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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-04-12 · 14 (12.4.1918) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
14 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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fit, 14 ....... Dr. Wochenschrift Seite Wunsch meines Sohnes-. DabeiwÄl ich durchaus der Leitung des Spitales.oder den pflegendenSchwestern , keiüen Vorwurf machen; im Gegenteilemein Sohnsagt' Mir, -daß die Schwestern die anderen wiederholt wegen der Schimpfereien gerügt haben. Wofür ich aber un- - bedingt die Leitung des Spitales verantwortlich machen Möchte, ist ein Vorfall, der vonmir nicht ruhig hingenoMmen werden kann. Ach muß dabei leider undelikat werden, aber es Aht nicht anders. Als,Mein Sohn vom Bette aufstand und sich int ersten Genesungsstadium . befand, mußte er nicht' nursein eigenes, .sondern auch, das Bedürfnisgeschirr der anderen Kranken nufs Klosett. hinausstellen. Wenn dies auch von anderen Kindern gemacht wird, so ist dies kein Milderungsgrnnd für die Leitung des Spitales', denn es ist ein Skandal, daß rekonvaleszente - Patienten .solche Dinge hinaustragen müssen. .Dies kann doch unmöglich eine Vorschrift des Spitals sein. Mein Sohn erzählt wir, daß ihm von den anderen Patienten zugerufen wurde: „Stinkender Jud, trag' die Töpfe hinaus!" Und Tatsache ist, daß Mein Sohn hauptsächlich! deshalb, weil es ein-jüdisches Kind ist, in der-Früh etwa zehn und nachmittags etwa sechs Geschirre hinaustragen mußte. In dem Krankensaale liegen sowohl ganz kleine Kinder und, auch Männer über zwanzig. Jahre. Die letzteren haben . natürlich die geistige undkörperliche Gewalt über die. Kinder und zwingen dieselben zu Arbeitsverrichtungen. So" hatte ein achtzehnjähriger Patient' namens Cie a k meinem Sohne befohlen, er möge ihm sein volles Uringlas hinaustragen. Dieser Cicak lag sogar in einem NebenMMMer. Mein Sohn wollte den,. Beseht nicht ausführep, weil er für ein anderes Zimmer -überhaupt nichts tun darf. - D araufhin, siel dieser Cicak über Meinen Sohn her, warf ihn aufs Bert und schlug ihn. Ich frage nun: Id Ist es in der Ordnung/ daß so große Männer und so hilflose Knaben in einem Raume sein Müssen? 2.- Wo ist die Aufsicht in den Zimmern, daß derartiges sich ereignen kann? Wenn die Schwestern Mit Arbeit überhäuft sind, dann möge das Spital die Anzahl der' Schwestern vermehren. 3. Werden solche Vorkommnisse der Direktion oder dem Primarius zu Ohren gebracht? Das sind Zustände,- die empörend sind, und dem Kinde nur physische und seelische Qualen verursachen.' Warum ich diese.Vorfälle erst jetzt erfuhr, hat seinen Grund darin, daß-Meinem Sohne von der Pflegeschwester verboten wurde. Schlechtes nach Hause zu schreiben, da die., Korrespondenz sonst, nicht, durchgelassen wird.. Es darf eben nur Gutes' geschrieben werden. Ich weiß nicht, ob die Leitung des SpitaleA ein gesetzliches' Recht auf die Briefzensur hat. < Aber wenn schon, den Eltern nicht gestattet ist, während der 'ganzen Krankheitsdauer ihre Kinder .zu sehen oder zu sprechen, dann Müßte doch ein freier. Korrespondenzv'erkehr des' kranken. Kindes erlaub: sein, der es den, Eltern ernOglicht,^ die Wahrheit zu wissen, wie es den Kindern.wirklich ergeht. Bei der bisherigen Praxis könnte es aber auch passieren, daß ein Kind sowohl Moralisch als auch! körperlich. zu Tode gepeinigt werden kann, ohne daß es seine Außenverwandten wissen. Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, von diesen Zeilen den entsprechendest'Gebrauch zu machen- Vielleicht tragen, dieselben doch dazu bei, daß. es'anderen . - jüdischen und christlichen Kindern besser ergeht, als es meinem Kinde ergangen ist. Indem ich Ihnen .für die Entgegennahme dieser Zeilen bestens danke, zeichne ich« mit dem Ausbruche vorzüglicher. Hochachtung . ' . Alexander B reue st" — - ' /r. "ia ' Hberkanlor Jakob Bauer.; ■ Zu scinem 50jätzrigen Kantorjubiläum 20 April . 