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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-22 · 12 (22.3.1918) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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. Settel sn Dr. MloK's imd geschrieben worden, ohne Vas Rätsel zu lösen. Und doch-liegt die Lösung des. Rätsels' nicht ferne. Der Jude -WW,-?MtdemSer.''nnf;'dem! Planeten existiert, eine geradezu wunderbare Eigenschaft. Man lieht sie int all- Mlichen Lchen : er. gibt sichnk auf, er ist nie hoss- ÄingUos. Der Jude ist darum trotz aller sozialerr Ent- \ wMnngen nie ein Proletarier in dem Sinne, wie der nichtjüdische Arbeiter, der einverstanden ist, daß nicht nur . er selbst, sondern auch seine Söhne wieder Arbeiter süld und bleiben. Immer hofft er selbst auf eine Zukunft, und wenn er sie nicht selbst sieht, so will er sie bei seinent Sohne oder Enkel sehen. Diese Hoffnungsfähigkeit der einzelnen Individuen summiert sich zu. jener Widerstandskraft, welche die Grundlage der Mischen Geschichsse ist.; Freuen wir uns nicht nur dieser Widerstandskraft, wir.haben das Recht, auf sie stolzzu sein, wir haben sic nicht nur für uns, wir hoben, sie geübt für die gesamte Kulturwelt. Ich greife auf einen Gedanken zurück, den ich schon bei . einer"änderen Gelegenheit ausgesprochen. Ich er-, innere an das Wort jenes Juden, welcher vor 2000 Jahren die geistige Welt revolutioniert, die heutige Atmo- . sphäre geschaffen hat: Jesus ,Christus sagt zu seinen Aposteln : „Gehet hin und predigt, ihr seid, das" Salz der Erde." Die zwölf Apostel sind nur die Symbolisierung der zwölf Stämme Israels. Was er von den Aposteln sagt, gilt von den Juden überhaupt, sie waren ' tatsächlich geistig und ökonomisch das Salz, der Erde. Sie sind es heute noch. LD sie es weiter noch sein werben — tver kann wagen, es zu sagen? 'Wir Wnnen hierüber nur eine einzige Be rntntung aussprechen. Im Mittelalter haben alle Staaten das geradezu äntomatische Bestreben .gehabtder territorialen Muhlitz der Emheit des Staatshäuptes die Einheit des einen Gottes anzufchließeir. ^Onsus regio ^ejus.^ religio.“ Von dieser Zeit her haben auch heute. noch alle unsere Staaten mehr oder weniger ein kirchliches Kleid und neben diesem und so lange es nicht verschwunden, ist die wahre Geistesfreiheit noch nicht in Erscheinung getreten, wird immer das - Streben nach einer gewaltsamen Uniformierung des. Geistes nicht verschwunden sein. Gegen diese ' Gewaltsamkeit waren die Juden immer ein lebendiger, nicht abzuweisender Protest, werden es bleiben, so lange ' dieses Bestreben und sie existieren. Und wenn auch sonstige Vermutungen hierüber keineswegs fehlen, so sollen politische Erörterungen dieser Art die. Trauer um einen Mann nicht stören, dessen Wert nur der zu'schätzest weiß, dem es beschieden mar, eines solchen Mannes Freund zu sein. „Naar hojisi wegam sokannti", ick bin iung gewesen, ich bin alt geworden und sich habe es indiesem meinem! langen Leben immer als eine Gunst des Schicksals betrachtet, daß es mir vergönnt gewesen, so viele Männer kennen M lernen, die ich verehren konnte; die einen wegen ihres hohen Geistech andere. wegen ihres tiefen Wissens, wieder andere wegen ihrer öffentlichen Tätigkeit usw. M dies sM jedoch! nur. einzelne Eigenschaften, für den Menschen als Ganzes gilt ein stierest Standpunkt; sein Mettes Wohlsein, seinen eigenen Schmerz zu fühlen, diese Fähigkeit besitzt jedes Lebewesen. Aber nur der Mensch, dieses nach dem naiven nrrd doch so treffenden Ausdruckes.der Bibel Ebenbild Gottes — ein letzter Gedanke, über