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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-03 · 17 (3.5.1918) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
17 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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m. 17 ' Dr. Bloch'S Ein zufällig anwesender Ingenieur, der tags zuvor in Krakau geweilt hatte, ergänzte diese Ausführungen auf Grund seiner persönlichen Wahrnehmungen, deren Grundtenor die Feststellung bildete, daß die letzten Exzesse ausgesprochen antisemitischen Charakter trugen, vor allem darum, da kein einziges christliches Geschäft geplündert worden war. Auch stehtfest, daß die dortige Polizei eine bis ans äußerste gehende Passivität gegenüber allen Vorfällen bekundet hat. Nachdem Kaufmann Herz in sehr temperamentvoller Weise die bisherige fehlerhafte Politik der jüdischen Führer kritisiert und ans die Notwendigkeit eines würdigen, ziel- und selbstbewußiten Auftretens nach außen hin hingewiesen, ergriff Vizepräsident Dr. Schleicher das Wort, worauf bine Reihe von Anträgen, die einerseits den Gefühlen der Lemberger Judenschaft gehörigen Ausdruck verleihen, anderseits dem Hinübergreifender Unruhen auf andere Orte Einchalt tun sollen, angenommen wurde. Die Durchführung der gefaßten Beschlüsse wurde einer aus zwölf Mitgliedern bestehenden Kommission übertragen. B . . . - Verein „Kinderheim". Am 25. April d. 'I. fand im Restaurant Tonellv die 20. Ordentliche Generalversammlung des Vereines „Kinderheim" für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession statt. Für den durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten Herrn Moriz B.'Eißler führte in derselben der° erste Vizepräsident Herr Emil Keleti den .Vorsitz, Derselbe widmete zunächst dem vor kurzem dahingeschiedenen Mitbegründer des Vereines, Herrn Ignatz Frankl, einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er die ausgezeichneten Charaktereigenschaften des Verstorbenen und "dessen Treue und Hingebung zu dem Vereine, die auch in seinem Testamente zum Ausdrucke gelangte, rühmend hervorhob. Der Vorsitzende begrüßte sodann die erschienenen Gäste und gab! seinem Befremden und seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß bei der heurigen Generalversammlung kein Delegierterder Kultusgemeinde erschienen sei, obwohl der Verein den Pflegekindern der Kultusgemeinde in weitestgehendem Maße entgegenkomme und zwischen, Kultusvorstand und Vereinsleitung wichtige Verhandlungen in Schwebe seien. Herr Keleti erstattete nunmehr über die Führung des Kinderheimes im abgelaufenen Jahre eingehenden Bericht. Das Kinderheim sei auch, ein Familienheim, und was dies unter den heutigen Verhältnissen angesichts der außerordentlichen Verteuerung aller Lebensmittelpreise, der 'Schwierigkeit der Beschaffung von Lebensmitteln und der staatlichen Beschlagnahme unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse bedeute, werde jedernrann zu beurteilen wissen. Tatsächlich sei es nur der aufopferungsvollen Tätigkeit und Fürsorge aller Funktionäre des Vereines zu danken, daß der Betrieb unserer Heimstätte ungestört aufrechterhallen und den armen Krüppelkindern Pflege und Genesung zuteil werden konnte. Wir werden, erklärt der Vorsitzende, auch weiter durchhalten, wenn unser Boden int Herbste gibt, wag er jetzt im Frühjahr verspricht, denn die wichtigsten Heilmittel für unsere Kinder sind nach wie vor -Milch, Brotfrüchte und Gemüse, die wir selbst erzeugen. Redner hebt in überaus rühmenden Worten die verdienstvolle Tätigkeit hervor, welche Herr Generalkonsul Jaques Weiß in der Führung des landwirtschaftlichen Betriebes und Vorstandsmitglied Herr Ignatz G l ü ck in der Aufsicht über die Heimstätte entfalteten. Sie haben tatsächlich das Unmögliche möglich gemacht. (Lebhafter Beifall.) Rach Erstattung des Kassaberichtes wurde über Antrag der Revisoren dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Die Versammlung stimmte ferner der Mitteilung des Vereinsoorstandes zu, daß Herr Oberleutnant Felir Frankl in den Vor-. - stand kooptiert wurde, und bestätigte mittelst einstimmiger Akklamation diese Wähl. Herr Gustav Frankl sprach seinen innigsten Dank für die Ehrung aus, welche seinem dahingeschieden.en Bruder durch die Generalversammlung