Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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»Ir* * 12 Lr. VAH'S Wochenschrift Seit» 191 — Die Unnatur allerdings, die, unjüdisch sein wollende und jüdisch sein' müssende Fremdkultur-Marketend er zur Ekligkeit aller Ewigkeiten/ macht, d i e empfindet er nicht. Hier soll mit Absicht nicht versucht sein, seine sachlichen Aburteilungen zu widerlegen. Nicht Schnitzlers Gewicht verteidigt, und nicht die Erwägung versucht werden, ob vielleicht eine echte Künstlernatur, auch in Podwoloczyska geboren, nicht fähig wäre, ein stärkeres, echteres Bild des Artfremden auf die Bühne zu stellen, als ein Gerngrotzmann zu lbegreifen vermag. Nennt man nur Rachel und Sonnenthal, so deutet man schon an, welchen Adel „geringe Jüdinnen" und Juden zu geben vermögen. Hat doch jGrotzmann in jener „Grabrede" mit Eifer zuzeigen sich bemüht, datz ein „Linroächsen des Gemüts" in deutsches Leben Möglich ist, auf der Bühne und anderwärts. „Tin mährischer Jude", bringt er dort als Beweis, der Dichter Jakob Julius David,- istall e Ta ge über der Lutherschen Bibel gelegen undwas an Bildern und Formen aus ihr zu schöpfen ist,. das hat I. I, David mit Andacht in .sich ausgenommen'"*) Auch Heinrich Heine hat der deutschen Sprache diesen und jenen Wert gebracht, sagt Grotzmann ebenfalls zu diesem Beweise des „Einwachsens". Oder ist dieses Einwachsen nur durch die wandelnde Kraft des Taufwassers möglich?» Aber . viele von dieser Art spüren ja die Bluts-, Fähigkeits- und Wertsuntwandlung »schon bei der Konfessionsloseüklärung! -Bewirkt gleich das Kultussteuer-nicht-zahlen-wollen eine Transubstantiation? » Uebrigens sind es, wie hervorgeh oben, besonders die „Polnischen". denen. Grotzmann schon lange grollt. Vor fünf Jahren noch spürte er, immer ein Vorahner und Vorschmecker — ein Vorschmock, sozusagen —- das, was man heute Ostjudengefahr, nennt. Er schrieb.: „Der Assimilationsprozetz der Juden in Oesterreich wird dauernd erschwert durch das fortwährende Zuströmen polnischer und russischer Juden . . ., die einen Zustrom galizischer Juden in Wien bewirken ... Je drückender das Los der russischen Juden, desto stärker der Zuzug nach Oesterreich, desto heftiger die fast physiologische, antisemitische Reaktion' in .Wien." Da spürt man deutlich den Resler dieser physiologischen Reaktion — „diese Schmutzigen Mit Kaftan und Pejes!" — auch bei ihm, dem Ur-Urwiener, dem in seinen Eltern vielleicht »aus Meseritsch zugereisten oder aus Nagy-Kanisza. Ich kann mir nicht helfen: mir als Rur-Juden fehlt div „neue Lebenslustigkeit", die Grotzmann bei vielen Assimilanten als von den „Anderen" herübergenommen mit Freuden konstatiert. Und so bin ich imMer tief traurig darübe):, daß „das Wien und das Schönbrunn und das Salzburg", die Erotzmann in seiner schwerdeutschen, Mjüdischen EMpfindungsfähigkeit so heiß liebt,- als „Deutscher von jüdischer Mutter geboren", so ganz erfühlt — traurig. binich darüber, daß all das Deutsche ihm und seinesgleichen nicht ein Hundertel, ihrer Liebe erwidert. (Und er ist ja so tief erbost gegen die Zionisten' die nach seinen Woften den Juden „das Mißtrauen gegen das nako-n atürlich e Wohlwollen des christlichen Nachbars giftig einbläuen!") Ein Beispiel: „Dev jüdische Untergrund gab dem Deutschtum eines Otto Brahm eine tiefe, schillernde