Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 15 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 Dr. VLM'S Wüchevschrist .6ett6l35 Herr Feldrabbiner Dr. AltMann, in feierlichem Meißen Ornat, leitete in gemütsvoller Weise den Seher, gedachte in einer formvollendeten Ansprache der vielen gefallenen und 'verwundeten Krieger, die ihr Leben für die heimatliche Erde mutig opferten, gedachte ferner in rührenden Worten der Familien im Hinterlande, die heute mehr denn je den Ernährer vermissen, sowie vor allem Seiner Majestät unseres geliebten Kaisers und des ArmeekoMmandosdas in hochfinniger Weise seine Bestrebungen förderte. Auch der Gemeinden und vieler Spender im Hinterlande wurde nicht vergessen. Ergreifend war der Anblick vieler" russischer Kriegsgefangenen, die in guter, nachbarlicher Kameradschaft ihre Gebete verrichteten und an dem Mahle teilnahmen. Als sicherster Beweis für die gehobene Feststirnmung kann der Umstand gelten, daß zu Ehren des Feldrabbiners für seine unermüdlichen, großartigen persönlichen Bemühungen ein Betrag von 200 K. an den Jüdischen Nationalfonds behufs Anpflanzung von OelbäuMen auf den Namen des! Feldrabbiners gespendet wurde. Ebenso wurden für andere soldatische Wohltätigkeitszwecke zu Ehren des Feldrabbiners namhafte Beträge. gespendet. Ergreifend waren die schönen Danksagungen und Ansprachen an Dr. Altmann, die seitens des Oberarztes Dr. Grünfeld, eines galizischen Glaubensgenossen, der iM Jargon zu Herzen gehende Worte fand, wie auch eines.russischen Kriegsgefangenen, der in hebräischer Sprache den Gefühlen der Dankbarkeit seiner Kameraden Ausdruck gab, gehalten wurden. Bon allen- Teilen der Front und der Etappe, wohin sich! die umfassende seelsorgerische Betreuung des Feldrabbiners Dr. Altmann erstreckt, liefen rührende Danksagungen ein. Auch die Gottesdienste im Soldatenbethanse waren ergreifend und erhebend schön, z' Bemerkenswert ist, daß Seine Ehrwürden aus den . Bericht des Vertreters des Armeekommandos hin. zum Oberquartiermeister Generalmajor v. S p itzmü l.l e r und von dort aus sogar züM Armeekommandanten Sr. Exz. Feldmarschall Freiherrn V. Krobatin beschiwen wurde, wo ihm nachi Entgegennahme der Meldung über den herrlichen Verlauf des Osterfestes die belobende Anerkennung und.der Dank des Armeekommandos Zuteil wurden. Uessach bei der Armee im Ielde, Kt.-Bost 144. In einem kleinen Orte Ostgaliziens begingen wir im vierten Kriegsjahre das ättjüdische Pessachfest. Vermöge der aufopfernden Arbeitsleistung des hier wohnhaften bejahrten R-eligionsprofessors SiMon T u r t e l - taub konnten zirka 400 Mann während acht Tage die rßuelle Kost genießen. Zwei erhebende Sederabe'nde eröfsneten die Feiertage, während eine militärische Seelenandacht dieselben beschloß. Eine große Anzahl jüdischer Soldaten und etliche Offiziere unter Führung des Starionskommandanten Haüptmanns' F i n st e r b u s ch hatten sich zu der Feier eingefunden. Herr Professor Turteltaub sprach züber die Bedeutung des Tages, während Einj.-Freiw.-Zugsführer Karl Fried, J.^R. 1, in schwungvollen Worten den Anwesenden die Pflichten des .wahrhaft jüdischen Soldaten erörterte und ihnen klarlegte, daß, die Lebenswärme des jüdischen Mannes die Liebe zu seinem. Volke, die Anhänglichkeit zu Herrscher und Land verkörpert. Wenn wir daher der gefallenen .Brüder ehrend gedenken wollen, dann müssen wir nicht nur für Oesterreichs Ehre in Liebe kämpfen/ sondern uns auch vor Angen halten, daß darin der Kampf für das jüdische Volkswesen liegt; dann wird sich auch das Wort . des Psalmisten erfüllen, was! wir in Tränen säeten, werden unsere Nachkommen irr Freuden ernten. Das übliche Seelengebet schloß die erhebende Feier, nach welcher Hauptmänn F i n st e r b n f ch . dem Einj.