Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 16 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. vloH'S ZivilstaütsWdienstete des Ruhestandes sind ausgenommen. Beweisdvkumente ad 1. gestellten Bedingungen sind > mitzubringen, ebenso das WohlverhaltungSzeugnis. Anmeldungen täglich! Von 9—11 Uhr vormittags." Es dürfte das erstemal der Fall sein, daß eine lnititärifche Behörde bei Feststellung der Anfnahmsbedin'gungen (siehe Punkt 4) so schlankweg Wer eines der Staatsgrundgesetze zur Tagesordnung übergeht. — Vielleicht findet sich ein jüdischer Abgeordneter, der dieses Vorgehen im Wege einer Interpellation zur Kenntnis des Herrn LgndeMrteidiguttgAmmisters bringt.— Diese Konkursausschreibung sucht ihresgleichen, war ja bisher bei Besetzung einer ähnlich-untergeordneten Stelle nie von der Konfession des Bewerbers!, sondern vonseinen sonstigen gesetzlichen Erfordernissen-, die Rede. Zum Schlüsse eine bescheidene Änfrage: Pflegt, wohl das Kommando des obgenannten Truppenkörpers bei Zusammensetzung der an die Front abgehenden Marschikompagnien ebenfaW! den Taufschein als Bedingung festzusetzen? Die bisherigen Verlust- und Auszeichnungs!- listen sprechen das Gegenteil. B. . . .• Mr Taufschein.. Die „Krakauer Zeitung", Amtsblatt des k. u. k. Militärkommandos Krakau, bringt in ihrer NumMer 102 vom 21. April 1918 folgende Notiz:, „HanÄstiperMen aus der StaatÄotterien-MiliMrsltfi tung. Anzahl der Plätze unbestimmt, je 300 K., bis zur Vollendung des? 18. Lebensjahres. Anspruchsberechtigt: im schulpflichtigen Alter 'stehende und bildungsfähige, weibliche Waisen von verdienten und. bedürftigen Offizieren (Militärbeamten), die entweder vor. dem Feinde gefallen oder infolge Kriegsstrapazen gestorben sind, oder für Töchter von bedürftigem Offizieren (Mililarbeamten),. welche sich vor dem Feinde ausgezeichnet haben. Beizuschließen Taufschein, letzte Schnlnachricht der Aspirantin; Vermögerrsäusweis, eventuell Totenschein des Vaters. Einzusenden bis Mitte August 1918 an die Evidenzbehörde (vorgesetztes Konnnalldo), von dieser (diesem) unter Anschluß einer Stiftungsqualifikationseingabe an., das Kriegsministerium Ws Ende August. 1918. Stempel 2 Kronen." Da aus dm Verlautbarung' nicht ersichtlich ist, daß die Stipendien aus der Staatslotterie-Militärstistung' au'slschließlich für Nich finden bestimmt ist, andrerseits der Krieg unter den jüdischen Offizieren an der Front gleichfalls große Lucken gerissen hat und ihre Hinterbliebenen den Bedingungen der. Stiftung entsprechen, .wollen wir ein Versehen der betreffenden Ansfertigungsstelle annehmen, wenn Von den Bewerbern die Beibringung des Taufscheines und nicht eventuell auch des Geburtsscheines verlangt wird. Wir machen die maßgebende Stelle aus diese ungesetzliche Fassung aufmerksam und hoffen auf rechtzeitige Richtigstellung. Budapest weist die Galizianer aus.' Aus Budapest wird uns berichtet: Die im Stadtgebiete wohnenden galizischen : Flüchtlinge, die im Genüße einer staatlichen Unterstützung stehen, wurden in einer Kundmachung.aufgefordert, sich vom 22. bis 23. d. M. bei 'der Polizei zu melden. Sie haben s ofo r t aus BudaPest abtznreisen, widrigenfalls ihre Ab schi ebung durchgeführt wird. — Auch diejenigen galizischen Flüchtlinge, die keine Unterstützung erhalten, werden von der Polizei aufgefordiert, sich mit Rücksicht ans den Woh- - nungsmangel und die Apprvvisionierungsverhältnisse zur 'Abreise in ihre Heimat bereit zu halten. Wochenschrift Sette m Tie jüdischen Kriegsbeschädigten An! k.u.k. Res.