Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 17 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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9<t9tgmf XXXV Ur.ZI? Dr. Bloch's Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums ■ Wim, 3. Mai 1918 Erscheint jeden Freitag : »rief-Adrefle: Wie«, II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Ldreffe: Bloch - Wochenschrift, Wir« - R. k. Postsparkassenamt Clearing-Verkehr: 810.976 OO Vtcbcttton «nb Administration: II/i, Praterstraße 9 Telephon! 45*359 OCr c? 9 Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 20 Kronen Einzelexemplare 50 Heller Unzeit»»: Sie i w»J zespott»»« j Petit,eil« ,» «»«** % n i=^-OC Inhalt: Leitartikel: Es wird weitergehetzt. — Denkschrift der Bukowinaer Judenschaft an den Verfassungsausschuß. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zum dritten Male ausgezeichnet. - Auszeichnung eines Feldrabbiners. Nach dem Tode ausgezeichnet. — Das Heldengrab in der Fremde. — Kameraden. — Verbot des Jiddischen und Hebräischen in England. — 7 Eine Synagoge in dem besetzten Gebiete Italiens. — Korrespondenzen: — Zur Wahl des Oberrabbiners Dr. H. P. Chajes.— Der Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels. — Das Echo der Krakauer Judenexzesse. — Verein „Kinderheim". -- Ein jüdisches Sanatorium für Oesterreich. — Ein Vorschlag zur Erhaltung der Sieuerkraft der kleinen Kultusgemeindeu. — Aus einem Gemeindeausschuß. — Politische Brunnenvergiftnng. — Ein deutsches Komitee „Pro Palästina". — Gutenbergs Geburtshaus — ursprünglich ein Judenhaus. — Berlin. — Vermischtes. — Feuilleton: Eine Esches Chajil. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Gs wird weitergeheht. Sorgen vielfacher Art und mannigfachen Ursprung erfüllen in diesen dewegten Tagen der letzten Monate des vierten Kriegsjahres' jeden guten Oesterreicher. Wem das Wohl und Wehe dieses Staates - am Herzen liegt, wer es mit der Zukunft der Monarchie ehrlich meint, sinnt und trachtet nach Auskunftsmitteln, wie. diesem Staate endlich die Ruhe wiedergegeben werden könnte, damit der Weltfriede, der doch schließlich einmal' kommen muß, ein Oesterreich vorfinde, "in dem der innere Friede herrscht, das nicht von inneren Zwistigkeiten ewig geschüttelt und Au Tode gehetzt wird. In den extrerw sten politischen Lagern tauchen doch von Zeit zu Zeit Symptome des Bestrebens nach Verständigung, nach Ausgleich! zutage, und man neigt sich gerne den Optimisten zu, die von der Zuversicht erfüllt sind, daß die nationalen Streitigkeiten in Oesterreich mit dem- Kriege zw gleich in einer Form liquidiert werden, welche dem Staate die Möglichfeit bieten wird, in Ruhe und Frieden jenen kulturellen und wirtschaftlichen Problemen sich zuzuwenden, die schließlich doch die Grundpfeiler einer gesicherten Existenz jedes Staatswesens bilden. Wie gesagt, in allen politischen Lagern, mögen sie sich scheinbar noch so unversöhnlich zeigen, bricht sich doch hin und wieder die Anschauung Bahn, daß Oesterreichs Zukunft und glückliche Entwicklung nur durch den Ausgleich der Meinungsverschiedenheiten, durch ein gegenseitiges Entgegenkommen igewährleistet erscheinen. Allen' aber schwebt ein künftiges Oesterreich vor Augen, in welchem Ruhe und Friede herrscht und in welchem alle Völker segensreiche Arbeit zur Stärkung des Staats- ' Wohles zu verrichten vermögen. Nur eine Partei in Oesterreich will und kann sich nicht mit dem Gedanken der Ruhe und Ordnung versöhnen, nur eine Partei in Oesterreich.sehnt sich Hauptsächlich deshalb nach dem Weltfrieden, d. h. nach einem Zustande/ in welchem der mit dem Kriege verbundene Zwang aufhört, um dann völlig sich dem Kriege gegen eine einzige Rasse in diesem Reiche widmen zu können. Diese Partei ist die christlichsoziale Partei. Es vergeht keine christlichsoziale Versammlung, in welcher nicht die christliche Bevölkerung gegen die jüdische aufgereizt würde. Die christlichsoziale Presse — allen voran die „Reichspost" und hinter ihr her die ihr gleichgesinnte verleumderische Provinzpresse — läßt keinen Tag Vorübergehen, ohne die'christliche Bevölkerung durch lügenhafte Berichte gegen die Juden mit Haß zu erfüllen. Die vergangene Woche war ganz besonders reich an diesen systematischen Verhetzungsarbeiten. Am Montag den 22. April fand eine Massenversammlung der Christlichfözialen auf der Landstraße statt. Laut Bericht der „Reichspost" vom 23. April richtete der Referent, Abgeordneter Stadtrat Dr. M ata ja, an die Versammelten u. a. die folgenden aufrührerischen Worte: Noch niemals ist ein Moment lgewesen, in dem die Partei ihr Schicksal so in der Hand gchalten hätte, wie ami heutigen Tage. Wir stehen am Ende des vierten Jahres eines Krieges, dessen Opfer und Leiden ausschließlich die christliche Bevölkerung trägt, im vierten Jahre eines Krieges, der fast keine christliche Familie in Wien freigelassen hat von Trauer, von Sorgen und von den bittersten materiellen Kümmernissen. (Zustimmung.) Freilich sehen wir die christliche Bevölkerung durchsetzt und umgeben von anderen Elementen, die die Sorgen, Leiden, Schmerzen und Bedrückungen des Krieges nicht mitgemacht, die nicht das Kriegsunglück zu beklagen haben, sondern denen das Kriegsglück gelachelt hat, (Lebhafte Zustimmung.) Das dient dazu, den Kon--» traft um so schärfer herauszuheben, ..und es werden noch Tage kommen, wo die christliche Bevölkerung auf diese fortgesetzte und unerhörte Provokation die Antwort geben wird, (Lauter Beifall.) Diese Antwort zu erteilen, ist Ihre Sache, für diese Antwort die Formel zu finden, die man hört, und versteht, ist Sache der christlichen Bevölkerung, und das Sprachrohr dieser Antwort zu sein, ist Aufgabe der christlichsozialen Partei. Dieses Bekenntnis einer schönen Seele muß festgehalten werden, um, wenn diese giftige Saat wirklich aufgehen sollte, die Verantwortlichkeit und die Urheberschaft feststellen zrr können. . Am 21. April hielt die Ortsgruppe „Mariahilf" des christlichen Frauenbundes ihre Jahresversammlung