Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 16 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Ar. 16 Ar. Bloch's Wochenschrift und irMdem Salmenleb.mit seiner Frau vom Geschäft nach; Hause gekommen Maren, ° um sich für den Sabbat zu baden und zu kleiden, und der Schulgehitfe tzBelfer) auch die Kinder gewaschen hatte, was! sM nur bessere Leute . leisten: konnten, denn der Belfer wurde für das Waschen dev Kinder am! Freitag besonders gutbezahlt —' erst nach alldem deckte Jütte Benies! den großen Tisch mit weißem Tischtuch, stellte die Silberleuchter für sich und die Schwiegertochter zum SabbatlijchWnden auf, legte die großen, geflochtenen Weiß brüte, . Mt schöner Seidendecke überdeckt, daneben uno rechter Hand stellte sie die Weinflasche mit dem goldenen' Becher, gestimmt zum Kiddusch, dem S eg eil über den Sabbatwein. Ueber dem großen Tische 'wurde der MerLWnlichk-kunstvolle Hängeleuchter mit Kerzen besteckt und erhellte die vornehme Stube, wo bei Eintritt der Nacht die stattliche Hausfrau im prächtigen Saboargewaud dastand, die Lichter zündete, die das Judentum aüs dem Dunkel und Düster desj,Alltags in eine leuchtende Helle der göttlichen Ruhe führen, dann sprach sie, indem' sie das Gesicht mit beiden Händen bedeckte, vor den brennenden Kerzen ein Bittgebet für alle Allgehörigen und hierauf Verrichtete sie erst im grüßen Gebetbuche das -Abendgebet. ^Fortsetzung folgt.) Literatur. Mne 'Wnigin Esther", Drama in einem Vorspiel und ' drei Akten von Max Brod. Kurt Wolffsi Verlag, Leipzig; fest broschiert Mark 2.50, gebunden 4 Mark. iwir bei einem der gelehrtesten Wiener Rabbiner neulich zur frohen Purimfeier vereinigt waren, entbraMte. zwischen uns! Federvieh der alte Streit, ob das Buch „Esther", symbolisch gemeint sei oder ob eine historische Tatsache.zugrunde liege. Ein Schriftsteller fand in seiner großen.Jugend, daß keine Frauen und Liebest fachen solchen Einfluß auf das Schicksal einer Nation haben könne, Mährend David Heinrich Müller mir oft versichert hat, daßs ihm schon die . innere Wahrheit dieserorientalischen Palast-' und Haremsgeschichte für eine; historische Grundlage spräche, lägen.nicht zu viele wissenschaftliche Gründe für einen historischen Ahasveros (Artaxerxes) vor. O, heilige Einfalt der Jugend, wie Grillparzer gerade in „Esther" sagt. Wird man einmal'die Geschichte der GegenwarL schreiben können, auf Meviel Frauenmachenschaften wird man stoßen, die mit und ohne Willen zum Weltbrand geführt haben. Wie verlockend war für viele Dichter, von Lope de Bega, Racine^ Goethe bis Grillparzer, das! Problem von der Frau, die Wer Tausende Rivalinnen und dann noch als Frau über -den Freund' und Günstling triumphiert. . Brods Drama ist nun gänzlich von der Bibel und früheren Dramen abweichend, daher er es auch bescheiden/ über sprachwidrig „Eine - Königin' Esther" nennt, eine. Königin/ die Kleist, Tolstoi, Hauptmann und besonders Ibsen studiert hat. Alles, was frühere Dichter zu . gestalten gereizt hat, fällt weg, die Franenwahl, der Sieg Wer Haman. Esther wird dem König ganz analog, wie?Käthchen von HeMronn ihrem /Ritter, durch einen Traum und Nachtwandeln zugeführt,' sie sinken sich beim Orienlwelt so entrückt, wie der Jude Brod; seine Gestalten verrrichten sich selbst durch Grübeln und Selbstbespiegeln! Der König wäre das Idealbild des modernen Herrschersder sich „aus Liebe zum Volke demütigt", sich aus derleisesten, auch geistigen Untreue gegen Vasthi ein Verbrechen macht. Allerdings „haßt er die Schlechter so, daß er sie vernichten möchte", aber beim besten Willen kann