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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-03 · 17 (3.5.1918) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
17 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blach's Wochenschrift Seite 275 Wer weiß? Abraham Branntwein aus Saffed, Palästina, zuständig nach Flefchtin (Galizien), reifte vor Ausbruch des Krieges in Galizien nach Rußland, Gouvernement Wolin. Frau und Kinder bitteir alle russisch-jüdischen Zeitungen, Ihiese illotiz. in ihren Blättern zu veröffentlichen. Nachrichten über den Verbleib des Genannten erbittet Frau Ghana Branntwein bei Jsak Klein, Budapest;. Nägyiuezö utcza 50. mk-. jfeuUleton. Eine Esches Chafil. Das Lebensbild einer edlen Frau. Von Dr. Adolf Heinrich Landau, Wiener-Neustadt. (Fortsetzung.) Jütte Benies besuchte nur äM Samstag das Mttes-^D haus, Freitag. Mend blieb sie zu Hause und rechtete allesM für 'den Festabend her. Wenn alle von der großen Synagoge kamen, segnete Salinen leb die Kinder nach alter jüdischer Sitte, sprach dann das „Scholym Alejchem"") und sang, umgeben von allen Hausgenossen, im alttraditionellen Tone das Kiddusch zur Heiligung des Weines. Bis dahin sah man die alte Frau nur immer geschäftig hin und her gehen, sie hatte jeden inc Sinne, wußte, was jeder gerne aß und achtete natürlich am meisten auf ihren lieben Salmenleb. Während des Kiddusch aber stand sie mit allen anderen beim großen Tische, sprach laut das Amen und trank zuerst vom Weine, dann folgten alle anderen nach der Reihe des Alters. Nach dem Händewaschen setzte man sich zu Tische und bekam vom Hausherrn ein Stück vom Sabbatbrot, die Moize. Die alte «Jütte selbst saß nie bei Tische. Wenn alle Speisen bereits ausgeteilt waren und auch das Dienstmädchen gegessen hatte, dann nahm die Esches Chajil den Rest für sich und. -verzehrte ihn int Stillen in der.Küche. So wollte sie es haben, und davon konnte sie niemand abbringen: war es der Wunsch, von der Schwiegertochter nicht beobachtet zu werden, oder ist es eine Gewohnheit aller alter Frauen,- beim Essen gern allein zu bleiben, um daun sagen zu können, daß sie den ganzen Tag fast , nichts zu sich nehmen, daß ihr Dasein also den anderen nicht lästig falle? Beim. Tischgebete aber saß sie wieder aut unteren Tischraude, ihrem Sohne gegenüber, und betete mit der Tischgesellschaft, bei der nicht selten auch fremde „Orchim"^) speisten, andächtig mit, um Gottes Segen über das ganze Haus zu erflehen. Am Freitag wurde in der Küche auch alles für den Samstag fertiggestellt. In großen Steinkrügen wurde alles Flüssige und in Kässerolen alles übrige im großen Ofen verwahrt, um am Sabbat heiß. und duftend hervorgeholt zu werden. Da gab es! in der Früh warmen .Kaffee und dazu knusperigen Butterteig mit Zibebeu gespickt, wobei die Kinder intmer stritten, wer mehr Zibeben habe; SaMstag mittag-aß man eine Vorspeise, in der Regel Fische oder eingehackie Leber, dann Suvpc mit Rollgerste, verschiedene Fleischsorten und Kompott, dazu „Kugel", so süß und so weich und so gut, daß alle sagten, es rieche nach noch; schließlich kamen noch Bäckereien auf den Tisch und Obst, S.chabbes-Obst, auf das sich die Kinder, schon die ganze Woche freuten, denn die gnre Großmutter wußte ihre Enkelkinder reichlich zu beteilen, ja sie hatte draußen im! Vorhanse ein eigenes Versteck, aus welchem die Kinder, wenn sie vonr „Belfer" zuM Sabbatspaziergang.geholt wurden, noch eine tüchtige Düte Mit Näschereien mitbekamen. Kein Wunder ll) Mit diesen Sprüchen wird der Einzug des Sabbatsri.deus i»> Hause begrüßt. )") Durchreisende Arme, die man als Gäste sinlädt. also, weun die Kinder an der Großmutter mehr hingen als ait der Mutter, die die ganze Woche bis svät abends im Geschäft war, und