Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 13 (29.3.1918)
- Date
- 1918-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SeitelSL . ^r. Otyih'S der aus Jesais' Wurzel ersteht, auf dem ruht der Seist, des Herrn, der sich umgürtet mit dem glänzenden, unblutigen Schwerte der -Gerechtigkeit und Wahrheit. Das verheißt unser Pessach. Das singen und sagen wir an chmdas bringen unsere Dichter zum freudigen Ausdrucke, baß vertünden unsere begeisterten Propheten, das lehren unsere Denker, dafür bluten unsere Kämpfer . . . Darum kann kein Leid der Zeiten uns die Freude am ».Pessachsest verbittern. Neben dem Brote des Elends blinkt * der Wein, der die Hergen der Menschen erfreut, im .Decher. . . Sie mögen spötteln über die alten Brauchte Des Pessachfestes die mit modernen Gedanken erfüllten Mnder 'der Welt, aber wissen sollen sie es, ein jeder Hausvater, der am Sederabend den alteit häuslichen Gottesdienst verrichtet, er ist ein König, der sich, frei fühlt von der.Not der Zeit und jubelnd das Friedensreich. verkündet, das Reich der Freiheit und der Freude, indem er die Worte der alten Agada, dieses „abenteuerlichen Buches"/- spricht: „Knech,te sind wir g e w e s e n. . ." Die Gedanken, die in unseren furchtbar blutigen Tagen die gesamte Menschheit bewegen, die Gedanken von der Befreiung der Völker, das, was man Selbstbestimmungsrecht der Völker nennt, diese Gedanken führt uns jene uralte Zeit, in die uns das Pessachsest verseht, deutlich vor Augen. Was wollte der große Volks mann, der FrecheitsMann Moses? Ein Volk, das in Knechtschaft unter furchtbarer Tyrannei lebte, wollte er seiner Bestinänung Zuführen. In dieser Persönlichkeit ist eine Surnme von Energie verborgen, die in einer großen Tat zum Ausdruck kommt, Noch immer wird es nützlich sein, auf Schillers Whandlung „Die Sendung Mosis" hinzuweisen, um das Gesagte Zu verdeutlichen. Aber wo - zu bedarf es' dieses Hinweises? Spricht nicht unser Pessachsest zu uns in.viel deutlicheren, eindringlicheren Worten? Spricht es nicht Zn uns von Freiheit, Kampf und Leid? Für die Freiheit sind wir Juden immer eingetreten, von Moses bis auf unsere Tage. Die FreiheilsUmpser gegen den Zarismus, sie sind von dem alten Stamme, der sich nicht vernichten läßt, der grünt und blüht und herrliche Früchte trägt. Manches schwere Leid Haben unsere Freiheitskampfe uns gebracht, aber gebeugt hat es uns nicht.- Neben dem Wermutsbecher erglänzte Uns der Becher des Segens und Heils . . . Darum wollen wir auch an diesem Pessachseste uns dem Schmerze nicht hingeben. Wir wollen es vielmehr betrach?- ten als Zeit des Ueberganges, der Vorbereitung, des Anbruches eines jungen Frühlingsmorgens. Diese neue Zeit darf uns nicht Unvorbereitet, nicht ungerüstet anrreffen. Das alte Judentum wird in der neuen Zeit neue Pflichten zu erfüllen haben. Aber uns ist um seine Zukunft nicht bange. Das Judentum, das die Ideen vom Volkstum und von der Freiheit schon vor Lahrtausenden verkündete, das diese Ideen verteidigte gegen Pharaonengewalt und Tyrannenmacht, wird auch in der Zukunft seinen Grundsätzen treu bleiben. Und wir werden wieder Pessachseste feiern in Freude und Frieden. Die Zuversicht hält uns aufrecht. Mögen sie wüten unsere Gegner, mögen Schwächlinge von einer.Krise sprech,en, die das Judentum nicht überstehen wird, wir, die wir unsere Vergangenheit kennen, die wir in unserer Agada zu lesen verstehen, wissen, daß diese auch eine „abenteuerliche" Dichtung anführt: „Von dem Böcklein". Diese Dichtung enthält die Lehre unserer Geschichte von dem Heiligen, gepriesen sei sein Name, der die Gewalttäter stürzt, Hbrr ist Wer den Tod, selbst aber herrscht immerdar. Dr. M. Grünfeld. Wochenschrift - Or, 13 Gemeinderat Dr^ Mtler v. Schwar;- Hrüer gegen dir KEchtlinsshrtze^ In Wien wird seit längerer Zeit gegen die Flüchtlinge, insbesonders gegen ' -die--.