Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 14 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'«r, 14 Dr Bkoch'S WochenfchrM - ‘ ~ f*** 917 darin, daß er sich eine große Bibliothek anlegte und nauieütlich kostbare Handschriften anschafste — letztere rühren zu gutem äLeite ans den.Schätzen des H. S. H a lber st am an Bielitz her —, lieferte er ein gutes Beispiel und erwies. sich hiemit nicht wenigals^ eifriger Förderer der jüdischen Wissenschaft. Möchte er doch in beiden Richtungen namentlich in unserer Stadt eine Schule schaffen! Weit und breit waren die Epsteinschen Sammlungen bekannt und unseres Gelehrten Adresse, .. Grillparzerstraße 11, war alten Pflegern der jüdischen Wissenschaft geläufig geworden, wie etwa die einer bekannten öffentlichen Sammlung. Denn Epstein verfuhr mit seinen Schätzen sehr liberal: nicht nur teilte er aus Befragen .ganze Stellen aus seinen Handschriften mit, sondern lieh sie auch ganz hin, ja er lieh! sie auch nach dem fernen Ausland hin, wie ich ans Erfahrung weiß, da ich in dem einen oder dem anderen Falle intervenierte. Glicht wenige Werke und Arbeiten tragen nun den Vermerk „Ms. Epstein", derschönste Lohn, den sich der Besitzer wünschen konnte. Allem Anscheine nach bleiben die Epsteinschen Bücher und Handschriften unserer Stadt erhalten, und der Verewigte wird sich hiedurch auch die Dankbarkeit, der 9cachwelt erringen, ebenso wie er sich dem Gedächtnis der Zeitgenossen tief eingeprägt hatte. Die wissenschaftliche Bedeutung A. Epsteins zu würdigen, fällt nicht leicht. Er war groß auf manchen Gebieten, doch arbeitete er mit Vorliebe und mit Ergebnissen von bleibendem Werte auf dem Gebiete der gaonäischen Literatur. Hier hals ihm nicht bloß sein reiches rabbinisches Wissen, sondern auch der Umstand, daß er aus seinen eigenen Handschriften und allenfalls auch aus den bekannten Funden zu Kairo völlig Neues geben konnte. Doch können wir ihn in-einem gewissen Betracht auch als' Altertums- und Geschichtsforscher bezeichnen. Selbständige Werke hat. er eigentlich wenig: seine urei-t sten Arbeiten erschienen, in Zeitschriften, doch sind auch die letzteren, die man sonst nur. „Artikel" nennt, von großer Bedeutung und stehen mit seinen „Werken" aus /gleicher Stufe.' Am liebsten. schrieb, er hebräisch, was ihm die Befriedigung einbrachte, auch für seine in der Kultur zurückgebliebenen Brüder im Osten geschrieben -und Ihnen wirkliche Belehrung gegeben zu haben.: doch . schrieb er auch ein aanz gutes Deutsch, obzwar im lebendigen Worte der Mann des jüdischen .Ostens sofort zu -erkennen war. Hier eine kleine Aufzählung, wenn auch nicht Würdigung seiner Schriften. Sein bekanntestes Werk ist „Mi-Kadmonijoth Ha- Jehndim", auch mir deutschem Titel: „Beiträge zur jüdischen Attertu nEnn de" (Wien 1887), das mehrere Abhandlungen enthält, und worin er den Midrasch Tadsche neu nach Handschriften ediert hat. Mit den Midraschim beschäftigte sich A. Epstein auch sonst, und.er gleicht hierin S, Bub er aus Leuiberg, mir dem er überhaupt viele Züge gemeinsam hae Evstein schrieb also ferner: „Bereschit-Rabbati (Handschrift in Prag, oft gebraucht in dem judenseindlichön Buche „Pugio Fidei"), dessen Verhältnis zu Rabba" usw. (Berlin 1888): „R. Simeon /Kara und der Jalkui Schimeoni" (Krakau 1891). Wegen des Midrasch Taühuma, dem dessen Herausgeber, S. Bube r, ein allzu hohes Alter vindizierte, griff Epstein diesen Gelehrten, maßvoll, aber entschieden an (Preßbürg 1886). Hieher gehört noch „Moses Hadarschan aus Narbonne" (Wien 1891). . )- GaUz anderer Art ist Epsteins neben jenen „Beiwägen" bedeutsamftes Werk „Eldad Ha-Dani" (Preßvurg 1891), ein zieUilich umfangreiches und gelehrtes Werk, worin Epstein auch seine „starke Hand" in den allgemeinen Wissenschaften aufs glücklichste