Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 16 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 2L2 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 16 . WrlLhausen. Von Rabbiner Dr. B. .H. e i tz, Sissek. Mit Wellhausen ist einer der Größten unserer modernen Bibelexegeten duh ingegangen. .Vier Jahrzehnte hat Well h au sen, der Göttinger Professor, die Bibelexegese und dievergleichende Religionssorschung in hohem Maße beeinflußt und ihr einen neuen Weg «gezeigt; allerdings einen Weg, auf welchen: die Trümmer des Pentateuchs wie einst die Trümmer der zwei Bundestafeln, zerstreut lagen und liegen. Seine bibelkritische Sonde nämlich hat.an der Ein-, heit des Pentateuchs furchtbar gewütet; kein Kapitel, ja kein Vers waren vor seiner kritischen Sonde gefeit. Das wissenschaftliche Interesse und die wissenschaftliche Forschung an und in der Bibel hat eben durch die kritische Schärfe niemand so beeinflußt wie W e l l - Hausen. Kein Bibelkritiker kann achtlos an ihn vorübergehen. Er ist Souverän und Autorität auf diesem Gebiete wie keiner vor und neben ihm. Er ist der Kant der modernen Bibelforfchung, und darum reizt er zur -Gegenkritik. Hofftnanns „Instanzen" und Güdemanns „Apologetik" zeigen deutlich, welche Bewegung — nur jüdifcherfeits — die Wellhaüsenschen Schriften zeitigten. sicherlich war W el l h a u s e n, als. christlicher Gelehrter, in seiner Bibelforschung objektiv, und philologisch genommen, Hai er' Großes geleistet. Ob aber seine iextkritischen Umgestaltungen auch stichhältig sind, ist eine Frage, die sicherlich zu. verneinen ist, denn die neueste Forschung führt vielfach zu anderen Ergebnissen. Jn^iner israelitischen Geschichte und.vergleichenden - Religionsforschung ist Wellhausen entschieden weniger objektiv Zu nennen. Denn sie sind vielfach eine Verherrlichung des Christentums auf Kosten des Judentums. pDas alte Judentum," /sagt'Wellchäüfen;.sist die Vorstufe des Christentums." Seine Argumente aber sind zu Hypothesen reich- und wir .möchten sagen, hier auf diesem Gebiete hat den großen Gelehrten die wisftn- Eschaftliche Voraussetzungslosigkeit vielfach verlassen.. P Well hau sen ist in der Bibelforschuug der starre Dogmatiker.' Die neuesten Keilmschriftforschungen und Ausgrabungen kümmern ihn wenig, und auch in seiner Geschichte und vergleichenden '.Religionsforschung ist er Dogmatiker. Nichts aber ist. in. der 'Geschichtsforschung schädlicher als der Dogmatismus. Das prophetische Judentum z. B. hat Well hau sen sicherlich nicht in seiner Universal. Lt erfaßt, wenn er darüber sagt: „Die prophetischen Ideen ergeben nicht die Mittel zur Gründung einer Gemeinde; im Gegenteil bedurften sie selber einer Verschalung, um bricht der Welt verloren zu gehen. Der gesetzliche Kultus lieferte diese Verschalung; aus' ursprünglich heidnischem Material wurde ein Panzer des Monotheismus.geschmiedet." . Mit Recht bemerkt hiezu G ü d e m a int: „Wenn das nicht stilisierte. Geschichtschreibung ist, dann gibt es überhaupt 'keine." Ein Universalkopf, wie es Wellhausen war, hat er es auf theologischem Gebiete zu einer Popularität gebracht, wie keiner vor ihm. Sein Scharfsinn, sein tiefer Geist haben tief iw die Bibel'hineingeleuchtet; allein seine Schlußfolgerungen haben oft und oft den Hellen Geist der Bibel verdunkelt, und das war vielleicht sein grüß-. icr Fehler als Gelehrter. - y Wir wollen aber an seinem frischen' Grabe