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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-10 · 18 (10.5.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
18 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 18 Dr. MoH'S Tag Anger ruhigen Blutes Meten lassen, wenn wir noch Dinen Funken Ehre im Leihe Habens Natürlich sind aste Juden Drückeberger- HinterlairdH'chw.ärmer, Militärbefreiungsschwindler,, weil einige Juden mit derart netten Eigenschaften aufge tri eben werden konnten- Arier, -die solches tun, gibt es bekanntlich gar nicht! Dabei hat noch kein einziger dieser Hetzer die Front je gesehen! Hier also wiederum: nicht gegen die Drückeberger, sondern ledlich gegen die jüdischen- Drückeberger. Daß jüdische Soldaten zu Tausenden gefallen sind, zu aber Tausenden Krüppel wurden, was schiert das-die Halunken? Selbst der Kampf gegen die Zentralen, über den man verschiedener Meinung sein kann, wird zum Kampfe gegen die Juden aüsgesWotet. Nicht daß die Zentralen zu spät errichtet, mit zu geringen Machtmitteln ausgestattet und Überhaupt aus falscher Grundlage aufgebaut würden, ist die Ursache ihves unbesiiedigenden Wirkens! Bewahre! In den Zentralen schien auch Juden, also nichts einfacher als das: die Juden sind schuld! Hetzapostel haben in den Massen die Mär verbreitet, nur das christliche Volk muß darben, die Juden haben alles in Hülle.und Fülle aufgestapelt. Juden, die hungern, an Entkrüftung sterben, frieren, denen nicht ein Jota von der allgemeinen Not erspart bleibt, diegibt es für das Lumpenpack nicht. Und so..leidet die übergroße Mehrheit aller Juden! Was tnt's? „Die Juden haben sich im Kriege maßlos bereichert," posaunen sie in die Welt, weil vielleicht von je hundert einer sich bereichert, hat. Ungeheuerliches. erduldet das arme Volk in diesem Kriege. Und da der einfache. Mann nur seine Leiden fühlt. Wer die Ursachen nur höchst mangehast unterrichtet ist Ünd er auch recht ungern sich eigene-Gedanken über die Dinge macht, ist es den Hetzern ein leichtes, solche gequälte Menschen für ihre dunklen Zwecke zu mißbrauchen. Täglich hören es die.Massen: „Daran sind nur die Juden , fchuld", bis sie es auch ohne bösen Willen glauben müssen. Sie suchen begreiflicherweise die.Schuldigen, und. da werden sie ihnen Präsentiert.. Müssen es aber hauptsächlich deshalb .glauben, weil die also beschuldigten Juden keinen Finger rühren, die wider sie vorgebrachten, oft ganz ungeheuerlichen Anschuldigungen zu entkräften. Nie war -die Judenhetze ärger und nie waren die Juden tatenloser! Die Hetze gegen uns Juden, diese infamen und weiterhin unerträglichen Verleumdungen und Pauschialverdlächtigungen werden aber nicht von selber aushören, im Gegenteil desto heftiger werden, je mehr wir dem Kriegsende zusteuern. Diese Judenhetzen -werden .arrangiert von politischen Parteiführern, die Angst haben vor dem- Frieden.' Sie w issen, daß sie ansgespielt haben, wenn ihre Anhänger ihre Leistungen und ihr Verhalten während! der Kriegszeit -objektiv beurteilen würden. Das fürchten sie! Sie fürchten, politisch! unmöglich zu werden und einen ehrlichen Beruf ergreifen zu müssen, zu dem .sie so gar nicht taugen, und deshalb brauchen sie Ablenkungsmittel. Welches wäre nun naheliegender, als Me lieben Juden! Dazu braucht's kein Gehirnschmalz und, dabei ist's bequem, weil sich diese Juden einfach altes gefallen lassen und nicht anftnucksen. Jed er antisemitische Dummkops darf sie ungestraft anspucken.. Jeder engstirnige Lümmel sie ankläffen, wenn er von sich reden machen will-und ihm sonst. nichts einsällt. Won politischen Parteien dürfen wir Juden Schutz und Hilfe nicht erwarten. Die könnten sie uns auch dann nicht gewähren, wenn, sie