wenn sie einmal nach Hause kam, in ihrer Nervosität und. Aufregung über den kleinsten Lärm der Kinder in Zorn geriet. Besonders aber harten die Kinder nriter der Strenge des Vaters zu leiden, der nicht selten mit einer Ledergerte (Kautschuk) auf sie los schlug, wenn entweder vom ChedeiK-Z eine schlechte Auskunft kam, wenn die Kinder in ihrem Svieleifer etwas verbrochen hatten, oder Nachbarsleute, Vst aus Uebetwolten, über sie Klage führten. Bei einer solchen Gelegenheit war es wieder die gute Großmutter, welche die Kleinen vor beit Schlägen zu schützen suchte, und ävenn sie Salmenleb nicht besänftigen konnte, und die Lederriemen aus die zarten Körper-' chen niederfielen, da weinte sie im Stillen mit den Kindern und gab ihnen dann von den besten Süßigkeiten, die sie eigens für diesen Zweck ausbewahrt hatte. Die paar Stunden am Samstag nachmittag waren für Jütte Benies die einzigen, an denen sie sich gewissermaßen selbst angehörte. Da legre sie sich zunächst aus das alte Ledersosa im Sveisezimmer zu einem kleinen Nachmirragsschläfchen nieder.' dann empfing sie den Besuch einiger alter Frauen, die mit ihr zusammen den Wochenabschnirt ine DLutsch-Chumisch") lasen, den Psalmenabschnitt für Sabbat und Maumodus sagten, gerneinsam das Minchagebel^) verrichteten und im Winter das Borchi-Navhschi,1 b‘) in den Sommermonaten die schönen Weisheitssorüche der Väter (Perek) rezitierten. Nachher servierte Jütte Benies eigenhändig ihren Gäste« einen kleinelr J-Mbiß, den sie für den Nachmittag als dritte SabbatMahlzeit (Schätos-Sudos) eigens beiseite gestellt hatte. Nach dem! Tischgebete setzten sich die Frauen auf die Bank vor der Haustür, wohin Nachbarinnen und Vorübergehende kamen, um die allbeliebte, ehrwürdige Hausfrau zubegrüßen und ihr zu erzählen, was ihnen am Herzen liege. Ueble Reden über andere ließ sie nicht zu und . wehrte auch sonst Klatschereien sofort ab. Für jeden, der ihr ein Anliegen.vorbrachte, halte die gute Frau ein liebes Wort der Ermunterung, einen guten Rat oder versprach ihre Hilfe; so erteilte sie gewissermaßen Audienzen im Freien, bis die Dämmerung hereinkrach und sie sich von ihrem Kreise verabschiedete. (Fortsetzung folgt.) Atrratur. „Die Judcnpoiiti. der ru^ä,rischen Regierung", von Dr. 3* Bernstein, deutsch, französisch und englisch. Herausgegeben vom Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation, Kopenhagen, 196 Seiten. Das Buch behandelt ein hoch aktuelles Thema: Die rechtliche Lage der Juden in Rumänien. Bekanntlich-, werden die Juden in Rumänien ungeachtet des Berliner Vertrages von 1378, mit welchem die rumänische Regierung sich verpflichtet hatte, ihren jüdischen Untertanen die bürgerlich: .Gleichberechtigung zu gewähren als „Fremde" betrachtet und dementsprechend behandelt. Das Buch gibt eine ausführliche Schilderung der traurigen Folgen, die die Rechtlosigkeit der rumänischen Juden im Verlaufe der. letzten vier Jahrzehnte durch den flagranten Vertragsbruch Rumäniens für die jüdische Bevölkerung nach sich gezogen hat. Außerhalb des Gesetzes stehend, »wurden die Juden als Parias behandelt. Aus allen. Erwerbszweigen -ausgeschlossen, entstand unter den Juden eine furchtbare Armut, die Massen von Juden zur Auswanderung trieb. Dieser Auswanderung half die rumänische 1 -) Die hebräische Schule, wo man vom Alphabet bis zur ia'lmudischen Ausbildung unterrichtet wird. Di: Prügelstrafe war auch daselbst, am häufigsten. . ’*) Die fünf Bücher Mosis in vulgär-jüdischer Sprache Weiberdeutsch abgefatzt, mit eiugestreutea Erklärungen. Parabeln, Legenden und' Lehrsätzen. ,5) Nach, den Psalmen las man noch Lehrsätzr, dann wurde gebetet. (Vesper.) io) Die Psalmen 104 und 120 bis 13S. (Stufengesänge.f

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