Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 14 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Erik 218 - Dr/ WqHl'S Wochenschrift ih. 14'.. damals schon frenüre Hilfe iMig. Sein Augenlicht war stark geschwächt und nicht 'lange', darauf. entsank ihm die Feder vollstäüdW Er lebte etwa fünf Jahre hindurch nur noch ein; DäumrerlMen, das noch getrWt wurde durch den Verlust seiner chm treu zugetanen Gattin und den Verlust. Meier Kinder. Die Heilung, die er in 'verschiedenen Kurorten suchte, fand er nicht. Er starb, , friedlich und leicht, an HerzlähnÄrng. ,; Ungezogen von denk Rufe seiner Gelehrsamkeit, suchte ich' von jeher Epsteins Bekanntschaft. Schon von Budapest aus wechselte ich: Briefe mit ihm, und als ich ihn in Karlsbad auch Persönlich! kennen lernte, ließ ich ihn nicht mehr aus dem Auge. Hier in Wien suchte ich ihn.öfters in seinem schönen Heim aus, sah ihn 1914 oft anchin Ischl, muMe aber den .Verkehr aufgeben, als ihm jeder. Besuch lästig oder zumindest gleichgültig schien. AM dem Kurator der Jsr. theologischen - Lehranstalt - hat. mich auch amtlich ein Band mit chm verknüpft, doch trat Epstein weder in diesem noch in einem sonstigen gesellschaftlichen oder gemeindlichen. Amte merklich hervor. Er lebte sozusagen rein in wissenschaftlicher Atmosphäre. Er war eine geschlossene Persönlichkeit, in dem doppelten' Verstände, daß er - in sich abgeschlossen und vollig ausgebaut war, doch auch! verschlossen und wenig mftteilsam. - Doch nicht so sehr die Person, nicht so sehr den Charakter Epsteins wollte ich-schildern, weil mir ein Urteil hierin vielleicht nicht züsteht,. und obzwar die Oeffentlichkeit ein Recht.darauf hat, den denkwürdigen Mahn gleichsam auch im Bilde seiner Persönlichkeit und seiner charakteristischen Züge bei sich! sestZuhalten, so suchte ich dennoch meinem eigenen Wesen entsprechend, dasjenige in Epsteins Bilde herauszugestalten, was ihn - in unseren Augen in erster Reihe groß und für ewige Zeiten imvergänglich macht: 'sein Wissen, seine gelehrten Schöpfungen, seine große Arbeit im Dienste des aus Wissenschaft gegründeten, durch! Wissenschaft bestehenden Judentums. . Die Begnadigung Hilchrers. Leopold Hilsner, der bekanntlich auf Grund eines kaiserlichen Amnestieerlasses! am 24. ' Marz aus der Strafanstalt Stein entlassen, wurde, ist infolge einer Verfügung der Oberstaatsanwaltschast vom Jahre 1916 der Bezirkshaup-tmannschaft in Krems überstellt wordett/td gie ihn in den Polizeiarreft wandern ließ. Dort hätte Hilsner ungefähr drei Wochen lang verbleiben sollen/bis die Musterungskommission imch Krems gekommen sein und ihn ans seine Eignung für den MAitardienst untersucht haben würdet Ine Auftrag der Israelitischen Union hat sich dem Sekretär Siegfried^ Fleisch e r nach Krems, begeben, um bei der Bezirkshauptmannschaft die sofortige Freilassung.des Amnestierten zu erwirken. Hilsner wurde nach Wien gebracht- Eft sieht sehr äbgemagert aus, eine Folge jahrelanger Unterernährung in der Strafanstalt, wo, wie er versichert, es ihm sehr schlecht erging. Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Mfred Stern, hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Existenz des Freigelassenen auch weiterhin sicherzustellen. Sollte Hilsner bei der bevorstehenden Musterung für untauglich befunden werden, so wird Man dafür.Sorge tragen, daß er einen leichten Posten erhält, da er angesichts seines Zustandes einer schweren Arbeit nicht'gewachsen wäre. Von seinen Begleitern, verlangte er, zur Redaktion der ,L)esterr. Wochenschrift", gebracht zu werden, und so erschien er denn, bei - uns, mm seinen - Dank auchnsprechen, fürdie vielfachen Bemühungen zuseinen Gün-. sten. Es ist ihm natürlich nicht bekannt, daß die Re-, daktion der „Oesterr., Wochenschrift" vor -wenigen Mo-. naten an hoher Stelle ein Memorandum zu feiner Befreiung überreicht hat. .Die „Oesterr.. Wochenschrift". hat. während der garchen Zeit, die eft unschuldig , iml. Kerker zugebracht, stets seiner gedacht und keine Mühe unterlassen/seine Lage zu erleichtern.. Hilsner bat die Re- ' daktion der „Oesterr.. Wochenschrift", dem /Seelsorger der - Strafanstalt Stein, Herrn Rabbiner Dr. Mehr er,, in Krems, der dem Schicksal Hitsners stets große. Teilnahme entgegenbrachte, öffentlich den Dank / ausMsprechen. Ebenso aber auch deM Anstaltsarzt, der ihm Wohlwollen bewiesen hat. Er hat jetzt nur die ^Sehnsucht, in Ruhe und Zurückgezögenheit zu, leben, bis, wie er leidenschaftlich hofft, der wahre Mörder der Agnes Hrnza die Tat gestehen wird. Sobald die Musterung , vorüber sein wird, gedenkt Hilsner"''das Grab seiner Mütter aufznsuchen. . Aus einem Wiener Krankenhause. Die ,L)esterreichische Wochenschrift" erhält folgen-., des Schreiben: „Am 4. April 1918. An die löbliche Redaktion der ,Oesterr. Wochenschrift", . ' Wien, II., Praterstr. 9. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie Mir, sehr geehrter. Herr. Redakteur, daß ich.-Ihnen über die- Zustände in einem .großen Wiener Spital einige Mitteilungen zukommen lasse, die gewiß Ihr lebhaftes^ Interesse erwecken und die es verdienen, in die große Oeffentlichkeit gebrächt zu werden. Mein. Sohn- Robert B reue r, acht Jahre alt,-Müßte' Mer Anordnung des Bezirksarztes wegen einer Scharlacherkrankung außer Haus in ein. Spital-gebracht werden. Er wurde dem Franz Josef-Spital im 10. Bezirke, Triesterstraße, ‘ zugewiesen. ■ Ich seWst brachte nrein Kind dorthin, übergab es der diensthabenden Aerztin und entfernte niich mit der inneren Hoffnung, daß! mein krankes Kind nach jeder Richtung. in guter Obhut sein wird. Daß dem nicht so warerfuhr ichzu meinem Leidwesen von meinem Sohne, der nachsechs Wochen aus dein Spital entlassen wurde. Ich muß hier bemerken, daß es mir während dieser sechs Wochen nicht . gestattet war, persönlich mit meinem Kinde zuverkehren. Gleich nach! der Einliefernngmeines Sohnes ins Spital wurde über seinem Bette auf einer Tafel der. Vermerk.„Israelit" angebracht. Wahrscheinlich! ist dies eine Vorschrift. Aber diese höchstwahrschsinlich vorfintflulliche Verordnung hat -flugs einem Nachbarn meines Kindes willkommenen Anlaß gegeben, dasselbe mit: „Aha, dul bist, ein Jtzig," zu apostrophieren. Selbstverständlich ging es wie ein Lauffeuer durch den. ganzen Krankensaal, wo etwa 15 Patienten sind, daß -Mein Kind ein Jude ist. Diese Tatsache scheint nun:ein ^Freibrief zu sein für LausbWereien und Gemeinheiten einiger, anderer Insassen. Die Behandlung, die „ nlei-n Sohn wäh^- rend der ganzen Zeit von den anderen-Kranken' erfuhr, ist wohl geeignet, die Meinung zu zerstören.daß das kranke Kind dort gut aufgehoben war. .. . > Er Wurde nicht anders gerufen als „Inh",. „Jtziig", „Jüdelach" usw. Meinem .Kinde, welchesim Elternhanse den Unterschied zwischen .Christ und Jude nie gesehen,' da bei mir Arme ohne Unterschied der Konfession immer beschenkt werden, waren diese Ausdrücke ein NovüM/ünd es gab zur Antwort„Ich heiße Breuer," und sie mögen chn auch so rufen. Natürlich War? dies' ein vergebener