918. Zn der Entwicklungsgeschichte des jüdischen Kantorats hat' Wien von jeher eine dominierende Rolle gespjrlt; ich denke vorzüglichan jene' große Zeit, da S u l z e r noch lebte und mein- Vater zu seiner Nachfolgerschaft berufen war; welch eine Reihe von kantoralen Größen wirkte damals in der österreichischen Metropole? Männer, die Kraft und Willen hatten, weit über sich selbst hinauszugehen, da es galt, Standeskunst und Standesehre zu wahren und zu heben. Wie diese damaligen Kollegen voll Inbrunst uird 'Weihe, ohne Trdenschwere oder -.Eigendünkel' vor dem Betpulte in einer Sphäre voller Idealität standen, so waren sie auch bemüht^ ihren heiligen Beruf vor Schädlingen zu reinigen unb ihn ethisch und künstlerisch zu läutern; um nun den Hebest zu einer gemeinsamen gedeihlichen Arbeit ansetzen zu können, gründeten sie einen österr^-ung. Kantorenverein. Rufe ich mir nun jene Zeit vor mehr als vier Dezennien ins Gedächtnis Zurück, so ergeht es mir wie .jenem Seefahrer, der - voll einer am Meeresufer aussteigenden Stadt Abschied nimmt, und -alles noch-einmal in gewissen Abständen sieht; aber jo weiter er fährt, desto verschwommener werden die Konturen und schließlich geben nur noch einige hochragende Zinnen Kunde von dem verlassenen Ort. Diele von .den epochalen Erscheinungen des Wiener Kantorates sind dahingegangen, die Erinnerung ist ^erblaßt, nur unsere Literatur gibt Kunde von ihrem Leben und Schassen; von den aufragenden Säulen der damaligen Zeit ist nur noch eine geblieben — Jakob Bauer, Oberkantor der türkisch-israelitischen -Gemeinde 'zu ' Wien, der sein bvjähriges Kantorjubrläum friert. - Jakob B au e r hat das große Verdienst, der Inspirator der Idee -e mer Vereinigung österr.-nng. Kantoren zu sein; vereint mit all den bedeutenden Kollegen damaliger Zeit, sah er seinen idealsten Wunsch in der wachsenden Größe dieses Vereines und seiner gediegenen wissenschaftlichen Arbeit. Bauer gründete zugleich ein Fachblätt, welches oft nur unter schweren Materiellen Opfern weiter erscheinen konnte und bis nun das einzig bedeutende Fachorgan für kantorake' Wissenschaft geblieben ist. Ein weiteres Verdienst ist Bauers Tätigkeit als Lehrer des Chasonus.; mag dieses Lehren mit viel Ungemach verknüpft sein, es kann dem Jubilar ein schönes und erhebendes Bewußtsein bleiben, sich später in den Leistungen seiner Schüler vor der -Welt geehrt zu sehen. Die berufliche Lebensarbeit Bauers imponiert durch Größe und Schwere; nur der Fachmann kann es ermessen, welch immense Arbeit und Intelligenz dazu gehört, sich die unserem Chasonus ganz fremde Betart der Sephardim anzueignen; und welch künstlerischen Hochstand, welche Weihe verlieh Bauer im Vereine mit dem genialen Chorleiter Kantor I. Löwit, diesem Gottesdienste, den ja beide auch so überzeugend und interessant in einem Werke musikalisch fixiert haben. Bauer war ein Lyriker am Betpult, sein Singen und Sagen trug den Stempel des Ruhig-Vornehmen, in Erfindung und Empfindung. Aber auch im Leben war Bauer innner ein einfacher Mensch, stets bereit, seiner Kollegenschast in aller Wett mit Rat und Tat zu Helfen; Lauterkeit und Aeberzeugungstreue waren seine Charakteristika als Mensch und Künstler. So sei es Mir als Sohn jenes Mannes, mit dem Bauer einst Hand in Hand seine ideale Lebensarbeit begann und ausführte, heute vergönnt, dem ausgezeichneten Kollegen vom Herzen zu wünschen, daß eine gütige Vorsehung ihn noch lange seiner Familie, Gemeinde unb uns erhalte. - Musikdirektor Oberkantor Singer, Kattowitz. . Karlsbad. In unserer jüdischen Gemeinde Herrscht, wie schon so oft, eine gewisse Aufregung über, einen . Bericht im „Karlsbader Badeblatt". Diese Zeitung, die . im Dienste des antisemitischen Bürgermeifterstell'vertreters Hermann Jakob, der der eigentliche Regent, von Karlsbad ist, steht, bringt einen Bericht, gemäß dessen in Karlsbad ein „arischer Preßverein" gegründet werden soll, in welchen nur „wirkliche Deutsche" Zutritt als Mitglieder haben sollen, und darüber ärgert man sich um so mehr, als das. „Karlsbader Badeblatt" täglich so und so viele Inserate von Juden im Annoncenteile hat und trotzdem seit jeher gegen die Inden ge-. richtete spitzige Bemerkungen unbeanstandet veröffentlicht. Gleichzeitig lebt der Antisemitismus in Komotau wieder durch das Buttersche „Deutsche Volksblatt" auf, und dort ärgern sich die jüdischen Bewohner ebensosehr darüber, wie in Karlsbad. Mit diesem Aergern wird - man aber die Verhältnisse bei uns nicht ändern, und es wäre wohl viel besser, wenn einmal endlich etwas mehr Energie angewendet würde, um diesem antisemitischen Treiben in NordwestböhMen ein- Ende zu^bereften, und gär s.o^ sch Mer;ist dies nicht, wenn man sich nur

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