keine Lanze über ihn brechen. Er hat so manches harte Urteil über das prophetische und spätere Judentum zurückgenommen oder gemildert, und wollen über ihn ein milderes Urteil fällen: Errare liumamim est. VermisMes. Erster Sekretär Tr. Emil. Mler. . In der letzten Plenarsitzung des Vorstandes ' der Wiener Israel. KultuZgemeMde. wurdeals Nachfolger des im Herbste 1917 verstorbenen.Ersten Sekretärs kaiferl. Rates Dr. Theodor L i e b e n Dr. En:il Adler zum Ersten Sekretär der Wiener ifrael. Kultusgemeinde ernannt. Erster Sekretär Dr. Ad le r, welcher einer angesehenen Arztensfamilie in Pohrlitz entstammt, steht feit dem Jahre 1891 in Diensten der Wiener Kulinsgemeinde/ wurde im Jahre 1896 zum Sekretärstellvertreter ernannt und bekleidete seit denß Jahre 1905 die Stelle des Zweiten Sekretärs. Während seiner nunmehr .27 jährigen Dienstzeit hat sich Dr. Adler als äußerst tüchtiger, das gesamte Verwaltungsgebiet der Wiener Kullusgeineinde beherrschender und peinlichst gewissenhafter Besamter erwiesen. Diese Eigenschaften haben ihm wiederholt die besondere Anerkennung des Vorstandes eingetragen. Anläßlich seiner Ernennung. zum - Ersten Sekretär der Kultnsgemeindc versammelter: sich -sämtliche Verwaltungsbeamten in seinem Bureau, um ihren Chef zu begrüßen. Zweiter Sekretär Emil Engel brachte die freudige Genugtuung des Beamtenkörpers über die erfolgte Ernennung Dr. Adlers zum Ausdrucke, worauf Hauptkassier Josef P e t e r s e l kä die besten Wünsche der Beamtenschaft verdolmetschte. - Erster Sekretär. Dr.. A dl e r dankte für die dargebrachtc Ehrung, gab der Ueberzeugnng Ausdruck, daß die Beamtenschaft ihn. in seiner verantwortungssloollen Stelle nuteMützen, und schloß, mit der Versicherung, daß er die Interessen der Beämtenschaft im Einklänge mit den Interessen, der Kultusgemeinde stets vertreten werde. Große Stiftung. In.der letzten Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen KnltuVgemeinde berichtete der Vorsitzende, .Präsident Dr. Alfred Stern, daß Frau Camilla C o h n zum Andenken. an ihren vor Jahresfrist verstorbener: Gatten, des Vertreters der israelitischen Kullusgemeindc und Präsidenten der Chewra-Kadischa Herrn Salo C o h n -s. A., eine dessen Namen tragende Stiftung mit dem Kapitalsbetrage von einer Million Kronen errichtet iyat / Aus den Erträgnissen soll die eine Hälfte zur Verleihung vor: Stipendien an jüdische Familien oder Personen, welche durch den rnilitärischen Kriegsdienst des bisherigen Ernährers -- es sei derselbe das Haupt oder ein sonstiges. Mitglied der Familie, gewesen — beraubt wurden, oder deren Ernährer infolge der Kriegsdienst-- leiftung erwerbsunfähig oder, minder erwerbsfähig ge? worden sind, verwendet werden; die andere Hälfte ist zur iLnbventionierung. einer Heimstätte für verlassene jüdische Kinder zu verwenden. . Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien beschloß einhelligder Stifterin für diese hochherzige Widmung den Dank ansjzüspre-chen.- . Die Verwaltung der Stifturig .'geschieht durch ein Kuratorium. Die ersten Verleihungen ans dieser Stiftung werden ' voraussichtlich gegen Schluß dieses. Jahres erfolgen. Fünfzigjähres BeruPjüblläum des Oberkantors ' JakoA Bauer. Das goldene Berufsjubiläun: des Oberkanro rs .Jakob Baue r, das am 20. d. M. stattfand, wurde von feinen Freunden, Verehrern und Berufsgenossen sowie von vielen öffentlichen Körperschaften in überaus Herz-