-Freiw.-Zugsjsührer Karl Fried seine belobende Anerkennung zum Ausdrucke brachte. __ Ein Brigadier Ehrenmitglied der ßhewra-Kadischa. In einer der letzten Vorstandssitzungen der Pester Chewra-Kadischa wurde eine Anzahlangesehener Gemeindemitglieder zu Ehrenmitgliedern der Chewra- Kadischa gewählt. Unter ihnen befinden sich der Staatssekretär a. D. Leopold Vadasz, Julius Bauer de K r u p i e e, Brigadier, Reainwnrskommandanr, Baron Moriz A. Kornfeld und Baron Paul v. Kornfeld. Abraham Epstein. Professor Dr. S. Krausz hat an dieser Stelle in trefflicher Weise das literarische Wirken Abraham Epsteins geschildert und in großen Umrissen ein Bild des Verewigten gezeichnet; seiner Aufforderung entsprechend, sei es einemder ein Stück des Lebensweges des Dahingeschiedenen mitgehen durste, gestattet, das Bild, das Professor Krausz entworfen, mit leichtem Pinsel zu übergehen, um das Persönliche des Verblichenen schärfer hervortreten zu lassen. Die Stätte von Epsteins Geburt liegt im Osten, er selbst aber betrachtete sich als Sohn des Westens und betonte gerne den Ursprung seiner Familie. Eppenstein am Rhein. Sei:: ganzes Denken und. Fühlen, die Form seiner Lebenshaltung zielte nach, Westen und zeigte abendländische Kultur. Als Epstein geboren ward, war sein Barer Israel im Besitze eines großen Landgutes, das er selbst bewirtschaftete, und Epstein empfing dort seine ersten bleibenden Eindrücke. Kein Ghetto hat ihn je gez-v.ängt, kein Cheber ihn bedrängt. Sein Vater, der Kaufmann erster Gilde, erblicher russischer Ehrenbürger, dem der Zar ein buntes Band Mit einer großen Medaille daran um den Hals gelegt hat, war ein selbstgemachter Mann. Epstein hing mit schwärmerischer Liebe am Vater, den er noch in jungen- Jahren verlieren sollte. Bis ins Greisenalrer wurde er nicht müde, von ihm zu erzählen, seine Aussprüche zu zitieren und in des Vaters Geist zu^handeln, war sein Streben. Israel Epstein hat seinem Sohne zu einer Zeit, in der die Juden in den innerösterreichischen Ländern noch gezwungene Unbildung erdulden Mußten, die besten Lehrer zu verschaffen gewußt, die das Umland bieten konnte. So beschäftigte sich Epstein frühzeitig mit der deutschen Literatur, lernte die deutschen Klassiker kennen und lieben und wandte sein Interesse den Naturwissenschaften zu. Achtzehn Jahre alt, eben verheiratet, beschloß Epstein, sich auf eigene Füße zu stellen, und erbar von seinem Vater ein Gut zur Führung. Aber Sonne und Regen rvar dem jungen Unrernehmen nicht gnädig; erwirtschaftete kläglich ab. Ungebrochenen Mutes begann er von neuem. Er wollte, was ihm die Gunst der Natur vexsagt hatte, durch wissenschaftliche Methodik, mit Hilfe der Chemie, an deren Horizont eben das Gestirn Liebigs ausgestiegen war, erringen. Es 'glückte. Der Acker trug reiche Frucht, und so' konnte Epstein zum erstenmal sein langgehegtes Projekt aussnhren und Oesterreich aussuchen. In Karlsbad sollte er die Männer kennen lernen, die auf seine spätere Entwicklung Einfluß -genommen ' haben, die bestimmend wirkten für die Ausgabe, der er sich zwanzig Jahre später ganz hingegeben hat: .der Erforschung der literarischen Denkmäler des Judentums.. Die Männer, von.denen wir sprachen, waren Deutsche