Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 16 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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©•itf 258 Djr. WoH'S DWchen. war. ja aus sehr v orneh mem Hause, die Luchter .des Gelehrten Abraham Kirsch, Chajes, dessen Aufsätze über Religlonsphilosophie leider nicht.der OeffentlichkeiL Wergebeiß aber im engen Kreise 'seiner Jünger mit Bewunderung gehört und weiterverbreitet wurden. . Dieses 'Gefühl der Mutter aber, daß, das Mädchen ihr die Liebe des einigen Kindes! geraubt Hat, bildete sicht in dem voll Schmerz zerwühlten Herzen der einsamen Frau zu einem Befremden gegenüber der Schwiegertochter ausdie dieses Gefühl als Feindschaft auffaßte und unliebsam empfand. Als die junge^ Frau nach der glänzenderr Hochgeitsfeier, bei der Jütte' Benies nur immerfort wemte, ins Haus des Mannes gezogen war, verschärfte sich noch diese eigenartige Spannung, die der junge Ehemann wohl merkte, aber, wiederholt vermittelnd, nie beseitigen konnte. „Ich kenne Einen Saimenleb nicht mehr," hörte, man die gute Frau oft sagen. . Denn mit Macht zieht die Natur den Mann zum Weibe hin, daser sich erwählt, nnb die Liebe zu den Eltern tritt zurück.hinter einem neuen, unerklärlichen Triebe, Der auch! reim Weibe früh, erwacht, aber zu-einem unauslöschlichen Feuer, entflammt, wenn es Mutter geworden. Kein ähnliches Empfinden kennt die Naimr, wie die Liebe der Mutter zu ihren Kindern — und ein Weib, das' den edlen.Berns der Mutter voll erfaßt und sich dieser erhabenen Pflicht mit Hingebung gewidmet hat, kamr niemals ihrem Gatten untreu werden, denn' sie fühlt sich eins mit chm. — — ' Das erste Kind in der Ehe Salmenlebs war ein -niedliches Mädchen, und Jütte Benies widmete nunmehr 'diesem Kinde ihre ganze Aufopferung, indem sie in der Liebe zu diesem'Enkerl ihren ganzen verschlossenen Schmerz der letzten Jahre zu ersticken suchte. Als ihre Schwiegertochter nach Zweijähriger Ehe auch moch einen Sohn gebar, der den Namen chres frühberstorbenen .Garten erhielt, dawar die gute Jütte beinahe.wieder 'so. glücklichwie einst zuvor und küßte sogar ihre Schwiegertochter, was sie seit dem Kuß unter dem Trauhimmel nicht getan hatte. ' Jütte Benies war zu neuem Leben erwacht. Sie hatte, zwei Kinder den ganzen Tag zu betreuen, sie.hätte ein großes' Hauswesen zu versehen und Salmenleü wollte nur essen, wenn seine Mutter.gekocht hatte. Das war natürlich neuer Stoff zu . Unstimmigkeiten zwischen „Schwieger" und „Schnur". Aber das ist nun einmal die Folge eines Jahrhunderte währenden Wettstreites, der im jüdischen Hauswesen wohl nie aufhören wird. Immer wieder gibt es Ehepaare, beidenen die Mutter des Mannes chre alten Tage verbringt, und immer wieder entbrennt der Zwist zwischen der gewesenen und der jetzigen Hausfrau,' der stets mit einem Nachgeben der 'alten Frau enden mußwen der Mann wohl seine Mutter in Schutz, nimmt, aber am Ende doch die eigene Frau lieb hat. Die alte Mutter fühlt sich wie eine entthronte Herrscherin. Wo sie früher tonangebend und befehlend war, wo. sie früher, geschaltet und gewaltet 'hat, ist eine jungeRegenlin eingezogen, und wie der Winter dem Sommer, die -Külte der Wärme weichen muß, so ist die natürliche Folge im Wettstreit zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, daß diese siegen muß, wenn sie auch jene Fähigkeiten besitz-t, die von einer guten Hausfrau verlangt werden können. Besitzt -sw aber diese Fähigkeiten, insbesondere auch die nötige Ein- . sicht und das nötige Gefühl, dann wird sie anch mit ihrer Schwiegermutter auf gutem Fuße leben und den etwa entstehenden Zwist, der wohl, wie die Naturerscheinung eines Gewitters, nicht ganz zu verhindern ist und ab und zu ausbrechen mußdurch Klugheit.und -entsprechende Ableitung. harmlos . und