den auch noch keine Philosophie hinäüsge- Hügtsist — ist imstande, die ftemde Freude, den freut-. Mck,Ichmerz mitzusühlew. Das Ausmaß darum, inwel- ^Mm' eich'Menschi diese Fähigkeit besitzt, ist der Maßstab .W^feinen Menschenwert. „Edel sei der Mensch, hilfreich Iutsi? Von diesem Standpunkt aus kann ich stur Wochenschrift «r. k sagen: ich habe keinen besseren Menschen gekannt als Wilhelm Anilin g er, diesen einfachen und in seiner Einfachheit intmer. so vornehmen. Mann. Ehre, dem Ehre gebührt, Ehre seinem Namen. Amen. Anrnerkung der Redaktion: Durch beit reichen Gedankeninhalt, wie nicht weniger. durch die ' glänzende Form', reicht das Denkmal, welches. der hochverehrte Herr Einsender seinent verstorbenen jüngeren Freund ttt Obigem gesetzt hat, weit über einen bloßen Nekrolog hinaus, an die Muster der besten englischen Essays. Die Redaktion glaubt, im Sinne tlnseres Leserkreises zu.handeln, wenn sie dem hochverehrten Verfasser für diese Zusendung den Dank ausspricht. SigmiMayer, dessen erst jüngst unter dem Titel „Wiener Juden" Lelieserte Kulturgeschichte der Wiener Judenschasi eine solch sireudige Ausnahme im'Publikum, eine solch hohe Anerkennung ttt der Wissenschaft gesunden har, und in der ersten Auslage bereits vergriffen ist, steht im 87. Lebensjahre. Freuen wir uns. des zu uns gehörenden Matntes ml nieo schonim ad mnltos annos. A«» der Woche JüdischmatiMaleForderungen. Gelegentlich der fortgesetzten Besprechungen des Ministerpräsidenten Dr, R. v. Seidl er und des Ministers des^ Innern Gras T o g g e n b u r g mir den Zionisten Abgeordneten Dr. S trau che r, A. S t a n d und Staatsbahnrat Robert Stricker legten diese folgende Forde rungen - namens der jüdischen Nation vor: 1. An e r - ken n u n g der jüdischen Nationalität und Gewährleistung des freien Bekenntnisses dazu; Konstituierung der jüdischen Nation ^durch Schaffung', eines Reichsverbandes. 2. Anerkennung. des Rechtes aus Erziehung der Jugend. 3. Vertretung der Juden entsprechend ihrer Zahl und Steuerleistung im Rei chs r ate und in allen Bertretnngskörpern durch Bildung von jüdischen W..a.h.) - kur reu und Einführung . des Proportionalsystems.; 4. Verrretung der Inden iur Rate der Kronc und in den Ministerien, Einrichtung von jüdische.n Referaten bei allen Zentral- und Landesstellen. 5. Aushebung aller gegen den freien Gebrauch der hebrätscheil und jüdischen Sprache gerichleten. -Verbote. Die beiden -Minister sagten zu, die Angelegenheit gründlich und wohlwollend zu prüfen und den ihnen vorgelegten Wünschen bei der Berfassungsresorm nach Möglichkeit Rechnung tragen zu wollen. Radoslamow für die Gleich bergch>tignng der Juden in Rumänien. Sofia. Ministerpräsident Radoslawow erklärte in der Sitzung des S o b r a n j. e: „Die Bulgaren unter- hielten immer zu ihren'jüdischen Mitbürgern die besteit - Beziehungen. Die Jrtden bei uns genießen alle .Rechte. Mus dem -Schlachtseldc gaben sie glänzende Beweise von Tapferkeit und Patriotismus rmd? in den Verhandlungen mit Rumänien werden wir uns dafür einsetzen, daß den - Juden des benachbarten Rumänien alle Rechte garantiert werden." Die Türkei für die Juden. / Bor seiner Mreise nach Bukarest hat der Großwesir dem Großrabbiner -der Türkei N a h u m erklärt, die ottomanische Regierung habe entsprechend ihrer Hochschätznng des! jüdischen Elements ihren? Abgesandten für. die Bukarester Konferenz die Anweisung erteilt, bie Frage der Gewährung der bürgerlichen' und volicischen Rechte an die Juden in RumÄniett in Erivägung zu ziehen.

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