zeigen konnte: Zur besseren Kennzeichnung der Leistung setze ich aus dem .deutschen Titel noch her: „Eldad Ha-Dani, seine Berichte über die zehn Stämme und deren Ritus in verschiedenen Versionen nach Handschriften und alten Drucken, mit Einleitung und Anmerkungen, nebst einem Exkurse über die Falascha und.deren Gebräuche." Aus. diese Arheit wird man stets zurückgreisen müssen, wenn mau das verwickelte Thema „Eldad Ha-Dani" behandeln wird.. Unser Autor geht hiebei von dÄn allein richtigen Gesichtspunkt aus, daß den Eldadschen Reiseberichten etwas Tatsächliches zugrunde liegen müsse, während freilich, nach Art der damaligen. Reiseberichte, oieles auch erdichtet und vorn Hörensagen übernommen ist. In der „Revue des Etudes In io es" XXV schrieb Eo stein noch se.cner über dasselbe Thema. Die genannte sranzösische Zeitschrift ist überhaupt die Trägerin vieler gelehrter Artikel unseres Autors; unter anderem schrieb er darin die Erklärung der späteren Auffassung der biblischen Bölkertasel, eine Arbeit, mit der sich das Therna „Eldad".ohjze weiteres verbindet. Ev stein bekundet in all dem, wie gesagt, eine ungemeine Belesenheit in Geschichte und Geographie, die er kri.isch zur Beleuchtung der jüdischen. Texte verwertet. . Ganz anderer Art ist das wenig umfangreiche, aber höchst interessante Werk „Die Familie Lurie", von ihren Anfängen lerwa 14. Jahrhundert) bis aus die -Gegenwart, nebst einer Abhandlung über Elia ben. Mose Loanz (Letzterer war Borbeter in Worurs und stand,' da er sich viel mit Kabbala befaßte, im Gerüche der Heiligkeit), Wien 1901. Ein Schwager Epsteins gehörte zur Familie Sink, und diesem Umstande wohl haben wir die schöne Forschung zu verdanken. Unser Autor erinnert in diesem.Stücke an David Kaufmann, dem ebenfalls infolge seiner eigenen Verwandtschaft der Antrieb wurde, Familiengeschichten zu schreiben, Dinge, die man bei wei tem nicht belächeln darf, vielmehr hoch einzuschätzen hat. Bei E v st e i n liegen die Zusammenhänge noch tiefer: für die alte Gemeinde Worms und ebenso für Speier hatte er ein besonderes Interesse: er reiste dorthin und beschrieb deren Altertümer: er schrieb ferner überWorm . ser Miuhagbücher, desgleichen über den großen R. Gerschom Meor Ha-Gota, über Juda ben Kalonymus aus Speier usw. Das meiste aber, so sagten wir, tat Eostein für das gaonäische Zeitalter. Schon sein „Eldad" gehört in diesen Kreis, doch nennen wir hauptsächlich--seine lichtvolle Abhandlung über das Rirnalweck „Halachoth Gedoloth", obzwar dieselbe ursprünglich bloß in ForUr eines Artikels (in Ha-Goren III) erschienen ist: ferner über den Kalenderstreii zwischen Ben-Meir und den Schulhäuptern in Babylonien .(daselbst V, desgleichen auch in Revue, Band 42 und 44), und mit diesem Stn dienkrers hängt auch zusammen, was unser Gelehrter über die Saboraim, über die Ankunft Rabs in Babylonien usw. geschrieben hat: in letzterem Artikel be- Nnipft Epstein die umstürzenden Ansichten des Historikers Isaak Halevi, und es ist bezeichnend, wie sehr Epstein, der im Osten Geborene und Erzogene, sich in allen diesen Fragen rückhaltlos zu der Schule des Westens bekennt. Mau sieht auch, wie unser Mann kämpfend ans den Plan trat, wenn es galt, von ihm erkannte Wahrheiten zu verteidigen: in diesem Belange sei ermähnt, daß er für S. I. Rapaporr, den.er für seinen Meister ausah, eine Lanze brach, als der Wiener Gelehrte I. H. Weiß dessen Andenken einigermaßen anzutasten wagte. Die Krone all der Forschungen zur Literatur der Geoirim bildet A. Epsteins Ausgabe: „Maaseh hä-Geonim" (Berlin 1909, im Aufträge des. Vereines Makh^e Nirdämim), eine Anzahl von Responsen deutscher Rabbinen, die aus die Geonim zulückgehen. . Als Evst.ein dieses Werk fertigstellte, glitt er . bereits von der Höhe seines Schaffens herunter: er hatte