Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 14 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit» 210. Dr. MlM's WoWnschrift Rr. 31 Hiümcn seine jüdischen Bürger zu „Frerriden" gefterrrpelt. Es will damit sagen, daß die Juden erst seit kurzem dorthin gekommen und noch als „Fremde" anzusehen sind. Diese Behauptung ist gegen alle Zeugnisse der Geschichte. Aus den Schriften des bekannten jüdischen Historikers J-osephus Flavins, des 'römischen Historikers Tertolianus und auch vieler anderer geht unzweideutig hervor, daß noch vor der Eroberung Daziens (das jetzige Rumänien) durch die Wmer in diesem Lande viele Juden bereits ansässig waren. ' ■ - Der rumänische Historiker Hasden hat sogar im nördlichen Bessarabien eine jüdische Münze aus der Zeit der Makkabäer gesunden und fömit die genannte Behauptung am kräftigsten unterstützt?) An der Donau legte auch der -Kaiser Justinian einen Turm an, den er Indens nannte, der gewiß, auch für diese Behauptung Zeugnis ablegt?) Noch bevor es überhaupt ein rmmänifches Volk auf rumänischem Boden gab, verordncte Kaiser Theodosins im Jahre 379 seinen Statthaltern in Mazedonien und Dazien, die Juden und ihre Gebethäuser zu schützen?) Der berühmte jüdische Reisende Benjamin aus Toledo, der den Balkan im Jahre 1170 durchstreifte, berichtet, daß die Walachei: (bekanntlich teilen sich die Rumänen in Walachen und Moldauer) mit den Juden in bestem Einvernehmen leben und sie „Brüder" nennen. - Da die Geschichte Rumäniens bis zuni 15. Jahrhundert in völligem Dunkel liegt und keine Nachrichten aus dem grauen Mittelalter von diesem Lande vorliegen, so ist auch über die Juden dieses Landes während mehrerer Jahrhunderte nichts zu erfahren. Wahrscheiitlich haben sie alle Stürme, die über dieses Land gekommen .waren, unrerlebt und erlitten, und wenn die Juden Ungarns unter Ludwig I. in beträchtlicher Zahl, nach der Walachei' sich.rvandten,. rvo sie-sogar gewisse Privilegien vom Fürsten Dan erhielten, sö geschah dieses wohl, weil die vertriebenen Juden Ungarns bereits wußten, daß es ihre Brüder in diesenr Lande gut Haber:. Nach dem Geschichtschreiber Pros. Sülze r sollen diese Juden sogar die Ztadt Turnu-Severin an der Donau begründet haben?) Der berühmte Legislator Rabbi Joses Karo erwähnt in seinen Response:: vom Jahre-1598 von Inden, die im Dorfe' Bukarest in Rumänien wohnten?) Noch später wird die Dokümentenzähl, die das Vorhandenseir: einer großen Anzahl Juden in den beiden Teilen Rumäniens, Moldau und .Walachei, bekunden, mach größer. Der Kabbalist Delmodego erzählt uns, daß er bei seiner Durchreise im Anfänge des 17. Jahrhunderts in Jassy einen großen Kabbalisten, den Rabbiner und Arzr Rabbi Salomo ben Arawi, vorgefunden hatte.- , Auch die ernsten jüdischen Friedhöfe, wo rnar: Grabsteine mir Inschriften aus dem Jahre 1467 bereits gefunden hatte, bekunden die- Anwesenheit der Juden in diesem Lande in nicht geringer Zahl/') Aus den Chroniken der rumänifcherr Wojemoden erfahren wir, daß .4—5 Fürsten der Moldau und Walachei urit Hilfe der Juden auf den Thron gekommen find. Im 'Jahre 1573 finden wir einen Juden mamens Jesaja ben Josef als Sekretär des Fürstet: Alexander Mircea. ') Hasdeu. Geschichte der Religioustoleranz in Rumänien. S. 76 Prokop. Ueber Bauten k. Wien 1882. 