man diesem Könige nicht glauben,.daß er ein ganzes Volk vernichten wird, weit sie „durch den Brei des Wohlwollens alles vergiften". Haman hat zu dem metaphysischen Grundaus dem er das Volk hinschlachten will, „daß es die einzige Sünde, die er kennt, repräsentiert, Selbstgerechtiakeit", zwei sehr reale, geistreich ersonnene, zu denen übrigens dem Dichter zwei Bemerkungen der Bibel vielleicht Anlaß waren: in der Bibel ist Haman kein Perser, sondern ein; Amalekite, also Palästinanachbar, und Esther läßt eine Bemerkung fallen, mit der sie den König auf Haman eifersüchtig macht. Bei Brod ist nun Haman ein abtrünniger Jude, ' also der geschworene Judenfeind, und glühend in Esther verliebt, daher soll sie mit einer Nacht die ' Rettung ihres Volkes erkaufen. Diese hat aber keine Lust, „die Dirne des Ewigen", als die sie die Propheten von Geburt an begrüßen, auch nur dem Gatten gegenüber zu fein, da sie es als echte Moderne unter ihrer Würde hält, den König mit ihren Reizen zu fangen. Ekel davor und nicht Furcht vor dem- Tode, der ihr droht, falls der König ihre Bitte abschlägt, hält sie ab/ zum .König zu gehen, wie denn auchdie früheren Dichter, je näher sie unserer Zeit rückten, das Problem immer geistiger gefaßt haben. So Racine, dessen Estherdie fünfzigjährige Maintenon ist, die Wer alle jungen Rivalinnen bei Ludwig XIV. siegte (ihr charme, tarn),.' so bei Grillparzer, dessen echte Jüdin Esther durch ihre Konversation („der Ton entschied") siegt. BrodS Esther ermordet einfach Haman in der ihm zum Scheine gewährten Nacht. Brod hat die Tradition der Rabbinen, Esther sei schon siebzig Jahre gewesen, als Haman Wer das Judentum die Lose warf, geistreich! variiert. Königin Vasthi schenkt ihr nämlichzu dem Bittgang, vor den König als Zeichen der Versöhnung ein golddurchwirkLes Kopftuch, das aber „aus der Verstoßenen Tränen gewebt"/ vergiftet ist. Esther verliert augenblicklich allen Jugendreiz, wird grau, aschfahl, eine Mumie und Vogelscheuche. Da erlebt sie den Triumphdaß beide Männer sie auch; geistig geliebt, Haman läßt nicht ab!'von seiner Glutder König verzeiht die Ermordung des Freundes, verzeiht, daß Genien, und -gläserne Bäumie,. Geistererscheinungen sind hineingewoben, litauische und chassidische Purimspiele hpben offenbar vvrge'schwebt. Es macht einen HaMtreiz derchochpvetiWn Schöpfung.ans!, daß drei allermodernste Menschen in..den mittelalterlichen Märch enwald gestellt sind, kein Estherdichter hat seine Gestatten der antiken ihre Unfruchtbarkeit verheimlicht. Trotzdem geht Estherals zweite Nora vom König; offenbar will sie dem Peinlichen Monogamisten, wie Frau Snitner, die Schaffung eines Thronerben ermöglichen, auch soll aus dem Trennungsschmerz erst seine wahre Seelen- und Königsgröße erstehen. Man ist mit dem Dichter oft im Zweifel, ob seine Geschöpfe wirklich von Fleisch und Blut oder frei nach Lagarde, wie sein Haman in der Liebesszene sagt, nur Symbole ewiger Mächte und Gestirne sind. Lchenswahr ist nur Mordechai geraten, der aber als jüngerer Mann gedach>t ist — in der Bibel ist er auch eigentlich! Vetter, nicht Oheim, aber offenbar ein greiser und weiser.-Bei Mordechai sind die Oftflüchtlinge zu Gevatter gestanden, er tritt mit dem ganzen Jammer und Elend, der Versonnenheit und Frömmigkeit eines solchen auf die Bühne, die ergreifendste Gestalt des Dramas. Die Gegenwart spielt bewußt und unbewußt ins Märchendrama hinein und entlockt schjöne D-ichterworte, so „von den Jünglingen, die in ihren Tod hineinwachsen, wie sonst in Männerkleider". Könnte man die große Schauspielerin finden, -welche