Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-29 · 13 (29.3.1918) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
13 (29.3.1918)
Date
1918-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022300-3022314--26766-3052144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

s-v» 196 Dr. «loch'S Wochenschrift Nr. 13 aus einem Laube tanfen, wo die Verwaltung die Leute durch Jahrhunderte arg vernachlässigt. hat. Es', ist sehr leicht, den Stad Zu brechjen, es ist sehr leicht, als Satter über andere %u richten. Wenn Sie Mer das .Elend gesehen hätten, wie die Leute hier ohne Bettzeug waren, denn das hätten sie sich erst kausen.müssen, das Geld dazu haben sie aber nicht gehabt, wie sie mit chren Kindern ohne .Strohsack auf dem Boden schlafen mußten, dann würden Sie anders reden. Ich sage nochmals. Sie sind Wiener, meine Herren, und als Wiener können Sie nicht so schlecht sein, denn wenn Sie dieses Elend gesehen hätten, dann hätte Ihr Mitleid alle anderen Gefühle unterdrückt. (Zwischenrufe.) Es handelt sich! doch nur um die Armen, ich bin nie Vertreter der Reichen gewesen. Ich habe auch, in meiner Tätigkeit nur mit Armen zu tun gehabt und spreche nur von den armen Flüchtlingen. Ich weiß auch bricht, ob alles das, was ich zu erörtern hier gezwungen werde, für uns vorteilhaft ist. In Wien ist ja das schrecklichste auch nicht vorgekommen, aber in dieser Zeit der schwersten Not bei einem solchen Versagen der Verwaltung, die in der Heimat fast gar nichts vorgekehrt hat, um die Leute zu schützen, muß das' einmal gesagt werden. Wissen Sie, meine Herren, daß draußen in ihrer Heimat viele von den Leuten monatelang in verlassenen Schützengräben gewohnt haben? Dann verlangt man, man soll etwas für die Hebung der Population' tun, damit die Bevölkerung wächst. Und auf der anderen Seite zeitigt man Zustände, infolge deren die Kinder in einem Tentpo absterben, daß Jahrzehnte nicht hinreichen werden, um diese Schaden gutzuMachen, die solche Zustände verursacht haben. (Zwischenrufe.) Sie haben ja leider keine Ahnung von der Sterblichkeitsziffer bei den Flüchtlinge!: und insbesondere bei deren Kindern. Ick) habe es bisher absichtlich vermieden, im Wiener Gemeinderäte über die Flüchtlingsfürsorge zu sprechen. Ich wollte ' nicht dieses Thema in einer Zeit zur Sprache bringen, wo die Gemüter nicht hinreichend beruhigt sind, und wo man nicht in der Lage istdie Angelegenheit objektiv zu betrachten. Ich! habe mir aber Vorbehalten, darüber' einmal zu schreiben, denn vvn dem Elend, das da herrschte, können Sie keine Vorstellung haben. Von den Krankheitsfällen und von der Kindersterblichkeit auch nicht. Wir wollen gemeinsam die Wohnungsnot lindern, und ich habe bereits die Herren eingeladen, zu mir zu komvien und 'den Kataster und alles andere zu kontrollieren. Sie Wunen alles bei mir kontrollieren, und wenn einer Ihrer Parteigenossen aus Warnsdorf gegen das unter meiner Leitung stehende Institut im. .Parlament eine Interpellation eingebracht hat, so freue ichmich darüber, denn Ulan soll nur altes genau kontrollieren, ich würde mich> freuen darüber, wenn alle Stellen in Oesterreich einer Kontrolle so ruhig entgegensehen könnten, wie ich. Seien Sie überzeugt,: alles das, was ich an Ziffern angeführt habe, ist volle und reine Wahrheit. Ich wiederhole noch! einmal: Kontmen Sie zur Ueberprüsung zu mir, ich lade Sie dazu ein; wenn Sie aber nicht kommen, dann ist es Ihre Schuld! (Gemeinderat SpalowskySDie Zustande in Men sind aber tatsächlich! unerträglich.) Ich bitte um Vergebung, Herr Kollege, warum sind sie unerträglich geworden? Entweder haben wir einen Staat Oesterreich od^r haben ihn nicht. Wenn wir aber einen Staat Oesterreich haben, dann muß doch für einen jeden österreichischen Staatsbürger die Möglichkeit gegÄen sein, wenn