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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-03 · 17 (3.5.1918) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
17 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seit* 367 Nr. 17 Dr. Mo«'S Wochenschrift MröoL des Jiddischen und Kekrmschen in England. Auf Verfügung der englischen Zensurbehörden wurde in England die Korrespondenz in jiddischer Schrift ver- '-koren; es werden-keine Briefe mehr in dieser Schrift befördert. Die Gründe sind vorläufig unbekannt. Dadurch ist es aber nunmehr den Inden unmöglich gemacht worden, sich miteinander auch in hebräischer Svrache zu verständigen, weil eigentlich nur diese allein im Leben im Gebrauch ist. Eine Synagoge in dem öesehten KeSiete Ilakiens. Bei der verhälinisntäßig geringen Anzahl der Inder. . in Italien finden sich! jüdisch? Gemeinden 'nur in den großen Städten. Ich war daher in hohem Grade überrascht, in Vittorio, einen: Städtchen, das in Friedenszeiten etwa 15.000 Einwohner gezählt. haben ^mochte, eine Synagoge zu finden. Es wird für die Leser von Interesse sein, einiges über dieselbe zu erfahren, Die Synagoge befindet sich an der Ecke zweier mastig belebter, aber iminerhin noch im Zentrum!? der Stadt gelegener Straßen. Durch die Einfahrt eines! Wohnhauses, an derer: Wand die Aufschrift „Lntrata alla svnol»^ ^Eingang zur Schule) angebracht ist, gelangt man in einen kleinen, reinlichen — das Militärische Kommando hat die Synagoge von vornherein als Kurrstobjekt erklärt und daher jedem Unberufenen den Zutritt verwehrt — Hof, dessen drei Seiten durch die Feuermanern von Wohnhäusern gebildet werden, die vierte Seite bildet die Front der Synagoge. Im Vergleich zu den zahlreichen hübschen Villen der Stadt — Vittorio war in Friedenszeiten eine beliebte Sominerfrische der Venezianer— nimmt sich das Aeustere der Synagoge recht einfach und schmucklos aus. Durch einen kleinen Vorraum, in welchem sich ein ktwfernes Waschbecken befindet, das -trotz seiner Einfachheit des künstlerischen Wertes nicht entbehrt, gelangt Man über eine schmale, - etwa zwölf Stufen enthaltende Treppe auf einen Gang und von da aus durch! große Flügeltüren in den Gebetraum. Dieser, etwa 10 Meter lang, 5 Meter breit und ebenso hoch, macht einen sehr vornehmen Eindruck. Durch hohe Fenster dringt Heltes Licht ü: den Raum, das durch rote Seitenrouleaux abgeblendet werden kann. Der Boden ist mit Marmorfliesen bedeckt, die Mitte vollkommen leer. Nur an den beiden Seitenwänden steht je eine Bankreihe. Die mit Holzschnitzereien reich, oerzierte, weiß-, und goMgestrichene Bundeslade.steht selbstverständlich an der Vorderwand. Dagegen findet man es recht verwunderlich,. daß sich vor oder neben der BundeÄade weder ein Berpult noch ein Altar befindet. Der Altar befindet sich! vielmehr in Form einer Kan- L-el, die sich von unseren Kanzeln nur. dadurch unterscheidet, haß das Pult groß genug ist, um eine Thorarolle daraufzn legen, an der rückwärtigen Wand gegenüber der Bundeslade. Aus dieser Stellung, der Bundeslade erklärt es^sich, daß die Mitte leer und die Bänke sich an der Seite befinden müssen. Abgesehen davon, daß eine solche Einrichtung bei uns ganz und gar ungebräuchlich ist, hat sie den .Fehler, daß jeder später Eintretende an beul Vorbeter vorübergehen muß und ihn dadurch: in arger Weise stört. Für. die Damen sind an den Neiden Seiten und an der rückwärtigen Wand engvergitterte Galerien angebracht. An einer Seitenwand befinden sich zwei Tafeln, deren eine, ganz hebräisch, zählt die Ehrenfunktionen auf, auf welche sich bestimmte Familien