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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-03-22 · 12 (22.3.1918) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
12 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch's WoihenMrist Tekt» 1« Joffe — russischer BotschMer in Berlin. P e t e r sb u r g. Der frühere Vorsi^ende der russischen Friedensdelegation von Breft-Litowsk, I o f s e. stst zum Botschafter in Berlin ernannt worden. Tirpitz gegen die antisemitische Strömung in der Paterlandspartei. A n r w 0 r l s ch x eibe n an eine i u b is ch e V e r e i n i - gung. ' Ter Zentralverein. deutscher Staatsbürger' jüdischen Glaubens chatte, nne die Blätter Melden, au Großadmiral v. T irpi tz eine Anfrage gerichtet, wie er sich zu einigen a u t i s e m i tu s ch e n B o rk o m m n i s s e n innerhalb der Vaterlandspartei stelle. Darauf antwortete Großadmiral v. Tirpitz, er könne nur lebhaft bedaue r n, daß der Name der Vaterlandshartei gelegentlich von antisemitisch gesinnten Herren mißbraucht werde. Er werde Nochmals''den Landesvereinigungeu gegenüber die grundsätzliche Stellung der Partei in dieser Frage beronen. „Ich wäre dankbar," so' schreibt Tirpitz weiter, „wenn Sie mir alle Vorfälle dieser Art ,nitteilen wollten, denn unseren Sa tz u n ge n w i d e r sp r i ch t e§ ganz direkt, wenn im Dienste der Vaterlandsvartei sich antisemitische Bestrebungen geltend machen. Der Vorstand würde solchen?A n s s ch r e i t n n g e n stets entgegentrewu, wenn, sie im Dienste der 'Vaterlandsvartei geschehen sollten." ' Auf Beschl des Herrn BezirksvorsLehers. Folgenden Vvrsall publiziert die „Arbeiter-Zellung" vom. 15. Mürz: Bei der Bedarfsprüsnttgsstelle des Volksbekleiduugsamres im neunten Bezirke war eine Frau M W.' provisorisch als Kontoristin angestellt'worden. Vor einigen Wochen erschien nun der Bezirksvorsteher Stary und stellte an die dort tätigen Mädchen die Frage, welchem Glaubensbekenntnisse sie angehören. Als nun Frau M. W. erwiderte, daß sie Jüdin sei. erklärte der Herr Bezirksvorsteher: „I ü d i n neu k ö n n e n w'i r d a ii i ch t b r a u ch e u." Nun ist die Bedarfsprüfungsstelle eine Abteilung der S t a t t h a l t e r e i, und ein naiver österreichischer Staatsbürger würde glauben, daß der Herr Bezirksvorsteher dott nichts zu suchen, noch weniger zu', fragen und am allerwenigsten zu befehlen hat. Dies ist aber ein Irrtum'. Frau M. W. wurde von der Statthalterei auf Beseht des Herrn Stary entlassen. Erst auf Vermittlung des Sekretärs der österreichischen „Union", der beim Vizepräsidenten der Statthalterei v. Reißig vorsprach und ihm die Frage vorle.gte, ob die Weltanschauung des Herrn Stary: „Wir können keine Jüdinneil brauchen", auch die der Diatthalterei sei, wurde Frau M. Wivieder angestellt, diesmal aber im zweiten Bezirk. Es ist gewiß nicht verwunderlich, daß Herr Stary seinen Antisemitismus im Heldenkampfe gegen eine arme jüdische. Schreiberill betätigt, während man von einer Bekämpfung der jüdischen Großkapitalisten durchs den tapferen Bezirksvorste'he.r nichts weiß. Im Gegellt eil, ob er die Kriegslieserungen, an denen er reich geworden ist, nicht mit Hilfe jüdischen Geldes.durchgeführt hat. Eher muß man sich darüber wundern, daß die Statthalterei auf Beseht eines Bezirksvorstehers sofort zusammenknickt. Wir empfehlen ihr 'deshalb, bei einer etwaigen Anstellung einer Schreiberin diese zuerst dem Herrn S t a r y zur Besichtigung und Begutachtung zu schicken; denn sonst könnte die hohek. k. Dtatthalterei leicht wieder Gefahr laufen, das Mißfallen des furchtbaren Sattlermeisters zn erregen. - B- Schum