er in einem Lande gewohnt hat, welches vom Kriege verwüstet wurde, das die schwersten Schläge des Krieges erlitten hat, irgendwo wohnen Kn Wunen. Sie haben früher von anderen Bezirken unv insbesondere von Westgalizien gesprochen. Seien Sie überzeugt, meine Herren, es ist alles in Galizien überfüllt, es gibt, dort keine Quartiere. Ich kann auf alle diese Dinge nicht näher emgehen, aber ich kann sagen, man sucht jetzt in Galizien für andere Leute Quartiere und findet sie auch nicht. Wo .sollen" alsodie Flüchtlinge aus zerstörten Ortschaften ihre Familien unterbringe::?■ Sie haben dort kein - Dach, keine Verpflegung, es ist nicht-für die Beheizung, mit-..einem Worte für gar nichts vorgesorgt.- (Zwischenruf.) Es-hat gar keinen Zwecksolche Zwischenrufe zu machen. Mehr als erschlagen kann man mich nicht. Angst habe ich keine, und vertreten werde ich die Leute, zu denen ich gehöre, ebenso wie Sie die Ihrigen vertreten. - Eshat also keinen Zweck, derartige Zwischenrufe zu machen, denn einzuschüchtern bin ich nicht." - 7 - Peffach im alten Jerusalem. Von dem farbenprächtigen Leben und . Treiben des alten Jerusalem zur Zeit des großen Pessachfestes, zu dem-von weither die. Juden zur Stadt pilgerten, um im Tempel ihr Osteropfer darzubringen, entwirft..ein französischer Historiker ein kulturgeschichtlich, fesselndes .und anschauliches Bild. In dem Augenblick, da die heranziehe:rden Pilgerscharen den Kamtv des letzten Berges erreichen,. kommt Bewegung in , die von der langen Reise ermatteten Massen. Denn von hier aus erreicht das Auge zum erstenmal die heilige Stadtderen Zinnen und Mauern gelbleuchtend dort unten - sich ausdehnen. ' , Im Hintergründe, auf denk Gipfel des Zion-Hügels, erhebt sich der majestätische Bau, aus dem terassenförmig die prunkvollen Formen des Tempels chervorwachsen, und alles sinkt beim Anblick des Heiligtums in die Knie. - Dann, aber nähert ffichl der Zug den Stadttoren, an denen Tausende von Läinviern von wachsamen Hütern zusamniengehalten und nach! und nach in das Stadtinnere getrieben werden. Ein^Schar aufdringlicher Bettler hat sich vor dem Tore gelagert, uM den Pilgern mit heiseren Rufen Almosen zu entlocken: es sind die Aussätzigen. Der Eintritt in die heilige Stadt ist ihnen Verboten, und kein Pilger darf sie berühren, ohne unrein zu werden. Sie wissen das wohl zu nutzen - und terrorisieren alle Kommenden mit der Gefahr-ihrer Berührung. ' i 1 Endlich ist man jünt] DtMinnern. Enge, schmutzige Und unregelmäßige Gassen; an den ^Ecken liegen -schläfrige Bettler zwischen herrenlosen Hunden. Das Gedränge ist so dicht, daß man zur Seite treten muß, umauszuatmen. Ein wirrer Lärvi Von Lachen, von Drohungen nnd Scheltworten liegt gleich einer Wolke über devMenge. Und hier ziehen sie nun langsam vorüber, die Inden, die aus allen Himmelsrichtungen herbeikommen, um. in der heiligen Stadt das Pessachsest zu.feiern. Dort kommt eine Schar israelitischer Nomaden, die am! Toten Meere leben. In braune, dunkle Leinengewänder sind sie gehüllt und' mit sich führen sie eine lange Reihe von Kamelen, die mit Saltz und Erdpech beladen sind.' Die Schönheit ihrer Frauen istberühmt. Malerisch über die Schulter geworfen, tragen sie ihre dunklen (Gewandungen und im Vornbergehen sieht man ihre großen,'dunklen Augen und die graziöse Rundung ihrer Arme, die sorglich das Kind stützen, das sie rittlings auf dem Rücken tragen. Tagelangwochenlang sind sie so durchs Land gezogen, aber frei Und stolz schreiten sie 'ansrecht einher, als trügen sie die Poesie ihres ungebundenen Wüstenlebens mit sich auch in die heilige Stadt."; Jetzt kommt eine Schar von Juden, die Antiochia u:rd Ephesus bewohnen. In Heu prnnkliebenden und lasterhaften Städten habensie Goldviel Gold erworben,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.