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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-29 · 13 (29.3.1918) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
13 (29.3.1918)
Date
1918-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 198 Dr. Bloch's Wochenschrift Xi, 13 „Was für ein Jude, was für ein Geist?" fragen mehrere Stimmen auf einmal. Der Soldat aus der Wolgagegend schaut sich ganz erstaunt die Umgebung an, die vom alten Juden mit dein weißen Barte -nichts wissen sollte. Er .und die Kameraden seiner Kompagnie werden ja von diesem Geist begleitet und verfolgt. Tag und Nacht, unausgesetzt. „Das ist ein. jüdischer Pope, ein Rabbiwie man sagt," erzählt der Soldat. „Unsere Kosaken haben ihn äüsgehängt, in der Judenkirche, mitten int Gottesdienst, vor den Augen aller Betenden, die in weiße Gebetmäntel gehüllt waren. Man sagt, er war ein heiliger Mamt, welcher sein Leben lang nur gebetet und in heiligen Büchern geforscht hat. Nun Zieht sein Geist mit uns und jagt uns von Niederlage Zu Niederlage." „Phantasiegebilde eines bösen Geistes," konstatiert der Gebildete, der gegen die Obrigkeit räsonierte. Der Wolgaer. Soldat versteht den gelehrten Ausdruck nicht und erzählt weiter: r „Der Geist des Alten mit-dem weißen Barte ist es, nicht die Deutschen, der uns all das angetan hat. - Sein Schatten schwebt über unsere Stellungen und wo -er sich Zeigt, ist das Unglück schon da. Erblicken wir den weißen Bart, da wissen wir, daß uns nichtsmehr helfen wird. Da ist's am besten, die Waffen Hinwersen und fliehen. . ." „Einer meiner Freunde," setzt der Soldat, nachdem er die zweite Brotkruste in Rühe fertig gekaut hatte, fort, „hat in der Nacht vor der Schlacht bei Zichanotv selbst gesehen, wie über dem Graben der Alte mit dem weißen Barte hin und her flog. Er fuhr mit der dürren, knochigen Hand aus, als warf er alle Flüche des Himmels auf uns' herab. Am Morgen waren wir so geschlagen, daß mehr als die Hälfte unseres Regimentes getötet war, die übrigen liefen davon oder kamen in die Gefangenschaft, /verfolgt vom weißen Barte, von der fluchenden Hand." Der Aufgeklärte, der darauf bestand, daß die Offiziere und Beamten die Schuld, an den Niederlagen tragen, bemerkt dazu, als schäme er sich des Aberglaubens feiner Kameraden: "„Sie haben sich ihn einmal in den Kopf gesetzt, den Geist des alten Juden, den sie umgebracht haben. Die Mar hat sich sogar auf alle anderen Regimenter übertragen Auf der ganzen Front sieht man jetzt hoch in den Lüften den weißen Bart und die drohende, zum Fluche ausgeholte Hand des alten Rabbi. Die Angst vor diesem geheimnisvollen Feinde ist weit größer als die vor dem deutschen Angreifer. Viele , Soldaten wurden schon wegen Verbreitung dieser verwirrenden Legende hart bestraft. Allem es nützt nichts. Der alte Rabbi mit dem weißen Barte wird noch so manche Gefangenengruppe über diesen Platz führen..." gilt Kapyrus-IrmdAöer^ der^Aurchgang durchs; RoteMeer. Wie das „American Magazine" einem Berichte des „Palestine Exploration Fund" entnimmt, enthält ins vom Straßburger' Aegyptologen entzifferte ältäghptische Papyrus ein geographisches Lexikon der Hauptortschaften des östlichen Nildeltas, von wo aus die Israeliten ihren Weg in das gelobte Land antraten. Der Papyrus erwähntdie im Exodus anfgezählren Ortschaften in nahezu derselben Reihenfolge. Bekanntlich nahmen die Israeliten ihren Weg von dem Lande Gosen auch von derü feststeht, daß es ein Landstrich im östlichen Nildelta war, den die Aegypter ,/Gesem" nannten. Genau genommen, begannen sie ihre Wanderung von der Stadt Raemses uns, und, wie es im Exodus heißt. Machten sie chren ersten Halt in Suckoth. Der Papyrus wirft diesen Ort mit PithoM Zusammen, das ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Der ägyptische Name ist „Pe-Aturü-Zuktn", aus dem mit Leichtigkeit der Doppelname ,,'Pithom- Suckoth" herausgelefen werden kann. Dann wanderten die Israeliten südöstlich und lagerten sich, „gegen das Tal Hiroth, Zwischen Migdol und dem Meer, gegen . Baal-Zephon". Dort holten die Scharen Pharaos. die