Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 13 (29.3.1918)
- Date
- 1918-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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oette 20 t JTr. 13 * Dr. Bloch'S Jsidoro de H o y o s in einem von der Madrider Akademie herausgegebenen großen Werke: „Die spanischen Juden in Oesterreich", mit denk Schicksal Aguilars. Die sephardischen Juden hatten in Temesvar ein förmliches goldenes Zeitalter. Es waren unter ihnen Große, Mächtige, sie , hatten ihre Führer, ihre Synagogen und Schulen. Vielleicht auch! eine Literatur. Was ist von all dem Zurückgeblieben? Aus dem goldenen Zeitalter der ungarischen Sephardim blieb jenes kunstvolle Brokatporauches erhalten, welches aus dem Jahre 1729 stamtnt und. die schönste Erinnerung' an jene Zeit ist. Ein solches Denkmal ist auch der schönste Grabstein auf dem Temesvarer jüdischen Friedhofe aus dem Jahre 1636. Unter jhm ruht'Asriel Ajssael, ein aus Saloniki' dahin übersiedelter spaniolischer Jude. Es ist gar kein Zweifel,- daß Verwandte der Aguilar-Pereira auch nach Ungarn verpflanzt wurden. In Ungarn gibt es auch heute noch Familien mit dem Namen Agüilar oder Agular. Diese staMnten wahrscheinlich von den seinerzeit in Mahren seßhaft gewesenen Geschwistern des jüdischen Edelmannes Abraham Aguilar und Rosa Agular. Ein Teil der Nachkommen der mährischen Agular hatte sich ln Magocs (Komitat Baranya) angesiedelt. Pereira hingegen gibt es in Temesvar. Ein Pereira war auch Vorbeter der sephardischen Gemeinde am Ende des vorigen .Jahrhunderts. Die Audeu in Neuseeland. Don A. (Suraiij Auckland (Neuseeland). Neuseeland, im! Stillen Ozean, 1200 Seemeilen von Australien und 12.000 Seemeilen von Europa gelegen, ist eine der schönsten, blühendsten und zukunftsreichsten Kolonien des britischen Inselreiches. Die Besiedelung der durch ihr gesundes Klima und vorzüglichen: Boden ' ausgezeichneten Insel - hat erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts ' begonnen, dennoch spielen die landwirtschaftlichen und Bergbauerzeugnisse der Insel heute bereits eine große Rolle auf dem Weltmarkt, und die Entwicklung Neuseelands in der kurzen Zeit der europäischen- Besiedelung ist geradezu staunenerregend. Nicht zum wenigsten haben zu dieser schnellen Entwicklung auch die an Zahl nur geringen jüdischen Bewohner Neuseelands beigetragen. Unter den ersten Pionieren der Ansiedelung, die in der Zeit von 1830 bis 1850 sich auf der Insel niederlietzen, finden wir nur Wenige Juden und diese kamen meist aus dem nahen Australien. Einige bedeutende jüdische Firmen wurden um 1840 gegründet. Die Haupteinwanderung begann erst mit der Entdeckung, der Goldfelder im Otagodistrikt in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Nach dieser Zeit ist die Zahl der jüdischen Bevölkerung nur langsam gewachsen; nach der offiziellen Statistik betrug sie im Jahre 1901 1611 (2"/^ der Gesamtbevölkerung), im Jahre 1906 1867 (2-lu/nn der Gesamtbevölkerung) und im Jahre 1911 2128 (2'1"/^ der Gesamtbevölkerung), hievon 1130 männlich, 998 weiblich. Der Zuwachs im letzten Jahrfünft betrug 13'98 Prozent, während die Gesamtbevölkerung um 13 49 Prozent zunahm. Die Einwanderer sind größtenteils Juden aus Rußland, Deutschland und Holland, weniger aus England. Sie erwerben Meist nach kurzer Zeit, wie