zuteil wurde. Herr Karl Freund dankte namens des Kuratoriums zur Errichtung und Erhaltung von Kinderhorten, resp. namens der vom Vereine aufgenommenen Hortkinder, für die segensreiche Wirksamkeit des Kinderheimes und sprach demselben die vollste Anerkennung aus. Herr Amtsleiter Krauß betont mit lebhafter Genugtuung, daß der Verein Pflegekinder der Kultusgemeinde stets in bereitwilligster Weise ausgenommen habe . und daß insbesondere die Herren Dr. Stricker und Glück den Wünschen des Wohltätigkeitsamtes jederzeit in besonderer Weise entgegengekommen seien. - Herr Ignatz Glück verweist darauf, daß-in den letzten Tagen mehr als eine Million Kronen zur Errichtung des Kupelwieserschen Kinderheimes auf dem Semmering gewidmet wurde/ und daß für diesen Betrag nur 20 Kinder verpflegt werden sollen. Dem' Wochrnschrist Seit» 2.6a gegenüber müsse tatsächlich die Leistung des Vereines „Kinderheim", der bei einem viel geringeren Vermögen wiederholt mehr als 30 Kinder gleichzeitig verpflegt habe, als eine außerordentliche bezeichnet werden. Redner stellt nrit Befriedigung fest, daß die Spenden und Mitgliedsbeiträge in stetigem Steigen begriffen sind, und daß auch die Ernteaussichten für das heurige Jahv als sehr vielverh-eißend bezeichnet werden können. Herr Dr. Löwy schildert .den tiefen Eindruck, welchen er durch eigene Wahrnehmung von der Heimstätte in Laa empfangen habe, und bittet, daran festzuhalten, daß das Kinderheim^ zunächst für jüdische Kinder aus Wien bestimmt sei. Angesichts des furchtbaren Kinderelends in Wien könne an diese Tatsache nicht oft genug erinnert werden. Die Herren Keleti, Generalkonsul Weiß und Glück erachten es nicht für Unmöglich, daß unter bestimmten Voraussetzungen, welche etwa durch die Kaiser Karl-Kinderfürsorge geschaffen würden, auch jüdische Kinder aus Böhmen in der Anstalt -Aufnahme finden könnten. Der Vorsitzende schließt hierauf die Generalversammlung unter Worten herzlichsten Dankes an die Erschienenen und mit der Bitte, dem Vereine inimer neue Freunde zu werben. Ein jüdisches Sanatorium für Oesterreich. Wien, am 24. April 1918. An die vereheliche „Dr. Blvch's Wochenschrift" Wien, II., Praterstraße. Geehrte Redaktion! In Ihrem gesch. Blatte, Nr. 14, brachten Sie eine Mitteilung, wonach der Petersburger Millionär M. G o rdon einen Betrag von 200.000 Rubel zur Gründung eines jüdischen Sanatoriums gespendet hat. Diese Nachricht veranlaßt, mich, darauf hinzuweisen, daß auch Oesterreich eines solchen Sanatoriums, speziell für Juden, dringend bedarf. Es gibt viele Juden, die sich streng an die rituellen Gebräuche, zumindest an die rituelle Kost halten, und deshalb, lvenn. sie eines Sanatoriums bedürfen, gezwungen sind, nach Deutschland zu gehen, welches zwei derartige Anstalten aufweist. Aber auch viele Glaubensgenossen, welche es mit den religiösen Vorschriften gerade nicht allzu genau nehmen, würden gewiß einem jüdischen Sanatorium! ' den Vorzug geben. 1 Ich glaube, daß ein energischer, tüchtiger.jüdischer Arzt es nicht -schwer hätte, das nötige Kapital, welches zur Gründung eines solchen Sanatoriums nötig ist, jetzt aufzubringen. Ich. denke dabei an keine Spenden, sondern an eine Kapitalsanlage, da ich überzeugt bin, daß sich das hiezu angelegte Geld ganz gut verzinsen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung H e r r m a n n K ö n i g. Ein Vorschlag zur Erhaltung der Steüerkrast der kleinen Kultusgemeinden. Irr den Tagesblättern war jüngsthin zu lesen, daß, um der 'Hinterziehung und dem Entfall der erhöhten Kriegsstenern seitens der Reichgewordeuen durch Wegzug ins Ausland vorzubeugen, von der deutschen Negierung ein Gesetzesäntrag eingebracht werden dürste, dahingehend, daß diese Wegziehenden noch durch weitere fünf Jahre zur .Entrichtung ihrer Steuerpslichten zu verhalten wären. Wie wäre es nun, wenn auch die kleinen Kultusgemeinden, die gegenwärtig durch den immer mehr anwachsenden Wegzug der im Kriege Reichgewordenen zusehends verarmen, von solcherN Palliativmittel gleich-' falls Gebrauch machen würden und mit Unterstützung der Behörden jene, ihrer Heimatstadt den Rücken Kehrenden zwingen würden, zumindest einen Teil ihrer bisher'geleisteten Knltusstenern auch noch weiterhin zu ent- - richten?

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