unschädlich zu mächen wissen. Wochenschrift «r,! .Das Schicksal fügte es aber, daß-Jütte -Benies allmählich das ganze Regiment im Hauswesen ait: sich gezogen hat. Das Schnirtwarengeschäft,. das jedem Geschmack entgegenzukommen verstand, bekam immer mehr Zuspruch und nahm das junge Ehepaar ganz m Anspruch. Salmenleb kaufte nicht mehr nach eingesandten Mustern von Wiener und Brunner Kaufhäuj'ern, sondern begann selbst die Märkte Und! Messen zu besuchen Und viel Neues und Brauchbares nach Brody zu bringen, während die junge Frauden Verkauf und das! Kassäwe,en-überwachte. Da die Ehe gbnckäch und mit Kindern reich gesegnet war, hatte die Großmutter zu Hause eine reiche Fütle von Arbeit. Die Kinder, die, wie alle Enkelkinder, von der Großmutter wohl nie Schläge bekämen, wollten von der Muttergar nichts wissen, weil sie ihre Nervosität vom Geschästsleben die Kinder zu Hause fühlen ließ und die Kleinen dadurch einschüchterte und von sich fernhielt; um so mehr fand die stille,-in der Mitte der Vierzig^ stehende, noch immer Mühend schöne Jütte in der Liebe der zahlreichen Enkel einen Ersatz für alten Kummer und alles Leid im Laufe der. Jahre. Aber die Dmhirigfkeit dieser edlen Frau kam! nicht Mein im Hanse zur- Geltung, sondern machte sich auch indirekt im Geschäfte fühlbar, denn sie erkundigte sich bei Salmenleb über alles und gab es manche Schwierigkeit zu lösen, manche Sorge zu verscheuchen, so holte er den Rat seiner Mutter ein, die noch immer das Richtige fand, ihm praktische Winke gab und für sol-chD Vertrauen ihres Kindes im Stillen' dankbar und glücklich war. .! Schon seit dem Tode chres geliebten Mamres . und später immer mehr hat Jütte Benies ein Gebiet.mit Eifer ausgesucht, auf deM sie in ihrer Frömmigkeit und Gottergebenheit stets! reiche Gelegenheit zur Betätigung ihres guten, edlen Herzens fand. Sie ging zu den Armen in die. dumpfen Wohnungen und besuchte die ' Kränken in ihren -Leiderrsstätten." Kaum einen Unglücklichen, kaum einen Leidenden gab es in der Stadt, von dem Jütte-nicht Kenntnis! hatte und! der nicht seinerseits! von ihr bestimmt Hilfe oder wenigstens Trost und Beistand erwartete. Wo -die gute Frau erschien, gab sie mit vollen Händen un£> häglichl kochte ' sie, wie für das eigene Hauswesen, auch für ihre Kranken, in allen Winkeln der Stadt warme Suppen und andere labende Speisen, die sieam Nachmittag selbst überall hintrug .und, rasch verschwindend, die Segnungen und Dankesbezeugungen nicht anhörte, die ihr von groß und klein nachgerufen wurden. Je.Mehr Wunden sie heilen, je mehr Elend sie lindern, je mehr Armut sie erleichtern konnte, desto mehr Freude,, desto mehr Ansporn fand sie am weiteren stillen Wohltun. Am Freitag hatte Jütte mit Hände voll zu tun. Nicht nur für den eigenen Haushalt, der ziemlich reichlich versorgt werden mußte, wurde gekocht und gebacken,- sondern die edle Frau richtete eigenhändig Sabbatweißbrotc (Chalos), Fische, Suppen, Bäckereien'und Leckerbissen für alle chre Schützlinge her, denn am Freitag nachmittag kamen die'wom Glück Vergessenen, die oft tagelang darben mußten, und holten sich die guten Dinge für den Sabbattisch. Da bekam der arme Ben-Zion für seine kranke Frau eine Kraftsuppe, ein anderer erhielt Fische und Weißbrot, ein dritter Fleisch und Kuchen und so. viele andere. Für jeden Hatte die biedere Frau ein gutes Wort, bei jedem /erkundigte sie sich, wie es zu Hause gehe, oft steckte sie den Leuten noch Geld in die Tasche und gab den Frauen Näschereien für ihre Kinder mit. Und wenn die Beschenkten sie mit Segensworten überschütteten und ihr die Hände küssen wollten, dann, führte sie die Leute sanft zur Tür und rief ihnen nach: „Geht gesunderheit!" Erst wenn die vielen Armen befriedigt warenwobei Beile, das brave jüdische Dienstmädchen, mithalf,