übrigens auch die christliche Bevölkerung, einen gewissen Wohlstand. Einen Antisemitismus gibt es in Neuseeland nicht. Charakteristisch für die vorurteilsfreie Gesinnung der Regierung, und Bevölkerung von Neuseeland ist jene Petition des Parlaments an Kaiser Alexander III. von Rußland im Jahre 1891, in der um Einstellung der Judenverfolgung und Milderung der Judengesetze gebeten wird. Andererseits haben sich die Neuseeländer aus rein sozialen Gründen gegen eine Masseneinwanderung von Juden aus Rußland energisch gesträubt. Die Borurteilsfreiheit der Neuseeländer zeigt sich besonders ausdrucksvoll auch in dem Heranziehen jüdischer Bürger zu den höchsten Aemtern und Ehrenstellen. Don bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten ist besonders zu erwähnen Sir Julius Vogel (1835 bis' 1899), der zu verschiedenen Zeilen Minister für Finanzen,' Zölle und Generalpostmeister, dreimal (1874 bis 1876 und 1384) Premierminister war und schließlich zum Generalagenten der Kv- . lonie in London ernannt, dieses Amt fünf Jahre innehatte. Ec setzte eine außerordentlich rührige Politik für die Erschließung der Nordinsel durch, richtete eine Postdamvfeclinie Neuseeland—San Francisco ein, betrieb die Fertigstellung des Unterseekabels London-Neuseeland und schuf die staatliche Lebensversicherung. Weitere Wochenschrift bekannte Politiker sind Samuel Edward Shrimski (1830 bis 1902), der siebzehn Jahre im Oberhause als lebenslängliches Mitglied' sah. die Parlamentsmitglieder Hallenstein, C. Louisson (Vertreter von Canterbnry, seit 1091 im Oberhause), F. E. Baume (Vertreter für Auckland-Ost), der auch Regierungsrat war und dessen Nachfolger als Vertreter des Wahlkreises Arthur Mielliner Myers ist.. Letzterer war vorher Minister für Finanzen, Heer und Eisenbahnen. Im Kommunalleben haben sich zahlreiche Juden ausgezeichnet. Besonders eng ist die Geschichte der Stadt Auckland mit dem Namen eines Juden verknüpft. Bevor Auckland Stadt wurde, war A. P. Philipps Vorsitzender des Gemeinderates, er wurde dann zum ersten Bürgermeister der Stadt gewählt und blieb im ganzen 33 Jahre in diesem Amte. Er war außerdem Friedensrichter und Mitglied des Provinzial- und des Schulrates. Er' gründete die Volksbibliothek und erwirkte viele Stiftungen für die Stadt, war auch einer der Gründer der Städtevsreinigung von Neuseeland. Weitere jüdische Bürgermeister Aucklands waren Henry Jfaacs und Arthur M. Myers, in dessen Amtstätigkeit unter anderem die Grundsteinlegung zum neuen Rathaus und der Bau der Graftonbrücke fielen. Myers hat erst kürzlich der Stadt Auckland einen großen Landkomplex für einen öffentlichen Park geschenkt, der nach ihm Myers-Park genannt wurde. C. Louisson war viermal Bürgermeister von Christchurch und bekleidet die verschiedensten Ehrenämter. Weitere jüdische Bürgermeister sind Louis Ehrenfeld, Moß Jonas, E. Shrimski, M. Cohen-Palmerston North« und Hugo Friedländer (Ashburton). Das Gebiet, auf dem auch in Neuseeland die Juden am erfolgreichsten tätig sind, ist Handel und Industrie. Bedeutende jüdische Firmen finden wir besonders im Tabak-, Woll- und Getreide- und Juwelenhandel. Die Handelskammern hatten und haben zahlreiche jüdische Präsidenten, wie D. E. Theonim-Dunedin, Joseph Nathan-Wellington, S. I. Nathan-Auckland, M. Cohen- Palmerston-North. Beim