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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-04-12 · 14 (12.4.1918) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
14 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 211 *w 14. >Dr. vtoH'S Wochenschrift .?verlorme Menschemvürde wiedererlaugt Häven undO efter- . reichs Raute mit/diesem' BefreiunMoerke ewig verbunden "Vleibt. Mit deM Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung und dankbarer Ergebenheit zeichnen firr den „Indischen -7Nationalverein in Oesterreich" ) / Ing. Robert S L r i ck e r, Obmann, < Dr. Salonwn K a ß n e r, Obm^-Stelkvertr." Dir Iuderchatz;urn Werfest. - - Mit rührender Teilnahme und zärtlichem Mitgefühl 'verfolgt - die. „Reichspost" in der letzten Osternummer das jüngste Bestreben in Deutschland, wo „man sich sorgenvoll dem Problem der Bannung der Oftjuden-- gefahr zuwendet", wofür das Erscheinen einer Broschüre: . „Klarheit in der Ostjudenfrage", von Dr. E. Bischofs (natürlich unter . Preisangabe und mit genauer Bezugs- . quelle), den sichtbaren und sicheren Beweis liefern soll. Diesmal muß Nicht allein „die Fremdartigkeit der Rasse und Lebenshaltung", sondern gar „die Moralausfassung" der Ostjuden dazu herhalten, die von der . „Reichspost" empfohlenen „strengen gesetzlichen Sperrmaßnahmen" gegen die drohende Einwanderung zu begründen (gewissermaßen ein Argumentersatz). Wie .. konnte sich nur'der Entdecker dieser Gefahr, der Autor '° besagter Broschüre, der naiven Meinung hingeben: es wäre möglich, der „Ueberflutung des Westens durch die sechs Millionen Ostjuden"^ durch kleinliche Mittel zu steuern, wie z. B. durch „Einhebung einer Ostjudenab- .. gäbe bei den Juden Deutschlands, um mit den erzielten Beträgen systematische, kulturelle Erziehungsarbeit in der . Heimat des Ostjudentums an diesen selbst zu leisten"? Da heißt es radikaler Vorgehen und ein „strenges" Einwanderunigsverbot erlassen, da sonst das große Deutsch- - land, dessen erstaunliche Militärische wie industrielle Kraft eine Welt Von Feinden zu bezwingen vermochte, die schwerste, ernsteste Gefahr läuft, von dem „seiner gan- ' zen Moralauffassung nach dem christlichen Westen so - ganz fremdartigen Ostjudentum" auf dem Handelsgebiete - vollständig verdrängt zu werden. Daß diese, so pathetisch - betonte „fremdartige" Gesittung nicht allen Juden, son- 7 dern nur einem Teil derselben, den „streng Gesinn- ' ten"j - den „Anhängern der Kabbala", eigen ist, tut nichts, gerade von seiten „der Praktiker einer wunder- - lichen Magie" droht das größte Unheil. Unser mächtiger Verbündeter brauchte, von dem größten Handelsstaate der Welt, dem feindlichen England, keine Beein- ' trächtigung seiner Handelsbeziehungen zu befürchten, die wahre Gefahr für Deutschland und unseren Staat birgt ja ,>die Ueberflutung unserer Wirtschaftsgebiete" durch, die Ostjuden, und gegen diese eminente Gefahr gilt es, sich zur rechten Zeit und durch strenge. Maßnahmen zu schützen — dies die jüngste Entdeckung, der neueste Mahnruf der „Reichspost" zuM. Osterfeste. ■ Das Wohnrecht der Juden in- Rußland war bis nun sauf den berüchtigten „Ansiedlungsrayon" beschränkt, nunmehr, da ihnen die langerstrebte und heißersehnte Freizügigkeit und das Ansiedlungsrecht in ganz Rußland verliehen wurde, werden sie gewiß davon ausgiebigen Gebrauch Machen und vor allem sich in den ' neugebildeten.Oststaaten festsetzen, ihre Expansion dürste - naturgemäß vorzüglich nach jenen Gebieten gerichtet sein (gleichwie auch unsere ^pansionsbestrebungen). Die „ReichHwst" bemerkt zwar: „Das ' Lesen nichtjüdischer Schriften.