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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-05-03 · 17 (3.5.1918) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
17 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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iSett, 368 Dr. Vloch'S Wochenschrift fit; 17 ab, in welcher Sradtrat Spalowsky in.dieselbe Trompete blies. Mer Sradtrat Spalowsky ist noch? kein .solch guter Musikant wie Dr. Mataja und auch kein so geriÄener Parteidivlomat wie dieser. Laut Berichs der „Reichspost" vom 25. April besprach Spalowsky das Ueberhandnehm en des Judentums - in Wien und aus: ' Auffällig ist der jähe Niedergang des christlichen Gewerbestandes. Ein Geschäftslokal nach dem anderen, von langjährigen, erbgefessenen und reellen christlichen GewerpelMten geführt, wird' leer. Fleckerljuden tauchen in diesen Lokalen auf und lassen sich hier Häuslich nieder. Die KriegSorrdirner kaufen Häuser, setzen die alten christlichen Parteien einfach auf die Straße und nutzen die Wohnungen für ihre Zwecke jaus. Im weiteren Verlauf seiner Rede schilderte Stadtrat Spalowsky, den Einfluß der Judenzentralen und sagte: Die Einschränkung der wirtschaftlichen Freiheit hat sich das Judentum' zunutze gemacht und sucht nun, in der Angst, daß sich das Volk in berechtigter Erbitterung gegen die Urheber unserer Notlage kehren wird, die christlichsoziale Partei für die Nachteile verantwortlich zu machen, obwohl auch die Juden ganz gut wissen, daß -der GLrgerMeister nicht die Schuld' trägt. Wie zur Zeit Luegers müssen alle christlichen Organisationen eine geschlossene Phalanr bilden. Stadtrat SpalowÄh richtete sodann an die Frauen die Aufforderung, die christliche Presse nach Kräften zu unterstützen. Düs ist also des Pudels Kern. Die Erbitterung, die in den weitesten Kreisen der Wiener Bevölkerung gegen die ch-ristlichfoziale Wirtschaft herrscht, soll rechtzeitig auf die Juden abgelenkt werden und der Abrechnung, vor welcher man im Rathaus wirklich Angst empfindet, ein anderes Ziel geben, als dem^sie zugedacht ist. Die Christlichsozialen haben aber nur dann Glück, bei einem Teil ihrer Zuhörer-, wenn sie ins Plaue hineinreden, wenn sie sich', unbekümmert -um die tatsächlichen. Zustände, in ein Geschimpfe gegen die Juden ergehen. In dem Moment aber, als sie Mit Daten und Namen kommen, 'ereilt sie allzu rasch! die Nemesis und der -Angriff entpuppt sich! alsbald als Lüge und Verleumdung. So erging es dem führenden Organ der Berleumdungspartei mit der Mitteilung, die es am 19. April 1918 unter dem Titel „JWische Spottlieder in Wien" ihren blindgläubigen Lesern auftischte. Die „Reichspost" schrieb damals: Wir erhalten von einem Einjährig-Freiwilligen folgende Zeilen: Was man als Urlauber im jüdisch gewordenen Wien nicht alles erlebt! Gehe ich da gestern in Pätzleinsdorf spazieren, als -eine Schar kleiner Atädchen, geführt von giner Lehrerin, singend von einem Schulansflug heimkehrten. Man ficht so selten lustig fröhliche Kinder, sie tragen ja alle den Stempel der Entbehrung an der Stirne. Um so erfreuter Mac ich und uM so lieber hotte ich zu. Was aber sangen öie.Kinder, als sie in Pötzleinsdorf einzogen? Ein Spottlied auf die kirchliche Litanei. ,^Herzbub. bitt' für uns!" tonte es im Ghor, dann folgte ein Gemurmel,? das wohl eine betende Prozession verhöhnen sollte und endlich noch ein Spotwers. Als aber Die Kleinen stockten, den .Trrt noch nicht richtig behalten hatten, Korrigierte sie die Lehrerin und Erzieherin und sang ihnen den richtigen RriM vor. Unterdessen waren die Ausflügler nähergekommen und jetzt fand sich des- Rätsels Lösung. Die Lehrerin war Jüdin und auch die Mehrzahl der Kinder trug statt des Zeichens der Rots der Armut 'und' des Kriegselends die Merkmale ihrer Rasse. Ich hatte schon gute Lust, die Intervention eines. Wachmannes anzurufen,, unterlief, es aber, als die Anführerin, aufmerksam geworden dujcch mein Stehenbleiben, .den Kindern das Weitersingen untersagte. Auf Befragen einiger Nachzuglerinnen erfuhr ich, daß es sich um eine Klasse der Schule 2. Bezirk, Mernmplatz 3, Direktor Markus Beer, handle. Ich bitte,, auf dem A^^ge der Veröffentlichung den Vorfall zur Kenntnis des .Wiener Publikums zu bringen, und die maßgebenden Faktoren auf ihre Pflicht zu verweisen. Es gehört ohnehin zu den traurigsten Erfahrungen, die ein Urlauber ^machen kann, wenn man die maßlose Arroganz des Judentums im Hinterlande sieht und kaum einen Menschen mehr antrifft, der da Hält zu rufen wagt. Im Interesse unserer Zukunft' aber wäre' mit allen Mitteln zu verhindern, daß