Kongreß britischer Handelskammern in London waren von fünf Vertretern Neuseelands zwei Juden, Joseph Nathan und Arthur M. Myers. Die Dampfschiffährtsgesellschaft New Zealand Shipping Company wurde von den Brüdern Lward und Henry Jsaacs begründet, Joseph Nathan war Direktor der Manawatu-Tisenbahngesellschaft und gründete den Hafenausschuß in Wellington. Die Brauindustrie Neuseelands beruht fast ganz auf jüdischer Initiative, die drei ältesten und größten Brauereien Neuseelands werden von Juden geleitet. Auch in der Journalistik spielen die jüdischen Neuseeländer eine wichtige Rolle. Vogel war Mitinhaber des ,,O1ago Witnes" und Begründer des ersten Tagblattes in Neuseeland „The daily Times". Mark Cohen ist Vorsitzender des Neuseeland, Institutes der Journalisten und Herausgeber des „Star" in Dunedin. Phineas Seelig leitet den „New Zealand (Referee" und Marcus Marks den „Hansard". Auf dem Gebiete der Wissenschaft finden wir bedeutendejüdische Anwälte und Mediziner. Im Schulwesen hat sich C. Shrimski als Begründer der Waibakischule ausgezeichnet. F. L. Baume und Louis Cohen waren Mitglieder des Senats und Phineas Levy Professor von Neuseeland. Die erste Frau, die das juristische Examen für den Anwaltsberus bestand und als Anwalt praktizierte, war Ethel Benjamin aus Dunedin. Auch, auf dem Gebiete der Kunst haben sich Juden, besonders als Sänger und Pianisten, ausgezeichnet. Die jüdische Jugend nimmt an den: gesunden Sportleben, das in Neuseeland besonders blüht, regen Anteil. Die jüdischen Bewohner des Landes haben ihren Patriotismus und ihre Vaterlandsliebe stets in hervorragender Weise bekundet. Bereits im Maorikrieg 1364 finden wir Juden unter den englischen Soldaten, so unter anderen Anthony Nathan, der 1843 als erstes europäisches Kind in Wangami und als erster jüdischer Neuseeländer geboren wurde und mit Auszeichnung von 1864 bis 1870 als Sergeant in der berühmten Truppe der Forest Rangers kämpfte. Er war später Friedensrichter und Bürgermeister in Taihape. E. Louisson war der erste Freiwillige an der Westküste. 1694 bot David Ziman der Regierung an. die Hälfte der Kosten eines zu bauenden Schlachtschiffes zu bezahlen, das die Kolonie England zum Geschenk machen sollte, wenn die Regierung dijL andere Hälfte bezahlen würde. Ausbruch von Unruhen in Samoa boten drei Freiwilligenkoinpagnien in Auckland der Regierung ihre Dienste an; von den drei Hauptleuten, die sie befehligten, waren zwei Juden. Die Kontingente Neuseelands, die im Burenkrxege kämpften, zählten eine Anzahl jüdischer Freiwilliger, darunter zwei Offiziere. In den Truppenteilen Neuseelands dienen zurze t sieben jüdische Offiziere bis zum Range eines Oberstleutnants. Ein eigentliches jüdisches Eeineindeleben existiert nur in den vier größten Plätzen der Insel, in Auckland, Dunedin, Wellington und Christchurch. Auckland hat die älteste Gemeinde (gegründet 1359) und die schönste Synagoge auf einem von der Regierung geschenkten hochgelegenen Platze erbaut. Auckland hat mehrere jüdische Vereine und eine -von sechzig Kindern besuchte Schule, Rabbiner Goldstein amtiert über dreißig Jahre. Die Gemeinde Dunedin wurde 1861 begründet, -die . heutige Synagoge wurde 1881 erbaut. Dieselbe ist die. am weitesten südlich gelegene Sy-, nagoge der Welt. Die Synagoge in Wellington wurde 1870 er-