Wsroel. In einer vortrefflichen Skizze Wer^Land und' Leute im besetzten Ostgebiete, die den Schriftsteller. Armold Zweig (nicht zu verwechseln mit Stephan Zweig, dem Dichter des „Jeremias") zum Verfasser hat, begegnen wir der Schilderung eines Gottesdimstes in Wilna, Wie wir hier wiedergeben, weil fi: zu den Tausenden von lrchrarifchen Zeugnissen Wer die faszinierende Wirkung Mferes Schma Jisroel-Gebetes ein wertvolles neues Urteil fügt. ' ' ' In dem schmalen grünen Hofe, schreibt Zweig, der voll ist vom Volk ^er Judengasse, öffnet sich die alte eiserne Flügeltür. Tief überrascht, fühle ich mich eingeschlnngen vom Helten, hohen und weiten Gewölbe der großen "/Schul". Um ihre vier starken Pfeiler drängt sich hie Menge, die sie ganz erfüllt, dicht füllt,Wo daß ich mich mühsam nach dorn zwänge. Henr' ist der Saobar des Monatsansanges; der große Kantor H erschmann und sein Chor singen. In fanatisch reinen merzen und Sexten steigen die Knabenstimmen empor, hoch hinauf, immer höher, leicht strahlend und süß entfalten sich oben ihre Kantileuen Wer dem tragenden Gewicht der Bässe. Auf ihnen aber ruht, ausgebreitet, von Können ae'ättigt und mild in ihrer Reife, die Stimme dieses.'Mannes wie eine Kuppel aewichrlos und abschließend- Aber dann wendet er fein Gesicht dieser Menge zu, Wie in ihrer ganzen Lebendigkeit erstarrt und lautlos steht, uudmit der Gewalt eines doch noch beherrschten:Feuerausbruchs ruft er ihnen das „Höre, Israel!" entgegen. In diesem 'Augenblick ist die süße und kunstlose Harmonik des Chores, ist seine eigene Technik der) Inbrunst und die Kunst seines Singe ns völlig oerMchtet: diese Stimme ist selbst der Glaube, der unwandelbare, herrliche: und heldische Glaube der Juden am ähren einen und unteil:- baren Gott. Jeder dieser Menschen, die alle wissen, daß sie ohne Mittler mit ihrem Gott umgehen müssen, der ihnen in jeder Stunde'ihres aus Gebet und Geschäft gescheckten Lebens nahe ist, und die darum schwer in den einen allgemeinen Rhythmus des Gebetes zu zwiuoen sind, weil ja jeder allein ist mir Ihm - - jeder dieser Juden erkennt in dieser Stimme;feine frömmste Erschütte- ' rung, seine höchste EntAammuM, die beste Stunde seines Jahres wieder: diese Stimme spricht ihn selbst aanz gesammelt und ganz lauter aus, und darum' schweigen diese skeptischen, schnell unaufmerksamen Menschen, und sind ganz Hörende, solange dieser singende Beter für sie spricht ... Es tut dieser nackenden Schilderung Zweigs Leinen 'Abbruch, wenn der Verfasser sie mit der sarkastischen Bemerkung schließt: „Moraen aber aibt Her sch marin ein Konzert, und Kch werde nicht hingehen." Die Drusen und die Juden. Eine religiöse Legende der Drusen erklärt: das Verhälmis dieser sonderbaren Stammes- und Glaubensgemeinschaft zu den drei großen Konfessionen mit einem Vorfall aus der Lebensgeschichte eines Apostels ihrer Religion. Als sich die ersten Drusen vor dem Volkshaß und der Verfolgung aus Äegypten nach Syrien retteten, streckte sich einer der größten Lehrer der neuen Religion, hcckbwt vor Ermüdung und Hunger, mit brennend em'Durste, allein m der großm Einsamkeit, am Rande der Landstraße auf die Erdeum nicht wieder aufzustehen. Ein Handelsjudc, der vorbeikam, gab' dem armen sterbenden zu trinken und zu essen, half chm auf seinen Esel, führte ihn nach einem bewohnten Orte und rettete ihm so das Leben. Als der heilige Lehrer und Prophet, der das Licht seines Volkes geworden, seine Dankbarkeit wirksam! bezeugen wollte, segnete er feierlich alle Juden.: oder vielmehr, da die Juden zu verflucht

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