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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-22 · 12 (22.3.1918) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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KM 190;r: Dr. BloM'S WoHrnWrifi «r, 12 Austritte aus dem Judentum. VoM 10. bis 16. März 1918. Pollak Karl Ludwig, Expedient, geb. 2. August 1888. Wien,, 8. Bezirk, Rennplatz 8. - Reich Irma, geb. 12. Februar 1894 Wien,, 8. Bezirk, Josefstädterstraße 56. v Pollak Emilie, geb. 12. Januar 1864 Loilwcin (Riederösterreich) 20. Bezirk, Klosterneuburgerstraße 98. Rnfsi Hugo, Ingenieur, geb. 15. November 1875. Triest, 5. Bezirk, Schönbrunnerstraße 21. ' BreitenfeK» Marie, geb. 20. Marz' 1895 2. Bezirk, Ezerningasse 21. Rotier- Stella Melitta, geb. 1. November 1895. Wien, 3. Bezirk, Maroklarrergajse 1«. Kahn Elsa, Kontoristin, geb. 16. November 1889- Wien, 7. Bezirk, Westbahnstraße 35. Hoffmann Reg ine, geb. Andrafchitz, geb. 29. April 1883 Wienj, 12. Bezirk, Wolfganggasse 31. Kuhn Edith, Beamtin,, geb. 18. Dezember 1888 Wien, 7. Bezirk, Neustistgasse. 54. Rosenfeld Helene, Dienstmädchen, geb. 19. Juli 1903, Walterskirchen, Mistelbach. * * * Eintritt in das Judentum. . Friedrich Srleitf ch, Beamter, geboren 25. Januar 1892, Unter-Wattersdorf (Niederösterreich), XL., Rauscherstraße 10/28, ist ins Judentum eingetreten. Pohrlitz. Herr AloiL Sofer und seine Gattin, geb. Bader, feiern am 21. d. M. das Fest der Silberhochzeit. Aufnahmsgesuche für das Gleichenberger Hospital, sind bis Zum 6. 'April in der Kanzlei des Hof- und Gerichts ad v o taten Dr. Ferdinand R^eich, Wien, I., Salzgries Nr. 7 (Fischerstrege Nr.. 10), einzubringen. / . Gleich wie im Vorjahre, hat der .Vorstand das Hospital dem-. KurverLande.- -überlassen urch. .erfolgt / die Besetzung der Plätze durch den Kurverband'. Die Gesuche sind zu belegen mit dem ärztlichen Zeugnis, eventuell einem, Mittellosigkeitszeugnis, und ist in dein Gesuche der Zeitpunkt .anZugeben,. für welchen die Aufnahme gewünscht wird. Der Kurverband berücksichtigt nur die Gesuche von in Wien ansässigen .Bewerbern. KraMu. Hier ist vor einigen Tagen der Saloschitzer Rabi>i Äbr. Moses K l i n g b e r g im After von 79 Jahren verstorben. Der verewigte Rabbiner genoß hohe Verehrung in weiten Kreisen, die sich in der allgemeinen Trauer um seinen Heimgang und in der Zahlreichen Beteiligung Mer Parteien an der Beerdigungsfeierlichkeit tzrndgaü Trauerreden dursten nicht gehalten werden. An der Bahre trauern die allgemein verehrte Rabbi-' nerin und der Sohn, der stellvertretende Oberrabbiner, welchen allgemeine Teilnahme^ sich Zuwendet. Josef SLernberg. Wie aus einem Juden eru Arier ward (Rachgewiesen an Stescm Eroßmann.) Auf den Gebieten des modernen Eeschäftslebens, die. Kunst Literatur, Wissenschaft nsw. genannt werden, findet sich eine gewisse Mischung von 'Jüdisch und Arisch, die viele als furchtbar übelriechend empfinden. Und viele unter den so Empfindenden bleiben bei der Konstatierung nicht stehen. Eine Gewißheit wird in ihnen rege, >daß eine Entmischung, eine ehrliche Scheidung äußerst notwendig, unaufschiebbar sei. — — Und wer es weiß, 'daß nicht genügend viele Juden diese Empfindung und Gewißheit teilen, darf es 'als ein Glück empfinden, daß zumindest viele, viele Arier sw fühlen-und die Entmischung ersehnen — mögen diese Arier auch, als Antisemiten oder Asemiten. disqualifiziert,. bei unseren Mischungssüchtigem nicht Mltzählen. Gibt es Hunde, so sage ich Gott Dank dafür, daß er Peitschen wachsen ließ. Stefan Großmann, der sozialdemokratisch-anarchistelnd begonnen und jetzt für. die „Vossische" Md „Neue Freie Presse" schriftstellert, schmeckt jene Mischung auch schon lange nicht. Es war zu jener' Zeit, als durch, die- Pogroms, die Lebenstatsachen der russischen Juden dem - westeuropäischen Gesichiskrei-s nähergerückt worden waren. Die „Juden" von Tschirikoff, Schalonr Asch' ,, Gott der Rache" und andere /russisch-jüdische Dramen kamen auf die deutschen .Bühnen. Damals faß Großmann noch im kleinen Kramladen der Wiener „Arbeiter-Zeitung", so ganz demnach im. klein-rein jüdischen Milieu. Trotzdem oder darum empfand er als einziger unter den Wiener Kritikern die Schädlichkeit dieser „Verjudung" der deutschen Bühnen , und äußerte sich indigniert darüber. Es 'half ihm nichts. Ein großer .Teil der neueren Milieustücke, besonders