-Wischen.- '-Flüchtlinge., aus, dem Nordosten des Reiches, eine systematische. Hetze .geführt, an welcher leider nicht nur Angehörige der chrtstlichsozialen Partei beteiligt sind. Diese Hetze kam erst kürzlich wieder zu öffentlichem Ausdruck, als im Wiener Gemeinderate eine große De-, batte, über die Wohnungsnot in Wien dnxchgesührt. wurde. , Um ein weiteres! AgitationsMitiel gegen die Flüchtlinge ausizuschroien, wird jetzt' die Behauptung ausgestellt, daß die gegenwärtige Wiener Wohnungsnot auf die Kriegsflüchilinge zurückzusühren sei. Um die Unwahrheit der siesbeKüglrchen Vorwürfe einmal für immer zu erweisen, ergriff Gemeinderat Dr. Ritter v. Schwarz- Hiller das Wort, um in einer großangelegten Rede an der Hand' von Ziffern und anderen unumstößsichen Tatsachen dem Schtagworte: „Die Wohnungsnot in Wien und die Flüchtlinge", den Boden zu entziehen. Wir bringen aus der Rede im Nachfolgenden einen .kurzen Auszug aus dem stenographischen Protokoll: „Ich bedaure außerordentlich daß fast jede Angelegenheit hier im Gemeinderate, möge sie auch rein wirtschaftlicher Natur sein, dazu. benützt-wird, schließlich und endlich gewisse Momente der Gehässigkeit in die Debatte zu tragen, die mit der Sache selbst nichts zu tun haben. Man sann ja doch um Himmels willen nicht ernstlich für die gegenwärtige Wohnungsnot in Wien jenen' Teil der österreichischen Staatsbürger. verantwortlich machen, welcher in den Mauern der Stadt wohnt. Die Publikationen des Wohnungsamtes können hier nicht als maßgebendes Argument-. -her«n-gßWgeykr---Wrde^ da., die Ziffer von '7700 Wohnungen, die von den Flüchtlingen in Wien besetzt sein sollen, aus Grund des . Zustandes vom 11. April 1917 berechnet ist. Nun haben . sich aber die Verhältnisse seit jener Zeit so gründlich geändert, daß derzeit nur 060 Prozent aller Wiener Wohnungen' von den Flüchtlingen in Anspruch genommen sind. Glauben Sie ernstlich, oder wollen Sie jemandem! ernstlich! glauben machen, daß 0'60 Prozent aller - Wohnungen einer Millionenstadt die Ursache einer Wohnungsnot bilden kann? Das wird Ihnen kein Mensch glauben, das ist auch nicht die Ursache. Nun hat der . Herr .Vorredner — und dagegen möchte ich Mich mit aller Macht verwahren — auch behauptet, daß Flüchtlinge am Nordbahnhof einsteigen, dann in Floridsdorf wieder aussteigen und nach Wien wieder Zurückkehren. In einer großen Versammlung hingewörfen, wirkt so etwas glänzend als Agitations- und AufreiznngsMoMent. Wenn Sie Mer glauben, daß es der Zweck der Stadtverwaltung ist, in einer so wichtigen Frage wie die Woh- - nungssürsorge mit derartigen Mitteln zu arbeiten, so sage-ichdaß Sie aus einem ganz' falschen Wege sind. Ich erkläre, daß diese Behauptung vollkommen' unrichtig und frei erfunden ist. EH gibt ja keine Eskorte. ^Seitdem das Parlament da ist, ist mir wenigstens nicht bekannt, daß das Staatsgrundgesetz Mer die Freizügigkeit aufgehoben worden wäre. Wenn morgen-die beiden Häuser des Reichsrates die Freizügigkeit. aufheben und Se. Majestät der Kaiser-dieses! Gesetz unterschreibt, dann wird die Freizügigkeit in Oesterreich beseitigt - sein, , damr. Wunen Sie allerdings nach der Eskorte, nach Zwang und Gewalt rufen. Heute existiert - das. Staatsgrundgesetz, heute besteht noch die Freizügigkeit und ichj muß.es 'von jedem Parteistandpünkt aus bedauern, daß in. einer Körperschaft freigewählter -Männer der Ruf nach Eskorte,