-Spital 11. Filiale Wien, 5. B^., Bacherplatz. Sehr geehrter Herr Redakteur! Erlaube Mir die höfl. Bitte, folgenden Zeilen in Ihrem gesch. Blatte Raum zu geben: Jrn k. u. k. Res.-Spital Nr. 11, Filiale Wien, 5. Bezirk, Bachervlatz, befinden sich derzeit elf jüdische Pfleglinge (sämtliche Amputierte), die im Kampfe für Kaiser, Vaterland und das jüdische Volk Verwundungen schwerer Natur erlitten haben. - Gemäß dem k. u. k. Kdo.-Befehl Wien ist den jüdischen Invaliden ein Pessachurlanb erteilt worden. Fast sämtliche Invalide obigen Spitals haben schon jahrelang ihre Angebörigen nicht gesehen und Machten von dem ihnen zustehenden Rechte Gebrauch. - Dienstag den .26. März 1918, nachmittags, sind die Urlaubscheine ausgestellt worden, wobei uns der Rechnungs Unteroffizier der Filiale erklärt hat, wir hätten weder auf Gebühren noch ans Mazroth Anspruch Einen Tag vor Antritt des Urlaubes bekam die Filiale, 5. Bezirk, Bacherplatz, Mazzotb geliefert. Diese Mazzoth waren für uns Juden bestimmt. Ms wir den Rechnungsunterofiizier darauf aufmerksam gemacht haben, erkürte er uns ostentativ: „Als Rechnnngsnnteroffizier weiß ich was ich zu machen habe? diese Mazzoth werden zurückgeschickt. IW Inden werdet jetzt den Christen vorgezogen durch emcit derart langen Urlaub." _ Wir Möchten die militärische stelle kennen^ die uns Kriegsbeschädigten keinen Urlaub gönnt, uns grundlos einen Urlaub oder Gebühren verweigert. - Es ist selbstverständlich, daß ein Amputierter zu jedem milbärischen Dienst ungeeignet ist und die Militärverwaltung vom Schwerverwundeten als solchen keinen Nutzen Mehr hat. In diesem Falle entsteht dem Mililäräraikein Schaden, wenn sich der ausganassähige Kriegsbeschädigte (Amputierte) im Kreise'seiner Lieben befindet und von Mutter, Schwester oder Frau betreut wird. Heute, wo die Lebensmittel so schwer zu beschaffen sind, die Teuerung so. groß ist. fällt ein Rechnungsunterossizier iM Fillalspital, 5. Bezirk, Bachervlatz, der nie im Felde war, sein Urteil dahin, die Inden hätten keine Ansprüche. ' Im voraus bestens dankend, empfehle ich'mich hochachtungsvoll - Bernhard Brave r, Filiale des k. u. k. Res.-svitäks Nr. 11, Wien, V., Bachervlatz., Zimmer 11. Ein Bischof, der di? Thoraroll?n der Synagogen und Bethäuser in AuM-vahrung nimmt. Seine Exzellenz der Erzbischof und Metropolit der Bukowina, Herrenhansänitglled Dr. Vlad-mir v. R e p t a, hat während der ersten russischen Invasion über Ersuchen der Czernowitzer Judens.chast die Thorarollen der Bethäuser und sonstige Werte in der erzbischöflichen Residenz geborgen und ist der hartbedrängten jüdischen Bevölkerung der Bukowina in selten loyaler Weise entgegengekommen. Erzbischof v. Repta fand für jedermann ein tröstendes Wort, und ist es nur seinem toleranten und vornehmen Wesen zu verdanken, daß die Bürgerschaft von Ezernowitz von großem Ungemach verschont blieb. Er stand. dem nach Sibirien verschleppten Bürgermeister Dr. v. W e i s s e l b e r g e r hilfreich zur Seite und erfreute sich bei der Gesamtbevölkerung der größten Sympathien. Nach Eintritt normaler Zeiten wird seitens der Judenschaft der Bukowina eine solenne Ehrung für den selten humanen Kirchenfürsten geplant.