durch! größere .Geldspenden den Anspruch gesichert haben, z. B. das Vorbeten der ersten Lobsprüche iPesike. desimra) an den hohen Feiertagen ufw.: laut de: in italienischer Sprache abgefaßten liebecschrift der anderen enthält diese die Namen derer, die beim „Maskir". g dieses Wort ist wie die Namen selbst hebräisch geschrieben) zu erwähnen sind. In der Bundeslade fand ich mehrere Thorarollen ohne Silberschmuck und Ueberzüge, ferner zahlreiche Gebetbücher und Bibelexemvtare, darunter Selichot aus dem Jahre 1710, in Venedig gedruckt, „für deutschen und italienischer: Ritus", und Machsorim aus der Druckerei A. E. v. Schmidt Mien). Ueber den herrschenden Ritus konnte ich keinen. Aufschluß erlangen. Lau: einer im Sti'genhanse angebrachten hebräischen Tafel ist die Synagoge 90 Jahre alt. Durch das verhältnismäßig hohe Älter erklärt sich auch der Gegensatz zwischen dem einfachen Aeußeren der Synagoge und der Eleganz der zahlreichen Billen der Stadt einerseits, andrerseits der Gegensatz zwischen dem schmucklosen Aeußeren und dem stilvollen Inneren, der in hohem Grade an unsere Synagoge in der Scirenstettengasse erinnert. Ueber die Zahl der Inden, die r: Vittorio ansässig waren und deren Berufe und soziale Stellung konnte ich nichts Genaues erfahren. Der Bürgermeister sagte mi es wären bloß ,.üne o tre famigiie.” szwei oder drei Familien) gewesen und di? seien geflüchtet. Dagegen erzählte mir eine Frau, die vor Pessach von einem jüdischen Soldaten geführt, vor der Maz.zothverteilung zu mir kan: und um Maloch bat, und bi* auf meine Frage hin, ob sie auch wirk'ich eine Jüdin sei, e't: Bändchen „Tehillim" aus der Tasche zog und fließend ^in sevhardischer Aussprache daraus las, es Härten 45 Familien in der Stadt gewohnt, sie seien wohlhabend gewesen und sämtlich .geflüchtet. Diese Zahl, würde aruch mir der Mäskirtafel und dem Fassungsraum der Synagoge übereinstimmen. Laut Mitteilung dieser Frau, die durch Zufall zurückgeblieben war, befindet sich auch ein jüdischer Friedhof in der Stadt. Diesen zu besichtigen, halte ich bisher keine Gelegenheit. Sollte er irgend euvas bieten, was von allgemeinem Interesse ist, so werde ich den Lesern der „Wochenschrift" davon Mitteilung machen. Feldpost 212, am 10. April 1918. Feldrabbiner Dr. Isidor Kohn. Korrespondenzen. Zur Wahr des Otzerrasbiners Dr. H. P. Chajes erhalten wir vom Vorstände der Wiener isr. Kültusgemeinde die folgende Mitteilung: In der am. Mittwoch den 24. April 1918 stattgesundenen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener isr. Kult ns gemeinde wurde der Oberrabbiner von Triest, Dr. H. P. Chajes, zum Rabbiner der Inneren Stadt und Oberrabbinerstellverrrerer mit dem Rechte der Nachfolge gewählt. Im Sinne der Gemeindestarnten fand vor der Vorstands sitzung eine Vertrauensmännerversammlung starr, zu welcher über 200 Einladungen ergangen sind tt-as Statut schreibt nur die Einladung der doppelten Zahl der zurzeit fungierenden Vorstandsmitglieder - dermal 33 — vor). Der Einladung har der größte Teil der Geladenen: Delegierte sämtlicher Bezirkskommissionen, Tempelvereine, sonstiger Körperschaften und Gemeindemirglieder, den verschiedenen religiösen Richtungen angehöria, Folge -geleistet. In der Versammlung hielt Oberrabbiner Dr.' Chajes seinen programmatischen Vortrag, welcher auf die Anwesenden einer: riefen Eindruck machte. Hierauf fand in Abwesenheit des Kandidaten eine Aussprache statt, an welcher sich mehrere Mitglieder der Versammlung beteiligten, ihre Zustimmung zu den programmatischen Anssührungen kundgabeu und die

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