Israeliten ein, und hier war es, wo Mose auf des Herrn Geheiß seine Hand, ausstreckte, so daß die jJsraeliten trockenen Fußes hinüber zum anderen Ufer wandern konnten, während die Krieger Pharaos,- die ihnen nachf- Zufolgen trachteten, elendiglich in den über sie hereinbrechenden Wassern umkamen. Im Papyrus ist nun die Rede von einem See Kharta. Das Wort Kharta klingt aber üntzweifelhaft an das' biblische „Hiroth" an. Ferner erwähnt der Papyrus einen „Migdal von Baak-Zephon". . Ein Migdal war im alten Aegypten soviel wie ein Forts oder befestigter Turm, und wahrscheinlich stand dieses Migdal außerhalb der Stadtmauern von Baal- Zephon. So bestätigt dieser aufgefundene Papyrus die geographischen Angaben des Exodus in vollem Umfange._ ___ j . Weaconsfiekd-Msraeli. Daß Lord B e a co n s fi e ld-Disr a eli ein bedeutendes Vermögen besaß, welches ihm von einer Verehrerin seines Genius vermacht worden war, ift bekannt, doch nur - wenige dürstenwissen, daß die Dame ''eine Jüdin war, und noch wenigeres dürsten die Umstände bekannt -sein, unter welchen dieses seltsame Vermächtnis stattfand. Während der großen Londoner Ausstellung na- Jahre 1851 schrieb eine ihm unbekannte Dame mehrmals an Disraeli und bat ihn um eine Zusammenkunst. Doch, . ,, als. .einer.n der. königlichen -Koinmisfäre.bei der Ausstellung stark beschäftigt, fand -er keine Zeit, den 'Wünschder'Briesschreiberin zu erfüllen, und gab ihr nur durch eine-kurze Nottz zu wissen,! Hatz er ihre Briefe erhalten. Die Dame war aber durch die 'Nichtbeachtung seitens des großen Staatsmannes nicht . abzuschrecken und schrieb . an dessen Gemahlin, - diese um eine Zusammenkunft bittend. Sie fugte mit echt weiblichem Takt' und kluger Vorsicht, bei, daß ihrem lebhaften Wunsche kein unwürdiges Motiv/ zugrunde liege, da sie sechzig Jahre alt und daher dem Ende», ihrer Erdenlaufbahn nahe sei. Frau Disraeli gab eine zustimmende Antwort, und bei der Zusammenkunft der beiden Damen erklärte jene, sie sei die Witwe eines Offiziers, der mit Auszeichnung in Indien gedient, und da ffie jüdischer Konfession, kinderlos und glühende Verehrerin des politischen und literarischen Genies des Mr. Disraeli sei, so sei sie entschlossen, denselben zum Erben ihrer Hinterlassenschaft einzusetzen. Disraeli faßte die Sache, als sie ihm von seiner Gemahlin mitgeteilt wurde, als Scherz auf, schrieb. aber doch in diesem Sinne einen Brief an seine Verehrerin, inwelchem er erklärte, daß - er durchaus nichts dagegen habe, ihr. Erbe zu werden, wenn >fie es so wünsche. Als Disraeli einige. Tage später im Begriff stand, seine Wohnung zu verlassen, um sich ins Unterhaus zu begeben, händigte ihm sein Kammerdiener einen Brief ein, den er in i>ie Tasche seines Ueberrockes steckte, um ihn bei geeigneter Zeit zu lesen. Doch durch aufregende po-, Mische Debatten in Anspruch genommen, vergaß er den Brief vollständig: dieser blieb mehrere Wochen unerösfnet in seiner Tasche, bis sein Kammerdiener ihn daselbst .fand und seinem Herrn nochmals überreichte. _ Dieser öffnete nunmehr . den Brief und fand ein Billett von der Dgme darin, in' welchem sie. schrieb daß sie sein Zögern, einer Unbekannten ein Zwiegespräch zu gestatten, begreiflich finde, doch zum Beweis, daß sie ihren Vorschlag ernstlich meine, einen Scheck aus 1000 Pfund Sterling! (-20.000 Mark) beilege, welche ihm jedenfalls ' bei' Gelegenheit seiner nächsten Wahl zur Deckung der Unkosten gute Dienste leisten würden. Disraeli stattete nun seiner so liebenswürdigen Korrespondentin einen Besuch ab, um ihr zu danken. Bei dieser Gelegenheit zeigte sie ihr Testament, in welchem sie ihm ihr ganzes Besitztum' unter der Bedingung vermachte, daß Disraeli ihr zweimal des Jahres einen Feiertagsbesuch in ihrem Hause in Torqui abstatte. Vier bis fünf Jahre später starb die Dame, und nach ihrem-Tode befand sich ihr Erbe im Besitz von ,50.000 Pfund Sterling! (1,000.000 Mark) in barem Melde, einer großen Menge wertvollen Geschirrs, Juwelen, einer schönen Bibliothek und eines wohleingerichteten Hauses.

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