats versendet. Er schreibt u. a.: „Man denke sich, Deutschland durch diesen allgemeinen „Sabbät", welcher dann für Christen. uttb Juden, nach der Hb Schrift auf den letzten Tag der Woche, den Samstag, gelegt würde,, innerlich geeint, welche Harmonie und auch. Vorteile, würden sich für das deutsche Volk hieraus ergeben! Viele intelligente Juden, , 'welche bisher aus religiösen .Bedenken zurück-, hielten, könnten dann in Fabrik und Staatsbetrieben Verwendung, finden- und deren geistige Kraft dem Vaterlande dienstbar gemacht werden. Um nun auf möglichst schonende Weise dies zu erreichen, wolle man die Bibel als entscheidendes Gesetzbuch gelten lassen, bezw. hiernach entscheiden, was um so leichter sein wird, da das deutsche Volk nur aus Christen und Juden zusammengesetzt ist. Die Bibel lehrt unzweideutig, daß der siebente Tag und nicht der erste Tag der Woche der Rühetag sein soll. Von diesem Gesetze haben sich die Juden bis auf den heutigen Tag mit Recht nicht abbringen, noch abzwingen lassen. Gottes Gebot geht Wer Menschen Gebot." Antisemitische AgitÄion von der Kanzel. Der „B. Z. am men wir: ' vom 17. April entneh- Jn der.gestrigen Stadtverordnetensitzung in Frankfurt a. M. brachte ein fortschrittlicher Stadtverordneter den Fall Kübel zur Sprache. Pfarrer Kübel hat in einer Silvesterpredigt die .Axußerung eines österreichi^ schon- Erzbischofs wiedergegeben, die besagte, die Weinberge würden bespritzt, damit die jüdischen. Wucherer mehr Geld verdienen. Der Stadtverordnete stellte fest, daß Pfarrer K. die Kanzel zu antisemitischer Agitation mißbraucht habe.. Derselbe Vorwurf fei dem. Konsistorium zu machen, das in einem Schreiben die Aeußerungen Kübels für gerechtfertigt gehalten. Sämtliche Vertreter der übrigen Parteien, die zu.Worte kamen, mißbilligten das Verhalten Kübels. Stadtrat Meckbach, ein Mitglied' des' Konsistoriums, suchte das Schreiben des. Konsistoriums zu rech'.fsrtigen. Obevbürgermeifler B o i g t betonte, daß der Magistrat sich noch mit der Angelegenheit beschäftigen werde./ Es sei anzunehmen, däß er dem Konsistorium seine Bedenken Wer die Behandlung der Angeleg enheit ansdrücke. - Frankfurt war bisher eine der Städtebaus denen man selten etwas vom antisemitischen Treiben hörtet Nun soll auch diese Stadt von der antisemitischen Pest verseucht werden. . Vernichwng der Men TemPeMbffothek in Belgrad. Am 1. Mai frühmorgens brach! in dem ehemaligen jüdischen Tempel in der Mojsijevagaffe in Belgrad, in dem die Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde untergebracht war, ein Brand aus, der das gesamte. Gebäude und die darin ausbewahrten historisch wertvollen Bücher vollständig vernichtete. Der Brand kam schon den Abend vorher znm Ausbruch, wurde jedoch vom Tempeldiener ungenügend gelöscht, so daß das Feuer nun neuerlich in heftigster Weise aufflammte und, ehe noch seine Weiterverbreitung bemerkt Ivurde, das ganze Hans ergriff. Erst als die Flammen zuM Dache hinausschlugen, kam die Feuerwehr heran, die jedoch das Gebäude und die Bibliothek nicht mehr retten konnte. Es gelang ihr nur, das UeVergreifen des Brandes aus die umliegenden Häuser zu verhüten. Der Schaden, der am Gebäude und an der Tempel einrichtung angerichtet wurde, fällt, wie gesagt, nicht so sehr ins Gewicht im Vergleiche mit dem durch die Vernichtung der unersetz-- lichen Bücher verursachten Schaden. In dem Gebäude befanden sich namentlich die in die Jahrhunderte Zurückreichenden alten Bücher Wer die Einwanderung der Inden in Serbien, bezw. in Belgrad:, sie repräsentieren neben ihrem Seltenheitsauch einen, hohen Altertumswert. Einzelne von ihnen sind, überhaupt in gar keiner Weise, mehr ersetzbar. Befürchtungen für dajsj Ws der besfarakifchen Jud^ix. Das Jüdische PreßbUreau in Stockholm meldet: Die von Ruuiänien mit Zustimmung der Zentralmächte geplante- Annexion Bessarabiens hat nach den uns vorliegenden Berichten aus verschiedenen Ländern die .größte Bestürzung und Beunruhigung ln der gesamten jüdischen Welt verursacht. Das entsetzliche Schicksal der Juden des gegenwärtigen Rumänien - läßt tatsächlich das Schlimmste für die 300.000 Juden Bessarabiens befürchten, die unter die Fuchtel der herzlosen, korrupten, judenmordenden Bojarenregiernng kommen sollen. Wenn auch die Frage der rumänischen Juden durch den Bukarester Frieden angeblich befriedigend gelöst ist, so steht es noch keineswegs fest, daß der die Juden betreffenden Bestimmung des Ariedensvertrages eine Fassung gegeben worden ist, diealle möglichen Kniffe der rumänischen Staatsmänner von vornherein ausschließi. Aber selbst wenn die neue juridische Formel für die Regelung der rumänischen Judenfrage nichts zu wünschen übrig lassen würde, was sehr zu bezweifeln ist, so kommt es doch vor allem auf die VerwaltnngspraxA an, und "so lange das öffentliche Leben Rumäniens nicht auf eine gänzlich neue, demokratische Basis gestellt ist, ist dort eine wesentliche Aenderung im Los der Juden nicht Zu erwarten. Die Einverleibung Bessarabiens würde deshalb, unter dem gegenwärtigen Regime geradezu eine Katastrophe für die Jndenheit dieses Gebietes bedeuten. /

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