selbst, wollten. Von der Regierung etwa? Diu lieber Gott! Die hat so viele Sorgen, daß ihr für das Häuflein Juden wahrlich.feine Zeit übrig bleibt. Hier gibt es nur Selbsthilfe! Es muß nun endlich Wochenschrift! Seite 879 wieder ein jüdisches Ehrgefühl geben! Wollen wir es noch länger dulden, daß Subjekte, ünd gerade die minderwertigsten, uns-zum Freiwild erniedrigen, für das es keine Schonzeit gibt? Sind wir. denn allesamt keine Männer? Jedes Volk wehrt sich mit Klauen und Zähnen seiner Haut, und nur die Juden, gerade wir, die meistgeschimcchten, denen jeder Bube an die Ehre greifen zu dürfen glaubt, nur wir ganz allein sollen stumm wie zahnlose Hunde den Buckel Hinhalten und uns alles Niedrige und Gemeine aufbürden lassen? Nun ist's wohl genug und muß auch genug sein, ehe es zu spät ist. Zu sehr schon sind die Volksmassen wiider uns verhetzt, zuübermütig die Hetzer, die Mut nur so lange haben, als man ihnen nicht die Zähne zeigt. Die Juden — nicht oft genug kann's gesagt werden — Haben in diesem fürchterlichen Kriege die schwersten Qualen erduldet, schwerere und entsetzlichere als jedes andere Volk, und sollen dafür noch, die Sündettböcke sein? Wir verlangen nicht, daß man uns die von unseren Volksgenossen getragenen ungeheueren Leiden vergelte, wir verlangen überhaupt keine Extrawurstaber wir wollen es nicht mehr länger gestatten, daß man für die von einer verhältnisinäßig kleinen Zahl von Juden begangenen Verbrechen uns alle verantwortlich und bußpflichtig macht! Jetzt, wo es ums Höchste geht, um unsere Ehre und vielleicht auch um unsere persönliche Sicherheit, darf es kein Zaudern' mehr geben. Jeder Jude möge ruhig seinen Idealen treu bleiben und auch weiter der Partei dienen, der er bisher angehörte. Schreiber dieses ist bewußter Sozialdemokrat und Atheist —aber in dieser Sache gibt es keine Parteiunt-erschiede. Das H kein Politikum, das geht uns alle als Menschen von Charakter und Ehrgefühl an. Wenn wir Juden picht jetzt wie ein Mann ausstünden, dann wären wir wert, weggeblasen zu werden. In größten Massenversammlungen im ganzen Reiche müssen wir vernehmlich protestieren gegen die Schmach, die man uns antut. Müssen alle -Verleumdungen, die man wider uns ausftreur — und nicht die kleinste darf übersehen, alle müssen gesammelt' werden —, an Hand von Tatsachen und statistischen Zählen widerlegen. Die sogenannte „Judenpresse", die bisher eher für. die Rechte der Botokuden, als für die der Juden — was ihr wahrlich näher läge — eingetreten ist, muß für unsere heiligen Bestrebungen gewonnen werden, damit auch die nichtjüdische Bevölkerung erfahre, was man über uns zusammenlügt. Die Reichen unter uns müssen Mittel bereitstellen, und jeder soll nach Möglichkeit sein Scherflein zu einem Fonds beisteuern, um damit Flugschriften herzustellen, keine weinerlichen, sondern modern aufklärend gehaltene, in denen die Verleumdungen unserer Gegner einwandftei richtiggestellt werden und die in großen Massen kostenlos in der Bevölkerung zu verbreiten sind. Kein ehrliches Mittel darf nnangewendet bleiben in diesem ehrlichen, unerläßlichen, unaufschiebbaren Abwehrkampfe. Organisationensich über das ganze Reich erstreckend, einheitlich gegliedert, müssen gegründet ' werden, wahre und richtige Kampsorganisationen. Dem muß natürlich eine riesige Massenbewegung, die umgehend einzuleiten ist, vorangehen. Nur . wenn wir den antisemitischen Ehrabschneidern kühn die Stirne bieten, wenn das irregeleitete-^ Hrliche Volk sieht, daß wir uns unserer Haut erwehren, und uns' nicht feige verkriechen so wie bisher, nur dann' werden die gewissenlosen Hetzer unschädlich gemacht werden können! Sonst aber. . .! - , A.

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