3j Sammlung der Gesetze des Theodosins, Buch 16, äu Judaeis Caelicolis et Samarelanis. •*) Pros. I. Snlzer. Geschichte des transkarpathischen' Dazien, Wien 1781.? z“zp rm rr-.p pjüi' m&v ci Psanter. Chronik der Juden in Rumänien. Besonders irrteressarrt ist es, zu erfahren, daß irre Jahre 1591 ein Jude namens Cmann.el auf dem Throne der Moldau, auf die Verordnung, des'Sütrans, faß oder sitzen sollte. Zu bemerken ist noch, daß nach der geschichtlichen Ueberlieferung der Vertreter - Englands in Konstärrtiriopet ir: dieser Sache für denselben eingetrelen ist und gewirkt hat. Viele Chroniker: erzählen uns von den Beschäfrigungen" der Juden - in Rnmänienaus denen . hervor-, geht, daß die Inden-- dortselbft Käufleüte, 'Bankiers miu Gewerbetreibende rvaren. . - . Aber auch an Verfolgungen hatten die rumänischen Juden nicht tvenig zu leider:. - In den Revolutionen der Jahre 1770 nnd- 1806 suchte das Volk die Jude:: zur Taufe zu zmiru gen, und besonders ergreifend ist . die Geschichte einer jüdischen Frau, die man zwingen.'wollte/- mit ihrer: vier Kinderchen zum.(Christentum-, überzugehen. Die Frau sagte nämlich, daß sie bereit sei, den: Wunsche ihrer Zwinger zu willfahren, aber die Kinder will sie eher tot als getauft sehen. Daraufhin wurden' in ihrer Gegenwart die vier Kinderchen getötet und sie nachher aufgefordert, zum Christentum überzutreten. Nun lachte die unglückliche Niutter, bitter imb sagte: „Ach, ihr D u in in - köpfe! Ich fürchtete, daß Ihr mich .töten und meine Kinder gewaltsam Laufen iverdet. Jetzt aber — fürchte ich nichts mehr und werde als Jüdin sterben!-" Sie rief dann laut das ,,L>ch'ma Jsroel" und ließ sich vor: den Verfolgern aufs grausamste toter:. Das jüdische Volk hat auf rumänischen: Boden eine ruhmreiche Geschichte, mit der::. kostbaren Blute heiliger Märtyrer hat es der: Boden gesättigt 'und'genährt, daß es--mit'ihm verwachsen wurde. So lauter: die Zeugnisse der Geschichte. Darum w erden Juden in a l l e it W e lü t c il er: mit gespanr:ter Seele aufhorchen auf die frohe Botschaft des . Grafen Cz e tu: n über der: Inhalt des rumänischen Frie-' densschlufses.- - Die historische Bedeuturrg der Rede des Grafen Czernin wird auch bei den Feinden nach ihrer Tragweite gewürdigt. „Die Rede ist, vor: welchem Standpunkt man sie auch betrachte:: mag, vor: größter..Bedeutung", fchreibei:.„Daily News" ft: London. Und das Orgarr. des StaatÄninisters Knjper in Amsterdam „De Standard" bemerkt, daß auf der: Grafer: Czerr::r: die-Anger: aller sich? richten, die nach dem Frieder: verlangen. In den Gedenkbücherr: der jüd. Geschichte aber wird dem Namen des Grafer: Czernin mit hoher Dankbarkeit ein Ehrenblatt gewidmet sein,-denn er hat einem der ältester: Zweige des jüdischer: Bolksstämmes zu seinem Rechte verholfen. . * * * Der „Jüdische Nationälverein" sarrdte dem Grafer:. Cz e r n i n rrachsteherrdes Telegrauurr: „Sr. Exzellenz Herrn k. u. k. Minister des Auswärtiger:. . Grafen Ottokar Czerr:irr, Wien. - Hochgeehrter Herr Minister! Di e gefertigten Vertreter der im „Jüdischen Nationalverein" organisierten volksbewußten österreichischen Juden erlaube:: sich. Ihnen den tiefgefühlten Dank für. die Befreiung aus schmachvoller. .Knechtschaft zu übermitteln. Unter Schwierigkeiten, deren Größe die Gefertigten richtig einzuschätzen wisser:, haben Sie ein Werk vollbracht, dessen Andenken nicht rrur in der Geschichte des jüdischen Volkes, sondern auch in ber Geschichte plte? reichs unvergeßlich bleiben wird'. Ihrer , von hoher staats-, männischer Einsicht und' wahrer Menschenliebe geleisteten Arbeit ist es zu danken, daß Hunderttausende dm