Tönung, aber, sein Bestes, seine Treue . . . waren deutsche Tugenden", ' versichert dieser unser Sachverständige für deutsches Urwesen in. dem' Zusammenhänge, wo er klar beweist, datz die Juden keine Nation sind. Das »gibt ihm. Freude und Beruhigung. Mich Armen aber stimmt dabei das Unrecht traurig, das das Wiener — doch deutsche — Burgtheater dem Brahm rekte Abrahamson. gegenüber beging. Er hatte s i ch . und, seinem .Volke und diesem Theater eine aufopfernde Treue bewiesen,, indem er in-her Aussicht auf den Vurgtheater-Direktorpostensich: kurz, von seinem. Tode iln Berlin für Wien katholisch taufen lietz. Doch diese seine. Nibelungentreue, sogar antizipando erwiesen, wurde ihmi nicht einmal im nachhinein honoriert. Er bekam den Postenn i ch t. . Auch das.fand ich tragisch: In jener „Grabrede auf den Zionismus" stellte Grotzmann fest > Das Schauen der Juden ist „immer durch fortwährendes Zweckdenken getrübt"; er besitzt nicht die Fähigkeit, „eine Wiese als Wiese, nicht als Grasgewinnungs- - mittelanzusehen. Immer schwebt ein. Wozu? über den Sinneseindrückem dos in die Handelswelt Eingesperrten". — Und als ich nun . las, wie da. Grotzmann. dozierte, datz wichtiger als das Spiel der Linna Lossen ihre Bedeutung für den Wunsch der Siebzehnjährigen- und noch derlei ist, da mutzte ich mitleidig: seinen treffenden- Ausspruch wiederholen: „Immer schwebt ein Wozu? über dein Sinneseindrückeu des in die Handelswelt Tinge sperrten"! Wrahant Schwa d r o n. - *) Jetzt verstehe ich erst, warum dieser -I. 'I. David sich katholisch hattaufen? lassen; weil er nämlich alle Tage über Luther gelegen ist. ' Ich will schon annehmen, datz, wenn er * in . Berlin , statt in Wien gelebt hätte, er sich protestantisch. hätte taufen lassen, wobei er wohl alle Tage über Dr. Eck gelegen wäre. ' —- Das Seelenleben aller dieser großen Neodeutschen ist nun einmal kompltziert. Mrratur. Die Juden in der Geschichte. Von Prof. Dr. Egmont Müller, Prag 1918. Verlag : Braumüller, Wien. höchst aktuelles und wahrhaft dankbares Thema behandelt die vorliegende Schrift. Der Leier nimmt dieselbe mit der Frage zur Hand, wie ein so vielbeschäftigter Arzt, Universitätsprosessor und Direktor des Handelsspikals noch Zeit findet, von seinem Berufe abseits liegende Probleme zu erörtern. Doch läßt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen ärztlicher Praxis und dem hier verarbeiteten Stoffe nicht verkennen. Wir sehen hier den Internisten, welcher immer wieder das Bestreben zeigt, die inneren Krankheiten des Menschen zu durchleuchten, nun versucht, die ilner.' rankhelt der' m.'iuststüyen Gesellscynsi — den morbus teilt* poris — bkotzzulegen und auf die ersten Ursachen zurückzuführen. Denn nur als Zeichen des Rückganges, der Dekadenz, können die von unseren Rassentheoretikern und Bibel-Babelforschern aufgestellten Behauptungen gewertet werden. Diese bezwecken bekanntlich. Hatz in die breiten Schichten des Volkes zu tragen, die Ee>ellschaft zu zerklüsten und zu fanatisieren. Run packt der Verfasser mit sachkundiger Hand und festem Griff die wunden Stellen unseres öffentlichen Lebens, zeigt ihre falschen Konklusionen auf und ermahnt die Pseudopropheten des Rassenhasses und der Unduldsamkeit, den Weg der Völkerverbrüderung zurürtzufinden. Diese Tendenz verfolgen auch die Unioersitätsvorträge des Autors über „Arzt und Gesellschaft", von welchen die vorliegende Schrift einen Abriß darstellt. Schon die Urgeschichte des jüdischen Volkes lehrt, datz die ersten . „Habiri" i Hebräer) am Beginn ihres geschichtlichen Daseins Ackerbau trieben. Ihr geistiges Leven schufen zuerst Moses, dann die Propheten und vie späteren Lehrer der takmüdischen Hochschulen und mi.1ekal!e.lichrn Akademien. Gewiß kannte Moses die Gesetze des Kammurabi und verstand es gerade deshalb, seine Lehren -ethisch viel höher sowie auch volkstümlicher auszugestalten. Datz hervorragende jüdische Aerzte im Mittelalter allenchalben' eine segensreiche Tätigkeit entfalteten, mutzte diese Schrift eines Arztes selbstverständlich des näheren erörtern. Ebenso können wir der Hypothese zustimmen, datz. die jüdische Zugehörigkeit eines mittelalterlichen Autors vom Titel seiner Werke abgeleitet werden könne, sofern jeder andere Beleg fehlt. So ist z. B. der Verfasser des arabischen Buches über Hygiene, „Zaidat-ulmufafir", als Jude anzusehen (Seite 23), da dieser Buchtitel eine genaue Uebersetzung des Genesis (Kap. 42, und 45,2t) zweimal' vorkommenden „Zeda la-derech." — „Proviant für den Reisenden" bildet. Die Seite 33 angeführte Bemerkung, datz das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" sich nicht nur aus den Volksgenossen,, sondern auch auf jeden Menschen bezieht, habe ich im Aufsätze „Das Gebet im Islam" („Oesterreichische Wochenschrift", Nr. 6, vbm 10. Februar 1912) bereits hervorgehoben. Denn die Bibel bezeichnet einen Glaubensgenossen gewöhnlich mit dem Worte: Fltt — „Och" — und einen Mitmenschen mit — „Rea" — wie hier. — Wir ersehen aus dieser Schrift, -daß der geschätzte Autor nicht nur ein guter Mensch und guter Arzt, londern auch ein guter Apologet ist. Dobrisch, im März 1918. Dr. I-Eisenberg, ' Eerichtsdolmetsch und -Translator für Arabica et Hebraica. „DBloxa." ' Von Rabbiner Dr. B. H ei tz. Siffek. Ein kleines, in pädagogischer Hinsicht interessantes Büchlem -hat Aug. Krohn in seiner „Debora" uns gegeben. Der Religionsunterricht, ' zumal biblische Geschichte, ist ja für erwachsene Schüler ein interessantes Material, ebenso, aber oft unverständliches. Spielen doch in der biblischen Geschichte oft transzendentale Momente mit. die 'dem aufgeklärten Schüler als etwas Unwahrscheinliches erscheinen mögen. Denken wir bloß'an den Uebergang über den Jordan, Jericho, Elias' Flug gen Himmel u. a. Es braucht eine gewisse Geschicklichkeit des Lehrers, um solche biblische Stoffe den Schülern erfolgreich Vorzutragen und ihnen die Wahrheit dieser biblischen .Geschichten zu demonstrieren.' In dieser Hinsicht 'mutz die „Debora" von Aug. Krohn als sehr lehrreich 'und nachahmenswert bezeichnet - werden. Er beherrscht den Stoff und gestaltet ihn in seinem evangelischen Unterricht anschaulich und konkret, so datz er dem Schüler Interesse und Anregung abgewinnen 'mutz. Allerdings ist die „Debora" nicht aus dem biblischen U rst e r t geschöpft und daraus erklären sich die verschiedenen Mängel ünd unrichtigen Schlußfolgerungen >inder „Debora"-Komposition. Die „Debora" behandelt vorzüglich die Richterzeit; setzt mit der Frage ein: 'Wie kamen die Stämme Israels in den -Besitz Kanaans und was 'bewog sie, aus Kades jfortzuwandern, da siedoch nirgends es besser, finden konnten, als sie esin K a d^e s .hatten? ' ' - ' ,