der erfolgreichen, sind mehr öder weniger, zumindest durch e i n e Figur, Ost- oder Westjuden-Stücke. Das ist, objektiv angesehen, recht so. Denn wohl 75 Prozent der tiefer . interessierten Theaterbesucher Wiens zum Beispiel sind Jüdinnen und Juden und so muß sich billigerweise ihre Art irgendwie, unmittelbar -oder mittelbar, in den Stücken spiegeln, zu denen sie laufen. > Vielleicht 'ist dies auch als Anzeichen dafür erfreulich, daß infolge der jüdischen Bewegung der letzten zwei Jahrzehnte sich manche Kreise bisweilen über das Sich-schämen mit allem Jüdischen zu schämen beginnen. Der wahre Wert allerdings des Großteils dieser Stücke, der künstlerische und jüdisch-erzieherische Wert — das ist eine andere Frage. Jnsoferne sie ehr Bild sind oder Nester eines Bildes der jetzigen unjüdifch getünchten Judenkultur in den westeuropäischen Theaterstädten sind sije um so . erbärmlicher, je.mehr der Geist dieser Kultur in ihnen lebendig ist. Also könnte man in vielen tatsächlichen Voraussetzungen miit Eroßmann übereinstimmen. Doch aber kommt es! bei derlei nicht bloß''auf die Konstatierung der Misere än. Vielmehr wesentlich darauf, wie ein Jude, ein in der fast reinjüdischen Wiener Wollzeile geborener und in der Matrikel als „Samuel Eroßmann" eingetragener, auf jene unangenehmen Empfindungen reagiert. ' . Einen Essay über Lina Lossen nämlich hat er zu folgenden Bekundungen seines alten Dranges zur Reinigung und Erhöhung deutschen Wesens benützt: - ,, . . . Wichtiger ist, daß der unbewußte Wunsch der Stzbzehnjährigen unversehens auf der Bühne' das Bild einer Frau finde,, nach dem der/. Typus der Geliebten von morgen geformt werden kann. Das ist die große 'Bedeutung der Lina Kossen':' nach ihrem Ebenbilde könnte der viel zu viel beschwatztes den' 'meisten undeutliche Typus der . . . deutschen Frau von niorgen geformt werden! Wie hat es dem deutschen Leben geschadet, daß auf dem deutschen Theater der letzten fünfzehn Jahre fast leine Schauspielerin gestanden hat, die man anbeten konnte! ... Kleine polnische oder Leopokdst ä d t e r I u d e n m ä d ch e n, die nicht gehen konnten, aber tanzen wollten,, hatten mit der Anmaßung, die aus . einem gierigen Le b e nswillen stammt, solange nach . allen interessanten Rollen gegriffen, bis schließlich alle Jnteressantheit abgetan war.' Die letzte Schönheit des deutschen Theaters war Eleonora Düse . . . Dann gab es. allerhand trübe Mischungen : eine deutsche <D-use,aus Budapest, eine,Duse laus der Wiener Leopoldstadt, ein dämonisches Duschen aus Wilna . . . (Lina Lossen) ist eine Deutsche — auch das: Abenteuer hat. da seinen Ernst. Als fte Schnitzler spielte, -da drang ihr großer Blick tiefer als der Dichter.. Ihre Pausen waren, bedeutender als sein Dialog. Sie ist nicht gewichtslos — sie gab Schnitzler! Gewicht.^.. Sie gibt eiine /geringe Jüdin und man spürt eine deutsche Adelsseele. Andere geben deutsche Adelsseelen und man spürt nur die g e r i n ge- Jüd in« . . ." So sagt Großmann. Der Geist und Ton dieser Mißwertung! Die -sind für eine - Klasse jüdischer Literaten, die gewalttätig un jüdisch empfinden Möchten, so charakteristisch, daß ein Antisemit darin mit Recht — in seinem Sinne — die echt jüdische ,,Anmaßung, die aus einem gierigen Lebenswillen stammt", sehen könnte, die Großmann eben bei den „kleinen Jud'enmädchen" konstatiert. Da ist eine Intention, die sich auch dadurch charakterisiert, daß der echt- - und schwerdeutsche Grotzmann den Schnitzler, das Jüdische an ihm natürlich, als gewichtslos empfindet .und wertet. Und soll, diesem Jüdischen Gewicht verliehen werden, so muß es durch solch,ehr deutsches sein, wie es ungefähr in — .Stefan Großmann lebendig . ist. Er. ein „ins deutsche Leben glücklich Verwebter",/ hat sich durch „im innersten Erlebnis erworbenen R e i ch 1 u m" und Einwachsen des Gemüts" — wie er an anderer Stelle von. sich behauptet —vollkommen in das Deutsche versenken und sich so Tiefe schaffen können. . Ansonsten hat Großmann für „e r w o r b e n e n Reichtum" keinen Sinn; ihn erfüllt eine starke Sehnsucht nach' Statut Eine so heilige, daß er. in seiner „Grabrede auf den Zionismus" (im „März" 1913) bei den Juden einen Mangel an Landschafts¬ und Naturgefühl konstatiert, und bei ihm ist nniner das das Allerhöchste, woran es den Juden angeblich oder wirklich mangelt.

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