auch die Kinderherzen schon systematisch vergiftet Mrrden. (Name und Wohnort des Einsenders sind der Redaktion bekannt.) Aber schon zwei Tage spmer mußte das! Blatt eine Berichtigung des Obmannes des Ortsschulrates für den 2. Bezirk Herrn Bezirksvorstehers Dr. Blasel ab- - drücken, in welcher dieser festzustelken in der Lag e ist, daß die Lehrerin, um bie es! sich hier lMdelr, keine Jüdin, sondern eine Urärieriu ist, und! daß Hie Lieder, die gesungen wurden, keine Spottlieder, sondern bekannte Marschlieder für die Jugend waren. Ob. die antisemitischen Provin-Mätter, welche die erste Notiz mit haßerfüllter Gier nachdrnckten, auch die anrtliche. Berichtigung ihren Lesern zur Kenntnis! Machten, konnten wir nicht kontrollieren, aber eines wissen wirdaß die „Reichsfcoft" mit dieser Lüge wieder eine Unwahrheit irr die Welt gesetzt hat, die für die antisemitische Hetzliteratur fortan als Quelle für den angeblichen Ehristenhaß der Inden dienen wird. Angesichts dieser immer dreister werdenden Verhetzungen der ChrMichsozialerr und ihrer Gleichgesinn? ten in den anderen Lagern wirft sich! Uns jedesmal die .Frage auf, ob diese Schandtaten möglich wären einer organisierten Judenschaft gegenüber. Vergeblich ertönt unser Ruf nach Organisation, die allein eine wirkungsvolle Gegenwehr gegen so geschlossene Angriffe bilden könnte. Die österreichische Jndenschaft scheint noch, immer die Zeit und ihre Forderungen an jede Gemeinschaft nicht verstehen zu wollen, und ihre Feinde nutzen diese Schwäche Mts. Während bei uns mit alten, bereits stumpf und schartig gewordenen Waffen herumhantiert wird, gehen jene geschlossen und einheitlich vor. Hüben Uneinigkeit und Spaltung, drüben wird einmütig weiterder Bukowinoer JiMenschUt an den VersüfsunWausschnst, brtr^ffend l die Anerkennung der jüdischen Nation in Oesterreich. Der Bestand einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte — eines Staatswesens — mit eigener Sprache in geschichtlicher Zeit schafft die Vollseigenschast. Diese wird, durch die 'wechselnden Schicksale des einmal begründeten ' Staatswesens, insbesondere durch den Verlust seiner Unabhängigkeit, ^ebensowenig als durch die ■tot Laufe der Zeiten sich vvllzichsnde Wandlung der Sprache aufgehoben. Nur der Untergang der Bevölkerung eines Staates und das Verschwinden seiner'.Sprache aus dem Gebrauche,, sei es im Wege physischer Vernichtung ioder des restlosen Aufgehens in anderen Völkern, streichen ein Volk aus der Reihe der Nationen. Die Weltgeschichte liefert Beweis' sohoohl für die Entstehung der jüdischen Nation, als auch für ihren Bestand bis auf die Gegenwart in beiden wesentlichen Beziehungen, weil Palästina mit seiner eingeborenen jüdischen Bevölkerung und die hebräische Sprache, welche als Verkehrssprache und Sprache der jüdischLN Denker und Dichter sich durch alle geschichtlichen Zeitalter erhalten, während die Nationen der Phönizier, Assyrier Usw. zu bestehen aufgehört haben. . Im geltenden österreichischen Staatsrechte ist weder eine Festsetzung anerkannter Nationen, noch sind irgendwelche Kriterien der Nationalität als öffentlich-rechtlicher. Individualität zu finden. Die offiziellen Volkszählungen in Oesterreich berücksichtigen nur die Umgangssprache. Die Juden, deren Hebräisches bezw. jüdisches Idiom als Volkssprache gesetzlich nicht anerkannt ist, sind daher in den Ziffern der übrigen Nationalitäten Mifeipgerechnet. Ts ergibt sich daraus die Folge, daß rechtlich die Judein . in Oesterreich nicht .a ls Volksstamm, sondern bloß alp Religionsgesellschaft angesehen -werden. Die Juden Oesterreichs entbehren daher des verfassungsrechtlichen Schutzes der Nationalität, insoweit ihn Art. 19 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger gewährleistet. Indem dieses Staatsgrundgesetz das Verhältnis des Staates zur Nationalität determiniert und alle DofksstämMe gleichberechtigt erklärt, ist für die Juden .als solche, da' sie in Oesterreich durch die Praris der Behörden als Volksstamm (Nationalität) */ Vorstehende Denkschrift ist von. der politischen Kommission der Bukowinaer jüdischen - Landespartei, deren Vertretung sich aus den jüdischen Abgeordneten, ehemaligen jüdischen Ge-, meinde-, Kultus- und Äammerräten zusammensetzt, beschlossen worden. Die Kommission bestand aus den Landtagsabgeordneten Dr. K a tz, Dr. F o k s ch a n e r, Gemeinderat Dr. E b n e r und Kul-. tusrat Dr. K aß n er. 4lls Referent fungierte Dr. Kaßnxr. Die Denkschrift ist von dem Plenum angenommen und dem Versassungsapsschuß überreicht worden.

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