- ist sogar bei allen strenger Gesinnten verboten, ebenso wie das Essen und -Trinken mit Nichtiubett." Das hindert natürlich nicht — nach dem Gedankengang der Mitarbeiter der „Reichspost" —, daß die Ostjuden nicht etwa vereinzelt, sondern en müsse wie. eine rollende Lawine sich über den ganzen Westen aüsbreiten würden, um sich des ganzen Handels zu bemächtigen. (Die „Reichspost" zitiert natürlich die Beispiele der „Gig" und,Ast".) Der logische Widerspruch und die psychologische Unhaltbarkeit dieser Sätze leuchten sofort ein, es wäre jedoch ein törichtes, weil zweckloses. Beginnen, angesichts derart tendenziöser Entstellung, der realen Wirklichkeit und rein gehässiger Argumentierung in eine wissenschaftliche Erörterung dieses Problems vom so- ' zialökonomischen und wirtschaftspolitischen Standpunkte näher einzugehen. Handelt es sich doch her „Reichspost" lediglich um die reinste Judenhetze zum Zwecke einer ' christlichen Festseier, wozu ihr jeder Anlaß — diesmal ist es die im Osten erlangte Freiheit von der schmachvollen Sklaverei des Zarismus —. willkommen ist. Das moralische und politische Niveau dieses reaktionären und allem außerhalb ihrer Parteigesinnung verständnislos gegenüberstehenden Blattes beleuchtet am besten ein Hinblick auf die seinerzeitige Enunziation des'Reichskanzlers. Dieser hatte den Mut, im deutschen Reichstage die moderne, weitsichtige Devise aufzustellen: „Freie Bahn alten Tüchtigen!", ohne in den Grenzen der Religion oder „in der Eigenart der besonderen Lebenshaltung" eine Gefahr für das' Stäatswohl zu erblicken. Der.Mitarbeiter der „Reichspost" befürchtet jedoch Mit Recht die - schlimmsten Folgen von diesen „Zeichen der Zeit" — schlimm für seine rückschrittlichen, kurzsichtigen und. von gehässigem Parteidünkel beseelten ' und besessenen Gesinnungsgenossen. Sie haben Grund, das Licht zu scheuen, denn Finsternis ist ihr Element. Dir. Ed. A. „Ue8 judicata.“ Zur Begnadigung Leopold Hilsners. Daß, der eben von Seiner Majestät begnadigte Hilsner das unschuldige Opfer einer vergewaltigten Justiz war, ist heute allgemeine. Ueberzeugung cckler rechtdenkenden Menschen. Eine Sonderstellung nimmt natürlich die fromme „Reichspost" ein. Da sie keine Gründe — selbstverständlich — für die seinerzeitige Verurteilung anzugehen vermag, weit es ja keine gibt, beschränkt sie sich, im Artikel vorn 3. d- M. auf den sehr wohlfeilen Hinweis, daß zwei Volksgerichte in gleichem Sinne den Schuldspruch gefällt haben, folglich sei jeder Zweifel an Hilsners Teilnahme am Morde austzuschließen. Und sie leistet sich gegen Schluß des Artikels rroch die Behauptung: „Für die Christen sei dies eine res .jnäieata für die Juden rnöge er unschuldig sein." Abgesehen nun davon, daß alle bösartigen Justizverbrechen, die je gegen Unschuldige verübt rvorden sind, immer „res judidaa waren, und die Zumutung — an die Christen —, sich mit dieser Abfertigung zufrieden zu geben, für deren Urteilsfähigkeit nicht gerade schmeichelhaft wäre, ist sie auch gar nicht zutreffend. Die hervorragenden unter ihnen — allerdings nicht die Mitglieder des christlichen Frauenbundes — können sich mit der Verurteilung nicht einverstanden erklären und konnten.es nicht. An letzterer Hinsicht müssen wir augenscheinlich Jbent Gedächtnis der „Reichspost" zu Hilfe kommen. Bekanntlich waren die Verdachtsmomente gegen Hilsner ursprünglich so wenig stichhältig, daß die Untersuchung gegen ihn bald eingestellt wurde. Warum sie wieder ausgenommen wurde, erzählt uns die „Arbeiter-Zeitung" in ihrem Artikel vom 3. April d. I. in Nr. 88, dem tvir am besten folgen können. Es heißt da: „Hier.nun setzte die Wiener Hetze ein, an der sich vornehmlich ein damaliger Redakteur des „Deutschen

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